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Ich kann immer noch nicht glauben, dass sie weg ist...

 
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Akefia



Anmeldedatum: 24.09.2012
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 01.10.2012, 17:16    Titel: Ich kann immer noch nicht glauben, dass sie weg ist... Antworten mit Zitat

Hallo,

ich war mir nicht sicher, ob ich es hier reinschreiben sollte, oder bei "Verlust der Mutter"...
Letztes Jahr Anfang Juni ist meine Mutter verstorben...
Sie war lange krank - und trotzdem ist es irgendwie unerwartet und plötzlich passiert.

Bei ihr wurde 2003 Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert, wurde aber erfolgreich entfernt. Die Chemo und die OP haben aber eine ziemliche Verwüstung in ihrem Körper hinterlassen - ihre eine Niere hat so gut wie gar nicht mehr gearbeitet, sie hat 2008 eine künstliche Blase bekommen (was auch eine sehr schwere OP war...).
Ihre Füße sind immer wegen des Wassers angeschwollen, und im Herbst 2009 konnte sie keine Nahrung mehr ordentlich zu sich nehmen, weil sie einen Darmverschluss hatte - das Gewebe im Darm war vernarbt und hat nichts mehr durchgelassen.
Da hat sie einen Port bekommen, durch den künstliche Nahrung in ihren Körper kam. Aber durch den hat sie sich eine Infektion eingefangen, war 2010 wieder im Krankenhaus, man hat ihn ihr auf die andere Seite gesetzt, nur um zu merken, dass es aus ihrem Körper selbst kam und sie mit einem Port immer wieder Infektionen bekommen würde.
Bis dahin war sie ziemlich abgemagert...
Ich hatte schon vorher Sorge, dass sie es bis zu meinem Abiball (2010) nicht schaffen würde... zu der Zeit war sie im Krankenhaus, ist aber extra für mich hingegangen.
Eine Weile lang lief es wohl ok, zu Weihnachten ging es ihr wieder schlechter und zu Neujahr wohl noch mehr.
Sie ist noch den Januar über zu hause geblieben und hat bis nach meinem Geburtstag Ende Januar gewartet - danach ist sie praktisch sofort wieder ins Krankenhaus, wurde dort aufgepeppelt, weil sie eine OP bekommen sollte, in der der Darmverschluss gelöst wird.
Das lief alles ganz gut, sie wurde wieder fitter, hat die OP ganz gut überstanden (zwischendurch hatte sich ihre Lunge zusammengezogen und sie lag auf der Intensivstation), kam nach hause und ist gleich weiter zur Kur - dort war sie den ganzen Tag auf ihrem Zimmer, weil ihr Magen wieder verrückt gesponnen hat, musste sich die ganze Zeit übergeben, weil der Darm doch nicht durchlässig war).
Als sie wiederkam ist sie zu unserer Hausärztin, die sie gleich wieder ins Krankenhaus schicken wollte, meine Mutter hat sich dagegen gewehrt, wurde jedoch trotzdem eingeliefert.
Die Ärztin sagte mir im Nachhinein, dass meine Mutter wohl geahnt hat, dass es nicht mehr lange läuft...
In dem Krankenhaus sollte sie wieder aufgepeppelt werden, aber plötzlich ging es ihr richtig schlecht und sie sollte noch am Abend eine Not-OP bekommen.
Wir haben vorher telefoniert, und als ich anfing zu weinen sagte sie mir, dass ich mir keine Sorgen machen müsse und kein Waise werden würde...
Am nächsten Tag bin ich zu ihr, sie lag auf der Intensivstation - mein Vater war schon da.
