Elternlos-Forum
Eine Lichtung, auf der man verweilen, sich finden und austauschen kann.
 
 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

Da sein, zuhören, Trauer aushalten
Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Elternlos-Forum Foren-Übersicht -> Wie helfe ich jemandem, der seine Eltern verloren hat?
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Mira



Anmeldedatum: 20.10.2004
Beiträge: 14

BeitragVerfasst am: 27.10.2004, 16:48    Titel: Da sein, zuhören, Trauer aushalten Antworten mit Zitat

Liebe LeserInnen,
es erstaunt mich, dass ich die erst Schreiberin bin, da doch jeder gute und schlechte Erfahrungen mit ihrer direkten Umgebung gemacht hat. Nun gut. Da meine Erfahrungen sehr extrem gut und schlecht waren, möchte ich denjenigen, denen die Unterstützung ihrer Lieben am Herzen liegt ein paar persönliche Tips mitgeben:
- ein Trauernder braucht gar nicht viel, weil er meist eh unter Schock steht
- die eine möchte reden, der andere mit dem anderen oder alleine schweigen, jeder ist anders und deshalb am besten FRAGEN "Wie geht es Dir? Magst Du über Deine Mutter,... reden? Oder über Deine Gefühle?"
- am klarsten und einfachsten ist vielleicht ein "Was brauchst Du jetzt? Was hättest Du jetzt am liebsten?" - Dich verkriechen, heulen, lachen, schreien, ruhig reden, essen, ausgehen, sich ablenken
- es gibt kein Rezept, weil jeder anders ist und es sich nicht voraussagen lässt, wie jemand mit Trauer umgeht, ich war auch oft überrascht
- mir hat es geholfen, dass Menschen mit ähnlichen Erfahrungen, mit mir einen Trinken gegangen sind, um unsere TRauergeschichten auszutauschen
- oder jemand, der mir eine Karte schrieb mit "Wenn Du reden magst, ich bin da" , das war sehr schön, auch wenn ich das Angebot erst spät angenommen habe
- gerade Leute, die einen nicht so gut kennen, verblüffen mit sehr schönen GEsten, vielleicht ist es leichter mit der Distanz?
- da man überhaupt KEINE ENERGIE hat ist umsorgen angesagt: kochen, einkaufen und SICH MELDEN - ein Trauernder kriegt es nicht merh hin, Kontakt-Energie zu mobilisieren, deshabl heißt's INitiatiive zeigen !!!
- es eine große Chance einen Menschen durch die Trauer zu begleiten - man kommt ihm oder ihr näher und sich selber, nehmt die Chance wahr, ihr werdet reichlich belohnt werden durch wachsende Nähe

Alles Gute, Mira
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Tanja
Administrator


Anmeldedatum: 21.11.2003
Beiträge: 249
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 27.10.2004, 20:44    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mira,

das hast du sehr schön auf den Punkt gebracht.

Danke.

Liebe Grüße
Tanja
_________________
Du fehlst.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden
paula



Anmeldedatum: 28.10.2004
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 28.10.2004, 23:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!
Der Vater meines Freundes (22) hat Krebs der nicht mehr zu heilen ist. Es ist leider absehbar dass er den Krebs nicht besiegen werden kann.
Er ist, dadurch dass er das einzige Kind von geschiedenen Eltern ist, sehr alleine mit der Verantwortung, der Belastung und den Sorgen.
Ich würde ihm sehr gerne einen Halt bieten, aber ehrlich gesagt weiß ich im Moment nicht wie ich ihm helfen kann. Er hat sich am Anfang in unserem Zusammensein abgelenkt. Überhaupt will er entweder garnicht über dieses Thema sprechen oder er sagt mir gerade mal ganz knapp wie es seinem Vater geht wenn er aus dem Krankenhaus kommt. Bisher hat er nur einmal ganz am Anfang über seine Gefühle gesprochen. In der letzten Zeit ist er aber noch zurückgezogener, er verhält sich mir gegenüber geradezu abweisend, so als wäre er sauer auf mich. Natürlich weiß ich dass das nicht wirklich der Grund für sein Verhalten ist - und ich möchte mich ganz bestimmt auch nicht darüber beklagen! Ich wüßte einfach gerne wie ich mich verhalten soll, ob ich noch mehr auf ihn zugehen soll (er blockt aber fast jede Frage ab) oder ob ich ihn garnicht darauf ansprechen soll (aber das ist doch auch nicht "normal"!?).
Normalerweise bin ich nicht so unsicher im Umgang mit Menschen, schon garnicht in dem mit meinem Freund. Aber ich bin im Zuge meiner "Recherche" zur Krankheit im Internet auf diese Seite gestoßen und vielleicht liest das hier jemand der eine ähnliche Situation durchgemacht hat wie mein Freund - und vielleicht kann mir jemand sagen wie ich ihm am besten zur Seite stehen kann. Ich würde die Situation so gerne wenigstens ein bißchen "mittragen".

