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Schuldgefühle

 
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Heidi83



Anmeldedatum: 13.05.2013
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 13.05.2013, 08:15    Titel: Schuldgefühle Antworten mit Zitat

Sie war von einem Tag auf den anderen von uns gegangen - meine Mama.
Mein Bruder war erst 13 Jahre alt, ich gerade 21 Jahre.

Am Vortag, saßen wir noch alle zusammen, mein Bruder, meine Mutter, ihr und mein Lebensgefährte, beim Kaffee trinken, alberten rum, spielten Gesellschaftsspiele.
Es war ein recht schöner ausgelassener Nachmittag.

Abends fuhr ich mit meinem Lebensgefährten nach hause, telefonierte noch kurz mit meiner Mutter, mit der ich ein wahnsinnig enges freundschaftliches Verhältniss hatte.

Am nächsten morgen, gegen halb 6 Uhr, rief mich mein kleiner Bruder an: "Mama is im Krankenhaus"!
Ich fragte ihn was passiert is, aber er war noch zu klein um alles zu verstehen.

Ich weckte sofort meinen Lebensgefährten, packte ihn ins Auto, holte meinen Bruder ab und wir fuhren nach München in die Klinik.
Mittlerweile lag sie auf der Intensivstation im Koma.
Meine Mutter hatte einen Herzinfarkt...

Da mein Bruder zur Schule musste und ich ihm das Ganze nicht antun wollte, fuhr er mit meinem Lebensgefährten nach Hause zurück und ich blieb allein im Krankenhaus.
Die Stunden vergingen, ich warte und wartete, hielt ständig ihre Hand, heulte und bettelte sie an stark zu sein, zu kämpfen. Wir haben sie so sehr gebraucht.

So gegen halb 2 am frühen Nachmittag, war dann mittlerweile mein Durst so groß geworden, weil ich die ganze Zeit nur am Krankenbett gewesen bin, dass ich runter in die Cafeteria gegangen bin um mir was zu trinken zu holen. Ich bin kurz raus, hab mir für die Nerven eine Zigarette gegönnt.
Es waren ca. 25-30 Min vergangen als ich wieder hoch gelaufen bin.

Als ich ins Zimmer rein kam, stand eine Schwester bei ihr und machte die Stöpsel von ihr ab.
Sie meinte dass es ihr leid tut.
Kannte mich nicht mehr aus, verstand erst mal nur Bahnhof. Was soll ihr leid tun?
Bis es mir dann gekommen ist...

In der kleinen Zwischenzeit als ich von ihr gewichen bin ist sie gegangen...
Die ganze Zeit über war ich an ihrem Bett, hab ihre Hand gehalten, hab ihr zugeredet dass sie kämpfen soll...

Ich bin auf der Stelle zusammen gebrochen.
Die Schwester holte dann einen Arzt, der mir alles erklärte.
In der einen Kaffeepause hatte meine Mama einen Herzstillstand, sie konnte nicht wieder belebt werden.

Ich hab es bis heute nicht verstanden, wie so eine lebenslustige junge Frau, mit Ende 40, ohne Anzeichen, ohne jegliche Vorkrankheit einfach von heute auf morgen von uns gehen kann. Sie hatte noch so viele Träume die sie für uns und für sich verwirklichen wollte.
Das Schlimme ist dass ich mir ständig die Schuld an ihrem Tod gebe, bis heute noch.
Wäre ich nicht meiner Sucht mit dem Rauchen nachgegangen, hätte ich mir keinen Kaffee geholt, sondern wäre bei ihr geblieben hätte sie gewusst dass jemand an ihrer Seite ist, der mit ihr kämpft und sie nicht einfach alleine gelassen.
Dachte sie es ist ok wenn sie uns jetzt verlässt?
Ist ihr einfach nur die Kraft für´s Kämpfen ausgegangen?

So viele Fragen sind unbeantwortet.

Das Ganze ist jetzt 6 Jahre her.
Ich leider immer noch wie am ersten Tag. Habe meinen kleinen Bruder zu mir genommen und groß gezogen.
Unsre Mutter fehlt uns sehr, sie wurde uns von einem Tag auf den anderen genommen.

Für Trauerbewältigung hatte ich die vergangenen Jahre nie die Kraft, bis heute eigentlich nicht.
Ich denke ich werde weiterhin um meine Mama trauern.
Familienangehörige gibt es keine mit denen man darüber reden könnte.
Wir Kinder mussten alles alleine organisieren, die Beerdigung, den Nachlass uvm.

Sowas prägt einen, man wird härter, verletzlicher und sensibler.
Man heult jeden Tag obwohl man denkt jetz muss es doch mal genug sein. Du bist doch irre wenn du nach 6 Jahren immer noch genauso rumheulst wie am Anfang...
Aber ich kann nichts anderes als heulen, wenn niemand zum reden da ist.
Außerdem wein ich auch beim reden...