Da sagte mir der Arzt, dass ihr Herz und zu schwach sei und ihr Körper das allgemein nicht mehr aushält und sie es mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit nicht überleben und sterben wird. Sie lag im künstlichen Koma, weil es sonst nicht anders gehen würde.
In ihrem Mund war ein Schlauch, überall piepende Maschinen...
Mein Vater wollte es gar nicht realisieren, er ist dann irgendwann gegangen.
Ich hatte so furchtbare Angst, ich wollte nicht gehen, ich hab gehofft, dass sie es vielleicht doch noch schafft, hab auf sie eingeredet, sie geküsst und gestreichelt... ich wusste, dass sie sterben wird, aber ich habe es so sehr gehofft...
Ich hab ihr gesagt, wie sehr ich sie liebe und sie brauche, dass sie nicht gehen darf...
Ich hatte ihr ein kleines Eulenplüschtier mitgebracht was sie sonst immer dabei hatte, wenn sie im Krankenhaus war - ich hatte das große, sozusagen die Eulenmutter dazu... damit sie wusste, dass ich immer bei ihr war und sie immer bei mir...
Nach zwei Stunden bin ich auch gegangen, hab meine damals beste Freundin angerufen, dass sie sich bitte mit mir treffen soll, hab ihr erzählt, was los ist, eine andere sehr gute Freundin hat mich gefragt, ob sie zu mir fahren soll (weil sie in Bayern wohnt, ich in Hamburg), was ich bejahte, und wir sind zu einem Freund von mir gefahren...
Ich hatte furchtbare Angst davor, was passiert, wenn ich wieder allein bin...
Als ich heim kam, hab ich mich auch sofort schlafen gelegt... mir war nach überhaupt nichts.
Die Ärzte meinten, dass sie wohl irgendwann morgens versterben wird und dass sie mich anrufen würden.
Um drei Uhr nachts bekam ich den Anruf, dass sie wohl in 1-2 Stunden sterben wird, hab meinen Vater geweckt, wir sind mit dem Taxi sofort zum Krankenhaus.
Ich hatte die ganze Zeit über Angst, dass wir es nicht rechtzeitig schaffen würden...
Wir sind angekommen, wurden zu ihr gelassen, ihr Puls wurde immer schwächer und ich denke, innerhalb von einer halben Stunde oder so nach unserer Ankunft ist sie gestorben.
Mein Vater hat sie angefleht, die Augen aufzumachen und zu sagen, dass alles wieder in Ordnung sei. Er hat den Arzt gefragt, ob man sie aufwecken könnte, aber sie sagte, dass das nicht möglich sei und dass sie nur noch lebe, weil sie im Koma liege.
Danach haben sie uns ihre Sachen gebracht, mit ihrem Pass und allem - mein Vater ist raus gerannt, weil er sich übergeben musste, als er das alles gesehen hat, ich habe es entgegen genommen, sie haben auf unseren Wunsch hin die Schläuche weggemacht...
Sie war so blass und kalt... ich wusste, dass sie nicht mehr konnte, das hatte sie meinem Vater auch am Abend zuvor gesagt, als er sie besucht hatte...
Ich weiß irgendwo auch, dass es für sie jetzt besser ist, dass sie nicht mehr leidet und dass sie sicher noch bei mir ist...
Aber ich vermisse sie so furchtbar...
Mein Vater spricht nicht gut Deutsch, das heißt ich musste mich mit ihm um die ganzen Dinge kümmern, die danach kommen...
Im Laufe der Zeit bin ich irgendwie abgestumpft... ich war ganz weit weg, war irgendwie nicht mehr ich selbst sondern eher ein dunkles Loch in dessen Tiefe ein kleines, weinendes, verängstigtes Kind saß...

