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zeit heilt?

 
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Feuerelfe



Anmeldedatum: 16.12.2010
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 16.12.2010, 22:47    Titel: zeit heilt? Antworten mit Zitat

Es heisst immer so schön Zeit heilt alle Wunden, aber irgendwie funktioniert es nicht. Ich habe meine Mama 2006 verloren. Krebs wurde schon 7 Jahre zuvor diagnostiziert und seit dem war es ein Auf und Ab. Sie hat es immer mit der Fabel vom Hasen und Igel verglichen. Sie rennt von Arzt zu Arzt ... Chemo zu Chemo ... und die Tumore waren schon da... und sind schon weiter gestreut. Obwohl sich die Krankheit hingezogen hat, ist sie dann innerhalb von einem auf den anderen Tag wie "benebelt" geworden, hat nichts mehr verstanden... und dann innerhalb drei Tage im KH gestorben. Ich konnte mich nicht verabschieden, auch konnte ich sie nicht nach Hause holen zum Sterben, weil es genau an einem Wochenende mit Feiertagen passiert ist.

Ich bin selbst jetzt 26. Ich dachte ich hätte damals alles verarbeitet, aber seit diesem Jahr kann ich nichts mehr machen, sei es Bewerbungsgespräche, mit Freunden treffen ... alles schlägt mir auf den Magen. Meine Diagnose lautet: psychosomatisch.
Ich wurde zum Psychologen geschickt, der mir sagte ich hätte meine Trauer nicht verarbeitet. Ich habe das ganze drei Sitzungen durchgehalten und dann abgebrochen. Ich kam nicht mit ihm zurecht. zB fragte ich um Rat und der erste Satz... "einen Ratschlag gebe ich ihnen nicht, weil dort steckt das Wort schlagen drin und das will ich sie nicht."
Mit dem Tod meiner Mama ist gleichzeitig meine Familie kaputt gegangen. Ich habe eine geistig behinderte Schwester die nun in einem Heim lebt, da mein Vater berufstätig ist und sie nicht zuhause pflegen kann.
Trotz allem haben wir drei ein super Verhältnis. Meine Schwester ist jedes Wochenende bei meinem Vater und wir essen gemeinsam irgendwas was ich in der Küche produziere. Trotzdem weiss ich nicht wie ich weitermachen soll. Ich stelle alles in Frage. Vermisse Sie so. Ich kann mich nicht mehr entspannen, denke über alles mögliche nach und packe mir meine Tage so voll, dass mein Arzt mir sagt, dass ich das noch vielleicht 1 Jahr durchhalte bevor es mich zerbricht. Ich weiss aber auch nicht wie oder was ich ändern soll. Wenn ich Tage habe, wo ich nichts finde was zu tun ist... bekomme ich Heulkrämpfe..der Psycho meinte, das wäre gut... aber ich habe nicht das Gefühl das es mich weiterbringt. Außerdem haben sie mir Doxepin gegeben... das ist Antidepressiva ... gegen das ich mich die ganze Zeit sträube, aber sie sagten mir dass 2 Tabletten abends( insg. 20mg) eine Mini Menge seien und ich damit meine Trauerzeit überbrücken soll, damit es mir leichter fällt.

Weiterhin habe ich riesige Angst, dass ich vielleicht dasselbe Schicksal erleide wie Sie. Ich will nicht mit Anfang 40 die Diagnose Brustkrebs haben... und wenn weiss ich nicht, ob ich stark genug wäre, dies ebenso in Angriff zu nehmen wie sie. Ich weiss das es einen Gentest für Brustkrebs gibt, den ich vermutlich machen werde. Wobei ich eine Heidenangst vor den Konsequenzen habe, ich denke aber dass ich dadurch vielleicht optimistischer in die Zukunft blicken kann. Bei einem neg. Ergebnis weiss ich allerdings nicht was ich noch tun würde.

Sorry wenn mein Beitrag konfus ist, schreibe mir gerade den Frust von der Seele weg und denke es ist besser drauf los zu schreiben, als nochmal drüber nach zu denken.
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kleinerKobold



Anmeldedatum: 09.07.2010
Beiträge: 32

BeitragVerfasst am: 23.12.2010, 08:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Feuerelfe,

habe mir gerade deinen Bericht durchgelesen........ich hoffe, dass die letzten Tage nicht so schlimm für dich gewesen sind......und du dich iwie durchschlagen konntest.

