Elternlos-Forum
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Und jetzt ist sie fort, meine geliebte Mama...
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Endlesssky



Anmeldedatum: 10.09.2014
Beiträge: 18

BeitragVerfasst am: 10.09.2014, 22:20    Titel: Und jetzt ist sie fort, meine geliebte Mama... Antworten mit Zitat

Hallo an alle ,

bisher war ich nur stille Mitleserin, jetzt möchte auch ich meinen Beitrag verfassen. Ich bin 17, bald 18 Jahre alt und habe vor einem Monat meine Mutter an Krebs verloren. Mit der Krebsdiagnose lebte sie noch ungefähr 3 Jahre. Dann ging auf einmal, von jetzt auf gleich, alles bergab. Jeden Tag wurde es schlimmer. Wir pflegten sie zu Hause, sie starb in meinem Zimmer. Meine Eltern sind allerdings schon seit ich 9 Jahre alt bin getrennt, ich wohne jetzt wieder bei meinem Vater. Jahre vor Mamas Tod hatte ich immer wahnsinnge Angst vor dem Satz "Sie ist jetzt tot." und ich wusste nicht, wie ich das überhaupt verkraften soll. Ich hab mich so hilflos gefühlt. Ich steckte voller Angst. Ich dachte ich würde das nicht verkraften. Als es dann soweit war, konnte ich kaum weinen und es nicht wirklich fassen. Ich glaube meine Angst vor einem Zusammenbruch hat meine Gefühlswelt blockiert. Als ich es kurz zugelassen habe, habe ich nämlich direkt hyperventilliert. Es war als würde ich in einer Seifenblase leben, in der ich alles beobachten kann, allerdings alles nur gedämpft spüre. Jetzt, nach einem Monat fange ich an sie immer mehr zu vermissen... Ich weiß, sie ist tot (kann es allerdings nicht begreifen), aber trotzdem finde ich für das alles immer noch keine Worte und kann nicht mal mehr beschreiben, wie ich mich fühle. Das einzige was ich sagen kann ist, dass ich sehr kalt geworden bin und nichts mehr wirklich in meine Gefühlswelt kommt. Einige Tage nach Mamas Tod bin ich aufgeblüht und dachte mir "Ich mach für Mama das Beste draus.", doch jetzt ist alles anders. Ich fühle mich allein und ungeliebt, als wäre meine Familie mit ihr gestorben. Obwohl ich viele Menschen um mich habe, die mir immer zuhören und mir helfen wollen. Ich funktioniere nur noch. Ich fühle mich wegen Kleinigkeiten im Stich gelassen und denke mir "Alleine bist du am besten dran...", ich reagiere oft über und fühle mich von meiner Außenwelt sehr unverstanden. Ich ziehe mich von allen zurück außer der Familie. Ich kenne niemanden, der nur annähernd ähnliches durchmachen musste. Ich würde mich freuen, wenn ich hier Menschen in meiner Altersklasse kennenlernen würde, die ähnliches erlebt haben, denn ich würde mich gerne mit ihnen austauschen und mich vielleicht etwas verstanden fühlen... Wie seid ihr mit alldem umgegangen, wie habt ihr das verkraftet? Habt ihr euch verstanden gefühlt? Was hat euch geholfen/was tat euch nicht gut? Konntet ihr euren Alltag normal weiterführen ohne eine lange Pause einzulegen? Was glaubt ihr, wo euer Elternteil nun ist? Ich hoffe das sind nicht zu viele Fragen. Ich würde mich sehr über Antwort (privat oder auch öffentlich) freuen.

Ganz liebe Grüße
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Timboh



Anmeldedatum: 26.02.2014
Beiträge: 15

BeitragVerfasst am: 14.09.2014, 10:15    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann mir genau vorstellen wie du dich fühlst . Keiner versteht einen richtig . Du kommst dir so alleine vor obwohl du es nicht bist . Ich bin 20 und Vollweise deshalb kann ich dich gut verstehen . Was mir geholfen hat war viel zeit mit Freunden zu verbringen und viel Sport . Trotzdem hab ich immer noch Angst , denn ich weis nicht ob ich mein weiters leben ohne meinen Eltern schaffe zb Studium . Auch vor weihnachten habe ich richtige Angst . Denn bei mir ist es auch noch nicht lange her . Ich habe meinen Vater dieses Jahr verloren und ich hatte auch eine starke Bindung zu ihm wie du zu deiner Mama . Wenn du möchtest können wir uns gerne austauschen . Auch anderen biete ich das an. Denn ich habe das selbe Problem das keiner mich genau verstehen kann . Facebook : Tim Nies
_________________
Ich weis nicht was ich schreiben soll ...
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Ayu



