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wiederhaben!

 
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lost



Anmeldedatum: 23.12.2004
Beiträge: 37
Wohnort: zürich

BeitragVerfasst am: 21.09.2008, 11:29    Titel: wiederhaben! Antworten mit Zitat

ich weiss, das ist ein unmöglicher wunsch, aber ich möchte einfach meine eltern wiederhaben. ich werde wahnsinnig vor schmerz, ich kann nicht aufhören zu weinen, immer, immer laufen die tränen. es ist nicht fair, ich bin so wütend und alles umsonst. für wen sind all die tränen, für was all dieser schmerz? sollte es ausdruck meiner liebe zu ihnen sein, dann kommt es doch gar nicht mehr an bei ihnen, sie sind weg für immer und haben mich hier in dieser elenden welt alleine gelassen. ich kriegs nicht hin. all diese gedanken wie "sie würden nicht wollen, dass ich so leide" hilft mir nicht. so wahr es auch ist, es ist bloss ein gedanke- nur ein gedanke in meinem kopf, der so gar nicht tröstet. ich kann das nicht, ich will das nicht, ich will einfach mein mami und mein papi zurück! warum fühlt es sich auch so stark an als seien sie noch da, wenn sie es doch gar nicht sind. und nie mehr sein werden, nie mehr. nie mehr....bitte kommt zurück!

wie dumm dieser text doch auch ist.....
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Herbert



Anmeldedatum: 23.03.2008
Beiträge: 18

BeitragVerfasst am: 21.09.2008, 22:58    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Lost,

Wenn man nur abweisende Menschen antreffen kann, dann ist die Einsamkeit unendlich.

Als mich alle Bekannten von früher verlassen hatten, da habe ich mehrfach Bruchlandungen hingelegt, die mich zum Teil fast zerrissen hätten, auf eine hast Du mir ja so lieb geantwortet.

Du bist doch Tänzerin, wenn ich recht gelesen habe, und, so wie ich in meine Klangwelt der Kirchenorgel flüchte, aber auch gefälligst in der Nacht, wenn ich die Kirche für mich alleine habe, sonst halt ich es in diesen Dingern nämlich nicht mehr sehr gut aus, sie also meine Welt ist, meine ganz alleine, so suche Dir in Deinem Schaffen einen Rückzugsraum, der Dir mit Deinen Eltern gehört.

Stell einen neuen Stein auf die Gret Palucca, oder führe für Dich eine Inszenierung von Riefenstahls blauem Licht auf, das die Einsamkeit sehr schön thematisiert, finde in Deinem Ausdruck den Ausdruck der Bewältigung, aber schaffe diesen Ausdruck.

Die Koreographie der Trauer…

Da Tanz Musik und Musik Tanz ist, und beides eine halbzwingende Einheit, so schlage ich Dir Bruckners neunte vor [es gibt da eine sehr schöne Aufnahme mit dem Günter Wand, ließe sich beim Hug in Zürich, unten am Limmatquai sicher erwerben Winken ].

Laß Deine Eltern im Ausdruck Deines Tuns und Handelns leben, dann leben sie wirklich mit und in Dir, da hat dann Schmerz und Freude, Trauer und Aufbruch, ja alles an Menschlichem Platz, alles eben den seinen.
Es mag angehen, daß diese Welt tausendmal elendigliche Lasten mit sich bringt, dann aber nur, damit unter diesem Druck eine neue Welt geschmiedet wird, wohl dem, der diesen Druck noch spürt.

Hans Weigert hat im Bezug der Kunst der Moderne einmal den Begriff der Einsamkeit auf den Menschen im nihilistischen Zeitalter entworfen, und so kubistisch Zürich ist, so klassizistisch, aber neben dem gläsernen Würfel entseelt, so dominant das Nein gegenüber jeder Form im Ornament, so leer sind seine Menschen.
Es perlt der Blick am schillernden Glas ab, so wenig an diesem Zeitgeist ein Blick hängen bleibt, so wenig einer auf dem Leid der Menschen.
Die Soziologen sie sprechen in Zürich von der Kanzel, was der Mensch am Fuße des nur mit einer Seilbahn erreichbaren Wissensbergs sei: Funktionswesen.
Le Corbusier, die Migros, le Corbusier das Theater, Würfel das Wohnhaus, Würfel die Wohnmaschine, alles ist vom Dogma ein stupides Viereck, wie wohl der Mensch in ihm mehr ?

Man könnte es auch brutal so formulieren; in der ungekrönten Hauptstadt der Architektur der Moderne hat der Mensch nur noch den Stellenwert eines Staubkorns auf der Glasfassade, der Mensch, so er nicht Funktionswesen ist, stört nur das Bild.

