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Mama hatte Lungenkrebs.

 
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karoo



Anmeldedatum: 15.12.2015
Beiträge: 1
Wohnort: Cloppenburg

BeitragVerfasst am: 04.01.2016, 21:13    Titel: Mama hatte Lungenkrebs. Antworten mit Zitat

Hallo,
nach einiger Zeit voller Trauer, Liebe, Wut, Hass und Verdrängung bin ich auf dieses Forum gestoßen und schreibe einfach mal.
Ich habe im September meine Mutter an Lungenkrebs verloren. Sie lebte einen gesunden Lebensstil und war Nichtraucherin, was mich umso schwerer verstehen lässt, was in den letzten Monaten/Jahren passiert ist.

Und nein, nicht nur meine Mutter habe ich verloren, sondern auch meine beste Freundin, Seelenverwandte, meine bessere Hälfte und mein absolutes Vorbild. Es gibt niemanden, dem ich mehr vertraue oder den ich mehr liebe.
Ich lebe mit meinem Bruder und meinem Vater zusammen, die ich natürlich auch liebe - keine Frage. Es ist einfach nur nicht dasselbe. Mit meiner Mama habe ich immer über alles gesprochen. Sie war der Fels in der Brandung und wir waren ein eingespieltes Team.

Mama hat insgesamt 1,5 Jahre gekämpft und wurde 52 Jahre alt.
Sie hat vor allem am Ende sehr viel leiden müssen. Das ist meiner Meinung nach noch das Schlimmste an der ganzen Sache. Nicht der Tod, sondern das ganze Leid.
Sie lag insgesamt 3 Monate auf der Intensivstation, lag 3 Wochen davon im künstlichen Koma, wurde wach und konnte sich plötzlich nicht mehr bewegen. Es hat sich herausgestellt, dass sie Metastasen im Halswirbel hat, weshalb sie Kopf abwärts gelähmt war. Als wenn das nicht genug war, konnte sie aufgrund einer Intubation nicht sprechen, war aber bei VOLLEM Bewusstsein!!!
Sie konnte sich also überhaupt nicht mitteilen - weder schreiben oder zeigen noch sprechen!
Ihre Lage hätte nicht leidvoller und schlimmer sein können. Ah, doch hätte es: wäre sie zusätzlich erblindet oder taub wäre das nicht mehr zu toppen gewesen.
Wenn sie doch wenigstens nicht bei Bewusstsein gewesen wäre... wenn ich mich in ihre Lage versetze könnte ich kotzen und heulen gleichzeitig.
Wie oft sie versucht hat etwas mit ihren Lippen zu formen, was wir aber kaum deuten konnten, da sie durch die ganzen Medikamente so zittern musste. Irgendwann konnte sie nicht mehr. Sie war die stärkste Person, die ich jemals kennengelernt habe, da sie NIE NIE NIE aufgegeben hat. Nicht mal zu der Zeit! Aber irgendwann hat ihr Körper nachgegeben, ihre Seele nicht

Es tut mir weh darüber zu schreiben, weil gleich ein Kloß in meinem Hals steckt. Wenn es im Alltag dazu kommt, wechsle und verdränge ich das Thema um nicht zu weinen und dann denke ich schnell an etwas anderes. Es fühlt sich einfach besser an. Nur irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass ich mich der Trauer oder Traurigkeit irgendwann stellen MUSS, ob ich will oder nicht. Es geht mir nämlich den Umständen entsprechend gut, ich gehe viel mit Freunden raus und werde auch jetzt für ein halbes Jahr ins Ausland gehen.
Beschäftigung habe ich also sehr viel, auch in der nächsten Zeit.
Nur das ist eben auf der einen Seite das, was mir Sorgen bereitet und auf der anderen das Positive. Wo ist das gesunde Mittelmaß an Trauer und "das Leben geht weiter"?

Und wo wir schon beim Thema sind: Gibt es hier Leute, denen es evtl ähnlich geht oder die etwas ähnliches durchgemacht haben aus meiner Nähe?

Ich bin 23 Jahre alt und wohne irgendwo zwischen Bremen und Osnabrück.

Keine Ahnung, was ich mir mit dem Post erhoffe, aber ihn geschrieben zu haben tut schon mal gut Sehr glücklich !



