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Elternlosigkeit und Bezugsumfeld
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Mark.a.R.



Anmeldedatum: 02.03.2013
Beiträge: 28

BeitragVerfasst am: 11.03.2013, 00:06    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo verweht,

danke für deine Antwort! Hast du das Gedicht selbst verfasst? Es ist schon ziemlich umfassend - und prangert eine Menge Umstände des menschlichen (Sozial-)Alltags an.

Ich beschäftige mich im Moment (auch) mit dem Thema Trauma und der Strategie damit umzugehen. Durch verschiedene Umstände bin ich darauf gestoßen, zum größten Teil, wie du dir sicher denken kannst, nicht umbedingt freiwillig.

Neben anderen ist natürlich der Verlust naher Menschen für mich einer der gravierendsten. Und das war die Krankheit und Tod meiner Eltern, auch wenn diese Zeit schon lange zurück liegt.

Und natürlich hat sich mit der Zeit auch mein Sozialumfeld gewandelt- z. T. aufgrund von Wohnortwechsel, von Auseinanderleben aufgrund familiärer oder beruflicher Unterschiede, aber sicher auch aufgrund von unterschiedlichen Erfahrungen.

Viele meiner Freunde und guten Bekannten hatten diese Erfahrung nicht gemacht: Pflege von Familienmitgliedern, Krankenhausaufenthalte, die Begleitung und das Sterben, die Beerdigungen und den Zustand der Leere danach ...

Ich aber! Und irgendwie dachte ich immer, diese Erfahrungen hätten keinen Einfluss auf mich. Ich schaffe das schon, usw.

Und ich habe das auch geschafft: ich habe mittlerweile selbst eine Familie, einen Beruf, und mein Leben spielt sich mittlerweile in der relativ normalen Amplitude ab zwischen sehr attraktiv und könnte (viel) besser sein. Aber irgendwie war doch auch immer etwas anders…

Gerade erst in der letzten Zeit habe ich die Bedeutung der traumatischen Erfahrungen auf MEIN Erleben und MEINE Bewertung bestimmter Erfahrungen erkannt.
Das ich mich in meiner Wahrnehmung schon länger von denen meines sozialen Umfelds unterschied war mir dagegen schon seit geraumer Zeit bewusst und machte die Sache nicht einfacher!

Ich habe das auch nicht unbedingt nur als Nachteil gesehen. Wichtigkeiten und Bewertungen waren aufgrund der existenziellen Erfahrungen von Krankheit, Verlust und Tod gegenüber der Sichtweise der von mir als eher unbeschwert und behütet aufgewachsen beurteilten Bekannten und Freunde verschoben. Es gab Dinge oder Probleme (Mode, Autos,…), die in Anbetracht meiner Erfahrungen so nebensächlich waren, dass eine konkretere Darstellung hier gar nicht mehr möglich wäre, weil ich über ganz andere Sachverhalte nachdachte…
Dazu kam eine tatsächliche oder zumindest gefühlte, weil wahrscheinlich aus der eigenen Biografie nicht anders bekannte Verantwortung bzw. zumindest die Bereitschaft dazu, diese – vielleicht sogar auch für andere - zu übernehmen...

Es gäbe noch einige Beispiele, aber ich will dich damit nicht langweilen, deswegen komme ich jetzt noch einmal den Begriff der Enttäuschung- oder wie du schreibst Ent- Täuschung zurück:

Nicht jede Kommunikation war einfach! Und manche sogar auch enttäuschend. Vor allem, wenn man gerade erst allen Mut zusammen genommen hat und von Zuständen sprechen wollte, die nicht im Main-Stream lagen. Und gerade dann eine Abfuhr kassierte. Gerade dann, wenn man seine Verletzungen jemandem im Vertrauen mitteilen wollte, und bemerkte, dass diese Person das gar nicht sehen wollte. Oder das nicht verstand, wenn ich mal nicht "sunshine" war, wie du schreibst...

Ich habe aber die Erfahrung gemacht, dass gerade die Menschen in meiner Umgebung für mich hilfreich waren, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben. Die mich vielleicht zwar auch nicht unbedingt immer verstehen konnten, aber die trotzdem da waren. Und dabei entscheidend war IMMER auch die Situation. Lange Spaziergänge, gemeinsame Abende, ein Gespräch z.B. am Feuer ... , vor allem Zeit!

Und plötzlich endeckte man wieder die Gemeinsamkeiten, nicht nur die Unterschiede, vielleicht sogar auch wieder die gemeinsamen Gefühle, die gemeinsamen Ängste.

Und dann drehte sich sogar zum Teil die Situation: aus der Verletzung heraus, aus der Suche nach Vertrauen und Geborgenheit, merkte man, wie man selbst zu einem wichtigem Teil im System seines sozialen Umfeldes geworden ist. Weil man erlebt hat und 'überlebt' hat, was anderen vielleicht tatsächlich die von dir beschriebene unbewusste Angst macht.

Ich hoffe, du kannst nachvollziehen, was ich damit meine ....

So, es ist mal wieder spät.

Wenn du willst:
ich bin gespannt auf deine Antwort!