Ich freue mich wenn mir jemand antwortet!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Mira



Anmeldedatum: 20.10.2004
Beiträge: 14

BeitragVerfasst am: 02.11.2004, 12:51    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Paula,

zum einen könntest Du Dich unter Verlust durch Krankheit oder ...des Vaters einloggen und da nochmal Deine Fragen stellen, da findest Du mehr Leute zum chatten.

meine eigenen Ideen...
schwierig, da ich Deinen Freund nicht kenne, aber ich war in einer sehr ähnlichen Situation wie er und musste mich quasi alleine um meine sterbende Mutter kümmern - meinen Freund an der Seite zu haben hat mir dabei sehr geholfen.

Grundsätzliches:
es ist eine schwere Zeit für Euch, tragt dem Rechnung, nehmt nicht alles Gesagte für bare Münze, ihr seid jetzt sehr dünnhäutig.

Lasst es Euch gut gehen, ihr habt es schwer genug, wenn Dein Freund nicht darüber reden möchte, sollte Du es tolerieren.

Hast Du das Gefühl er ist sauer, dann sag es ihm und frag ihn ob es so ist oder ob es nur Deine Idee ist.
Direkt zu fragen ist immer der beste Weg, um solche quälende Gedanke aus der Welt zu schaffen.

Hast Du das Gefühl, er antwortet nicht ehrlich, dann sag' ihm doch, dass Du ihn stützen möchtest, das aber nur kannst, wenn er Dir sagt, was er braucht.
Vielleicht muss Du ein bisschen hartnäckig sein, vielleicht braucht er auch etwas Zeit, um Dir zu vertrauen.

Denk' daran, dass Du einer der wenigen Menschen bist, die mit ihn diesen schweren Weg gehen, dass ist hart zu schlucken, ich hatte lange SChuldgefühle,weil mein FReund mich so treu begleitet hat und ich immer dachte, das werde ich ihm im Leben nicht zurückzahlen können, was er da für mich getan hat.

Du bist für ihn jetzt sehr wichtig, und das mach ihm höchstwahrscheinlich sehr viel Angst, weil eine andere wichtige Person in seinem Leben sich gerade verabschiedet und er merkt, wie abhängig wir von der Liebe unserer Umwelt sind.

Es gäbe noch vieles dazu zu erzählen, stöber doch mal im Forum und melde Dich, wenn Du noch Fragen hast.

Ich habe aber das Gefühl, das Du das schon richtig machst,
hör auf Dein Herz, dann wird schon nicht so viel schief gehen,
und nimm' Dir einen Begleiter für diese Zeit, sei es Freund oder professionelle Hilfe á la nette Therapeutin?

Weißt Du, ich hab mal gelesen, Trauerbegleitung muss nach einem Dominoprinzip aufgebaut sein, so dass jeder BegleiterIn jemanden zum bequatschen hat, sonst fällt der Letzte in der Reihe um und das möchtest Du ja nicht - also hol' Dir eine Begleitung und rede mit Deinem Süßen!

