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10 Jahre nach ihrem Tod - manchmal fühle ich mich so klein!

 
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knopfloch



Anmeldedatum: 04.12.2012
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 04.12.2012, 22:58    Titel: 10 Jahre nach ihrem Tod - manchmal fühle ich mich so klein! Antworten mit Zitat

Hallo,

über Umwege bin ich auf dieses Forum gestoßen und würde gerne meine Geschichte erzählen.
Wann genau sie anfängt kann ich gar nicht sagen... Meine Muttter hatte Krebs als ich noch im Kindergarten war. Sie hat ihn das erste Mal scheinbar besiegt, aber irgendwann holte er sie wieder ein. Meine Schwester und ich haben von ihrer Krankheit nur so wenig mitbekommen, wie sie wollte. Sie war stark und tapfer! Wann genau der Brustkrebs wieder ausbrach weiß ich nicht. Sie hatte keinen Geschmack mehr und ihr vielen von der Chemo die Haare aus. Da war ich 10 oder 11. Meine Familie war bis dahin wie Familien so sind. Mein Vater arbeitete den ganzen Tag. Abends, wenn er müde heim kam, brachte er mir oft was mit und war für mich der beste Vater der Welt. Meine Mutter arbeitete halbtags, war oft streng bei mir mit der Schule, mit der ich mich sehr schwer getan habe. Als es ihr schlechter ging sagte sie mir Mal, dass es ihr leid tut, wenn sie mal unbeherrscht war. Sie meinte es nicht so und dass sie uns lieb hat. Diese Worte helfen mir immer noch oft.
Am Wochenende war wir oft draußen, oder mit meinem Vater schwimmen.. Meine Mutter hat toll gekocht und für mich und meine Schwester genäht. Die Kleidung war so schön, dass sie sie auch verkauft hat. Damals war die Welt für mich noch in Ordnung. Auch wenn wir schon Haushaltshilfen hatten und meine Mama manchmal weg musste.. irgendwie verstand ich das wahrscheinlich noch nicht so ganz.
Meine Eltern haben sich aber schon viel gestritten. Meine Mutter knallte mit den Türen und sie schrie meinen Vater an. Als ich 11 war eröffnete uns mein Vater, dass er eine andere Frau geküsst hatte. Es tat ihm wahrscheinlich gar nicht leid. Meine Mutter kam 200km weiter ins Krankenhaus und wurde dort gegen den Krebs behandel. Am Wochenende besuchten wir sie mit meiner Oma und ich schrieb ihr Briefe, wie es mir in der Schule geht etc. Sie wollte, dass ich eine Nacht bei ihr verbringe, aber ich wollte nicht. Schließlich hab ich es doch getan. Ich weiß noch, wie ich sie im Badezimmer hab würgen hören. Sie war so zerbrechlich.. Ich bildete mir ein, dass es meiner Mama gut ginge. Schließlich hatte sie keinen Schlauch in der Nase, wie die anderen Patienten. Irgendwann kam auch der Schlauch... Meine letzte Erinnerung ist, wie wir ins Krankenhaus kamen und meine Mama nicth mehr in ihrem Zimmer lag. An einer anderen Türe hing ein Zettel. Sie lag leblos in ihrem Bett. Eigentlich wollte ich sie nicht sehen. Meine Oma meinte es wäre wohl besser, weil ich dann Abschied nehmen könnte. Ich sah hinein und lief gleich wieder weg.
Mein Vater kam nicht mehr ins Krankenhaus. Er schmiss ihre Rezepte weg, ihre Kleidung, die Liebesbriefe, die er ihr mal geschrieben hatte...
Er hatte in den Jahren danach eine Freundin nach der anderen. Meinen ersten Geburtstag nach ihrem Tod feierte ich ohne Freunde. Ich wusste nicht, wie das geht. Einen Sommer lang lief ich fast nur noch mit Winterkleidung rum, weil ich kaum noch passende Sommerkleidung hatte. Mein Vater gab unsere Katze weg, die mir so wichtig war. Wenn die Küche nicht sauber war, oder ich nicht nett zu ihm beschimpfte er mich. Sagte uns wie nutzlos wir seien und er deshalb sein Leben nicht leben könnte. Dass ich in der Schule nichts tauge und arbeiten gehen soll. Ich heulte mich nächtelang in den Schlaf, fing an mir in die Arme zu schneiden. An Weihnachten ging er zu seiner neuen Freundin und meine Schwester zur Oma, 600km weiter. Ich trank Rum und wollte endlich alles vergessen.
Mein Vater redete nicht über meine Mutter und wenn, dann nur schlecht. Sie hätte ihn betrogen, wollte nur sein Geld ausgeben und hätte seine Liebe nicht erwiedert. Meine Oma sagt sie hätte nicht eine Affaire gehabt, bei meinem Vater sei sie sich nicht so sicher. Da sie seine Mutter ist glaube ich ihr auch. Meine Oma war die einzige Person, zu der ich gehen konnte, manchmal. Als ich zu ihr zog, meinte mein Onkel wir würde sie ausnutzen. Ich könnte mit 18 auch in eine eigene Wohnung und mein Vater müsste sowieso zahlen...
Ich hatte nach dem Tod meiner Mutter nie wieder das Gefühl eine Familie zu haben. Es gab keine gemeinsamen Wanderungen mehr, keiner kochte mehr mit mir, oder bastelte mit uns, keiner half bei den Hausaufgaben..
Ich fühlte mich so allein und im Stich gelassen. Erst war ich wütend auf meine Mutter, dass sie mich allein gelassen hatte, das sie mir das antun konnte und dann nur noch verzweifelt. Meine Mutter hatte keine leichte Kindheit und hat so stark gegen den Krebs gekämpft. Wenn sie die Kraft gehabt hätte, hätte sie sich von meinem Vater scheiden lassen. Ich verstehe nicht, warum sie sterben musste. Es gibt so viele Situationen, die mich an sie erinnern. Eine Zeit lang habe ich mir einen Freund gewünscht, der immer für mich da ist und mich versteht. Der groß ist und mich in den Arm nimmt. Fest gehalten zu werden, war das wichtigste für mich. Jetzt habe ich diesen Freund (seit 4 Jahren) und fühle mich immer noch einsam. Diese Einsamkeit ist mal stärker, mal schwächer, aber ich komme einfach nicht darüber weg. Oft stelle ich mir vor, dass ich mit meiner Mama kochen könnte und so viel von ihr lernen. Was sie mir noch alles hätte beibringen können. Sie hat zu mir gesagt "deinen ersten Freund will ich noch kennen lernen". Das war vor meiner Kommunion und damals war sie schon sehr schwach. So gerne würde ich ihr meinen Freund vorstellen. Sie wäre sicher stolz auf mich. Wie soll ich ohne sie mal heiraten, oder Kinder bekommen? Diese Kinder werden nur eine Oma haben und eine Hochzeit ohne Familie brauch keiner.
Heute ist mir erst bewusst geworden, dass alle Eigenschaften, die ich mir an einer besten Freundin wünschen würden, meine Mutter hatte. Ich vermisse sie so und weiß einfach nicht, wie ich damit umgehen soll!
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jushi



