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keine Trauer bei Kindern?

 
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alisha
Gast





BeitragVerfasst am: 04.10.2006, 18:48    Titel: keine Trauer bei Kindern? Antworten mit Zitat

Hallo,

ich bin heute auf das Forum gestoßen.
Mein Mann hat sich vor 2 Jahren, nach meinem Trennungswunsch, im Wald erschossen. Man fand ihn erst ein halbes Jahr später.
Ich habe alle Phasen von Trauer: Wut, Verzweiflung und Schuldgefühle mitgemacht. Meine Kinder jedoch, damals 14, 11 und 8 Jahre alt, waren nur froh, dass er weg ist.
Ich war mit ihnen bei einem Kinderpsychologen, der meinte dann, er möchte keine schlafenden Hunde wecken. Zur Not wird dann später eine Therapie gemacht.
Wenn ich mit meinen Kindern über ihren Papa reden möchte, (ich soll ihnen ein positives Vaterbild vermitteln), dann wollen sie nichts davon hören.
Mein Mittlerer hat im Zeltlager zu seinen Kumpels gesagt, dass sie ihn nicht bedauern sollen, denn er hätte seinen Vater abgrundtief gehasst.
Das war ja auch mit der Grund für meine Trennung. Am Mittleren hat er seine Wut ausgelassen, die Große hat er wohl sexuell belästigt, und der Kleine war sein Schätzchen.
Ich war immer mehr seine "Bedienstete". Er stand mehr auf Jüngere, und es tut mir leid, aber ich wurde halt auch älter. Und das mit seiner Tochter kann ich ihm heute noch nicht verzeihen. Zum Glück hat sie sich mir gleich anvertraut.
Wir sind inzwischen weggezogen, weil ein paar "nette Bekannte" nicht verstehen konnte, dass man nicht vor Trauer vergeht, sondern noch am normalen Leben teilnehmen kann. Aber auch ich war irgendwie erleichtert, dass der enorme Druck weg war, unter dem wir alle standen. Ich durfte nicht einmal ein Mickymaus-Heft den Kindern kaufen, ohne dass er geschimpft hat. Geld hat er nur für sich ausgegeben. Für Computerspiele war immer Geld da.
Seine Geschwister und seine Mutter nahmen mir das auch übel. Er hätte mich doch so geliebt! Mit ihnen habe ich keinen Kontakt mehr.
Umso schlimmer, weil meine Eltern auch innerhalb der letzten 3 Jahre gestorben sind. So haben meine Kinder keine Großeltern mehr. Aber sie haben auch kein Bedürfnis, zu ihrer einzigen Oma zu gehen.
Ist das normal, oder kommt da irgendwann mal der große Einbruch? Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht?
Gruß
Alisha
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SONNE



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 188

BeitragVerfasst am: 04.10.2006, 22:03    Titel: Antworten mit Zitat

ich denke schon, das irgendwann der große einbruch kommt, früher oder später, gerade bei deinen kindern, auch wenn sie ihren vater gehasst haben, werden sie ihn vermissen, auf ihn wütend sein, das er nicht für sie da war und sich nicht um sie so gekümmert hat, wie sie und du dir es gewünscht hättest. ich kenne auch therapeuten die meinen man soll keinen schlafenden hunde wecken, ich denke, wenn man die entwicklung der sache gut beobachtet ist es okay, aber ansonsten kann das auch nach hinten los gehen.
_________________
es ist schon arg, du fandst dein leben nicht mehr lebenswert, es gab so viele menschen die dir helfen wollten und dich lieb hatten
ich werde dich nie vergessen
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alisha
Gast





BeitragVerfasst am: 05.10.2006, 09:55    Titel: Antworten mit Zitat

Danke, ich denke auch, dass meine Kinder viel in sich hineinschlucken, und das dann irgendwann auf andere Art rauskommen kann. Meinen Mittleren würde ich eher leicht depressiv einschätzen. Da mache ich mir schon meine Sorgen.
Ich möchte sie aber auch nicht zu einem Therapeuten schleppen, wenn sie sich total dagegen wehren.
Es ist sowieso schwer, weil ich alles was sie tun oder nicht tun, noch zu sehr mit ihrem Vater vergleiche. So stinkt mir das so gewaltig, dass meine beiden Großen so oberstinkefaul wie ihr Vater war, sind. Nicht einfach, da immer normal zu reagieren.
Gruß, Alisha
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SONNE