Mein kleiner Bruder, der mittlerweile stolze 19 ist, bals 20 wird, hat sein Leben gut gemeistert. Wir leben immer noch zusammen, er hat einen guten Abschluss gemacht, seine Lehre begonnen, eine tolle Freundin die ihn überall unterstützt und ist glücklich.
Er hat seine Trauer bewältigt und alles gemeistert, da sind wir sehr stolz auf ihn.

Ich hoffe unsre Mama sieht das auch, denn ich geb mir alle Mühe alles in ihrem Sinne zu machen so gut ich kann.
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Marysun



Anmeldedatum: 10.08.2012
Beiträge: 20

BeitragVerfasst am: 17.05.2013, 03:55    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Heidi
Es tut mir sehr leid das du deine Mama so plötzlich verloren hast. Ich weiß das dies unendlich doll schmerzt auch nach Jahren. Ich habe meine Mama September 2010 verloren ich war in gewisser maßen drauf vorbereitet meine Mama hat Jahre gegen den Krebs gekämpft aber am ende hat der Krebs gesiegt. Wie du weine auch ich nach fast 3 Jahren noch jeden Tag es schmerzt und tut so unendlich weh. Ich finde es toll wie du dich um deinen Bruder kümmerst das du ihn zu dir genommen hast und ihn groß gezogen hast. Bitte gebe dir nicht die schuld an den Tot deiner Mama du kannst nichts dafür!!! Auch ich habe oft Schuldgefühle allerdings wegen einer anderen sache nicht wegen den Tot. Ich weiß nicht hört sich vielleicht doof an aber als meine Mama starb war niemand bei ihr bevor sie verstarb ist meine Mama ins Hospitz gekommen und es war immer jemand da außer Nachts (sie war nur 2 Tage dort in der Nacht zur dritten ist sie verstorben) und in der Zeit ist sie von uns gegangen. Ich habe das Gefühl das sie nicht von uns gehen konnte als wir bei ihr waren. Mach dich nicht fertig du warst für sie da und niemand konnte ahnen das sie stirbt wenn du kurz nicht bei ihr ist. Du hast deine Mama so sehr geliebt und dann ist es doch nur verständlich das du sie vermisst und das es schmerzt auch nach 6 Jahren. Ich habe auch die Gedanken gehabt das ich verrückt bin weil ich nach fast 3 Jahren noch immer nicht mit den Tot meiner Mama klar komme. Dauernd wein ich und manchmal denke ich das ist nur ein schlechter Traum irgendwann wach ich auf und alles ist wie früher. Traurig Mein Bruder kommt mit seinen Leben klar ich habe soviele schwierigkeiten... warum? Wieso bin ich so wie ich bin? Falls es dir hilft kannst du mir gerne eine Nachricht schreiben und dich bei mir aussprechen. Wir können gerne reden wenn du das möchtest. Schreib mir dann einfach ne Privat Nachricht. Ich wünsche dir viel Kraft!!! Halt den kopf oben und lass dich nicht unterkriegen. DU bist nicht allein!!! Ganz liebe Grüße Marysun
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K-K



Anmeldedatum: 15.01.2011
Beiträge: 102

BeitragVerfasst am: 18.05.2013, 23:26    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo liebe Heidi,

mir tut es auch sehr Leid, was dir passiert ist. Wenn man eine starke Bindung zu einer Person hatte, dann ist das ganz und gar nicht verwerflich, dass man lange an ihr festhält und trauert. Du und dein Bruder waren auch noch vergleichsweise jung und keiner hätte das erwartet.
Vielleicht ist es dir zumindest ein kleiner Trost, dass sie nicht lange leiden musste?
Es ist auch total menschlich, dass du im Krankenhaus eine Pause gebraucht hast. Das hätte jeder gebraucht. Dass sie genau in diesem Moment gegangen ist war vielleicht Zufall, man wird es nie wissen.
Meine Mutter ist auch mit 48 gestorben, ich war damals 23. Es ist "erst" 2,5 Jahre her. Danach ist mein Bruder gestorben, letztes Jahr, mit 29 - ich war 24.
Ich frag mich auch oft: wieso haben wir dieses Schicksal? Wieso musste das passieren? Beide so jung? Wie soll man da als Hinterbliebener nicht durchdrehen?

Du kannst dir sicher sein, hier sind viele, denen es ähnlich wie dir geht, wenn auch jeder sein eigenes Schicksal hat.

Ich kann auch nicht mit vielen reden. Das Thema wird tabuisiert. Keiner weiß was darauf zu sagen. Ich kann niemandem Vorwürfe machen. Ich wüsste vielleicht selbst keine passenden Worte in so einem Moment.

Das einzige was wir tun können, ist zu versuchen weiterzuleben. Auch wenn es schwer fällt. Das beste aus unserem Leben machen. Immer in Gedanken bei ihnen. Es ist ein Kampf, dabei normal zu bleiben. Jedes Leben ist begrenzt. Wir müssen unsere Chance hier noch weiter nutzen.

Liebe Grüße
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