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seit 6 Tagen ist alles anders - NIE WIEDER

 
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Liriana



Anmeldedatum: 01.11.2009
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 01.11.2009, 16:41    Titel: seit 6 Tagen ist alles anders - NIE WIEDER Antworten mit Zitat

Ich bin über Google auf diese Seite gestossen, ich suche irgendwas, irgendwen.. In der vergeblichen Hoffnung auf Antworten und Lösungen will ich versuchen, die Trauer rauszulassen, davon zu erzählen, von meinem Vater zu erzählen, der am vergangenen Montag einfach nicht mehr aufgewacht ist.
Und dies obwohl es scheint, als würden die Worte, die ich kenne, niemals ausreichen, um meinen Schmerz zu fassen. Unfassbar ist der Verlust meines Papis, der immer für mich da war, der mein wohl bester Freund auf der Welt war, der mein Antrieb war für mein Leben.
Ich frage mich: Wie soll es weiter gehen? Wie kann sich die Erde weiterdrehen? Wie können immer wieder neue Tage folgen? Wie kann die Sonne einfach weiterhin aufgehen und untergehen? Wie kann im Fernsehen Formel 1 gezeigt werden? Wie können Menschen einkaufen gehen, wie können sie über Kleidergrössen dikutieren, wie können sie sich mit Kuchen und Autos und Bällen und Blumen und Fingernägeln beschäftigen?
Wo doch alles vorbei ist.
Am Sonntag habe ich noch mit ihm gesprochen, wir haben gelacht, und zum Abschied haben wir uns eine gute Nacht gewünscht. Ich habe Papi bei ihm zu Hause ausgeladen, gefragt, ob ich noch zu ihm hochkommen soll - er meinte, er lege sich jetzt schlafen, ich sagte "schlaf gut, ruf dich dann morgen an". Am Morgen hat er das Telefon nicht mehr klingeln gehört. Einfach so.... So verdammt plötzlich. Wir hatten Ferien gebucht und geplant, wir wollten noch soooo viel zusammen erleben.
Und jetzt soll alles fertig sein? Er ist so kurz her und doch für immer unerreichbar.
NIE WIEDER gemeinsam über irgendetwas lachen, NIE WIEDER über Atomkraftwerke streiten, NIE WIEDER dasselbe Bild im Museum interessant finden, NIE WIEDER ein SMS von ihm bekommen, NIE WIEDER ihm in meiner Wohnung einen Instantkaffe servieren, NIE WIEDER mit ihm während einem Fussballmatch telefonieren, ohne wirklich etwas zu sagen, NIE WIEDER den Klang seiner Stimme hören...

NIE WIEDER ist unvorstellbar und bricht mir das Herz.
_________________
Papi, warum musstest du schon gehen? (29.11.53 - 26.10.09) Ich will es nicht glauben und verstehe die Welt nicht mehr...
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Tanja
Administrator


Anmeldedatum: 21.11.2003
Beiträge: 249
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 03.11.2009, 21:01    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Liriana,

es tut mir sehr Leid, dass du deinen Vater so plötzlich verloren hast.

Ein "nie wieder" ist schwer zu begreifen und braucht viel Zeit. Ich kann dir raten, nimm dir Zeit, höre auf dein Bauchgefühl und deine Bedürfnisse.

Ich kann dir aus eigener Erfahrung sagen, dass der Schmerz irgendwann erträglich wird und sogar einem liebevollen Erinnern weichen kann. Auch wenn das viele Wochen und Monate dauern kann. Das würde dein Vater sich sicher für dich wünschen.

Mir kam es immer so vor, als würde die Welt sich weiter drehen wie ein Karussel und man selbst bleibt einige Runden einfach daneben stehen. Aber irgendwann kommt der Punkt, an dem man wieder mitfahren möchte.

Ich wünsche dir ganz viel Kraft.

