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Alle Jahre wieder - Weihnachten
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lillifee92



Anmeldedatum: 25.11.2014
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 25.11.2014, 20:40    Titel: Alle Jahre wieder - Weihnachten Antworten mit Zitat

Vielleicht geht es manchen von euch ähnlich wie mir. Sobald der erste Weihnachtsmarkt aufmacht, der Duft von Lebkuchen und Glühwein in der Luft liegt, schleicht sich ein beklemmendes Gefühl ein, ich nenne es jetzt mal den Weihnachts-Blues. Man steht inmitten von glücklichen, fröhlichen Menschen und gönnt ihnen eigentlich auch von Herzen ihre Unbeschwertheit; wenn da das kleine Wörtchen "eigentlich" nicht wäre. Denn manchmal entwickelt sich daraus auch ein gewisser Neid, so ist es zumindest bei mir.
Ich kann mich absolut nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal so richtig das Gefühl von Unbeschwertheit haben durfte, dabei dürfte man meinen, dass sich nach einer gewissen Zeit das Leben wieder normalisiert. Um euch nicht den Mut zu nehmen, das passiert auch wirklich, denn das Leben geht weiter, jemand bringt dich wieder zum Lachen, die Zeit vergeht wie im Flug. Und doch schafft es die besinnliche Adventszeit, mich auch nach 10 bzw. 8 Jahren wieder wie ein kleines, hilfloses Kind zu fühlen, das sich nichts Sehnlicheres wünscht als Papa dabei zu erwischen wie er die Geschenke unter den Baum legt und Mama beim Kekse backen zu helfen.
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Endlesssky



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Beiträge: 18

BeitragVerfasst am: 25.11.2014, 21:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Lillifee92,

du beschreibst das mit der Unbeschwertheit und dem gewissen Neid, obwohl man es anderen doch gönnt genau so, wie ich es empfinde. Die Unbeschwertheit war schlagartig weg, von jetzt auf gleich. Hinzugekommen ist dafür Reife und tiefgründigeres Denken. Ein hoher Preis, wie ich finde...

Ich habe nicht wie du beide Elternteile verloren, sondern "nur" meine Mutter. Vor bald 4 Monaten starb sie an Krebs. Für mich wird dieses Jahr das erste Weihnachten ohne sie. Ich habe ehrlich gesagt schon ein bisschen Angst davor und weiß ehrlich gesagt noch gar nicht, ob ich das Haus überhaupt voller Weihnachtsdekorationen haben möchte... Wie ist das bei dir?
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lillifee92



Anmeldedatum: 25.11.2014
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 26.11.2014, 10:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo EndlessSky,

ich weiß zwar wie ungern man diese Floskel hört, aber trotzdem mein aufrichtiges Beileid zu deinem Verlust.

Wenn ich mich zurück erinnere, an das erste Weihnachten ohne Eltern, dann fällt mir spontan das Wort komisch ein. Oma, Opa, Onkel, meine Schwester, keiner wusste so richtig, ob man jetzt Weihnachten eigentlich feiern darf, wenn es doch in dem Sinne nichts zu feiern gibt. Aber ich kann mich auch daran erinnern, dass es auf eine melancholische Art und Weise doch sehr tröstlich war, die Zeit mit den Menschen zusammen zu verbringen, die man liebt, auch wenn sich das Gefühl vielleicht erst im Januar so richtig einstellt.

Um deine Frage zu beantworten, ich glaube weder, dass du so tun solltest als wäre nichts gewesen, noch, dass du radikal Weihnachten ausfallen lassen solltest, sondern einfach das zu tun, wonach dir gerade ist. Und wenn du eine Woche vor Weihnachten merkst, dass dir die Dekoration auf die Nerven geht, dann hängst du sie eben wieder ab, der einzige, der dich dafür verurteilen wird, bist schlussendlich du selbst.

