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"Überlebensstrategie"

 
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PetraHeimansberg
Trauerbegleiterin


Anmeldedatum: 18.05.2008
Beiträge: 427

BeitragVerfasst am: 22.02.2012, 20:28    Titel: "Überlebensstrategie" Antworten mit Zitat

Hallo bei Elternlos,

Trauerarbeit, eigentlich ein Wort, dass ich nicht so mag, leistet jeder auf seine ureigene Weise.

Ich finde ein Foto und sehe ein heranwachsendes Mädchen mit traurigen Augen. Ich bin 13 Jahre alt auf diesem Foto, hatte meine Mutter zu diesem Zeitpunkt schon seit 10 Jahren verloren, aber die tiefe Trauer kam eigentlich erst in diesem Jahr zu mir. Und wenn ich an diese Zeit zurück denke, wie einsam und traurig ich war, sehe ich auch das Wunder, dass ich diese Zeit doch bewältigen konnte. Ich entwickelte eine Strategie, die mir half, dass alles irgendwie zu überstehen. Ich hatte eine wunderbare Nachbarin, die mich als kleines Kind schon kannte und immer für mich da war, behutsam, im Hintergrund, aber irgendwie immer präsent.
Wir redeten nicht über meine Trauer, ich wandt mich in dieser Hinsicht nie an sie. Und doch half sie mir, immer wieder, in meinen Gedanken. Ich stellte mir vor, dass ich zu ihr ging und sie meine Trauer spürte, mich verstand und mich dann in den Arm nahm. Ich fühlte mich "gesehen", gehalten und sehr getröstet. Immer wieder spulte ich diesen "Gedankenfilm" ab. Immer wieder und wieder. Und das half mir über das Schlimmste hinweg.
Irgendwann viel später, erzählte ich ihr davon und bedankte mich bei ihr, denn ich hätte mich wirklich an sie wenden können, hatte nur nicht den Mut dazu.
Dass ein junger Mensch solche Vorgehensweise entwickeln kann, unbewusst und unwissend, aber seinem Herzen und Gefühl folgend, rührt mich heute sehr. Heute ist das ein Wunder für mich, das mir half diese schwere Zeit zu überleben.



Eine gute Woche!!! Petra Heimansberg


Zuletzt bearbeitet von PetraHeimansberg am 13.10.2016, 06:36, insgesamt 3-mal bearbeitet
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PetraHeimansberg
Trauerbegleiterin


Anmeldedatum: 18.05.2008
Beiträge: 427

BeitragVerfasst am: 12.10.2016, 21:42    Titel: Überlebensstrategie II Antworten mit Zitat

So war meine Überlebensstrategie, 2012 im Forum geschildert, s.o. Immer wieder höre ich von Menschen, ob junge oder ältere,dass sie sich für "nicht normal" halten, weil sie bestimmte Dinge in ihrer Trauer tun, die ihnen peinlich sind, für die sie sich schämen. Ich habe damals auch gedacht, immer wieder den gleichen Film in meinem Kopf abzuspulen, ist ein Zeichen dafür, dass ich "eine Macke" habe. Aber heute denke ich, das war alles andere als verrückt, das war die Nahrung für meine Seele, die ich so nötig brauchte, Wärme, Verständnis und Trost erzeugt allein durch die Kraft meiner inneren Bilder. Das war nicht verrückt, das war eigentlich weise.Vielleicht sollten wir unserer Seele mehr vertrauen, sie weiß schon was gut für uns ist, besser als der Verstand.
Einer meiner Lieblingsautoren, Paul Maar, der u.a. "das Sams" geschrieben hat, hatte auch seine ureigene Überlebensstrategie entwickelt.
Paul Maar wurde am 13. Dezember 1937 in Schweinfurt geboren. Bekannt wurde er auch als Illustrator, Übersetzer, Drehbuch - und Theaterautor. Er hatte keine leichte Kindheit. Seine Mutter war früh verstorben, seine Hausmädchen wechselten häufig und sein Vater befand sich viele Jahre in Kriegsgefangenschaft. Sein Großvater brachte ihn als erstes in Berührung mit Geschichten und Büchern. Er förderte Paul Maars Fantasie und motivierte ihn seine Fantasiegeschichten aufzuschreiben. Als Maars Vater aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrte, zog die Familie wieder an den alten Wohnort zurück. Von nun an wuchs Paul Maar in einer lesefeindlichen Umgebung auf und galt als "missratener" Sohn. Er überstand seine Kindheit, insbesondere die Ablehnung seines Vaters dadurch, dass er immer und immer wieder das Grimms Märchen vom Eisenhans las und das tat er bis er 14, 15 Jahre alt war. Er selbst beschreibt es so:

"Als Kind war ich ein Träumer und gehörte zu den Kleineren und Schwächeren. Mein Vater prophezeite mir, dass aus mir nie etwas Rechtes würde. Der Eisenhans wurde damals zu meinem ständigen Begleiter, weil ich in diesem Märchen meine Zukunft vorausgesehen habe. Die Hauptperson ist der Königssohn, der von seinen Eltern weggeht und als Gärtner arbeitet. Als er sein Hütchen abnimmt, sieht die Prinzessin seine goldenen Haare und merkt, das ist ein Prinz. Ich habe mir gedacht: Ihr haltet alle nichts von mir. Aber wartet nur: Eines Tages nehme ich mein Hütchen ab, und dann seht ihr alle, dass ich goldene Haare habe. Wie der Prinz in Grimms Märchen, der seine goldenen Haare unter einem Käppchen verbarg, würde ich meinem Vater eines Tages zeigen, was in mir steckt."

Entnommen aus "Der Zeit online" http://www.zeit.de/2000/50/200050_c-seriemaar.xml

Ich bin am 26.10. wieder hier im Forum. Bis dahin alles Gute!
Eure Petra Heimansberg
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