Anmeldedatum: 20.08.2014
Beiträge: 3
Wohnort: Hier und da

BeitragVerfasst am: 14.09.2014, 11:41    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ihr beiden Smilie
Ich kenne das auch sehr gut, bin übrigens auch 20. Meine Ma starb vor vier Monaten an Krebs und seitdem nehme ich vieles ganz anders wahr. Irgendwie hat sich meine ganze Gefühlslwelt verändert. Ich bin furchtbar empfindlich geworden und nehme ganz viel und schnell persönlich.
Verkraftet habe ich das alles noch lange nicht. Das wird auch noch eine Weile dauern und die Zeit nehme ich mir einfach.
Das mit dem Verständnis ist so eine Sache. Irgendwie kann ich mich nicht von jemandem verstanden fühlen, der nicht ähnliches erlebt hat. Z.b. bei Freunden ist es so, dass sie mich wirklich gut unterstützen, mir zuhören und für mich da sind, wenn ich es brauche. Aber ich kann nicht von jemandem erwarten mich zu verstehen, der sowas noch nicht erlebt hat. Vor allem, weil ich mich selbst häufig nicht verstehe Winken
Helfen tun mir ganz unterschiedliche Dinge. Manchmal brauche ich Ablenkung, an anderen Tagen suche ich die bewusste Konfrontation. Ich zeichne sehr gerne, singe, sortiere alte Fotos, bin auf irgendeine Art und Weise kreativ oder gehe raus und laufe ohne Ziel durch die Gegend. Manchmal, ehrlich gesagt eher selten, spreche ich mit irgendjemandem darüber wie es mir geht.
Da ich aufgrund der schwere der Krankheit meiner Ma etwas anderes abgebrochen habe und wieder nach Hause kam, musste ich in meinem Alltag keine Pause einlegen, es war sowieso alles durcheinander und unkoordiniert. Nach ihrem Tod habe ich aber sofort angefangen mir einen neuen Job zu suchen, da mir die viele freie Zeit nicht gut tat.
Die letzten Monate habe ich jetzt einfach gearbeitet und im Oktober geht's mit einer Ausbildung los Smilie
Dieses zurück ziehen kenne ich auch nur zu gut. Es gab bei mir tatsächlich schon Tage, an denen ich nicht aus dem Haus gekommen bin. Dann geht es mir einfach so schlecht und ich habe überhaupt keine Lust auf Menschen. Klingt vielleicht blöd, ist aber so. Und gerade in solchen Situationen wäre es perfekt, wenn dann und wann mal jemand nachfragt, wie es einem geht und Interesse zeigt. Doch irgendwie tut das dann niemand und plötzlich ist die Einsamkeit so bestimmend.
Auch im Alltag gibt es immer wieder Momente, in denen ich mich zurück ziehe, nicht mehr viel spreche und anderen menschen, ihren Gesprächen und Ideen gar nicht mehr folgen kann.

Ich freue mich wenn wir uns hier noch etwas austauschen können Smilie
Liebe Grüße
_________________
Ek's lief vir jou :*
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Endlesssky



Anmeldedatum: 10.09.2014
Beiträge: 18

BeitragVerfasst am: 14.09.2014, 13:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo ihr beiden Smilie

es freut mich, dass ihr mir geschrieben habt. Ich dachte schon mir schreibt keiner mehr, was ich wirklich schade gefunden hätte.