Ich glaube, dass es in der Situation wichtig ist auf seine Gefühle zu hören, mit dem Verstand kommt man da sowieso nicht so weit Smilie
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verweht



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BeitragVerfasst am: 27.11.2014, 02:03    Titel: Antworten mit Zitat

Weihnachten ist jedes Jahr so ein Thema. Das erste Weihnachten danach war wirklich komisch, auch bei mir.
Aber das Alte war ja nicht weit weg. Je weiter es sich entfernt, desto mehr ist es irgendwie beklemmend finde ich.
Meine Mutter war auch so eine elende Backtante. Die konnte eine Gemütlichkeit in die Stube zaubern, einfach nur schön. Wie ich das vermisse.
Und die hat immer gebastelt, so schöne Gestecke und Papiersterne. Die Weihnachtskiste habe ich nie wieder angerührt.
Daß dieses Gefühl der Unbeschwertheit weg ist, ist für mich das eigentlich Bedrückende.
Wenn ich an diese Gefühle von früher denke, kommt es mir manchmal vor, als wäre irgendwas von mir mit gestorben. Ich seh mir so alte Fotos an, und da ist ein von ganzem Herzen fröhlicher Mensch drauf, und das mal ich. Ich bin im Zeitraffer gealtert. Ich bin dann fassungslos.

"mit dem Verstand kommt man da sowieso nicht so weit"

Der Satz gefällt mir und heitert mich gerade irgendwie wieder ein bißchen auf. Mit dem Verstand (was auch immer das sein soll) kann ich das alles so wie so nicht begreifen oder verstehen.
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Endlesssky



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Beiträge: 18

BeitragVerfasst am: 29.11.2014, 11:03    Titel: Antworten mit Zitat

Da gebe ich dir vollkommen recht.
Ich werde es einfach auf mich zukommen lassen und abwarten, ob mir danach ist oder nicht.
Weil man Weihnachten immer mit Liebe und oft mit Familie, Zusammensein in Verbindung bringt, wird es sicher nicht einfach.
Ich hoffe, dass es für euch beide nicht allzu schwer wird und ihr Weihnachten trotz allem eventuell sogar eventuell etwas "genießen" könnt. Ich denke es ist schön seine restliche Familie um sich haben zu können, auch wenn es nie mehr so wird wie es mal war...

Lillifee92, darf ich fragen wir lange der Tod deiner Eltern her ist und wie es dazu kam?
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lillifee92



Anmeldedatum: 25.11.2014
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 29.11.2014, 13:47    Titel: Antworten mit Zitat

@verweht:
Ja, das Dekorationstalent hab ich leider nicht vererbt bekommen, aber mit dem Kekse backen klappt es schon ganz gut Smilie
Ich glaube auch, dass es tröstlich sein kann, die Zeit mit Menschen zu verbringen, die einem wichtig sind, das ist ja irgendwie auch der Sinn von Weihnachten.

@Endlessky
Mein Papa ist vor 10 Jahren gestorben, er hatte einen Unfall, bei dem er ertrunken ist. Meine Mama ist vor 8 Jahren an Krebs gestorben, war also alles ziemlich nah beieinander. Aber ich hatte zum Glück immer Menschen um mich, Familie und Freunde, die meiner Schwester und mir eine halbwegs "normal" Kindheit ermöglicht haben.
Wie war das denn bei dir?
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verweht



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Beiträge: 121
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BeitragVerfasst am: 30.11.2014, 01:11    Titel: Antworten mit Zitat

Ne, es ist wirklich nicht mehr, so wie es einmal war. Meine Mutter konnte eine Stimmung von Friedlichkeit verbreiten, das war herrlich. Sie hatte ein, zwar selbst vor der Krankheit etwas melancholisches Gemüt, sie hat jedoch nie irgendwelche Unruhe an sich gehabt. Ihr war die Stimmung immer wichtiger als alles andere.
Auf Sippenauflauf mit gegarter Weihnachtsneurotik reagier ich furchtbar empfindlich. Das ist was, was ich überhaupt nicht haben kann, sowas macht mir Stress hoch n.
Weihnachten war bei uns immer so abgrundtief gemütlich, zum die Zeit und die Welt vergessen.
Ich will das wenigstens noch einmal erleben, diese tiefe, friedliche Ruhe, mit Sternenhimmel (oder Regen, egal), auf einem Sofa, mit einer Decke, einer Schüssel Nüsse, Kerzenschein, wo nichts mehr zählt als das, und sich die Gedanken zerstreuen, bis jede Sekunde dieses Momentes so lange dauert wie ein Jahr. Ein Gesellschaftsspiel und aller Gram vergessen.
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Endlesssky