Es grüßt Euch in dieser schweren Zeit,

Mira
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Corinna
Gast





BeitragVerfasst am: 03.11.2004, 11:24    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo!!!
Es stimmt, das Dominoprinzip ist eine gute Hilfe.
Mein Opa(mütterlich) ist am 14. 10. an Krebs gestorben. Es ist für uns alle sehr schlimm. Ich habe zwei super Schwestern, und wir haben uns die letzte Zeit sehr gestützt, geredet, geweint, gelacht.... und sind gemeinsam für unsere MAMA und für unsere OMA da.Ich selbst habe mir am Tag des Todes gesagt, und Du trauerst um Deinen geliebten Opa so lange wie Du es willst. Ich tue es, in meinem Herzen und in meinen Gedanken. Es hilft mir sehr. Ich rede auch sehr viel darüber. Naja, mein Kleiner Sohnemann, er wird in 3 Wochen fünf, möchte auch darüber sprechen, und das machen wir. Ich finde es so wichtig über Ihn zu sprechen, über diese ganze Situation. Ich mache mir Sorgen über meine Mama. Bín deshalb auch hier angekommen, vor Wochen stand ein Bericht in der Woman?!
Vergangen Sonntag beim Frühstück, erzählte Sie mir das Sie Nachts so einen furchbaren Schrecken bekommen hatte. Sie lag wach da, und hörte wie die Schlafzimmertüre leise aufging. Ihr erster Gedanke war, das ist Giuliano (mein Baby) doch er sagt immer Oma. Es waren Schritte da, und es setze sich jemand an ihr Bett. Sie zog die Decke hoch und schrie. Mein Vater machte sofort Licht, es war níemand da. Himmel, wenn ich daran denke wird mir immer noch ganz anders. Glaubt jemand das mein Opa bei Ihr war?

Grüßle
Nach oben
Dani



Anmeldedatum: 04.11.2004
Beiträge: 1
Wohnort: Düsseldorf

BeitragVerfasst am: 04.11.2004, 08:52    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Ihr Lieben!

Ich bin selbst verzweifelt, weiss meinem Papa nicht zu helfen. Am 11.07.04 legte sich meine Tante hin, schlief ein und wachte einfach nicht mehr auf. Herzkreislaufversagen mit 49 Jahren. Sie hielt immer die Familie zusammen, war eine sehr starke Frau.
Wir schwörten uns, zusammenzuhalten, erst recht jetzt, um ihr zu zeigen, wie stark wir sind. An ihrem 50. Geburtstag, der war schon groß geplant, möchte mein Cousin ein Feuerwerk steigen lassen - für seine Mutter.
Heike, es war die Schwester meines Papas. Sie waren unzertrennlich. Gerade weil, ihre Eltern und ihre jüngste Schwester bereits starben. Das vierte Mal nun erlebt mein Papa dies. Und jedesmal war er dabei, wie sie starben.
Er hat komplette Familie verloren, Gott sei dank, noch eine Schwester - und einen Bruder, mit dem er allerdings seit Jahren zerstritten ist.
Ich weiß ihm nicht zu helfen. Er baut eine Mauer um sich. Zwar beschäftigt er sich viel, malt.
Als ich letzte Woche mit ihm an den Gräbern seiner Schwestern war, sagte ich, dass ich es bewundernswert finde, wie er damit umgeht. Wenn ich mich an diesen Gedanken festhalte, bekomme ich Angst, wüsste nicht wie ich weiterleben könnte, ohne meine Eltern.
Jedenfalls weiß ich, dass es ihn innerlich auffrisst...
Und ich habe Angst, dass er der nächste ist.
Denn uns kommt es vor, als läge ein Fluch über die Familie.
Ich bin soviel wie möglich bei meinem Papa, genauso will ich auch für meine Mama und für meine Cousinen da sein. Dabei trauer ich doch selbst Ich versuche stark zu sein für meine Familie. Und ich hoffe, dass der Schmerz irgendwann nachlässt. Aber ich kanns mir nur schwer vorstellen - Sie fehlt einfach... Und mir laufen wieder Tränen übers Gesicht. Und, man hat Angst, irgendwann ihre Stimme im Sinn zu verlieren...
_________________
Es geht weiter!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Sylvia
Gast





BeitragVerfasst am: 12.12.2004, 02:01    Titel: Antworten mit Zitat

Unsere Freundin ist im Februar gestorben. Die letzten Monate verbrachte sie in einem Hospiz, wo sie wirklich aufopferungsvoll gepflegt wurde.
In dieser Zeit haben wir sehr viel über ihre Söhne gesprochen.

Sie sind 29, 28 und 24 Jahre alt. Ihr Jüngster und unser Sohn haben in ihrer Kindheit sehr viel Zeit miteinander verbracht und auch die beiden anderen Jungs stehen unserer Familie sehr nahe.

In der Zeit vor ihrem Tod haben wir den Jungs angeboten sich bei uns zu melden, wenn sie Hilfe brauchen oder einfach mal nur jemanden zum Quatschen brauchen. Dieses Angebot haben sie gerne angenommen. So waren mein Mann und ich für sie da, wenn sie uns brauchten. Wir haben uns natürlich auch sehr oft im Hospiz getroffen, weil immer einer von ihnen dort war.