Ich wünsche euch einen schönen Abend Auf den Arm nehmen Smilie

Lieben Gruß, Karo
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sun_lin



Anmeldedatum: 22.04.2016
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 22.04.2016, 22:14    Titel: Mama starb an Krebs Antworten mit Zitat

Liebe Karo,

ich weiß, die Antwort kommt erst spät, aber vielleicht interessiert sie dich ja doch.

Meine Mama starb auch im September 2015 an Krebs. Genauer gesagt an einem Tumor im Zungenuntergrund. Gekämpft haben Mama und ich 2 1/2 Jahre dagegen.
Ich schreibe absichtliche Mama und ich, weil es nur uns beide gab. Wir gegen den Rest der Welt sozusagen. Sie lebte getrennt von meinem Papa und ihre ältere Tochter, also meine Halbschwester, kümmerte sich nur wenig, bis gar nicht um sie. Sie ertrug es nicht Mama sterben zu sehen.

Angefangen hat das ganze mit Grippesymptome, die einfach nicht weggehen wollten. Erst Monate später hatten wir die Gewissheit, dass es Krebs war. Zungenuntergrund mit Metastasen in den Lymphknoten und der Lunge. Du kennst das bestimmt: jetzt hieß es Zähne zusammen beißen und ran an die Chemo. Mama sprach sogar gut darauf an und ein Jahr danach, war sie Krebs frei.
Ich kann mich noch gut erinnern, dass es so ein gutes Gefühl war diese Nachricht zu hören. All das Bangen, all das Hoffen und der Wahnsinn hatte ein Ende! Für genau 6 Monate. Dann war er wieder da. Diesmal aber kleiner, fieser und aggressiver.
Wir wollten kämpfen, und taten das auch. Durch die ganze Prozedur musste Mama sich zum zweiten Mal eine Trachee einsetzen lassen, weil sie sonst zu Ersticken drohte. Ich war ein paar Mal dabei, als sie sie noch nicht hatte und es war furchtbar. Mit Trachee war es zwar nur bedingt besser, aber richtig ersticken konnte sie nun nicht mehr. Auch das Sprechen fiel ihr beim zweiten Mal viel schwerer und deshalb kommunizierten wir durch Zettelchen schreiben. Ich kann mich ehrlich gesagt kaum mehr an ihrer Stimme erinnern....

Sie bekam Metastasen in der Leber. Sie hatte einen Epileptischen Anfall und wodurch Metastasen im Gehirn nachgewiesen wurden.
Wir hörten die berühmten: "Wir können ihnen leider nicht sagen wie lange sie noch zu leben haben." Worte zu hören.
und sie bekam wegen der Metastasen im Gehirn wieder Bestrahlung. und dann war sie einfach nicht mehr da. Durch die Bestrahlung wurde die geistig Behindert, konnte nicht mehr reden, schreiben oder lächeln.
Und dann starb sie.
Es ist jetzt schon über ein halbes Jahr her und es tut immer noch so weh wie am ersten Tag. Nur mit dem feinen Unterschied, dass ich langsam lerne mit dem Schmerz umzugehen.

Ich bin auch 23 Jahre alt und komme aus Österreich. Ich kann deine Gefühle sehr gut nachvollziehen. Wenn ich darüber nachdenke, dass ich keine Mama mehr an meiner Seite habe, keine Beraterin die immer zu mir steht egal was kommt, dann könnte ich heulen wie ein Schlosshund. Manchmal lass ich das auch zu, manchmal lenke ich mich auch ab.
Ich weiß nicht wies dir geht, aber ich habe hin und wieder das Gefühl nicht vorwärts zu kommen und auf der Stelle zu treten. Dabei habe ich in diesem halben Jahr viel gemacht. Ich habe nichts wirklich schleifen lassen, bin gereist und treffe mich auch weiterhin mit meinen Freunden.
Ich möchte leben und glücklich sein. Allerdings möchte ich sie auch nicht einfach so vergessen oder abhaken.

Somit kann ich dir deine Frage nicht beantworten, wo genau das gesunde Mittelmaß an Trauer liegt, aber ich schätze mal, dass das jeder von uns für sich selbst herausfinden muss.

Freue mich auf Antwort.

Lieben Gruß Sophie.
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