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Beiträge: 18

BeitragVerfasst am: 08.12.2014, 19:57    Titel: Antworten mit Zitat

Das tut mir leid...
Ich will mir gar nicht vorstellen wie hart es ist beide Elternteile zu verlieren. Deine kraft ist bewundernswert...
Es ist schön zu hören, dass du Familie hattest, die dir eine halbwegs "normale" Kindheit ermöglicht haben.
Und ich denke Geschwister sind in solch einer Situation auch sehr wichtig, da sie genau das gleiche durchmachen wie man selbst...
Hast du ein gutes Verhältnis zu deiner Schwester? Darf ich fragen, wie alt du bist?

Ich war 17 als sie gestorben ist. Ungefähr einen Monat nach ihrem Tod war mein 18. Geburtstag.
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herbsttulpe



Anmeldedatum: 09.12.2014
Beiträge: 10

BeitragVerfasst am: 09.12.2014, 20:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo zusammen

Ich bin neu hier und habe gesehen, dass das Forum zwar nicht wahnsinnig lebhaft ist, aber in dieser Ecke hier doch momentan ab und zu geschrieben wird...

Für mich und meine Familie wird dieses Jahr Weihnachten auch zum ersten Mal seit langem (eigentlich seit ich mich erinnern kann) anders. Jahrelang habe ich damit "gerechnet", dass sich dies mal ändern wird, wenn jemand von meinen Grosseltern (sie sind alle weit über 90 jetzt) nicht mehr da ist. Nun fehlt aber meine Mutter - der Mittelpunkt der Familie. Sie ist vor 2.5 Wochen gestorben. Es ist also noch alles ganz frisch...

Wahrscheinlich werden wir wenigstens eine der beiden Feiern (haben immer 24./25.12. gefeiert) mehr oder weniger so machen, wie wir sie bis anhin gewohnt waren. Aber merkwürdig wird es allemal. Ich hoffe einfach, dass nicht alle total niedergeschlagen sind und ständig darüber sprechen, wie schlimm und traurig doch nun alles ist...ich wünsche mir einfach gute Gespräche, gemütliches Beisammen sein, ab und zu darf man auch mal lachen, natürlich dürfen auch Erinnerungen und Wehmütigkeit hochkommen.

Mal schauen. Irgendwie geht es vorbei. Wie jeder andere Tag auch.
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verweht



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Beiträge: 121
Wohnort: germany

BeitragVerfasst am: 09.12.2014, 23:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo herbsttulpe.

