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Stellt euch das nur einmal vor

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Elternlos-Forum Foren-Übersicht -> Trauerbegleiterin Petra Heimansberg
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PetraHeimansberg
Trauerbegleiterin


Anmeldedatum: 18.05.2008
Beiträge: 428

BeitragVerfasst am: 30.11.2016, 17:54    Titel: Stellt euch das nur einmal vor Antworten mit Zitat

Hallo bei Elternlos,

als ich als dreijähriges Kind erfuhr, dass meine Mutter gestorben war,war da kein Gefühl der Trauer in mir. Eher ein Gefühl der Unsicherheit, Leere und Ratlosigkeit. Ich war plötzlich irgendwie aus der “normalen Ordnung der Dinge” herausgefallen. Ich war “ab”, gehörte nicht mehr dazu, war gebrandmarkt und fühlte mich schuldig. Die Menschen machten einen großen Bogen um mich, es musste an mir liegen, mit mir stimmte etwas nicht. Jemand hatte die Weiche verstellt, ich war vom Weg, von meinem Weg abgekommen und brauchte mehr als mein halbes Leben, um ihn wieder zu finden. Vielleicht wäre alles leichter gewesen, hätte es Menschen gegeben, die die Fähigkeit hatten zu sehen und zu verstehen, oder Geschwister, Vebündete mit einem ähnlichen Schicksal:

Stellt euch das nur einmal vor

Stellt euch vor,
wir hätten uns früher
schon  getroffen, als Kinder.
Wir hätten uns gesehen
und  einander sofort erkannt.

An  besonderen Zeichen,
für  all die  anderen unsichtbar.
Aber wir, die wir „es“ hatten,
wussten es sofort.
Diese Vorsicht  und  Furcht  in den Augen,
der zögernde Gang, der gesenkte Kopf,
das kaum wahrnehmbare scheue Lächeln.
„Ja, sie musste  eine sein von uns .“

Stellt euch vor,
wir hätten uns zusammengeschlossen
zu einer Art Geheimbund.
Wir spürten den Kummer des anderen
sofort und waren füreinander da.

Wir  verstanden uns auch ohne viele Worte,
aber wer reden wollte, konnte reden,
wir anderen hörten einfach nur zu.
Wer weinen musste, durfte weinen,
und wir trockneten einander die Tränen.
Seltsame Gedanken waren gar nicht mehr seltsam,
wenn sie ausgesprochen werden durften,
ohne dass jemand lachte.

Und schließlich hatten wir alle
von Zeit zu Zeit seltsame Gedanken. 
Wir wollten  einfach nur die Welt verstehen.

Stellt euch vor,
wir fühlten uns nicht mehr einsam, 
nicht mehr anders, nicht mehr fremd,
und nicht mehr ausgegrenzt.
Denn wir gehörten zusammen.
Wir waren  irgendwie besonders,
aber das war eine Freude und keine Last mehr.
Stellt Euch das nur einmal vor!

Petra Heimansberg

Eine gute Woche! Eure Petra Heimansberg

PS: Diesen Beitrag widme ich Irmgard!
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