Nimm auf keinen Fall diese Medikamente......damit betäubst du dich nur. Das ist meine Meinung, und ich denke.....Medikamente immer nur als letzte Lösung.

Weißt du, was ich total schlimm finde.....da geht man zum Psychodok und der erzählt einem nur so einen scheiss......ich hätte dem so in den Arsch getreten für diesen Kommentar. Überleg mal, du kommt mir großen Sorgen dahin......und er erzählt so nen scheiss.

Ich habe meine Mama diesen Sommer verloren auch durch Krebs, erst habe ich mich auch total verloren.....wollte sogar mitgehen.....ein Leben ohne Mama.....was ist das Wert???

Aber ich habe mich gefangen, und es waren nicht meine Freunde, Family, oder andere.......es war diese Seite!!

Krass oder?? Ich habe hier meine Geschichte geschrieben und Antworten von anderen Usern bekommen.......die einen verstehen, die das gleiche mitgemacht haben.

Und es ist einfach ein schönes Gefühl, nicht alleine zu sein! Obwohl man es ja nicht wirklich ist!!

Ich komme mittlerweile ganz gut zurecht im Leben, klar meine Mama fehlt an allen Ecken und Kanten.........und würde alles dafür geben....dass sie wieder kommt......aber sie hat mir groß gezogen, damit ich auf eigenen Beinen stehen muss.......also will ich sie nicht enttäuschen.

Meine Schwester hat mir mal gesagt, wenn die Mama uns so sehen würde....dass wir so traurig sind, und alles schleifen lassen...wäre sie bestimmt enttäsucht.

Für meine Mama war es ne schlimme Zeit, aber sie hat nie aufgegeben und hat jede Lage des Lebens so genommen wie sie gekommen ist.......aber immer mit erhobenen Kopf!! Smilie

Versuche auch etwas stark zu sein, und lass die nicht von anderen beirren.....und falls du magst......schreib mir doch einfach mal!!


Hoffen wir mal alle, dass wir gut die Feiertage überstehen!!

LG
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K-K



Anmeldedatum: 15.01.2011
Beiträge: 102

BeitragVerfasst am: 16.01.2011, 01:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Feuerelfe,

ich bin deiner Meinung. Zwar ist es bei mir "erst" zwei Monate her...aber ich selber merke und weiß: Zeit heilt keine Wunden! Die Wunden bleiben, du findest nur wahrscheinlich eine Lösung sie irgendwie zu übertuschen, aber es holt dich immer wieder ein. Anfangs kam ich mir immer sehr schlecht vor, weil ich so souverän auf andere wirkte und selbst wenn andere heulten, habe ich nicht geheult. Jetzt bin ICH diejenige, die schier nicht mehr aus dem heulen rauskommt. Man wird sich der schlimmen Lage erst bewusst, vor allem im Alltag.

Es heißt immer "das Leben geht weiter", ein wie ich finde passender Antwortatz hat mal jemand im Interview im Fernsehen am Totensonntag dazu gesagt: "...Und genau das ist das schlimme daran". Entspricht meiner Meinung. Für die anderen geht es weiter...und du musst dich zwangsweise integrieren, obwohl für dich eigentlich die Welt seit diesem einen Tag stehengeblieben ist.

Was ich noch sagen wollte: meine Mama ist auch an Brustkrebs und seinen Folgen gestorben. Und sie hat sogar in dieser Zeit noch einen Gentest gemacht - und leider hatte sie wirklich dieses vererbbare Gen. Das heißt, ich könnte es auch haben. Ich hatte immer vor, mich auch testen zu lassen, aber sie sollte dabei sein...
Ich habe es mir für dieses Jahr vorgenommen. Wie ich mitbekommen habe, würden die ganzen Vorsorgeuntersuchungen ab 25 Jahren anfangen. Ich möchte mich mit 24 Jahren testen lassen, sodass ich dann noch genug Zeit habe mich über die verschiedenen Vorsorgeuntersuchungen und -maßnahmen zu informieren. Es soll da ja auch umstrittene Untersuchungen geben...
Ich hab auch angst was da für ein Ergebnis rauskommt...das könnte mein ganzes Leben und die Einstellung zu diesem (die ja jetzt eh schon ziemlich negativ ist) verändern.
Und ja, ich habe auch angst dieselbe Krankheit zu bekommen. Mir geht es wie dir, dadurch dass man schonmal jemanden so lange leiden (und noch dazu daran sterben) gesehen hat - hat man selbst keine Kraft mehr das genauso stark mitzumachen.
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