Mit den Freunden, die die ersten zwei Monate danach bei mir waren, ist es auseinandergegangen.
Meine "beste Freundin" hat nach einem Monat von mir erwartet, dass ich wieder normal bin, hat mir Kompromisslosigkeit vorgeworfen, war weinerlich und wehleidig wegen Kleinigkeiten...
Eine andere gute Freundin hat sich kaum gemeldet und hat ihr feines Leben schön weitergelebt.
Im Grunde ist mir nur die Freundin geblieben, die viel zu weit weg wohnt...
Mein Vater war auch keine große Hilfe, mit ihm hab ich nie über meine Mutter geredet, er hat lieber getrunken und sich mit mir gestritten und versucht mir zu zeigen, dass ich ein unerfahrenes Kind bin und er doch so viel Lebenserfahrung hätte...

Jetzt ist es fast anderthalb Jahre her, ich habe noch im November letzten Jahres eine Therapie angefangen (die mir nicht wirklich hilft/geholfen hat...), und es tut immer noch weh, wie zu Anfang, ich hab immer noch nicht realisiert, dass sie weg ist...
Ich habe eine ältere Halbschwester (mütterlicherseits), die in Israel lebt, aber auch sie ist keine wirkliche Unterstützung...
In der Zeit durfte ich feststellen, dass ich mich weder auf Familie noch Freunde verlassen kann (bis auf eben eine Ausnahme), ich kam nicht dazu, das alles zu verarbeiten, hatte keinen zum Reden und dachte, das wird schon irgendwie mit der Zeit...
Aber jedes Mal wenn ich darüber rede, fange ich aufs neue an zu weinen, es tut aufs neue weh und ich hab das Gefühl, als würde es mich zerreissen...
Ich hab das Gefühl als wäre ich völlig allein damit und dass mich keiner in meinem Schmerz und Verlust versteht... da bin ich hier gelandet v___v

Meine Mutter war für mich das allerwertvollste und wichtigste auf der Welt... ich hab sie geliebt wie keinen anderen und tue es immer noch.
Meine allergrößte Angst war es immer, sie zu verlieren... ich vermisse sie so schrecklich...
Ich hatte mir schon früher ausgemalt, was sein wird, wenn sie nicht mehr ist, wie mein Vater und ich über die Runden kommen, da nur sie tatsächlich gearbeitet hat, was ich dann tun soll...
Sie hat für mich immer nur das Beste gewollt, sie hat mir alles und mehr gegeben... sie war einfach die allerliebste und beste Mutter der Welt...

Mittlerweile bin ich wieder "besser" drauf, bin mehr ich, aber in meiner Trauerarbeit bin ich wohl in der Verdrängung hängen geblieben...

Ich hab mich von ihr verlassen gefühlt, ich hab geweint und geschrien vor Schmerz und trotzdem gab und gibt es nichts, was ihn in seinem Ausmaß wirklich zeigen kann.
Ich hab mittlerweile teilweise Angst davor, deswegen zu weinen weil ich Angst vor diesem Schmerz habe - aber andererseits weiß ich, dass es raus muss, dass ich es verstehen muss...
Meine Freundin hat mir geraten, so ein Forum aufzusuchen - damit ich mit Leuten darüber reden kann, die das gleiche fühlen wie ich und mir das Gefühl geben, weniger allein damit zu sein und mit denen ich einfach mal etwas darüber reden kann...

Heute wäre sie 55 geworden. Ich wollte nicht zu ihrem Grab gehen - mein Vater hat mich an ihrem Todestag emotional dazu erpresst, hat mich danach allein gelassen weil er zu seiner Stiefschwester ist, deren Mann 40 Tage vorher verstorben war. Ich war an ihrem Todestag allein.
Keiner hat sich danach erkundigt, wie es mir geht... mein Vater hat mir vorgeworfen, dass ich nur an dem Tag an sie denken würde, er jedoch die ganze Zeit... das hat richtig reingehauen... eine Therapie will er nicht machen, die Therapeuten sagen angeblich immer, dass mit ihm alles in Ordnung sei. Na wenn er meint.

Ich bin jetzt 21, werde demnächst hoffentlich zu der Freundin in Bayern ziehen können und dort endlich mit meinem Wunschstudium anfangen. Hier halte ich es nicht mehr aus und hab hier auch nichts mehr verloren.

Ich würde mich sehr über einige Antworten freuen...
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K-K



Anmeldedatum: 15.01.2011
Beiträge: 102

BeitragVerfasst am: 02.10.2012, 21:43    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Akefia,

mein Beleid!
Ich habe auch meine Mutter verloren. Auch nach langem Krebsleiden, mit vielen Auf und Abs.

Ich hab mir auch so sehr gewünscht, dass sie zu meinem Abiball kommt. Sie ist gekommen, aber mit Fieber. Im Nachinein tuts mir Leid. Wenn ich die Bilder seh, sie mit Perücke und Fieber. Aber sie hat es für mich getan.