Wahnsinnig lebhaft ist das Forum wirklich nicht (mehr). Irgendwie verlieren die Menschen wohl allmählich ihre Sprache, sie werden stumm.
Gute Gespräche und Beisammensein…, danach verzehre ich mich seit Jahren. Das ist ja ein wesentlicher Grund, warum es in mir nicht besser wird. Ich habe einfach was permanent zu vermissen, - gute Gespräche, gemütliche Abende. Weihnachten zwischen Kerzenschein, Gelassenheit und Musik.
Es ist halt ein Unterscheid, ob ich mich über dämliche Alltagsprobleme unterhalten muß, oder ob ich zu Beethovens siebter Sinfonie einfach nur entspanne und jeder für sich was liest oder sonstwie beschäftigt.
Der Tod meiner Mutter, das war ein furchtbares Erlebnis, ABER: Es war ja nicht, - Tod , - und dann weiter im bekannten Leben. Da hätte ich auch den Tod als natürliche Tatsache irgendwie "akzeptieren" können.
Auf einmal mußte ich merken, daß der "Rest der Welt" wohl überhaupt keine weiterreichende Veranlagung für einfach friedliche Momente hat.
Das, was ich für selbstverständlich hielt, entpuppte sich als große Ausnahme.
Diese Hektik, dieses Gärende ewig, das gab es bei uns nicht, dieses elendiglich Aufgesetzte.
Ich hab damals gedacht, ich müsste unter Leute, um mich nicht verkapseln. Ich war ein recht aufgeschlossener, bisweilen etwas naiv gestrickter Mensch, der doch allerernstens immer dachte: "woanders ist es auch gut". - Falsch gedacht hatte ich.
Wenn schon nur das schon losgeht, wann, wer, im Jahre so und so, unter dem Einfluß von XY nur deshalb den Braten hat anbrennen lassen, weil Tante Hedwig schon immer so war und Onkel Theodor auch immer schon, und Oma so wie so, das war ja, und damals und der Heinz, der sowie so nicht zu Hedwig passte….
Von sowas bekomme ich Migräne. Weihnachten wurde bei uns zumindest nicht zur Klagemauer und zum Kassensturz für weggelogene Konflikte umfunktioniert. Kein Weltschmerz, kein Leiden Christi, und keine Abrechnungen.
Es war bei uns diese friedliche Zeit, in der alles war wie auf einem Gemälde von Caspar David Friedrich, gehalten in Schönen Farben und einer Stimmung, die ich nie wieder gefunden habe.
Ne Tasse Tee, eine Schallplatte rausnehmen, auflegen, einmal mit dem Staubpinsel drüber, Kerzen anzünden, Deko rausholen, den originellen Baum (unserer war immer charmant von eigener Schönheit) schmücken, Krippe aufbauen. Und es zählte nur dieser Moment. Es mußte nicht perfekt sein, das war nie Thema. Der Wachsfleck auf den Teppich führe zu keinen hysterischen Anfällen über die bevorstehende Reinigung, - er war schlicht egal.
Jetzt ist der erste Schnee gefallen, ich bin das erste Jahr seit Jahren mal wieder gelassen durch die Weihnachtsausstellung gelaufen. Ich lerne langsam damit um zu gehen, daß es unwiederbringlich ist.
Ich komm mir reichlich verloren vor, zwischen diesen chinesischen Ramschprodukten und den depressiv dreinschauenden Leuten, mit diesen spärlichen Weihnachtsdekorationen, Marke gestanzt und für jeden Laden gleich.
Ich habe seit Jahren keinen handgeschriebenen Brief mehr bekommen, oder mal eine selbst gebastelte Weihnachtskarte.
Diesen lieblos gekauften Kram kann sich doch keiner mehr ansehen. Und mal schnell auf Gesichtbuch was getippt ist halt auch die Krönung in puncto Lieblosigkeit.

Ich komm mir oft vor, wie ein Besucher einer Ausstellung, nicht mehr wie einer, der teilnimmt. Die Welt zieht an mir vorbei, das ist auch manchmal gar nicht so schlecht.
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herbsttulpe



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BeitragVerfasst am: 12.12.2014, 20:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo verweht

verweht hat Folgendes geschrieben:
Die Welt zieht an mir vorbei, das ist auch manchmal gar nicht so schlecht.


Genau so fühle ich mich auch häufig...die Welt, das Leben, alles zieht an mir vorbei und ich bin einfach da. Ich atme zwar, ich funktioniere, ich arbeite, ja manchmal lache ich sogar...aber irgendwie habe ich nicht das Gefühl, dass ich "richtig lebe". Aber nunja, ich versuche mich nicht allzu sehr dadurch irritieren zu lassen.

Ja Weihnachten. Jeder hatte bei uns irgend eine Aufgabe, jeder hat mitgeholfen, damit der Abend schön wird. Bei uns ist zuweilen zwischendurch schon mal etwas "Stress" aufgekommen, jeder (bis auf meine Mutter natürlich, die war immer super organisiert) musste noch in letzter Minute ein Geschenk kaufen/basteln oder zumindest einpacken. Aber es war nie so, dass wir deswegen irgendwie richtig gereizt gewesen wären oder so. Es gehörte halt dazu... Einer meiner beiden Brüder und ich waren allerdings schon seit einiger Zeit der Meinung, dass wir auf Geschenke verzichten könnten bzw. nur noch etwas schenken, wenn man weiss, dass der andere etwas grad gut gebrauchen könnte. Aber dieses "jeder muss von jedem etwas kriegen" war manchmal schon etwas gar stressig. Schlussendlich hat sich aber doch jeder schöne Gedanken gemacht, was man schenken könnte (wenn eben nicht explizit Wünsche ausgesprochen wurden) und eigentlich haben sich immer alle über die Dinge , die unter dem Weihnachtsbaum lagen (waren auch nicht unbedingt gross/teuer), gefreut.