Es ist Statistik, daß es nirgendwo auf Erden soviele Bunker und Psychiater auf die Einwohnerzahl gibt, wie in Zürich am See. Sobald ein Gefühl die Funktion zu stören droht, so flüchten sich die Damen und Herren Zürcher in ihren Bunker auf der Liege.
Vor zwei Dingen hat der Schweizer, wenn man ihn wirklich kennt, abgrundtiefe Angst:
Vor dem Feind, wer immer das auch sein mag,- dafür hat er seine Armee und sein WK (Wiederholungskurs).
Für den Feind in seinem Herzen, das Gefühl,- auf alle Fälle das Burghölzli.

UND,- jedem, der mit einem Gefühl umherläuft, dem wird gleich zu einem Aufenthalt in dieser Festung geraten.- Zivilschutz ! Winken

Man muß die Schweiz kennen um Dich zu verstehen.

Man sollte Dich in Zürich einfach mal besuchen, und Dir einwenig deutschen Frohsinn in diese Tristes der Förmlichkeit mitbringen, die genauso zu Sodbrennen führt, wie dieser ewig überzuckerte Fresskram aus der Migros oder der COOP.


Ich hoffe, ich hab Dich ein wenig aufmuntern können

Ganz liebe Grüße nach Zürich

Herbert
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lost



Anmeldedatum: 23.12.2004
Beiträge: 37
Wohnort: zürich

BeitragVerfasst am: 23.09.2008, 09:29    Titel: Antworten mit Zitat

..also wollt ich nur schnell noch sagen, die sachen im migros und coop sind schon ok, wenn ichs so mit dem zeugs aus aldi, lidl und wie sie alle heissen vergleiche... Winken))))
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Herbert



Anmeldedatum: 23.03.2008
Beiträge: 18

BeitragVerfasst am: 23.09.2008, 13:34    Titel: Stankt Galler Biberli Antworten mit Zitat

Also beim LIDL und ALDI kaufe ich aus gegebenen Anlaß schon mal nicht ein, ich betreibe zwar keinen Leistungssport, nun- kurzum, auf meine St. Galler Biberli will ich zwar nicht verzichten [unter keinen Umständen], aber ich muß schon einreden, daß dieser schwyzer Weisbrottick sich an der Felswand bemerkbar macht, und zwar negativ !

Und- ich hab die entsprechende Bäckerei für die einschlägigen schweizer Backwaren in meiner Zeit als Halt- dich- über- Wasser- Chauffeur beliefert.
Was die da verbacken, das hat die deutsche Autobahnmeisterei nicht in ihren Streufahrzeugen.
Winken Winken
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lost



Anmeldedatum: 23.12.2004
Beiträge: 37
Wohnort: zürich

BeitragVerfasst am: 23.09.2008, 18:56    Titel: Antworten mit Zitat

ja ok, die brotgeschichte... wohl die grösste kluft zwischen schweizern und deutschen. Winken
in meiner kindheit sind wir auch gefühltes jedes wochenende nach waldshut (wohl das naheste fleckchen über der grenze) um brot einzukaufen....
ach ja und kartoffeln auch, die mussten auch immer in deutschland geholt werden...
(für mitleser, die gerade gar nichts verstehen: bin deutscher pass besitzerin in der schweiz geborene und heimische...) Winken
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Herbert



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Beiträge: 18

BeitragVerfasst am: 23.09.2008, 21:06    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, ja, die leidigen Versorgungsfahrten in die Heimat, wir haben mal unser Auto mit ich weis nicht wie viel Briketts für den Cheminè belanden und weil zuviel gekauft, im Fußraum, verteilt Geschockt , ach ja die Schachteln mit den Streichhölzern hat d schwyzr Zoll ich weis nicht wie lange in den Händen herumgewogen, und wollte es nach dem 35,8 Mal immer noch nicht kapiern, daß das wirklich nur Streichholzschachteln sind, und nyd zem Dekchlariirä Winken

Und Brot und achherje, so nah an Deutschland und doch irgendwie, naja, wie soll man das sagen: ja, Auslandseinsatz ohne Bundestagsmandat !

Liebe Lost ich bin grad mal richtig gel ö st, und traurig, besinnlich zugleich, aber weg von meinem Generalbaß der Betrübtheit,-- wenn ich an unsere Fahrten zurückdenke, meine Mutter und ihr trockener Witz und der Satz: pack den Zettel weg, der kapiert sowieso wieder nicht, daß wir nix zu verzollen haben ... .

[Für die besagten Mitleser: Ich bin Deutscher, der über 8 Jahre in der Schweiz "stationiert" war... Winken ]
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