Timboh, ich weiß gar nicht, was ich sagen soll... Ich meine als Halbwaise ist es schon verdammt schwer. Wenn man beide Elternteile verliert, wie schlimm muss das wohl sein... Darf ich fragen woran dein Vater gestorben ist? Und wie lange ist es bereits her, dass du deine Mutter verloren hast? Hast du Geschwister, mit denen du vielleicht darüber sprechen kannst? An Weihnachten will und darf ich auch noch gar nicht denken. Auch an Silvester nicht. Ich glaube die nächste Zeit wird sehr hart... Es ist schön, dass du etwas gefunden hast, was dir etwas Ablenkung bietet. Ich denke es ist gut, dass du viel mit Freunden und Sport machst. Ich bin momentan leider total antriebslos... Wenn ich von der Schule komme, leg ich mich meist direkt schlafen und schaffe einfach nichts anderes mehr. Meine Batterie ist leer. Ging dir das die erste Zeit auch so? Ich kann nachvollziehen, dass du dich von allen in deinem Umkreis unverstanden fühlst. Ich denke das geht den meisten so, die sowas durchmachen mussten wie wir. Freunde können einem beistehen, für einen da sein, aber sie können es nicht nachempfinden. Und um sich verstanden zu fühlen, braucht man einfach jemanden, der ähnliches erlebt hat... Ich bin momentan auch an einem Punkt an dem ich nicht mehr weiß, wie ich mein Leben überhaupt weiterführen kann. Ich würde mich freuen, wenn wir uns austauschen würden.

Ayu, ich sehe echt viele Parallelen in unseren Interessen und auch in unserem Verhalten. Auch ich nehme momentan vieles schnell persönlich und meine ganze Gefühlswelt verändert sich. An manchen Tagen bin ich mehr die Alte, an anderen bin ich total angreifbar und kapsel mich von allen ab, stoße alle von mir weg. Auch ich singe und zeichne sehr gerne, hab eine "kreative Ader"... Ich glaube es ist wichtig, dass jeder ein Ventil findet, um alles rauszulassen. Darf ich fragen, ob deine Mutter zu Hause gestorben ist? Wie hast du das alles mit dem Krebs wahrgenommen? Dass du teilweise Gesprächen gar nicht mehr folgen kannst, kann ich nur zu gut verstehen. Ich gehe ja noch zur Schule und es ist manchmal wirklich schwer, mich mit irgendwelchen Themen, die für mich total irrelevant sind zu beschäftigen. Ich denke ständig an meine Mama... Wurde von einer Lehrerin letztens darauf angesprochen, dass ich total geistesabwesend wirken würde. Das alles ist nicht einfach...
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Timboh



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Beiträge: 15

BeitragVerfasst am: 14.09.2014, 15:23    Titel: Antworten mit Zitat

Also um ehrlich zu sein euere Empfindungen die ihr wahr nimmt hatte und habe ich auch . Mir geht es genauso mal bin ich der alte manchmal aber auch jemand völlig anderes. Ich nehme auch vieles sehr schnell persönlich auch das kenne ich nur zu gut . Meine Mutter starb als ich 17 jahre alt war . Sie hatte Ms ( multiples Sklerose ) . Eine schlimme Krankheit weshalb ich eigentlich schon immer leiden musste in meinen Leben -.- Mein Vater hat das ganze schwer zu schaffen gemacht . In der Zeit hatten mir freunde geholfen und vor allem mein Vater. Er war der Stützpfeiler in meinen Leben . Mein bester Freund . Einfach alles ! Und dann am 15.2.14 ( Der schlimmste Tag meines Lebens) starb mein Vater an einem Herzinfarkt.


Da ich viele Gemeinsamkeiten feststelle würde ich mich über weiteren Austausch freuen . Gruß tim
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Endlesssky



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Beiträge: 18

BeitragVerfasst am: 14.09.2014, 18:18    Titel: Antworten mit Zitat

Ouhman... Wie hart kann das Leben eigentlich zuschlagen? Ich denke manchmal, dass das Leben mich hasst. Es kann doch nicht sein, dass alle meine Freundinnen ein Bilderbuchleben haben und ich hingegen schon so viel scheisse in meinem jungen Alter durchleben musste... Ich weiß langsam nicht mehr weiter. Inzwischen denk ich mir schon, dass ich gar nicht mehr dagegen ankämpfen sollte und einfach alles auf mich einprasseln lassen sollte. Meine Eltern sind ja schon seit langem getrennt. Ich hab die letzten 3 Jahre bei Mama gelebt. Zu der Zeit haben wir (Bruder und ich) Papa schon öfter mal gesehen, aber wir haben halt nicht bei ihm gelebt. Jetzt leben wir wieder bei ihm und naja... Er hat seit 1 Jahr eine neue Freundin. Sie ist ganz in Ordnung. Aber Papa ist jetzt jedes Wochenende bei ihr und irgendwie fühlt sich das alles nicht mehr an wie eine Familie. Ständig telefoniert er mit ihr, schreibt Mails, oder fährt halt zu ihr rüber. Wir (mein Bruder, mein Vater und ich) machen nur noch Pflichtbewältigung zusammen. Ich weiß nicht, ob es so bleiben wird. Aber momentan fühlt es sich so an. Er sagt auch "Ich will meine Beziehung nicht aufgeben."... Verlange ich ja auch gar nicht von ihm, aber man muss es doch mal durchhalten können, seinen Partner mal ne Woche oder etwas länger nicht zu sehen, oder sehe ich das falsch?! Er will zwar auch mit mir reden und fragt mich oft, was los ist. Aber so wirklich versteht oder will er mich einfach nicht verstehen... Man wird einfach von jedem enttäuscht. Hm.

