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Tod des Vaters - gemischte Gefühle...

 
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everyday



Anmeldedatum: 04.04.2012
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 04.04.2012, 14:18    Titel: Tod des Vaters - gemischte Gefühle... Antworten mit Zitat

Hallo,

mein Vater ist vor etwa 18 Jahre gestorben - kurz vor meinem siebten Geburtstag. In meiner Erinnerung war er ein toller Vater, er hatte sich um mich gekümmert, während meine Mama arbeiten musste. Er war viel Zuhause wenn er nicht gerade im Krankenhaus war (er hatte Krebs), und ich hatte ungemein viel Spaß mit ihm. Seine Krebserkrankung war damals nicht mehr aufhaltbar, es hatten sich Metastasen gebildet und schließlich starb er. Zunächst hatte ich furchtbar geweint, dann sind wir aber nochmal ins Krankenhaus gefahren und als ich ihn tot dort liegen sah, war es für mich plötzlich in Ordnung - er sah so friedlich aus. Am Abend war für mich scheinbar alles wieder in Ordnung, ich fragte meine Mutter ob ich am nächsten Tag zum Geburtstag meiner besten Freundin dürfte und auch wann ich endlich wieder zur Schule gehen dürfe. Ich verdrängte es ziemlich. An der Beerdigung stellte ich mir vor sie würden Luftballone begraben und dachte die ganze Zeit "Wieso heulen hier die Leute nur so rum, nur wegen ein paar Luftballone?". Nach einiger Zeit begriff ich es dann schließlich, und tat mir damals ziemlich schwer damit, hab furchtbar oft geweint, konnte kaum mehr schlafen, weil ich ständig nur an den Tod dachte, daran dachte wie es ist nicht mehr zu sein, und dabei stieg jedesmal Panik in mir auf. Außerdem hatte ich irsinnige Angst, dass ich meine Mama auch noch verlieren hätte können. Meine Sicherheit in das Leben war komplett weg. Mit den Jahren wurde es aber besser.

Der liebe nette Vater - das Bild das in mein Gedächtnis eingebrannt ist - ist jedoch nur ein Teilbild.

Mein Vater war viele, viele Jahre Alkoholabhängig, war ein Tyrann und ein Mensch mit zwei Gesichtern. Im nüchteren Zustand war er der nette, um die Kinder sorgender Vater - betrunken genau das Gegenteil. Als der Krebs diagnostiziert wurde - ich war damals vier - hörte er sofort mit dem Trinken auf. Deshalb kannte ich nur den guten, netten Vater - da ich kaum Erinnerungen bezüglich dieser Zeit habe. Dies änderte sich erst als ich 10 Jahre alt war und zufälligerweise das alte Tagebuch meiner älteren Schwester fand - neugierig wie ich war las ich natürlich auch darin. Der erste Satz haute mich fast um. Man muss ihn unter dem Gesichtspunkt beachten das meine Schwester schon immer sehr gläubig war, jedenfalls stand da drin: Ich wünsche mir das meine kleine Schwester stirbt, ich liebe sie über alles, aber ich will nicht das sie ihr Vater (es war nicht ihr leiblicher Vater) weiter so quält, bitte lieber Gott lass sie sterben und lass sie bei dir glücklich werden. Dort las ich dann noch andere Dinge - die damals wohl passiert sind - er hatte wohl Gefallen daran seine Kinder sowohl physisch und auch unsere Tiere zu quälen. Außerdem versteckte er alles komplett vor unserer Mutter - und drohte mir und meinen Geschwistern uns zu töten falls wir irgendwas ihr erzählen würden. Aber wie gesagt - erinnern kann ich mich darin nicht - ich weiß es nur vom Tagesbuch meiner Schwester - und manchmal kommt zwischen meine Geschwistern auch Gesprächsfetzen auf die das ganze bestätigen. Offen darüber Reden tut aber niemand.

Seitdem sind meine Gefühle immer ziemlich gemischt in Bezug meines Vaters. Einerseits kenne ich ihn nur als den netten Vater, den ich damals unheimlich vermisst habe - andererseits weiß ich wohl, dass wenn er nicht den Krebs bekommen hätte - wohl niemals zum trinken aufgehört hätte und mein Leben mehr eine Qual gewesen wäre... Damit umzugehen gestaltet sich jedoch immer noch als ziemlich schwierig...
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K-K



Anmeldedatum: 15.01.2011
Beiträge: 102

BeitragVerfasst am: 08.04.2012, 22:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo everyday,

erst einmal mein Beileid.
Es ist schön, dass du noch so viele schöne Erinnerungen an deinen Vater hast. Und ich kann mir denken, dass du seinen Tod lange Zeit verdrängt hast.
Es tut mir auch Leid, dass dein Vater diese schlimme Seite an sich hatte. Zum Glück hat er mit dem Trinken dann doch noch aufgehört. Es muss ganz schön hart für dich gewesen sein, diese Sätze im Tagebuch deiner Schwester gelesen zu haben. Ich denke, deinem Vater würde es im Nachinein leid tun, was er getan hat. Ganz sicher. Ihm wurde bestimmt durch den Krebs bewusst, dass er so nicht mehr weiter machen kann. Schade, dass es so ablaufen musste.
Ich weiß nicht, ob man jemandem verzeihen kann, der einen scheinbar gequält hat. Vielleicht kannst du ihn so in deinem Herzen behalten, dass du ihn akzeptierst mit seinen guten und schlechten Seiten. Akzeptieren muss ja nicht heißen verzeihen. Aber ich bin mir sicher, dass er dich liebte. Ich denke, der Alkohol hat ihn psychisch ziemlich negativ beeinflusst. Was in seinem Kopf vorging, warum er so zu euch war, kann man im Nachinein nicht mehr sagen.
Ich glaube aber, dass es wichtig ist, dass du weißt, dass es auch eine gute Seite deines Vaters gab und dass er sich am Ende Mühe gegeben hat, euch ein guter Vater zu sein.

Ich wünsch dir alles Gute
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