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 188

BeitragVerfasst am: 05.10.2006, 12:30    Titel: Antworten mit Zitat

also ich war 14 als ich meinen vater erhängt gefunden habe und ich habe das auch erstmal verdrängt, das muss auch sein, wie will man sonst weiterleben können?
ansonsten, ichw eiß ja nicht wie nah deine kinder dich an sie ran lassen, aber vielleicht können sie dir ja ihre gefühle zeigen, dir sagen, wenn es ihnen schlecht geht, sei einfach für sie da. wenn deine kinder nicht zu einem therapeuten möchten, bringt es eh nichts wenn du sie zwingst, aber du könntest ihnen ja vorschlagen, das sie mal eine schnupperstunde machen und wenn es ihnen nicht gefällt müssen sie danach nicht mehr dorthin. erzähl ihnen doch mal was man dort so macht (spielen,auch teilweise mit anderen betroffenen, malen, reden, sport...).
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alisha
Gast





BeitragVerfasst am: 06.10.2006, 20:23    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sonne,

Meine Kinder waren ja einmal beim Therapeuten. Sie gingen schon mit entsprechenden Gesichtern rein und saßen auch so drinnen. Meine Tochter meinte, sie sei doch nicht "verrückt und plemplem".
Mein Mann ging morgens aus dem Haus und kam nie wieder. Ich hatte eine Suchaktion eingeleitet, weil wir auch Angst hatten, dass er uns auch erschießt. Als Polizist hat man nun mal leichten Zugang zur Waffe. Die erste Woche durften wir das Haus nur mit Polizeischutz betreten. Trotz Spürhunde und Hubschrauber hat man ihn nicht gefunden. Ich hatte das Gefühl, der Polizei ging es mehr um die Waffe als um ihn und uns. Denn wir bekamen keinen Schutz, nur die banale Empfehlung, die ersten Tage bei meinem Vater zu wohnen. Dort hätte mein Mann uns ja auch zuerst gesucht!
Ein halbes Jahr später fand ihn dann ein Spaziergänger. Es war nicht mehr viel übrig. Meinen Kindern ist Gott sei Dank der Anblick erspart geblieben. So ist der Tod für sie vielleicht nicht so greifbar.
Dazu kam, dass ein Jahr davor die Oma (meine Mutter) und dann ein Jahr danach der Opa (mein Vater) starb. Das hat meine Kinder viel mehr getroffen. Allerdings standen sie wie auch ich vielleicht unter einem Dauerschock.
In letzter Zeit sind die Kinder eher mal bereit, was zu sagen. So sagten sie mir kürzlich, dass sie wahnsinnig Angst hatten, dass er kommt und uns alle erschießt.
Gruß
alisha
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SONNE



Anmeldedatum: 16.08.2005
Beiträge: 188

BeitragVerfasst am: 12.11.2006, 21:06    Titel: Antworten mit Zitat

hallo alisha, da sind deine kinder auch teilweise jetzt in einem echt schwierigen alter um an sie ran zu kommen und sie eventuell zum therapeuten zu schleppen!
wie gehts euch denn derzeit?
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klärchen



Anmeldedatum: 21.11.2006
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 21.11.2006, 17:17    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Sonne,

musst meinen Namen ändern, weil ich so lange nicht mehr im Forum war und dann nicht mehr hineingekommen bin.

Uns ging es bis vor kurzem ganz gut. Bis meine Tochter einen Freund hatte. Ich weiß nicht, was am ersten Abend war, als sie ihn auf der Party ihrer Freundin kennengelernt hat. Sie erzählte mir, dass sie sich auf einmal so an ihren Vater erinnerte, dass sie "kotzen" musste. Ich hatte ja einen Verdacht, was sexuelle Belästigung anging. Aber was zum Teufel hat er mit ihr gemacht? Das macht mich fast verrückt.
Zumindest kann ich jetzt verstehen, warum er Suizid begang, und dass meine Kinder nur froh sind, dass das alles vorbei ist. Aber ich denke, wir haben noch viel Arbeit vor uns, und meine Tochter weigert sich strikt, überhaupt den Gedanken an eine Therapie zuzulassen.

Gruß
klärchen, alias alisha
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Sonja26



Anmeldedatum: 04.05.2008
Beiträge: 4
Wohnort: Rhld

BeitragVerfasst am: 23.05.2008, 00:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Alishia,

es ist schon so lang her.

Ich würde Dir gern darauf antworten, aber ich weiß ja nicht, ob meine Worte Dich überhaupt erreichen.

Falls Du noch hier reinschaust, melde Dich doch bitte bei mir.

Liebe Grüße,
Sonja
_________________
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