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Meine Mutter

 
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Konkalit



Anmeldedatum: 07.08.2013
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 07.08.2013, 19:24    Titel: Meine Mutter Antworten mit Zitat

Ich möchte mir gerne den Verlust meiner Mutter hier von der Seele schreiben. Sie starb am 03.08.2011 an einem Darminfarkt. Ich möchte gerne die ganze Geschichte aufschreiben damit klar wird wieso es mir so schwer fällt, natürlich fällt jedem Menschen so etwas schwer. Es ist die Mama, aber für mich ist es noch schlimmer weil wir immer zusammen gehalten hatten und viele Jahre niemanden außer uns hatten.
Als ich geboren wurde war sie wohl schon Alkoholikerin und das zog sich einige Jahre bin , bis ich so 2-3 war. Mein Vater der auch ein Großteil des Problems war schlug sie und ich bekam all das mit. Irgendwann in dieser Zeit war sie restlos am Ende und ging freiwillig in den Entzug. Als sie rauskam war sie trocken und wir hatten ein "relativ normales Familienleben", wo meine Mutter jedoch auch niemals wirklich glücklich war. Mein Vater war immer ein sehr tyrannischer und egoistischer Mensch und all das prägte mich und ließ meine Mutter immer sehr unglücklich werden. Jedenfalls begann sie 2001 wieder zu trinken und das ärger denn je. Das Leben wurde für uns beide zum Alptraum. Es gab in dieser Zeit nichts was nicht passierte. Ob sie betrunken auf der Straße gefunden wurde, oder sogar angezeigt wurde wegen Betrug weil sie Sachen aus Versandhäusern bestellte und diese dann im Pfandhaus veräußerte weil sie von meinem Vater kein Geld bekam...Ich hasste sie in dieser Zeit so oft und ich versuchte alles um sie da raus zu holen. Im Endeffekt hätte ich vielleicht mehr tun können, sie an die Hand nehmen , die Scheidung einreichen und all das...doch ich war auch zu schwach und litt unter der Situation und schließlich resignierte ich auch. Ich rechnete irgendwann damit dass sie irgendwann einen schrecklichen unfall oder Tod hat. Einmal lag sie im Bett , während ein Schwelbrand sich ausbreitete weil sie mit einer zigarette im Bett eingeschlafen war, ein anderes mal lag sie mit Magenbluten im Krankenhaus. Es wurde immer kritischer. Schließlich kam 2011 der traurige Höhepunkt, sie hatte Nierenversagen, kam ins KH und es sah düster aus. Es hieß sie hätte damals eine 50:50 Chance und dass es aus sei wenn ihre Nieren nicht mehr arbeiten. Ich war damals am ende. Ich bin kein gläubiger Mensch aber ich betete, ich fiel in meiner Wohnung auf die Knie, weinte und betete....

Dann kam die Wende, sie schaffte es! Sie kam aus dem KH raus, schwach und mit Unmengen von Medikamenten, doch sie schaffte es! Sie lebte und ich hatte meine Mama! Sie wurde trocken und sie zog vorläufig bei mir ein, da ich ihr nicht zumuten wollte wieder in die alte Wohnung die mittlerweile einer Müllhalde gleich zu meinem cholerischen Vater zurückzukehren. Nun begann eine wundervolle Zeit. Sie genaß und ich passte auf sie auf, ich war sehr misstraurisch zu dieser Zeit , hatte immer Angst dass sie rückfällig würde, doch sie blieb trocken aber ich hatte bis zuletzt Alpträume wo ich von jenen schrecklichen Tagen träumte. Sie lebte auch wieder auf, wir hatten eine wundervolle Zeit. Wir feierten ihren 60. Geburtstag oder gingen auf die Crangerkirmes. Doch wir waren beide nicht Leute die viel auf Touren seien mussten. Wir waren bereits glücklich wenn wir abends da saßen uns Filme und Serien angucken konnte. Das war unser Glück! Lange Filmnächte machen und bis in die Puppen pennen. Selbst Kleinigkeiten wie Einkaufen gehen mit ihr machten mich glücklich. Nunja zumindest am Anfang. Irgendwann kam der Alltagstrott wieder rein und ich wollte auch wieder mal Ruhe haben. In dieser Zeit besorgte ich ihr auch eine eigene Wohnung und sie reichte die Scheidung ein (die nicht mehr durchgezogen wurde). Ich fing in dieser Zeit auch eine Umschulung an und hatte auch nicht mehr viel Zeit. Sie war oft enttäuscht wenn ich abends nicht mehr was gucken konnte oder wollte aber ich war dennoch oft bei ihr. Gerade in den letzten 2 Monaten jetzt wo sie ihre Wohnung bezogen hatte die ich noch mit einem Freund für sie renoviert hatte, wohnte ich bei ihr, während sie die vorigen 2 Jahre bei mir gewohnt hatte. Alle hatten sich aufgeregt dass sie so lange bei mir wohnte und ich doch mein eigenes Leben leben müsste. Doch jetzt bin ich glücklich dass ich es so gemacht habe....