Zwei Tage vor ihrem Tod haben wir noch mal sehr intensiv miteinander reden können. Sie wusste, dass sie nicht mehr viel Zeit hatte. Aber ich glaube, mein Versprechen, dass wir immer für ihre Söhne da sein werden, hat es ihr leichter gemacht zu gehen.

Es gibt immer wieder Situationen, in welchen sich einer von den Jungs bei uns meldet. Sei es, weil es Probleme mit der Abwicklung des Nachlasses gibt, weil es ihnen einfach sch... geht oder sie einfach mal nur auf einen Kaffee oder ein leckeres Essen vorbei kommen.

Ich denke, dass für uns alle die Situation so am besten zu bewältigen ist. Wir wissen, dass sie gerne zu uns kommen, ob wegen Problemen oder einfach nur so. Sie wissen, dass unsere Tür immer für sie offen ist, Tag und Nacht. Und irgendwo sind es auch unsere Kinder - schon viele viele Jahre. Wir haben schon so viel gemeinsam gelacht, geweint und einfach nur eine schöne Zeit miteinander verbracht.

Also bietet eure Hilfe an, sie wird sicherlich - wenn sie von Nöten ist - auch angenommen werden, aber drängt euch nicht auf.
Nach oben
Maxi



Anmeldedatum: 11.12.2004
Beiträge: 2
Wohnort: Köln

BeitragVerfasst am: 12.12.2004, 11:23    Titel: . Antworten mit Zitat

liebe mira,
besser hättest du es wirklich nicht zusammenfassen können, denn man kann alles so unheimlich gut nachvollziehen, weil man es selber erlebt hat.
Liebe Grüße, maxi
_________________
Ein Schiff
das am Horizont versinkt,
ist nicht verschwunden,
man kann es nur nicht mehr sehen.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Gaby



Anmeldedatum: 10.12.2004
Beiträge: 128
Wohnort: Odenthal bei Köln, studiere in Kassel

BeitragVerfasst am: 12.12.2004, 12:45    Titel: Antworten mit Zitat

Noch ein Tipp für alle, die mit einem Trauernden konfrontiert werden: Ihn nicht wie einen Aussetzigen behandeln, sondern ganz normal mit ihm umgehen!!! Natürlich braucht er sehr viel Hilfe und alles, aber vor allem braucht man auch das Gefühl, noch immer "normal" zu sein, Freunde zu haben und dass das Leben weitergeht. Themen wie Tod, Eltern, Familie etc, die zufällig im Gespräch aufkommen, sollten nicht in der Gegenwart des Trauernden noch nach Jahren ignoriert oder mittendrin abgebrochen werden, das erinnert einen dann noch viel mehr daran, dass man "anders" ist!!
_________________
Ich habe meinen Vater vor 14 Jahren an Krebs verloren. Ich war 6 Jahre alt.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden AIM-Name MSN Messenger
desiree



Anmeldedatum: 23.03.2004
Beiträge: 662
Wohnort: Tief im Westen

BeitragVerfasst am: 12.12.2004, 16:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Gaby,
ich finde deine Antwort sehr gut nur bei mir ist das Problem das ich nur eine Freundin und einen Freund habe mit denen ich über Trauer reden kann. Mein Freund wohnt in Hessen und meine Freundin in Mecklenburg-Vorpommern. Beide habe einen Verlust in der Familie hinter sich gebacht aber bei mir ist es so das ich Leute kenne lerne die mir aber nach kurzer Zeit den Rücken kehren und mir allein lassen. Die beiden die ich meine sind hier Angemeldet aber ihnen ist alles andere wichtiger als ich denn sie haben mich wirklich sitzen lassen. Es ist sehr schwer Freunde zu finden oder wenn man welche hat dann lassen sie einen im Stich,weil man jetzt anders geworden ist Traurig . So ganz verstehe ich das alles nicht!
Also was soll ich tun?
Lg Désy
_________________
Ich bin am 09.06.2003 Halbwaise geworden,mein Vater starb an Magenkrebs.01.10.05 ist Cleo( 3,5),24.12.05 ist César(4,5),25.12.05 ist Lady(1),13.03.08 ist Flecki ( 2,8 ),19.07.2009 ist Tammy(3,5)gestorben.Im Himmel wieder vereint.Ich liebe euch alle sechs!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Gaby



Anmeldedatum: 10.12.2004
Beiträge: 128
Wohnort: Odenthal bei Köln, studiere in Kassel