Anmeldedatum: 31.10.2011
Beiträge: 13

BeitragVerfasst am: 21.01.2013, 22:42    Titel: Antworten mit Zitat

hallo, ich wollte dir nur sagen, ich hab deinen text gelesen und ich fühle mit dir. meine mama ist auch an krebs gestorben bzw. an den spätfolgen.
mir ist gerade nicht danach, viel zu schreiben, tut mir leid, aber ich wollte deine worte nicht unkommentiert lassen.
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K-K



Anmeldedatum: 15.01.2011
Beiträge: 102

BeitragVerfasst am: 26.01.2013, 20:33    Titel: Antworten mit Zitat

Liebes Knopfloch,

es tut mir sehr Leid was bei dir passiert ist.
Meine Mutter ist auch an Brustkrebs und seinen Folgen gestorben. Ich habe auch noch ein weiteres Familienmitglied (meinen Bruder) durch Krebs verloren.
Ich weiß, wie viel eine Krankheit auslösen und verändern kann.
Es tut mir Leid, dass du so eine Kindheit und Jugend hattest...in der du dich so oft allein gefühlt hast. Ich kann das nachvollziehen.
Jeder wünscht sich eine glückliche vollkommende ganze Familie. Doch wer hat das schon? Bei einer besten Freundin von mir ist auch der Vater gestorben, bei der anderen Freundin sind die Eltern geschieden usw.
Dass bei dir so vieles aufeinander kam, ist echt schlimm.
Es ist wahrscheinlich schwierig mit dieser Vergangenheit umzugehen. Du hast viele Dinge gesehen, die dir wahrscheinlich lange - oder ewig, im Kopf bleiben werden.
Schade, dass dein Vater nicht zu euch hielt und euch so oft beschimpft hat. Ich denke, er war psychisch selbst sehr durcheinander und hat all seinen Ärger und seine Wut an euch ausgelassen. Das ist natürlich nicht richtig. Ich hoffe, er ändert sich irgendwann noch und merkt, dass sein Verhalten nicht gut war.
Ich denke es war das richtige zu deiner Oma zu ziehen. Denn wer will schon in dem Alter alleine wohnen, nach so einer Vergangenheit?!
Schön, dass du einen Freund hast, der dir zur Seite steht. Ich kann das natürlich nachvollziehen, dass damit nicht automatisch alles wieder gut wird.
Du wirst deine Mutter sicherlich gut in deinem Herzen behalten. Sie würde es sicherlich freuen, wenn du dein Leben doch noch einigermaßen glücklich leben kannst...und dir deine Träume noch erfüllst.

Ich wünsche dir alles Gute!
Viele liebe Grüße
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