Nun jetzt, am vorletzten Samstag begann sie über Verstopfung zu klagen, da sie dies öfter hatte, nahm ich das alles nicht so ernst und sie auch nicht. Doch die Tage häuften sich und dann Donnerstag rief sie mich an und klagte dass sie Bauchkrämpfe hatte und sich nicht mehr rühren konnte. Ich war sauer, ich hatte sie die ganze Woche gebeten zum Arzt damit zu gehen denn schließlich war sie ja vorbelastet genug. Nun war sie zwar gegangen doch es war zu spät- Zuhause wand sie sich unter Schmerzen und ich war noch sauer! Ich brüllte und meckerte weil sie immer so lange wartete und alles verschlampte. Ich wollte noch ein Abführmittel das ihr verschrieben wurde abholen doch die Apotheke war bereits zu. Schließlich entschied ich mich den Rettungswagen zu holen, diese spielten alles auch noch runter (wegen ein wenig Bauchschmerzen wollen sie einen Rettungswagen holen?") und sie kam ins Krankenhaus. Dort mussten wir auch noch 3 Stunden warten, während sie unter Schmerzen wand. Ich war noch genervt zu ihr, doch am Ende versöhnten wir uns. Ich dachte immer noch, ok,- Verstopfung, sie kriegt n Einlauf oder Klistier und dann gehts wieder.... Am nächsten Morgen bekam ich bei einem Anruf zu hören das man sie operiert hatte, ihr Darm wäre Minderdurchblutet. Abends war ich dann wieder bei ihr und ich redete mit ihr, kurz nachdem sie aus der Narkose erwacht war. Sie war müde und schwach und hatte Schmerzen, doch sie war klar und sie sagte sie liebte mich. Ich wünschte ich hätte länger mit ihr gesprochen, wenn ich gewusst hätte dass es das letzte Mal war...Doch ich dachte ja nicht daran wie schlimm es noch werden würde und dass ich morgen wieder normal mit ihr sprechen konnte. ...So, am Samstag morgen dann fuhr ich wieder hin und hörte dass sie WIEDER operiert wurde, ihr Dickdarm wurde entfernt und man müsste den Dünndarm durchblutet bekommen, doch die chancen standen schlecht....Ich war nahe dran durchzudrehen. Wieder brach ich zusammen, ich ging in die Kirche und betete. Ich weinte und betete....Dann fuhr ich wieder mit meinem guten Freund ins KH und wir wartete die nächsten Labortwerte ab. Gegen abend, so um 20 Uhr dann hieß es die Werte hätten sich drastisch verschlechtert und es sei nunmehr hoffnungslos. Man bräche die therapie ab und ließe sie einschlafen....Für mich brach eine Welt zusammen. ich hatte vorher die Stunden an ihrem Ohr verbracht, ihr ins Ohr geflüstert wie sehr ich sie liebte, dass ich und Ginger (unsere Katze) sie vermissten und dass sie doch kämpfen müsste weil wir noch so viele Filme und Serien gucken mussten...Und nun stand fest, meine Mama würde sterben! Ich weinte und küsste sie , doch irgendwann wurde ich ruhig, ich weinte zwar doch ich gestand ihr zu einzuschlafen und nicht mehr zu kämpfen. Ich war bis zum Schluss bei ihr. zum Schluss kam sogar noch mein Vater, er war berufsbedingt in Berlin gewesen (das alles fand in Gelsenkirchen, NRW) statt und er raste die Strecke zurück. Er kam gegen 11 Uhr an , eine halbe Stunde später schlief meine Mama ein....Das alles ist jetzt einige Tageh er und seitdem bin ich unzählige Male weinend zusammen gebrochen. Die Erinnerungen tun so weh und die Tatsache dass wir nur noch 2 Jahre glücklich sein durften. Doch gleichzeitig versuche ich das als Geschenk zu betrachten. Wir hatten diese 2 Jahre, sie war trocken und wir waren viel zusammen, auch wenn wir natürlich oft auch stritten oder genervt voneinander waren. Wir liebten uns so sehr und ich war so glücklich in diesen 2 Jahren, ich wünschte wir hätten noch mehr Zeit gehabt. Meine Mama wurde 60 Jahre alt, ich dachte sie würde noch ihren 61. Geburtstag nächsten Monat erleben... ich kann nun nichts weiter tun als ihren letzten Wunsch zu erfüllen (eingeäschert zu werden) und mir auch einen wunsch zu erfüllen (dass sie in der urne zu mir kommt).

Ich bin froh dass ich soviel Zeit mit ihr verbracht habe und sie niemals aufgegeben habe, trotz ihres Alkoholismus und andererseits schmerzt es so dass ich an jenem unglückseligen Tag so ruppig und genervt war und ich am nächsten Tag nicht noch länger mit ihr gesprochen hatte...Das alles schmerzt so unglaublich. Wir haben soviel zusammen durchgemacht. Wenn mein Vater wieder am durchdrehen war und sie keinen Cent zum Einkaufen bekam und ich auch nicht, gingen wir los und teilten uns von den letzten Euros ne Pommes. Der verdammte Alkohol hat soviel zerstört, sonst hätten wir noch viel länger, viel schöne Erlebnisse gehabt.