BeitragVerfasst am: 12.12.2004, 18:18    Titel: Antworten mit Zitat

Kommt mir irgendwie bekannt vor.... Ich habe auch nie viele Freunde gehabt und mir fällt es wahnsinnig schwer, mich auch jemanden einzulassen. Und bisher ist es auch immer passiert, dass ich mich endlich mal auf jemanden eingelassen habe, ihm/ihr vertraut habe und ich wurde wieder fallengelassen..... ich weiß nicht, ob es vielleicht auch an uns liegt.... sicher ist auf jeden Fall, dass wir einfach nicht so sein können wie unsere Altersgenossen, dafür haben wir einfach viel zu viel schon mitgemacht in unserem Leben. Vielleicht können andere Menschen unsere Art zu denken und zu fühlen einfach nicht nachvollziehen, können damit nicht umgehen. Ich weiß es nicht.... mein größter Traum ist es, jemanden kennenzulernen, dem ich voll und ganz vertrauen kann, endlich wieder eine echt beste Freundin zu haben, die mich versteht,...... es ist schwer. Bisher dachte ich immer, es läge einfach nur an meinem Charakter, aber vielleicht liegt die Ursache doch in unserer gemeinsamen Vergangenheit.... ich wüsste auch gerne, was ich ändern soll, damit sich diese Situation ändert..... vielleicht kann uns ja ein Dritter einen Rat geben!!!
_________________
Ich habe meinen Vater vor 14 Jahren an Krebs verloren. Ich war 6 Jahre alt.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden AIM-Name MSN Messenger
Gaby



Anmeldedatum: 10.12.2004
Beiträge: 128
Wohnort: Odenthal bei Köln, studiere in Kassel

BeitragVerfasst am: 16.12.2004, 14:27    Titel: Antworten mit Zitat

Ich bin grad so überrascht und glücklich, das muss ich loswerden. Ich habe ja grad noch davon geschrieben, dass man meist sehr komisch behandelt wird, wenn jemand von unserer Vergangenheit hört. Jetzt hatte mir eine Freundin von Weihnachten geschrieben, ob ich mich freue. Da mein Vater am 24.12. gestorben ist, ist bei mir Weihnachten halt auch immer ein trauriges Fest und das hatte ich ihr geschrieben. Wir kennen uns eigentlich noch kaum. Jetzt habe ich eine Antwort von ihr bekommen und sie geht soo super damit um!!! Ich hätte eher damit gerechnet, dass sie das Thema übergeht oder mich bemitleidet. Nein, sie hat mir Mut gemacht, hat mir Kraft gewünscht. Sie ist ganz normal damit umgegangen. Manchmal wird man wirklich von den Menschen am meisten verwundert, die man am wenigsten kennt.....
Und das verbindet wahnsinnig.... sie ist mir gleich viel sympathischer, weil sie mich mal so akzeptiert, wie ich bin, als Halbwaise mit Problemen.
Ich wünsche euch, dass ihr auch solche Menschen kennenlernen werdet!!!!! Oder besser noch, schon kennengelernt habt!!
_________________
Ich habe meinen Vater vor 14 Jahren an Krebs verloren. Ich war 6 Jahre alt.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden E-Mail senden AIM-Name MSN Messenger
Antje T
Gast





BeitragVerfasst am: 17.12.2004, 23:11    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Gaby,

das ist mir auch aufgefallen, das "fremde" Menschen, also Menschen die man vielleicht 1 Mal im Jahr sieht auf einen zukommen und reden.
Ich finde Reden so wichtig. Ich mag gern über Papa reden, da werden Bilder wach. Natürlich weine ich auch, aber ich fühle mich am lebendisten wenn ich über ihn rede.
Hart ist das Schweigen was einem entgegengebracht wird. Wenn ich reden will wird abgeblockt oder das Thema gewechselt oder schnell umgeschwenkt...dann fühle ich mich als Störfaktor, nicht ernst genommen.
Aber wenn ich ganz ehrlich bin, vorher habe ich auch nicht gewußt wie man damit umgeht. Man hört zwar von Bekannten das jemand Nahes gestorben ist...ist aber selbst wie gelähmt. Sicher weil man sich dann mit seiner eigenen Sterblichkeit auseinandersetzen müßte.
Eine befreundete Familie von meinem Vater kümmert sich super um mich. Sie rufen an, laden mich ein und es ist gut sich mal irgendwo "auskotzen" zu können...über all die Gefühle - auch negative - die man hat. Ich finde es so toll das sie für mich da sind, ich weiß gar nicht wie ich das gutmachen kann.