Dieses Jahr werde ich aber vermutlich "nur" selbstgemachte Pralinen verschenken (wie jedes Jahr, aber meist kam noch was dazu) und mein 7monatiges Patenkind kriegt auch etwas.

Aber um deine vermissten friedlichen Momente aufzunehmen: DIE gehören unbestritten zu den besten Geschenken, die man einander machen kann.
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verweht



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BeitragVerfasst am: 13.12.2014, 01:18    Titel: Antworten mit Zitat

Sei froh, daß Du noch so viele um Dich hast. Die Verwandten, die ich nominell habe, haben sich seit über 10 Jahren nicht mehr gemeldet. Ich habe die ganze Begleitung alleine gemacht und noch so einige Probleme im Alleingang bewältigt. Die waren schon während ihrer Erkrankung alle Meister der Abwesenheit.
Da meine Mutter immer recht gut über Jahr sich merkte, was ich mir "wünschte", oder brauchte, lag sie nie daneben. Jetzt wo ich das schreibe… - ich habe seit Jahren nichts mehr zu Weihnachten geschenkt bekommen. Doch mal eine schöne selbstgebastelte Karte, die habe ich auch noch irgendwo.
Ich habe hier alte Fotos von Weihnachten. Das ist alles so weit weg. Ich hab schon so Pseudodemenz. Wo vor 15 Jahren was lag, oder wo was war, das weiß ich noch genau, aber heute. Die Weihnachtskiste ist noch originalverpackt, seit dem letzten Weihnachten, was die Krankheit zuließ.
Was habe ich immer für schöne (Noten) Bücher geschenkt bekommen.

Aber das Schönste, das war die Stimmung nach dem Essen und der Bescherung, Kerzen an, dasitzen und sich freuen. Oder an Heilig Abend in der Kirche im Chor ein Oratorium singen. Der Kopf voll mit Tönen, die Noten unterm Arm und dann durch die Nacht nach Hause. … "und seiner Hände Werk zeigt an das Firmament"…. (Ist nicht aus einem Oratorium, glaub ich, aus einer Messe oder Kantate oder so, weiß ich jetzt grad nicht).
Ja, und das erste Weihnachten nach ihrem Tod war unvergesslich, als mir ein paar Tage davor jemand von hinten meinte mein Auto formatieren zu müssen, und am zweiten Weihnachtsfeiertag mir einer mit über 60 ungebremst DAS Schleudertrauma meines Lebens (hoffentlich auch das letzte) verpaßte und den Ersatzwagen ebenfalls von hinten bearbeitete.
Ich weiß nicht mehr, wann das war, aber nach ihrem Tod. Da war im Münster ein Gastchor aus Sachsen, und da bin ich für einen Kollektebetrag reingekommen, war auch wunderschön.
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lillifee92



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BeitragVerfasst am: 14.12.2014, 16:16    Titel: Antworten mit Zitat

verweht hat Folgendes geschrieben:
Ne, es ist wirklich nicht mehr, so wie es einmal war. Meine Mutter konnte eine Stimmung von Friedlichkeit verbreiten, das war herrlich. Sie hatte ein, zwar selbst vor der Krankheit etwas melancholisches Gemüt, sie hat jedoch nie irgendwelche Unruhe an sich gehabt. Ihr war die Stimmung immer wichtiger als alles andere.
Auf Sippenauflauf mit gegarter Weihnachtsneurotik reagier ich furchtbar empfindlich. Das ist was, was ich überhaupt nicht haben kann, sowas macht mir Stress hoch n.
Weihnachten war bei uns immer so abgrundtief gemütlich, zum die Zeit und die Welt vergessen.
Ich will das wenigstens noch einmal erleben, diese tiefe, friedliche Ruhe, mit Sternenhimmel (oder Regen, egal), auf einem Sofa, mit einer Decke, einer Schüssel Nüsse, Kerzenschein, wo nichts mehr zählt als das, und sich die Gedanken zerstreuen, bis jede Sekunde dieses Momentes so lange dauert wie ein Jahr. Ein Gesellschaftsspiel und aller Gram vergessen.