Mach's erstmal gut


Mark.a.R.
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verweht



Anmeldedatum: 27.01.2012
Beiträge: 121
Wohnort: germany

BeitragVerfasst am: 11.03.2013, 20:47    Titel: Antworten mit Zitat

gelöscht

Zuletzt bearbeitet von verweht am 19.09.2013, 00:13, insgesamt einmal bearbeitet
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Mark.a.R.



Anmeldedatum: 02.03.2013
Beiträge: 28

BeitragVerfasst am: 11.03.2013, 23:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo verweht,

du bleibst auf einer Meta-Ebene. Auch wenn ich zugegebenermaßen aufgrund meiner rudimentären soziologischen oder psychoanalytischen Bildung nicht alles verstehe oder nachvollziehen kann, was du schreibst, empfinde ich diesen Austausch als reizvoll - und weil du mir antwortest, will ich weiterhin etwas davon profitieren ...

Also, zur von dir angesprochenen Axiomatik:
Nachvollziehen kann ich die beiden Zustände: Dynamik und Statik! Sie mit Leben und Tod gleichzusetzen grundsätzlich auch.

Anders schätze ich dagegen deine Sichtweise von der Verfälschung ein:
a) Verfälschen bedeutet für mich eine bewusste oder unbewusste Handlung oder Wahrnehmung eines Subjekts bezogen auf eine objektiv festzustellende Realität.
Insofern läßt sich Dynamik verfälschen.

Und was ist mit dem Tod?

Der Tod als Zustand- er ist objektiv feststellbar! Aber er benötigt noch mindestens ein Subjekt, dass ihn feststellt. Und so unterliegt die Feststellung des Todes zwangsläufig der Dynamik. Und somit auch der Gefahr der Verfälschung - allerdings wohl eher nicht in der Feststellung, sondern wohl eher in seiner Wahrnehmung, d.h. in der Sichtweise auf ihn.

b) Verfälschung verstehe ich grundsätzlich als Manipulation einer bestimmten Wahrheit, falsch in dem von dir beschriebenen Zusammenhang als Gegensatz zu richtig. Und das impliziert meiner Meinung nach eine Beurteilung einer wie auch immer gearteten Dynamik aus (mindestens) zwei unterschiedlichen Perspektiven:
einmal der gesellschaftlichen, zum anderen der individuellen Sichtweise.

Gefühl und Verstand stehen dabei nicht nebeneinander oder in einem Gegensatz, sondern sind in einem wechselhaftem Zusammenspiel verwoben. Gefühle sind sowohl die Vorstufe kognitiver Verarbeitung als auch das Resultat unserer Denkvorgänge, die ständig auf der Grundlage unserer Erfahrungen ablaufen. Wie kann es da aus individueller Perspektive zu einer Verfälschung oder Falschheit der Gefühle kommen?
Ich bin der Überzeugung, dass ein Gefühl nicht falsch sein kann! (Allerdings - können uns Gefühle zu Handlungen treiben, die falsch sind!)

In einer Gesellschaft kann eine bestimmte Verhaltensweise politisch, moralisch oder traditionell gewünscht sein. Aber eine Gesellschaft wie die unsere kann meiner Meinung nach nicht flächendeckend eine Gestaltung einer so intimen Beziehung wie die Eltern-Kind-Beziehung vorschreiben.
Wie kann es nur eine Wahrheit geben, fragt, meine ich, Picasso, wenn es so viele Möglichkeiten gibt, sie darzustellen?

Aber selbst wenn es nur eine einzige gäbe, ich glaube, sie hätte nicht die Sprengkraft, die ureigene und aus der Natur heraus entstandende Bindung zwischen zumindest Mutter und Kind durch eine gemessen am Alter fast schon lächerlich anmutende Periode von nur wenigen Jahren andauernde politische auch nur ansatzweise zu ersetzen!

Es gibt vielleicht keinen soziologischen Beweis dafür, daß die Beziehungen in der frühesten Veranlagungszeit eines Menschen, in der Kindheit in unserem Kulturkreis apriori empathisch sind, meiner Meinung nach aber einen biologischen!

Und genau dieses Bedürfnis nach Geborgenheit und Wärme ist es doch, was für mich verantwortlich ist für das Gefühl der Verlassenheit und Leere, das Eintritt mit dem - wie du schreibst - Zustandswechsel von der Dynamik zur Statik!

Aber die Verantwortung für dieses Gefühl der Gesellschaft zuzuschreiben halte ich nicht für ausreichend- mit diesem Gefühl muss ich mich, will ich es überwinden, meiner Meinung nach selbst auseinandersetzen. Aber dafür muss ich es akzeptieren. Und das macht schon auch eine verdammte Angst.

Meine Erfahrung hat mir aber gezeigt, dass es genügend Menschen gibt, vor allem die, die sich vielleicht selbst schon mit dieser Angst auseinander gesetzt haben, die einen mit diesem Gefühl gerade nicht alleine lassen.
Es ist nur leider nicht immer ganz leicht, sie zu finden.
Trotzdem lohnt sich die Suche ... Winken

Ich wünsche dir viel Glück dabei!!

Mark.a.R.
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