Ich habe hier einen sehr langen Text geschrieben und ich weiss nicht ob jemand all das liest, doch ich musste mir all das von der Seele schreiben. Es tut noch sehr weh und das wird es vermutlich immer. Danke für euer zuhören/lesen
_________________
Karola Helene Rudolph
21.09.1952-†03.08.2013
Meine liebe Mama. Mein Halt.
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K-K



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BeitragVerfasst am: 08.08.2013, 00:42    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe(r) Konkalit,

ich wollte dir schreiben, dass ich deinen Text gelesen habe und dir mein Beileid aussprechen. Ich weiß wie es ist viel durchzumachen. Sie und die gemeinsame Zeit mit ihr wird dir immer in Erinnerung bleiben. Sie ist ein Teil von dir und deinem Leben und andersherum. Das kann dir keiner mehr nehmen. Es ist schwer mit dem Verlust eines geliebten, nahestehenden Menschen klarzukommen. Man wird mit vielen verschiedenen Gefühlen konfrontiert. Immer wieder. Das ist der Trauerprozess, durch den jeder muss. Aber es sollte auch gute Phasen in diesem Trauerprozess geben. Deine Mutter ist ein Teil von dir und du kannst diesen Teil weiter leben.
Ich wünsche dir alles Gute!
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Konkalit



Anmeldedatum: 07.08.2013
Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 08.08.2013, 20:03    Titel: Antworten mit Zitat

Danke für die Worte. Das bedeutet mir sehr viel. Ic hweiß ich bin kein kind mehr und ich weiß es gibt Menschen die noch viel schlimmere Schicksale erleiden und erdulden mussten aber sie war mein Lebensinhalt. Wenn sie schwach war, war ich für sie da, wenn ich schwach war, war sie für mich da. Wir hatten nur uns und jetzt ohne sie darzustehen da wird einem bewußt wie einsam man sein kann.
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Karola Helene Rudolph
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vivie



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Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 12.08.2013, 16:07    Titel: Antworten mit Zitat

Konkalit, erstmal mein Beileid. Ich versuche deine Situation nachzuvollziehen, aber ich weiß auch das es sehr schwer für dich war und niemand außer dir, diese Situation nachvollziehen kann. Ich hab mir deinen ganzen Text durchgelesen und bei jedem einzelnen Wort spürte ich ein stechen im Herzen. Du bist ein sehr gutes Kind und du solltest stolz auf dich sein, dass du, bis zu ihrem Tod, an ihrer Seite stands. Ich wünsche dir viel Glück in deinem Leben. Fühl dich gedrückt.
Viele Grüße
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K-K



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Beiträge: 102

BeitragVerfasst am: 12.08.2013, 23:58    Titel: Antworten mit Zitat

Ich kann das nachvollziehen mit dem Lebensinhalt und der Einsamkeit. Ich weiß nicht, wie man diese Lücke wieder füllen kann, wahrscheinlich gar nicht. Ich finde es selbst sehr schwierig hier zu leben, während man die Verstorbenen so sehr vermisst. Keine Umarmungen mehr, keine Gespräche mehr...
Man muss sich bewusst werden, warum es für einen noch Sinn macht hier zu leben. Nur so geht es weiter. Was treibt einen an weiter zu machen? Welche Personen sind einem noch wichtig in diesem Leben?
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Konkalit



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Beiträge: 6

BeitragVerfasst am: 18.08.2013, 20:19    Titel: Antworten mit Zitat

Danke nochmal für eure Worte, ja mit jedem Tag kommt das Vermissen mehr. Ständig erinnert man sich an etwas was man mit der Person in Verbindung bringt. Orte an denen man war. Lokale die man besucht hat, selbst irgendwelche Lebensmittel die vielleicht noch übrig waren und die man gemeinsam zu Abend essen wollte.

Im Moment versuche ich mich permanent abzulenken, in jeder stillen Minute wenn ich nun hiersitze alleine und weiß weder hier in meiner noch in der anderen Wohnung ist meine Mama da und wartet, bricht die Trauer wieder durch. Ich habe noch einen engen guten Freund und ....nunja...meinen Vater. Aber eben der Mensch dem ich die meiste Liebe gab, der mir die meiste Liebe gab auch wenn uns soviel Zeit gestohlen wurde, er ist nun endgültig weg und das ist hart...Es wird nie mehr so sein wie früher
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Karola Helene Rudolph
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MatthewLentz



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Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 21.04.2015, 14:05    Titel: Antworten mit Zitat

she also said that I have a tiny little brother or sister over there and then it occurred to me that my mama before a few years ago disposal had! it's called yet sovieles what they could not know! your mum is with you and you will see you again, believe me! lg justy


_______________________________
solitaire card game - card solitaire


Zuletzt bearbeitet von MatthewLentz am 27.11.2015, 11:49, insgesamt einmal bearbeitet
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BeitragVerfasst am: 13.06.2015, 15:11    Titel: Antworten mit Zitat

Irgendwann siehst du sie wieder und dann hast du eine ewigkeit mit ihr.
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