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ICH Vollwaise? noch immer nicht begreiflich..

 
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Phönix



Anmeldedatum: 02.11.2013
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 02.11.2013, 03:50    Titel: ICH Vollwaise? noch immer nicht begreiflich.. Antworten mit Zitat

Hallo ihr Lieben

Ich bin w 26 Jahre alt und habe mit 4 Jahren meine Mutter verloren, die manisch-depressiv war und sich durch einen Sturz vom 11. Stock eines Hochhäuser das Leben genommen hat.
Damit war ich also schon Halbwaise. Begriffen habe ich das damals nicht so recht, auch wurde es leider nicht kindgerecht bzw.vielmehr überhaupt nicht thematisiert was mir im Verlauf des Erwachsenwerdens grosse Probleme bereitete.

Zunächst aufgewachsen bin ich mit meiner 2 Jahre älteren Schwester bei meinen liebevollen Grosseltern väterlicherseits, ich kam direkt nach der Geburt zu ihnen bis ich ca. 5 war.
Mein Vater hatte kurz vor meiner Geburt gerade einen mittelständischen Betrieb übernommen der viel Zeit in Anspruch nahm und meine Mutter war mehr in psychiatrischen Kliniken als Zuhause ( auch während der Schwangerschaft mit mir).
Mein Vater lernte unsere Stiefmutter kennen die mich und meine Schwester genauso behandelte Wie unseren 1991 geborenen kleinen Bruder, der ihr leibliches Kind war und wir zogen alle zusammen. Kurz nach der Geburt meines Bruders brachte sich meine Mutter dann um. Wir wuchsen behütet und umsorgt auf, aber je älter ich würde, desto mehr Fragen stellte ich mir über meine "echte" Mama. Meine Oma sagte immer, sie sei eine herzensgute und ruhige, freundliche Frau gewesen- bis sie eben so schwer krank wurde und "verrückte Dinge" deshalb gemacht habe, und sich, wenn sie depressiv war, gar nicht um uns zwei Mädchen kümmern konnte.
1999 starb mein Opi an einem Hirnschlag bzw.einer nachfolgenden Lungenembolie. Ab da hörte ich auf zu essen. Ich entwickelte eine Essstörung, wog mit 16 Jahren nur noch 38 kg. Zudem merkte ich, dass ich sexuell anders orientiert war,sprich, lesbisch bin. Naheem ich das für mich akzeptiert hatte, sagte ich es meinem Vater...und bekam vollste Akzeptanz-irgendwie unerwartet, da mein Papa in meinen Augen doch eher konservativ war. Ich war zumindest in diesem Punkt überglücklich und dankbar!
Ich machte Abitur, fing ein Studium an und dann ging meine erste mehrjährige Beziehung in die Brüche, ich wurde betrogen und verlassen. Ich begann mich selbst zu verletzen, das Thema Essen war wieder ein Riesenproblem, ich hatte Selbstmordgedanken,und ich musste mit Nervenzusammenbruch in eine Klinik. Dort arbeitete ich zum ersten Mal mein Leben auf, auch, dass ich sexuell missbraucht wurde in früher Kindheit, und meine Psyche spielte verrückt. Ich war mehrere Monate stationär dort und es ging mir immer schlechter, ich entwickelte Wahngedanken, sah in fremden Frauen meine Mama und redete mir ein sie sei gar nicht tot. Ich hatte Halluzinationen aufgrund der Medikamente, meine Familie dürfte mich teilweise nicht besuchen kommen. Es war die Hölle!
Danach habe ich eine Reha gemacht, eine Ausbildung und nun im Oktober eine weitere angefangen. Im Mai habe ich meine Frau geheiratet, wir sind in eine schöne Wohnung gezogen, mein Papa hat mit einem Kumpel alle Möbel hochgetragen, Lampen montiert, Farbe besorgt, mir gezeigt wie ich was am besten mache. Ende September haben wir den 88. Geburtstag meiner Omi, seiner Mutter gefeiert. Das war das erste Wochenende, das er als Rentner erlebt hat. Tags darauf fuhr er mit meiner Stiefmutter mit dem Wohnmobil nach Südtirol. Wir haben jeden Tag whatsapp-Nahrichten geschrieben, ich Hab ihm extra gezeigt, wir das funktioniert, und einmal schickte er mir ein Bild von ihrem Wohnmobil, das voll mit Schnee war- meine Stiefmutter erzählte später, er sei in Birkenstock und Nachthemd da raus, damit er's ja noch aufs Foto bekommt, bevor der Schnee schmilzt Winken .....typisch mein Papa! " mir doch egal was die anderen denken"
Dann kam am 11. Okt um 22 Uhr ein Anruf der alles still stehen liess...
" Papa hatte einen Herzinfarkt, er wird reanimiert, es sieht nicht gut aus, fahrt sofort alle nach Bozen!" JA VERDAMMT WENN DAS MAL SO SCHNELL GINGEdachte ich nur. Und sonst....nichts. Ich dachte einfach NICHTS bzw.stellte mich drauf ein, meinen Papa im Bett liegend an Apparaten und Schläuchen zu sehen. Nicht eine Sekunde hielt ich es für möglich, dass er sterben würde. In sass in der Küche und rauchte eine nach der anderen während meine Frau hastig Sachen packte, einen Hundesitter organisierte und rumtelefonierte. Dann fuhren wir los, und nach 15 min.sagte meine Stiefmutter am Telefon, dass mein Vater tot sei, 1,5 h Reanimation haben nichts gebracht.
Alle schrien und heulten laut, nur ich sass wieder da, im Auto und weinte zwar, aber unfähig, auszuticken oder so wie die anderen halb hysterisch zu werden. Ich atte gar keine Kraft dazu irgendwie. So ist das also, dachte ich, wenn man keine Mama und keinen Papa mehr hat.... Und dann fuhren wir stumm, stundenlang dorthin und ich wollte meinen Vater sehen und streichelte ihn im Gewicht und weinte und redete mit ihm und zerzauste seine Haare. Und ich dachte , beweg dich, Brust, Schlag doch bitte, Herz, aber natürlich trat kein Wunder ein und ich verstand da erst wirklich und endgültig- dir bleibt nur noch die Erinnerung, und das, was du in dir trägst, seine etwas zu grossen Ohren, die dunkelbraunen Augen, die künstlerische Ader und der Schalk im Nacken.. und ich lachte ein bisschen und weinte dabei auf das weisse Laken, mit dem sein Körper abgedeckt war und versprach ihm, auf mich und alle anderen sehr gut aufzupassen.

Und es tat gut. Um es zu begreifen. Um es als traurige Wahrheit anerkennen zu können. - Diese "Rituale", die ich nun bewusst leben konnte, im Gegensatz zu damals, als meine Mama einfach "weg" war. Wo ist "weg"? Ich glaube, das ist am höchsten Punkt des Regenbogens
_________________
Learning another lesson from life..
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Anmeldedatum: 10.06.2015
Beiträge: 12

BeitragVerfasst am: 14.06.2015, 12:38    Titel: Antworten mit Zitat

Wow...deine geschichte hat mir gänsehaut gemacht. Wie stark du bist, dass ist bemerkenswert
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