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Das Unaussprechliche: Meine Mama lebt nicht mehr

 
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Carina2702



Anmeldedatum: 08.02.2008
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 19.02.2008, 15:41    Titel: Das Unaussprechliche: Meine Mama lebt nicht mehr Antworten mit Zitat

Hallo,

ich bin 29 Jahre und lese schon seit längerem die Beiträge dieses Forums, ich finde mich in vielen Beiträgen wieder. Es tut mir gut zu lesen, dass auch andere so empfinden wie ich. Sonst habe ich niemanden, der nur in etwa nachvollziehen kann, was mir passiert ist.

Ich habe die Person, die mir von meinem Elternhaus am nächsten stand, und mit der ich den Großteil meiner Wurzeln verbinde, durch Suizid verloren: meine Mama. Sie hat sich im August letzten Jahres mit Tabletten das Leben genommen. Mein Vati hat sie gefunden (meine Eltern
lebten getrennt). Ich wohne 360 km weit weg von meiner Heimatstadt und bin dann mit dem Zug am selben Tag - wie benommen - dorthin gefahren.

Ich habe meine Mama nicht nochmal gesehen. Das hätte ich auch nicht gewollt. Meine Mama war sehr depressiv. Nur habe ich nicht erkannt, wie ernst die Lage wirklich war. Sie war sehr allein. Sie hatte nach der Trennung von meinem Vati keinen neuen Partner an ihrer Seite. Auch hatte sie nur wenige Freundinnen. Ihr einziges Kind war ich.

Viel wird in diesem Forum über "Verdrängung" geschrieben, und da denke ich immer: ja, das ist bei mir genauso. Auch ich verdränge, auch ich schlucke die Gedanken runter, wenn sie hochkommen, weil sie mich fertigmachen. Ich habe Schuldgefühle, weil ich nicht immer für sie da war. Auch wenn mein Umfeld mir sagt, dass sie allein für sich verantwortlich war und ich eben als erwachsene Person mein eigenes Leben geführt habe und das auch richtig so ist, habe ich das Gefühl, dass ich mich mehr hätte kümmern müssen. Ich wusste, dass sie depressiv ist und es ihr nicht gut geht. Ich hätte mir Urlaub nehmen müssen und zu ihr ziehen sollen für einige Wochen. Wie soll ich mit dieser Schuld jemals zurechtkommen? Kann man damit je abschließen?

Ich bin jetzt bei einer Psychologin in Behandlung, sie ist sehr gut, aber ich weiß nicht, ob mir das wirklich was bringt. Was kann sie eigentlich tun um mir zu helfen? Es gibt keine Lösung für mein Problem, meine Mama kommt nie mehr wieder...

Sehr dankbar bin ich, dass ich einen lieben Freund habe, der immer zu mir steht und mir sehr geholfen hat und weiterhin hilft. Wir waren erst seit zwei Monaten zusammen, als das mit meiner Mama passiert ist. Die Zeit, die er dann mit mir durchmachte und in der er mich gehalten hat, hat uns sehr miteinander verbunden und ich klammere mich nach wie vor regelrecht an ihn und an dem schönen Gedanken einer Zukunft mit ihm
fest. Wenn es ihn nicht gäbe, wäre ich verzweifelt. Da er da ist, geht es mir einigermaßen gut - bis eben zu den Momenten, wenn ich die Gedanken an das Passierte und meine Mama zulasse. Aber ich will ihn z. B. nicht zu sehr belasten und rede daher auch nicht über meine Gefühle diesbezüglich mit ihm. Das hat ihn anfangs sehr bedrückt, mittlerweile akzeptiert er es. Wie ist das bei euch? Könnt ihr mit den Menschen, die euch am nächsten stehen über das Passierte sprechen? Möchtet ihr es und tut es euch gut? Meine Psychologin hat meinen Unwillen zu reden letztens so ausgedrückt: dass was mit meiner Mama passiert ist und wie ich mich dabei fühle, das sind meine intimsten Gefühle und Gedanken,
und die möchte ich nicht teilen, nicht mal mit dem Menschen, der mir am nächsten steht - also meinem Freund. Sie hat Recht, genauso ist es wirklich.

Allerdings kann ich scheinbar mit Fremden reden, so wie mit der Psychologin. Wahrscheinlich, weil ich da völlig frei sprechen kann, da ich es da nicht fürchte, irgendwie beurteilt zu werden oder missverstanden zu werden. Wenn meine engsten Vertrauten mich missverstehen würden oder
nicht verstehen könnten, warum ich so und so fühle, das würde mich belasten. Und davor habe ich Angst. Wie ist das bei euch?

LG Carina
_________________
Wieso hast du dir nicht helfen lassen?
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iser



Anmeldedatum: 03.03.2005
Beiträge: 312

BeitragVerfasst am: 21.02.2008, 18:24    Titel: Hallo Antworten mit Zitat

Hallo Carina,

ich habe zwei Jahre Einzeltherapie gemacht um mit der Schuldfrage leben zu können und kann Dir sagen die Schuld trage ich nicht mehr. Eine Lösung gibt es nicht, da hast Du Recht...doch es gibt einige Wege damit zu leben....mal besser....mal schlechter und dann wieder besser, die Zeit heilt nicht die Wunden....leider....

Winken ...Du hast schon am Anfang etwas erkannt, dazu braucht ich viele Jahre... Mit den Augen rollen ...habe von vielen nahestehenden Personen erwartet, dass sie meine Gefühle, meine Trauer verstehen....dies hast Du schon früh erkannt...habe hierdurch einige Menschen überfordert, doch dies war mir nicht so bewusst oder auch egal...es musste einfach raus

Manchmal rede ich auch mit nahestehenden Menschen noch darüber...dann tut es auch gut

Habe auch hier viel geschrieben...dies hat mir auch geholfen...inzwischen bin ich nur noch selten hier...aber ab und zu komme ich zurück

wünsche Dir viel Kraft und alles Liebe...iser

Es ist Deine Trauer und inzwischen
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Carina2702



Anmeldedatum: 08.02.2008
Beiträge: 7

BeitragVerfasst am: 22.02.2008, 09:57    Titel: Danke Antworten mit Zitat

Hallo iser,

vielen Dank für deine Antwort. Es tut gut zu wissen, dass man das Bündel der Schuld evtl. doch irgendwann los ist. Aber es braucht wohl noch viel viel Zeit.

Gestern hatte ich wieder ein ziemliches Tief, wurde aber aufgefangen. Ich habe wieder nichts reden wollen, aber einfach in den Arm genommen zu werden, das hat gut getan und sich richtig angefühlt.

Dir auch weiterhin alles Gute!
Viele Grüße Carina
_________________
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iser



Anmeldedatum: 03.03.2005
Beiträge: 312

BeitragVerfasst am: 22.02.2008, 17:27    Titel: Lass Dir Zeit Antworten mit Zitat

Hallo Carina,

es ist ok so wie Du Deinen Weg gehst....erwarte nicht, dass Du die Schuldgefühle so schnell los wirst....ich habe wie gesagt zwei Jahre nur für dieses Thema gebraucht, es war nicht immer leicht und in der Zeit habe ich viel geweint...es ist schön zu hören, dass Du jemanden hast

Im den Arm genommen zu werden, auch ohne Worte hilft ungemein....

wünsche Dir auf Deinen Weg alles liebe iser
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