Ja, ich weiß, was du damit meinst. Ich kann mit riesen Familienfesten auch nichts anfangen. Aber dann versuch doch einfach dir selbst ein nettes Weihnachtsfest zu gestalten, vielleicht einfach nur mit ausgewähltem "Publikum".
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lillifee92



Anmeldedatum: 25.11.2014
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BeitragVerfasst am: 14.12.2014, 16:21    Titel: Antworten mit Zitat

Endlesssky hat Folgendes geschrieben:
Das tut mir leid...
Ich will mir gar nicht vorstellen wie hart es ist beide Elternteile zu verlieren. Deine kraft ist bewundernswert...
Es ist schön zu hören, dass du Familie hattest, die dir eine halbwegs "normale" Kindheit ermöglicht haben.
Und ich denke Geschwister sind in solch einer Situation auch sehr wichtig, da sie genau das gleiche durchmachen wie man selbst...
Hast du ein gutes Verhältnis zu deiner Schwester? Darf ich fragen, wie alt du bist?

Ich war 17 als sie gestorben ist. Ungefähr einen Monat nach ihrem Tod war mein 18. Geburtstag.


Tut mir leid wegen der späten Antwort, die Uni frisst zurzeit ziemlich Zeit bei mir Winken
Also generell finde ich schon, dass meine Schwester und ich ein gutes Verhältnis haben, allerdings habe ich schon etwas die Mutterrolle übernommen, was es manchmal nicht so leicht macht. Ich bin 22 und meine Schwester ist jetzt 18.
Das mit dem Geburtstag kenne ich nur allzu gut. Mein Papa ist 3 Wochen vor meinem 12. Geburtstag gestorben, meine Mutter 2 Wochen nach meinem 14. Geburtstag. Manchmal fragt man sich da schon, ob man irgendwie was falsch gemacht hat im Leben, dass einem das passiert.
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Daniel88



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BeitragVerfasst am: 22.12.2014, 02:48    Titel: Re: Alle Jahre wieder - Weihnachten Antworten mit Zitat

lillifee92 hat Folgendes geschrieben:
Vielleicht geht es manchen von euch ähnlich wie mir. Sobald der erste Weihnachtsmarkt aufmacht, der Duft von Lebkuchen und Glühwein in der Luft liegt, schleicht sich ein beklemmendes Gefühl ein, ich nenne es jetzt mal den Weihnachts-Blues. Man steht inmitten von glücklichen, fröhlichen Menschen und gönnt ihnen eigentlich auch von Herzen ihre Unbeschwertheit; wenn da das kleine Wörtchen "eigentlich" nicht wäre. Denn manchmal entwickelt sich daraus auch ein gewisser Neid, so ist es zumindest bei mir.
Ich kann mich absolut nicht mehr erinnern, wann ich das letzte Mal so richtig das Gefühl von Unbeschwertheit haben durfte, dabei dürfte man meinen, dass sich nach einer gewissen Zeit das Leben wieder normalisiert. Um euch nicht den Mut zu nehmen, das passiert auch wirklich, denn das Leben geht weiter, jemand bringt dich wieder zum Lachen, die Zeit vergeht wie im Flug. Und doch schafft es die besinnliche Adventszeit, mich auch nach 10 bzw. 8 Jahren wieder wie ein kleines, hilfloses Kind zu fühlen, das sich nichts Sehnlicheres wünscht als Papa dabei zu erwischen wie er die Geschenke unter den Baum legt und Mama beim Kekse backen zu helfen.
Unbeschwertes Leben gibts vielleicht in ner Anderen Form aber sowie ich und du es kenne nicht mehr. Bin selber dieses Jahr auch innerhalb 9Mon Vollwaise geworden,jedoch bin ich froh das ich jetzt schon 26 bin. Naja ich würde net so weit gehen normalisiert man lernt damit umzugehen aber normal ne normal ist das nicht Gruß Daniel
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