Dass du deine Mutter so sehen musstest, tut mir sehr leid... Du hast recht, dadurch musstest du schon von früh auf sehen, was es heißt, zu leiden. Das war sicher ein schwerer Weg. Und als wäre das nicht schon Strafe genug, so viele Menschen verloren zu haben, musste noch dein "Fels in der Brankdung" gehen. Unbegreiflich. Wie schaffst du dein Leben bisher? Glaubst du an ein Leben nach dem Tod?
Dass man sich nach so einem Ereignis stark verändert, ist glaube ich vorprogrammiert... Ich bewundere deine Stärke! Klar, dir geht es schlecht und du denkst, du kommst damit nicht klar. Doch irgendwie hast du diesen steinigen Weg bis jetzt geschafft. Und darauf kannst du wirklich stolz sein.
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Timboh



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BeitragVerfasst am: 14.09.2014, 18:27    Titel: Antworten mit Zitat

Ich schlendere momentan eher durch die Gegend. Hab zwar ne Struktur aber hilft trotzdem nicht so richtig. Ist alles sehr komisch. Du hast zwar noch einen Vater aber wirklich richtig da sein für dich tut er auch nicht. Was ich schlimm finde ist ich weis nicht wenn ich lieben soll bzw liebe schenken kann denn da ist niemand mehr . Das macht mich sauer -.-
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verweht



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BeitragVerfasst am: 17.09.2014, 19:18    Titel: Antworten mit Zitat

Bei mir ist es nun 8 Jahre her. Aber diese Bilder aus den Krankenhäusern, die aus der Sterbebegleitung sind ein gelegentlicher Stammgast. Damit, als Angehöriger entscheiden zu müssen, ob intubiert wird oder nicht, komm ich bis heute nicht wirklich klar.
Ich kämpfe heute weniger mit dieser Schockwelle danach, als mit den Folgen und Folgefolgen. Es kommt mir manchmal vor, wie eine never ending story, wo der Tod in der Anfangsszene vorkommt und sich alles andere hieraus ergibt.
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Mariel



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BeitragVerfasst am: 19.09.2014, 09:58    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe(r) Endlessky, Timboh, Ayu, verweht…
ich habe eure Beiträge mit Interesse und Mitgefühl gelesen. Es ist wirklich viel und hart, was ihr in eurem jungen Alter bereits durchlebt habt und ich wünschte mir, ich hätte tröstende, warme und liebevolle Worte für euch … Fühlt euch ganz fest und kraftvoll von mir umarmt: denn das möchte ich euch gerne, unbekannterweise, geben: Kraft und Zuversicht!!!
Ich schreibe euch heute, weil ich eine Frage habe, die ihr mir vielleicht beantworten könnt.
Ich bin im Vorstand von Young Supporters, einem Verein, der sich um junge Menschen, die mit einem schwerkranken/sterbenden Angehörigen leben, kümmert. Und natürlich auch um die Trauernden, die Zurückgelassenen.
Wir sind für Menschen da wie du, Timboh, die jahrelang mit einem schwerkranken Angehörigen zusammenleben und im Gespräch und im Austausch mit anderen Betroffenen all das Bedrückende im Alltag mal von der Seele reden wollen. Und wir sind für Menschen da, wie ihr Endlessky, Ayu, verweht, die einen geliebten Menschen verloren haben und über ihre Trauer und die Bewältigung des Alltags sprechen wollen oder einfach malen, singen, schreiben wollen, was sie bewegt…
Nun schreibt ihr immer wieder, dass Weihnachten und Silvester ein großes, emotionales Problem für euch ist. Klar, gerade in dieser Zeit ist das Herz besonders offen und die Erinnerungen sind stark… Würde es euch unterstützen, wenn ihr in dieser Zeit mit anderen Betroffenen für ein paar Tage zu einer Freizeit zusammenkommt? Hier darf im geschützten Rahmen auch mal geweint werden und ihr dürft natürlich nach Herzenslust über eure Lieben sprechen. Auf so einer Freizeit darf aber auch aus vollem Herzen gelacht, gespielt und getanzt werden. Young Supporters überlegt, ob wir vom 26. - 29. 12. 14 eine Reise anbieten für Jugendliche und junge Erwachsene, wir sind aber noch unsicher, ob so etwas überhaupt angenommen wird...
Daher freuen wir uns über eure Einschätzung, gern auch über pn.
Es grüßt euch herzlich
MarielPauls-Reize,
Vorstand Young Supporters
www.young-supporters.com Smilie
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Timboh