Lieben Gruß,

Tanja
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Du fehlst.
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Liriana



Anmeldedatum: 01.11.2009
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 24.11.2009, 02:34    Titel: Liebe Tanja Antworten mit Zitat

Liebe Tanja

Danke für deine Antwort, und sorry, dass es so lange gedauert hat, bis ich mich wieder gemeldet habe. Das mit dem Karussell finde ich eine schöne Analogie, und ich habe in den letzten Wochen immer wieder daran gedacht. Tatsächlich scheint es absurd, dass sich alles einfach weiter dreht. Nach den zwei Wochen Schonfrist, bis hin zur Beerdigung, wird gnadenlos wieder erwartet, einwandfrei zu funktionieren. Und dabei bin ich doch runtergefallen, nichts ist mehr wie es war, und es geht nicht einfach weiter. Und doch versuche ich es, irgendwie, auch wenn ich nicht genau weiss warum.. Meine innere Uhr wurde verstellt. Ich gehe in Zeitlupe durch eine rasend schnelle Welt und komme nicht mit, schaffe es einfach nicht, und am Ende der Woche blicke ich zurück und frage mich, wo denn all diese Zeit geblieben ist - und was ich währenddessen gemacht habe. Und schon kommt unerbittlich eine neue Woche, die gelebt werden will.
Momentan möchte ich noch nicht wieder aufsteigen, ich wünsche mir ganz einfach Zeit. Zeit nachzudenken, traurig zu sein, mich zu erinnern, dankbar zu sein, zu weinen und zu lachen; um dann irgendwann bewusst und gerne wieder aufzusteigen und mitzumachen, mitzudrehen. Zeit, die mir die Welt nicht scheint geben zu wollen..
Und ich frage dich die Fragen, deren Antworten ich dann irgendwann mal selber werde geben können: Wird es irgendwann besser? Kommt irgendwann ein Zeitpunkt, an dem es nicht mehr so unglaublich wehtut? Ist es wirklich so, dass man irgendwann akzeptieren kann, ohne dass es sich wie resignieren anfühlt? Gewöhnt man sich daran, dass die wichtigste Person fehlt? Wird das Niewieder irgendwann fassbar?

Ich muss sagen, dass ich mich dank dieser Seite etwas weniger alleine fühle. Obwohl ich mich auch ein wenig dafür schäme, dass ich andere brauche, denen auch das Liebste genommen wurde, um mich besser zu fühlen. Aber dass das Leiden kleiner wird, wenn es geteilt wird, hat irgendwie schon was.

Liriana
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Tanja
Administrator


Anmeldedatum: 21.11.2003
Beiträge: 249
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 25.11.2009, 14:57    Titel: Re: Liebe Tanja Antworten mit Zitat

Liriana hat Folgendes geschrieben:

Momentan möchte ich noch nicht wieder aufsteigen, ich wünsche mir ganz einfach Zeit. Zeit nachzudenken, traurig zu sein, mich zu erinnern, dankbar zu sein, zu weinen und zu lachen; um dann irgendwann bewusst und gerne wieder aufzusteigen und mitzumachen, mitzudrehen. Zeit, die mir die Welt nicht scheint geben zu wollen.
Liriana


Hallo Liriana,

du siehst das ganz richtig. Zeit ist genau das was du brauchst. Versuch dir Zeit zu nehmen, schaff dir Freiraum im Alltag. Vielleicht kannst du Urlaub nehmen oder dir eine Stunde, einen Abend, ein Wochenende dafür frei halten. Du kannst zu Freunden sagen "Danke ich möchte im Moment nichts unternehmen, ich brauche ein bisschen Zeit für mich." Es ist deine Trauer, es sind deine Spielregeln. Wenn du das klar kommunizierst, wird dir niemand böse sein deswegen. Vielleicht helfen dir auch Gespräche mit einer guten Freundin. Ich fand das lesen von Trauerratgebern in der ersten Zeit auch ganz hilfreich.

Ganz weg geht der Schmerz nie. Er kommt manchmal wieder an Geburtstagen, an Weihnachten, in Momenten einfach so. Aber man lernt die Trauer zu kontrollieren und kann irgendwann selbst entscheiden ob und wann man traurig sein möchte. Die Trauer beherrscht dann nicht mehr den Alltag, was am Anfang ganz normal ist. Wie lange das dauert ist aber von Mensch zu Mensch verschieden.

Du musst dich nicht dafür schämen mit anderen Betroffenen zu sprechen. Genau dafür ist dieses Forum ja da. Warum alleine kämpfen, wenn es Mitstreiter gibt. Winken

Lieben Gruß,

Tanja
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