Ich weiß, dass es sehr weh tut, jemanden gehen zu lassen. Und jemanden sterben und leiden zu sehen. Man kann ja so wenig tun. Und man realisiert das ganze nicht. Man hofft immer, dass alles gut wird.

Das mit dem Eulenplüschtier ist süß. Ich hab auch so eines!

Das mit deinen Freunden tut mir Leid. Es stimmt, dass manche Freunde nur anfangs für einen da sind. Das ist nicht schön.

Ich denke, es war gut, dass ihr am Schluss noch bei deiner Mutter ward, als sie gestorben ist.

Ich habe auch das Gefühl, dass ich mittlerweile abgestumpft bin. Bei mir kommt noch dazu, dass mein Bruder vor kurzem gestorben ist.
Ich glaube die Trauerarbeit dauert sehr lange und wird auch immer wieder durch neue Ereignisse geändert. Manchmal denkt man, es geht einem wieder gut, dann fühlt man sich wieder schlecht usw.

Schade, dass es mit deinem Vater nicht so gut läuft. Ich hab auch oft Stress mit meinem Vater. Aber ich hoffe trotzdem, dass man irgendwie zusammen hält.

Ich habe bisher keine Therapie angefangen, weil ich zu skeptisch bin, was da mit mir gemacht wird. Ich will die Trauerarbeit gerne selbst machen und nicht mit der Unterstützung eines Fremden, der mit der ganzen Situation nichts zutun hat und seine Methoden an mir ausprobiert...
Aber wer weiß, vielleicht hilft es ja doch und vielleicht mach ich auch irgendwann eine. Mal schauen.
Bei mir wäre es vor allem sinnvoll wegen der neuen Freundin meines Vaters, die ich nicht akzeptieren möchte.

Es gibt ein Buch "Ich will dich nicht vergessen" (http://www.weltbild.de/3/14271422-1/buch/ich-will-dich-nicht-vergessen.html), was ganz gut sein soll zur Trauerarbeit. Das ist ein interaktives Buch, in das man reinschreiben kann. Vielleicht hilft dir sowas? Ich hab es noch nicht ausprobiert, aber hab mir schon überlegt, es mir zu kaufen.

Ich denke, es ist nicht gut, wenn dich jemand erpresst zum Grab deiner Mutter zu gehen. Gehe dann, wann du es für richtig hälst. Du kannst ihr was aufs Grab legen, wenn du möchtest.
Aber ich weiß, dass es wehtut. Vor allem, wenn man nicht oft auf den Friedhof geht.

Ich wünsche dir viel Glück für dein Studium. Vielleicht lenkt dich das ja ein bisschen ab!

Viele Grüße
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Lulufee



Anmeldedatum: 16.12.2012
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 16.12.2012, 20:08    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Akefia,

deine Geschichte bewegt mich sehr und ich erkenne Parallelen zu meiner Vergangenheit! Ich finde, du hast unglaublichen Mut und Tapferkeit bewiesen, als du bei deiner Mutter geblieben bist und dein Vater nicht wahrhaben wollte, dass sie sterben wird und du hast nach ihrem Tod die Kraft gehabt, dich um alle Angelegenheiten zu kümmern. Dafür hast du meinen großen Respekt! Ich finde es sehr schön, wie du dich von deiner Mama verabschiedet hast, wie du bei ihr geblieben und mit ihr gesprochen hast. Das hat mich sehr berührt! Ich bin mir sicher, dass sie das gespürt hat und ihr geholfen hat, leichter von dieser Welt und dir Abschied zu nehmen.

Ich denke, dass du sehr stark bist und du deinen Weg gehen wirst! Auch mir hat meine erste Therapie nicht geholfen, dann habe ich den Therapeuten gewechselt. Der zweite hat mir sehr stark geholfen und ich bin so froh, dass ich die Therapie gemacht habe.

Ich wünsche dir alles Gute und würde mich freuen, von dir zu hören!

Liebe Grüße
Lulufee
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