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BeitragVerfasst am: 20.09.2014, 13:06    Titel: Antworten mit Zitat

Das hört sich doch sehr gut an !! Ich hätte Interesse . Ich glaube das es nicht schaden kann mit Leuten Face to Face über solchen Themen zu reden und vielleicht noch ein bisschen Spaß zu haben . LG tim
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verweht



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BeitragVerfasst am: 21.09.2014, 21:18    Titel: Antworten mit Zitat

Ablenkung ist die beste Medizin. Funktioniert nicht immer, aber manchmal. Und wenn sich neue Ereignisse, die positiv belegt sind über das Erlebnis schreiben, trägt das besser über den Berg.

Ich hätte es damals sehr schön gefunden, wenn mich Leute nicht aus Mitleid und Moralgedöns und Pflichtgefühl eingeladen hätten. In keiner Situation merkt man Ehrlichkeit und Schauspiel so wie eben danach… . Schön wäre es gewesen, wenn einer einfach nur mal gesagt hätte: Komm heute Abend einfach zu uns. Und keine Sprüche, wie: "Das Leben geht weiter" oder diese abgedroschene Floskel :"Herzliches Beileid".
Einfach einen Tee auf den Tisch, ein Gesellschaftsspiel, oder ein Spaziergang oder so was Banales, was einen über Wasser hält.
Endlesssky: Daß die Gefühlswelt blockiert ist, ist normal. Es wird in aller Regel auch nicht wieder wie vorher. Das wäre psychisch abnorm, wenn es keine gravierende Veränderung gäbe, die bleibt.
Was ich Dir wünsche, ist, daß Deine Umwelt den Schwachpunkt nicht nutzt um sich selber auf zu bauen, so Helferrolle spielen.

Über Gefühle ehrliche reden, auch das Gegenüber, Partner, Freunde usw.. Überforderung, Vereinsamung. Wenn das alle Beteiligten so halten, dann frisst sich nichts rein.
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Endlesssky



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BeitragVerfasst am: 29.09.2014, 16:45    Titel: Antworten mit Zitat

Es tut mir leid, dass ich erst jetzt antworte. Ich habs früher nicht geschafft, da ich momentan echt viel um die Ohren habe...

Verweht, darf ich fragen wie alt du warst als du deine Mutter verloren hast? Du hast recht. Ablenkung ist momentan gar nicht mal so schlecht. Es ist das einzige, woraus man etwas Kraft ziehen kann. Du hast geschrieben, dass es bei dir schon 8 Jahre her ist... Fühlt es sich noch heute an wie am Anfang?
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verweht



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BeitragVerfasst am: 30.09.2014, 04:13    Titel: Antworten mit Zitat

Ich war 25.

Und "fühlt es sich noch so an wie am Anfang ?": Nein, bei mir ist aber eine grundgedämpfte Stimmung geblieben. Am Anfang ist die ganze Situation neu, und Du mußt Dich in ihr einrichten. Irgendwann hast Du Dich eingerichtet, und man merkt, wie das Ereignis diese seelische Wohnungseinrichtung geprägt hat.

Was ich erschreckend finde, ist, daß mir die Momente von früher dieses Lebensgefühl heute wie eine Utopie erscheinen.

Weihnachen und Geburtstage ziehen an mir immer noch vorbei. Früher waren die Weihnachtsartikel, wenn sie in den Läden lagen schon Anlass für so ein sich ausbreitendes wohliges Gefühl und eine Vorfreude.
Heute ist es für mich nichts-sagend. Dieses Gefühl wird nicht wieder kommen, das ist eine Tatsache.