Hallo Mira,

deinen Beitrag fand ich einfach klasse !!! Das trifft es auf den Punkt.


Hallo Sylvia,

du und deine Familie seit Engel auf Erde, anders kann ich das nicht beschreiben. Ihr tragt selbst Trauer und werdet durch die Kinder daran erinnert. Aber ihr schreckt nicht zurück sondern helft aktiv mit.
Ich hoffe euch wiederfährt viel viel Gutes. Um mich kümmern sich auch Bekannte von meinem Vater. Das tut sowas von gut.


Hallo Corinna,

ja ich glaube fest das ihr Mann bei deiner Oma war. Er wollte sie vielleicht zudenken, weil ihr kalt war oder ihr einfach mal Gute Nacht sagen.
Ich würde sicher auch einen Schrecken bekommen, weil man nicht weiß was passiert.
Er hat seiner Frau sicher zeigen wollen, das er jetzt ihr persönlicher Schutzengel ist und auf sie aufpassen wird.
Nach oben
Kerstin
Gast





BeitragVerfasst am: 19.12.2004, 21:39    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Corinna,
mein Vater starb als ich 11 war. Wenn ich abends alleine zu Hause das Vorabendprogramm im Fernsehen guckte und ganz versunken in den Serien war, hörte ich in Gedanken immer die Schlafzimmertür und dachte gleich kommte mein Vater um die Ecke getappt (er war blind). Die Vorstellung machte mir natürlich Angst und ich saß star vor Angst im Sessel. Diese Vorstellungen und das hören der sich öffneten Tür verlor ich erst wie ich mich mit meiner eigenen Trauer beschäftigte und den Tod meines Vaters verarbeitete. Das war mit 23, erst sehr spät doch ich hatte damals keinen Ansprechpartner und wurde teils auch als Aussetzige behandelt. Nicht schön, aber meine Schulkameraden und Freunde wussten nicht wie sie mit Trauer umgehen sollten und ich ehrlich gesagt auch. Und in der Pupertät hatte ich andere Sorgen.
Meine Trauer habe ich erst sehr spät verarbeitet, weil ich nicht mehr vor der klappenden Tür Angst haben wollte.
Ich glaube das Deine Mutter "Besuch bekam" liegt daran weil sie sich mit dem Menschen beschäftigt, ihn vermisst. Solche Vorstellungen werden erst aufhören wenn die Trauerarbeit beendet ist und man den Tod des verstorbenen Menschen akzeptiert.

Liebe Grüße
Kerstin

Solch ein Forum hätte ich mir damals gewünscht, dann wäre einiges einfacher gelaufen.
Danke
Nach oben
Sylvia



Anmeldedatum: 12.12.2004
Beiträge: 39

BeitragVerfasst am: 25.12.2004, 23:49    Titel: Antworten mit Zitat

Antje T hat Folgendes geschrieben:
Hallo Sylvia,

du und deine Familie seit Engel auf Erde, anders kann ich das nicht beschreiben. Ihr tragt selbst Trauer und werdet durch die Kinder daran erinnert. Aber ihr schreckt nicht zurück sondern helft aktiv mit.
Ich hoffe euch wiederfährt viel viel Gutes. Um mich kümmern sich auch Bekannte von meinem Vater. Das tut sowas von gut.


Das macht mich jetzt doch verlegen Verlegen , weil das für mich eigentlich selbstverständlich ist. Dadurch sind wir noch lange keine Engel. Aber es freut mich auf der anderen Seite, dass du so denkst. Winken

Ich war auch froh, dass ich bei dem Tod meiner Mutter eine nette Nachbarin hatte, die mich aufgefangen hatte. Denn ich musste mitten in der Nacht von Bayern nach NRW reisen und kam doch zu spät. Meinen Mann hatte ich gebeten, im Urlaubsort zu bleiben, weil ich wusste, dass ich eigentlich nur noch alles zu Hause regeln konnte. Er fehlte mir natürlich und ich war froh, dass meine Nachbarin für mich da war.
_________________
Jeder Tag ist ein neuer Tag
LG Sylvia
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden Yahoo Messenger
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Elternlos-Forum Foren-Übersicht -> Wie helfe ich jemandem, der seine Eltern verloren hat? Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Gehe zu Seite 1, 2  Weiter
Seite 1 von 2

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB.de