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mein Papa

 
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Kleenex



Anmeldedatum: 28.07.2010
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 28.07.2010, 22:36    Titel: mein Papa Antworten mit Zitat

Hallo,
ich bin ganz neu hier. Habe mich angemeldet weil ich mir mal ein bisschen was von der Seele schreiben muss. Ich nutze das jetzt mal wie ein Tagebuch-Eintrag in der Hoffnung mir hiermit selbst etwas helfen zu können: Ich bin 26 Jahre alt. Meine Eltern waren am 28. November 09 auf den Weg von Berlin nach Dresden zum Weihnachtsmarkt. Ich hatte ihn Weihnachten davor einen Hotelgutschein geschenkt für Dresden, weil sie da immer hinwollten. Als sie auf der Autobahn waren bekam mein Paps plötzlich einen Krampfanfall und wurde ohnmächtig. Zum Glück ist meiner Mutti nichts passiert... Er hat es irgendwie geschafft das Auto in den Graben zu steuern und hilfsbereite Menschen hielten an, riefen den Krankenwagen und leisteten Papa erste Hilfe. Damit fing alles an... Im Krankenhaus diagnostizierte man ihm einen Hirntumor. Plötzlich war er total verändert... er brauchte ewig bis er sprechen konnte, hat Spinnennetze und Ameisen an den Wänden gesehen und konnte sich nicht konzentrieren. Er wollte nachts auf Toilette und bekam erneut einen Krampfanfall. Dann nochmal. Sie brachten ihna uf die Wachstation und banden seine Arme fest. Er wollte immer aufstehen. Er ist eigentlich nicht so unvernünftig. Aber mit der Hilflosigkeit kam er nicht klar. Er versuchte sich sogar den Blasenkatheter abzuschneiden um selbst auf Toilette gehen zu können. Am 6. Dezember, zwei tage vor meinem Geburtstag sollte er operiert werden. Als er davon erfuhr fing er an zu weinen und erklärte, er lasse niemanden an seinem Kopf rumschneiden, auch total untypisch für ihn so stur zu sein. Ich habe ihn nie weinen sehen. Er war immer derjenige der alle aufgefangen hat in der Familie. Am Tag der OP riefen wir im Krankenhaus an. Man sagte uns alles sei gut verlaufen und er könne alles bewegen. Einen Tag später durften wir hin. Allerdings hatte man am Telefon falsche Infos gegeben, seine linke Hälfte lag schlaff neben ihn. Er war tagelang kaum ansprechbar. Irgendwann erholte er sich halbwegs und wurde in ein anderes Krankenhaus zur Bestrahlung verlegt. Er blieb im Rollstuhl. Mein Vater der Heimwerker und Gärtner im Rollstuhl... er konnte den Rollstuhl nicht lenken... wenn wir mit den riesigen Einkaufswagen der Metro einkauften, konnte nur er mit den Dingern umgehen... jetzt ging nichtmal mehr ein Rollstuhl. Langsam fielen ihm die Haare aus. Er schaute nur noch mit halbgeschlossenen Augen. Er war total gebrechlich. In dieser Zeit fand ich das absolute Papa-Kind raus, dass er meine Mutter mit diversen jüngeren Frauen betrog. Immer wieder... seit ca. einem Jahr. Er buchte Hotels und traf sich dort mit ihm. Ich habe sein Mailpostfach verwaltet, weil er selbstständig war. Nach 8 Wochen Bestrahlung über Weihnachten und Silvester kam er in die Reha. An den Wochenenden sollte er nach Hause kommen. Am ersten Wochenende konnte er nicht wegen Trombose... am zweiten wurde er vom Notarzt wegen eines erneuten Krampfes wieder ins Krankenhaus gebrach - Noro-Virus. Ich war total verstört... mein papa mein allerliebster Papa betrog meine Mutter. Und trotzdem brauchte er meine Hilfe... und ich hab so getan als wäre nichts. Er hat sich auf diversen schmutzigen Seiten sehr hoch verschuldet... allerdings alles in den letzten wochen vor dem unfall. ich glaube seine Krankheit hatte damit zu tun. als er mit der Reha fertig war kam er wieder nach hause. Es sah gut aus und wir dachten jetzt geht alles nur noch bergauf. Meine Mutter sah ziemlich fertig aus da wir jeden Tag zu ihm fuhren und uns nebenbei um Pflegedienste usw. kümmerten. Das meiste hat sie allein gemacht. Nach 1 