Das ist auch das Problem, wenn man die Eltern zu früh verliert: Der Partner, der oder die Eheliebste wachsen ja normal mit in diese Erlebniswelt mit rein, wie ein Zug, der sanft über eine Weiche fährt. Sterben die Eltern dann irgendwann, so ist vieles abgewandelt aber auch übernommen worden, es ist eine Lebenskontinuität.

Sterben sie zu früh, ohne daß die neue Umgebung, die hinzukommt das "alte Leben" von mir kennt, so wird sich immer etwas total Fremdes aufbauen, das nie was übernommen hat oder um dieses ehedem gemeinsame Erleben weiß.

Man muß alles erklären, und kann es doch nicht vermitteln. Das ist wie wenn man ein Gleis einfach durchtrennt und das Leben auf eine andere Schiene hebt, ohne ein Rangieren.
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Endlesssky



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BeitragVerfasst am: 02.10.2014, 18:58    Titel: Antworten mit Zitat

Du sprichst mir aus der Seele... Ich hatte vor kurzem Geburtstag. Es war mein 18. Für mich war dieser Tag nichts besonderes, obwohl der 18. Geburtstag ja ein sehr bedeutender und besonderer Geburtstag sein sollte. Ich war froh als dieser Tag vorbei war. Außerdem hat es mich sehr traurig gemacht zu wissen, dass Mama so gern dabei gewesen wäre. Vor Weihnachten, ihrem Geburtstag, Muttertag, ihrem Todestag, Silvester,... Vor allem habe ich Angst. Es wird nie wieder wie früher.

Ich finde du hast das mit den Eisenbahnschienen sehr treffend beschrieben. Man selbst ist in eine andere Ebene gerutscht, die Anderen Leben in der behüteten Welt weiter. Man lebt einfach in 2 verschiedenen Welten, spricht verschiedene Sprachen. Auch zwischen Freundschaften tritt genau deshalb eine Veränderung auf. Bei jedem anders. Doch ich denke die meisten fühlen sich nach so einem Erlebnis unverstanden, eben weil man in eine andere Welt "umgezogen" ist. Die Welt der Freunde und den Menschen um sich rum kennt man nur noch aus Erinnerungen.
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verweht



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BeitragVerfasst am: 03.10.2014, 23:08    Titel: Antworten mit Zitat

Wenn ich sage: Ich habe einen guten Moment, dann meine ich immer damit, daß ich mir meine "alte" Welt gerade sehr gut als Hologramm in mir erzeugt habe. Ich versuche es nach 8 Jahren erst gar nicht mehr, die noch jemandem vermitteln zu wollen.
Es weiß auch keiner mehr, wie ich mal war, jeder denkt, ich wäre tatsächlich so wie ich jetzt bin, gedämpft, bedächtig und so. Das jedes mal entkräften zu müssen, macht mir heute weit mehr zu schaffen, als das Ereignis selbst.
Es reicht halt irgend ein alter Song im Radio und ich kipp etwas ab, oder versink in Erinnerungen.
Mit dem Tod hab ich mich übrigens irgendwann mal abgefunden, den gibt es nunmal als Gegenstück zum Leben, aber damit, daß diese ganze Gefühlswelt nicht mehr da ist, damit nicht.
Ich würde gerne noch mal einen Tag erleben, wie damals als ich noch nicht wußte, wie das aussieht, wenn jemand erstickt, gelb anläuft und desgleichen, diese Stunden, die sich hingezogen haben wie Jahre.
Obwohl, was hätte ich einen Tag in meinem alten Leben um mich ? All die Freunde und Verwandten, die alles immer nur gespielt haben, von denen ich jetzt weiß, was ich von ihnen zu halten habe ?!
Ist es besser Enttäuschungen vor oder hinter sich zu haben ?

Aber eines kann ich sagen, wenn ich von mir ausgehe: Es wird nie wieder wie früher, es wird wieder irgendwas, was Ungewisses, aber wie früher, ne, aber auf dieser Trümmerlandschaft wird wieder was, auch wenn es nicht mehr diese schöne Stadt wird wie früher. Aber es wird wieder was.

Lenk Dich irgendwie ab, Musik, oder Spaziergänge, oder sowas, was Dir eben liegt, vom Brüten und Grübeln wird man nur verrückt.
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