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Vor 20 Jahren ganz alleine, wie heute mit dem Thema umgehen?

 
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Silvia
Gast





BeitragVerfasst am: 24.04.2005, 15:42    Titel: Vor 20 Jahren ganz alleine, wie heute mit dem Thema umgehen? Antworten mit Zitat

Hallo!
Vor ca. 20 Jahren starb meine Mutter an Krebs, ich war damals 21 Jahre alt und bei uns wurde sehr wenig getrauert. Wir funktionierten alle irgendwie weiter und eigentlich interessierte es auch niemanden, denn im Bekanntenkreis war es nicht so oft der Fall wie heute. Also taten meine Schwester und ich auch so als ob eh alles ganz normal wäre.
Nun sind in unserem Bekanntenkreis mittlerweile mehrere Menschen mit der Diagnose Krebs betroffen und meine Schwester und ich wissen nun eigentlich nicht so recht wie wir uns den Bekannten gegenüber verhalten sollen????
Mitleide, zuhören ja wie denn , da kommt ja die eigene Geschichte wieder hoch und damals war Mitleid und zuhören ja auch kein Thema.
Wie soll ich etwas geben, was ich selbst so dringend gebraucht hätte, aber niemals erlebt habe??????
Was meint ihr dazu???
Über ehrliche Antworten würde ich mich freuen.
Liebe Grüsse Traurig
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hannah



Anmeldedatum: 21.02.2005
Beiträge: 128
Wohnort: Leipzig

BeitragVerfasst am: 24.04.2005, 20:15    Titel: Antworten mit Zitat

hallo silvia!
ich finds schwierig, dir einen rat zu geben - zumal ich erst 25 bin und mein dad 'erst' 2,5 jahre tot ist. ich weiß nicht, wie ich in 20 jahren darüber denken werde - aber ich erzähl dir einfach mal, was ich heute darüber denke.
ich habe mich nach dem tod meines vaters von den meisten verwandten, bekannten und freunden sehr im stich gelassen gefühlt. sie waren wohl alle sehr froh, dass mein bruder und ich die dinge ganz gut geregelt und uns um alles gekümmert haben. ich hatte ständig das gefühl, völlig überfordert zu sein, zum trauern blieb tagsüber keine zeit - und für alle außenstehenden sah es so aus, als hätte ich alles im griff. mittlerweile seh ich das ganze ein wenig gelassener. ich glaube, dass es für andere sehr, sehr schwer ist, sich in diese situation hineinzuversetzen und dass es mehr eine frage des nicht-könnens als des nicht-wollens ist. meine besten freunde haben wirklich allesamt versagt und haben mich beispielsweise niemals auf den tod meines dads angesprochen, obwohl sie wussten, wie sehr ich an ihm hing. ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass es kein desinteresse war, sondern dass sie hilflos waren und nicht wußten, was sie sagen oder tun sollten. sie hatten einfach keine erfahrung damit. vielleicht war es bei deinen bekannten ähnlich? und das scheinbare desinteresse war einfach hilflosigkeit?
für dich stellt sich jetzt die frage, ob du gleiches mit gleichem vergelten sollst... aus einem verpflichtungsgefühl heraus - weil es eben bekannte oder verwandte sind - würde ich mich nicht kümmern, trösten, zuhören. aber wenn man eine beziehung zu diesen menschen hat und man sie mag - dann würde ich all das tun, unabhängig davon, was vor 20 jahren geschehen ist. vielleicht könnte das auch für dich ein weg sein, den eigenen verlust und alles was damit zusammenhängt, aufzuarbeiten. und zu erzählen, was dir damals gefehlt hat. und möglicherweise wirst du auch antworten finden...

und: vielleicht gerade weil du weißt, was du damals so dringend gebraucht hättest, bist du in der lage, es anderen zu geben. du weißt am besten, was man in einer solchen situation braucht, was man hören will, was man erzählen will usw. du könntest es besser machen als die anderen bei dir...
die entscheidung, ob du das tun willst, kannst letztendlich nur du selbst treffen, denn DIR muss es damit gut gehen. und das ist das wichtigste.

pass gut auf dich auf, denn sowas kann vergangenes sehr schnell wieder aufleben lassen, besonders wenn man dinge nicht wirklich verarbeitet/verziehen hat.

ich wünsch dir alles liebe,
hannah
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