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und immer wieder Alkohol

 
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Anmeldedatum: 16.03.2009
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BeitragVerfasst am: 16.03.2009, 15:38    Titel: und immer wieder Alkohol Antworten mit Zitat

Hallo zusammen....

vor ziemlich genau einem halben Jahr (zwischen dem 3. und dem 5. September 2008) ist mein Papa gestorben.
Genau weiß ich es leider nicht, auf dem Kreuz am Friedhof stehtd er 5. September - da hat ihn sein bester Freund tot in seinem Bad gefunden.

Mein Vater war Alkoholiker, schon seit ich auf der Welt bin. Doch es war nicht immer so schlimm wie am Ende.
Ich habe Erinnerungen an ihn, die beide Seiten zeigen. Es ist schon fast schizophren.
Auf der einen Seite der Vater, der mit seinen beiden Kindern Angeln geht, ihnen zeigt, welche Pilze man sammeln und welche man stehen lassen soll, der Vater der im Schwimmbad mit einem tobt oder der, der immer und immer gelesen hat.
Auf der anderen Seite der Vater, der immer wieder betrunken war. Er war nie aggressiv oder so, er war einfach nur anders.
Ich glaub als ich sieben war, hab ich das erste mal bemerkt, dass mit meinem Papa manchmal "was nicht stimmt. "
Damals kam ein Nachbarsjunge ganz entsetzt zu uns ins Haus gerannt "Euer Papa kriecht im Garten rum!"
Mein Vater war von einer Kneipentour heim gekommen und vom Fahrrad gefallen. Meine kleine Schwester ist so schnell aus dem Haus gerannt, dass sie hingefallen ist und sich das Knie aufgeschlagen hat. Meine Mutter hat sich also erstmal um sie gekümmert. Ich - die Große von uns beiden - hab meinem Papa geholfen beim Aufstehen, hab ihn ins Haus gebracht und ihm den Arm abgewischt, den er sich am Zaun aufgerissen hat.
Er hatte ganz trübe Augen und war total abwesend.
Diese Situation hat sich ganz tief in meinen Kopf eingebrannt.
2001 haben sich meine Eltern dann getrennt, mein Vater ist in die so ziemlich schlechteste Gegend der Stadt gezogen.
Zuerst ging alles ganz gut, mein Vater hatte schließlich auch einen guten Job als Abteilungsleiter, er hat sich noch regelmäßig bei uns gemeldet.

Ich konnte jedoch nie bei ihm schlafen, hatte immer Angst. Die Gegend und das Gefühl "alleine zu sein", auch wenn er da war, hatte sich wohl schon zu tief eingebrannt. Auch, wenn er der liebste Vater war, den man sich vorstellen konnte.

Einmal hat er mich vom Schüleraustausch in Frankreich abgeholt, ich hatte damals riesiges Pech mit meiner Familie. Als ich mit ihm im Auto saß, hat er gesagt "Wenn es sein muss, fliege ich auch zum Mars, um dich zu holen!"
Das war 2005.
2006 ging es steil bergab. Er hat sich kaum noch bei mir und meiner Schwester gemeldet, immer haben wir die Initiative ergriffen. Im Sommer habe ich dann psychische Probleme bekommen (die ich allerdings nach ca. einem halben Jahr wieder im Griff hatte) - ich glaube, er kam damit nicht so gut zurecht.
Anfang 2007 dann bin ich zu ihm gefahren, ohne mich anzumelden - noch hatte ich seinen Schlüssel. In der Wohnung sah es schrecklich aus, in der Badewanne stapelte sich dreckiges Geschirr in einer braunen Brühe, der Boden völlig verklebt.

Aber ich wollte ja eine gute Tochter sein und ihm eine Freude machen, also hab ich beschlossen, die Küche aufzuräumen. Im Putzschrank habe ich dann 48 leere Flaschen Wodka gefunden. Ich hab sie ihm alle auf den Boden gestellt mit einem Brief - "willst du das wirklich?" und bin nach Hause gegangen.

Im Sommer dann, ist er in eine Privatklinik gefahren um einen Entzug zu machen. Er war privat versichert, die Kasse sagte anfangs, sie würde zahlen.

Nach drei Wochen - er war wieder richtig gut drauf und der "tolle Papa" aus meiner Erinnerung - kam die Nachricht, er müsste alles alleine zahlen. 16000€. Seinen Job hatte er schon anfang des Jahres aufgegeben.
Also ist er wieder gegangen - drei Wochen nach dem Aufenthalt hat er wieder getrunken.
Ab März 2008 haben wir fast nichts mehr von ihm gehört. Ich bin ihn jede woche besuchen gegangen, hab ihn pro Monat aber nur ca. 2 mal angetroffen.
Ab Juli dann habe ich ihn gar nicht mehr erreicht.

Am 5. September 2008 war ich mit Freunden grillen. Als ich abends gut gelaunt nach Hause kam, lag ein Zettel meiner Mutter auf dem Tisch. "Wir sind in Mühlburg".
Ich hab sie angerufen, noch am Telefon hat sie mir erzählt, dass Papas bester Freund meinen Vater tot in seinem Bad gefunden hat.
Er lag schon etwas länger (1 bis 2 Tage) in einer Blutlache und muss schrecklich ausgesehen haben. Ich durfte ihn nicht mehr sehen.

Das ganze ist jetzt ein halbes Jahr her. Meinen "tollen Papa" habe ich schon lange vermisst, aber jetzt ist er gar nicht mehr da. Es gibt nichtmal mehr die Hoffnung, dass er wieder gesund werden könnte.
Vielleicht klingt das alles blöd, vielleicht sagen einige "der ist doch selbst schuld", aber ich bin einfach trotzdem noch so traurig.
Hätte die Kasse gezahlt und wäre er länger in der Klinik geblieben - ich bin sicher, er würde noch leben.

Heute stand ich wieder an seinem Grab. Ich verstehe einfach nicht, warum es so weit kommen musste Traurig

Naja... sorry für den langen text, ich musste das ganze nur irgendwo mal loswerden...

Liebe Grüße
Origin.
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