Woche zu hause nahmen die Krämpfe wieder zu. In der Nacht rief er meine Mutter weil ihm eiskalt war (meinem Vater war niemals in meinem ganzen Leben kalt!!). Sie rief den Notarzt und die nahmen ihn wieder mit. er hat gebettelt dazubleiben "Ich wollte doch nur einen Pullover" hat er gesagt. Ein erneutes MRT zeigte, dass sich neue Tumore gebildet hatten. Er sollte am 13. April 10 nochmals operiert werden. Die Ärzte sagten ihm ganz klar "Entweder OP oder Tod". Er entschied sich ganz schweren Herzens für eine neue OP. Es gab Komplikationen aber sie haben es geschafft. Am 15. April sah ich ihn zum letzten mal. Er schaute mich aus ganz kleinen Augen für ein paar Sekunden an bevor er wieder einschlief. Am 16. war er plötzlich nicht mehr ansprechbar... Hirnblutungen traten auf. Sie öffneten erneut und trockneten. Ein paar Stunden später erneute Hirnblutungen. Das Hirn schwoll an... Hirntod... Das wars... Am 18. April starb er an Herz-Kreislauf Versagen...
Das ist das erste Mal dass ich richtig drüber erzähle auch wenn ichs schreibe. Ich verdränge es den ganzen Tag. ich gehe auf Arbeit und es lenkt ab aber ich habe manchmal das Gefühl das es falsch ist... Ich würde so gern dass meine Mutter das alles nicht durchmachen muss... ich hab ihr nie erzählt, was ich von papa weiß... ich hab alles vertuscht und fühl mich ganz schlecht. Ich stecke in einem Zwiespalt meiner Gefühle... ich hasse ihn für das was er getan hat. Aber als papa war er der beste. Wir waren einfach gleich. Ich weiß dass ich ihm die Welt bedeutet habe. Ich hab in Halle gelernt, zweieinhalb Autostunden von Berlin entfernt. Als ich krank wurde ist mein paps ins Auto gestiegen nur um mich nach Hause zu holen. Mitten in der Nacht. er war also wirklich ein guter Papa. Ich weiß nicht wie ich das jemals alles schaffen soll zu verarbeiten... Wenn ich allein bin heule ich nur... deswegen bin ich ständig unterwegs und geh dann gleich schlafen um an alles andere zu denken. ich verdränge alles was damit zu tun hat und ich habe Angst, dass die Erinnerungen an ihn verblassen. Ich möchte nichts vergessen oder weniger stark im Gedächtnis haben. Noch ist alles ganz nah, als hätte ich ihn gesternd as letzte Mal gesehen. Manchmal denke ich, ich muss ihn anrufen und fragen wenn es um Dinge geht auf die er mir antworten konnte. Dann muss ich mich erst wieder erinnern, dass er nicht mehr da ist. Ich hoffe dass mir das jetzt hier hilft. Alles einfach von der Seele zu schreiben. Auch wenn wahrscheinlich niemand den ganzen Text lesen wird.... trotzdem bin ich jetzt mal alles was in meinem Kopf schwirrt losgeworden.
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Lieschen



Anmeldedatum: 24.02.2010
Beiträge: 17
Wohnort: Süddeutschland

BeitragVerfasst am: 02.08.2010, 16:22    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo kleenex,
es tut mir sehr leid, dass du deinen geliebten papa loslassen musstest. ich kann dich sehr gut verstehen. mein papa ist letztes jahr im märz gestorben, eine woche nach meinem 20, geburtstag. ganz plötzlich, ganz unerwartet, einfach so.... für mich war das ein riesen schlag, weil ich eben auch ein absolutes papa-kind war. schon von klein auf, obwohl ich natürlich auch ne liebe mama habe... aber mein papa war anders. ich hab bis heute mehr verdrängt, als verarbeitet... und es gibt hin und wieder die situationen, die so unglaublich weh tun, dann ist es, als wäre es erst jetzt passiert... ich wäre so froh manche dingen mit meinem papa zu besprechen. ich hab meine ausbildug abgeschlossen udn ich hätte so gerne mit ihm gefeiert... ist alles nicht einfach. wenn du magst, darfst du mir gerne eine PN schreiben und wir "reden" so weiter....
ich wünsch dir alles liebe und würde mich über eine antwort freuen.
lisa
ich habe übrigens den ganzen artikel gelesen...
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