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Broken Heart...

 
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AngelofTears



Anmeldedatum: 23.03.2014
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 23.03.2014, 16:53    Titel: Broken Heart... Antworten mit Zitat

Hallo ihr da draußen,

ich bin heute das erste Mal hier in diesem Forum und ich dachte ich erzähl euch mal von meinen Erfahrungen in diesem Leben...

Bis zu meinem 17. Lebensjahr habe ich immer geglaubt mir ginge es echt schlecht, meine Eltern haben sich scheiden lassen, mein Vater verließ uns und ließ mich allein, mein Mutter weinte jeden Tag, das brach mir zum ersten Mal das Herz. In meiner Klasse wurde ich immer nur von den Jungs ausgelacht und als hässlich bezeichnet, mein Selbstwertgefühl war also im Keller. Ich hatte eine Freundin dies sehr dominant war und mich immer runtermachte, ich traute mich nicht mich zu wehren bis zur 8. Klasse, da hab ich mich endlich von ihr losgesagt, das hatte ich schonmal geschafft. Bis ich 17 Jahre alt war hatte ich noch nicht einmal an das Thema Tod gedacht.

Eines Tages, ich komme gerade von der Schule, sagt mir meine Mutter das sie unheilbar an Krebs erkrankt ist. In diesem Moment brach erneut eine Welt für mich zusammen. Ich wollte nicht wahr haben das sie bald gehen wird für immer. Ich lag auf ihrem Schoß und weinte, ich konnte nicht wieder aufhören. Ich wollte es nicht begreifen. Meine Mama, der wichtigste Mensch in meinem Leben sollte gehen, der Mensch der immer für mich da war. Innerhalb kurzer Zeit ging es meiner Mutter immer schlechter und sie wurde Bettlägerisch und musste gepflegt werden. Meiner Mutter ihre beste Freundin und ihr Lebensgefährte kamen jeden Tag. Ich tat die kleinen Arbeiten, ihr Essen geben, den Stuhlgang entsorgen, ihre Füße waschen, das alles was ich konnte. So konnte ich meiner Mutter zeigen das ich sie liebte. 6 Monate ging das so und Mama wurde von Tag zu Tag immer schwächer, bis sie aufhörte zu essen. Es war schwer mit anzusehen. In der Nacht vom 05.12.2010 hörte ihr Herz dann einfach auf zu schlagen. Ich war in dieser Nacht nicht bei ihr zu Hause, ich war bei meinem Bruder. Ich denke sie wollte nicht das ich da bin, wenn sie geht. Sie hat auf diesen Moment gewartet, das schlimmste ist das ich nicht richtig auf Wiedersehen gesagt habe.

Von einem Moment auf den anderen war ich eine Halbwaise. Von einem Moment auf den anderen musste ich mein Leben allein in einer Wohnung meistern wo niemand mehr wartete wenn ich nach Hause kam, wo es still und einsam war. Es war mir alles egal, die Wohnung sah es aus wie Sau, ich hab mich nur noch mit meinen Brüdern gestritten, obwohl wir hätten zusammenhalten sollen. Meine Familie fing an zu zerbrechen. Ich fing an alles und jeden Gedanken zu verdrängen, ich schaute fern und spielte Computer gleichzeitig, nur nicht nachdenken. Ich wurde in der Schule immer schlechter, schrieb nur noch schlechte Noten, verschlief die ersten Stunden. Ich ging nur in die Schule, damit mir zu Hause die Decke nicht auf den Kopf fiel. Ich hatte meinen Realschulabschluss in der Tasche und brauchte die Fachoberschulreife nicht. In der Zeit suchte ich einen Psychologen auf. Es tat gut mit jemanden zu reden der nicht davon betroffen war.

Nach der Schule entschloss ich mich ein Jahr FSJ zu machen um zur Ruhe zu kommen, ich fand dann auch eine für mich passende Einrichtung. Also hieß es Wohnung ausräumen und entmüllen. Ich war damit zum Glück nicht allein meine Brüder halfen soviel sie konnten. Endlich raus aus dem Gefängnis. Im August fing ich dann in der Einrichtung an zu arbeiten. Ich fand viele liebe Menschen die mich auffingen und ich fing aktiv an meine Trauer zu verarbeiten und nicht mehr alles zu verdrängen, ich ließ Gefühle zu. Das tat unheimlich gut.

Bis dahin glaubte ich nicht, das es noch schlimmer werden konnte in meinem Leben, aber da hatte ich mich getäuscht. Mein Vater wollte mich im FSJ besuchen kommen, ich freute mich so sehr auf seinen Besuch, schließlich war er das einzigste Elternteil was ich noch hatte. Er wollte mich mit dem Fahrrad besuchen kommen. An diesem Tag, bekam ich einen Anruf, der das Ende bedeutete. Mein Vater war 2 km vor meinem zu Hause mit einem Herzinfarkt vom Fahrrad gefallen. Erneut brach eine Welt für mich zusammen. Sofort fuhr ich zu dem Unfallort. Mein Vater war bereits mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus gebracht worden. Meine gute Freundin fuhr mich sofort ins Krankenhaus, dort warteten wir auf den Arzt. In der Zeit rief ich dann meine Brüder an um sie zu informieren. Nach langem warten kam dann der Arzt. Er teilte mir mit, das mein Vater im Koma liegt und man nicht weiß ob er aufwachen wird. Den Herzinfarkt hätte er wohl überlebt, aber er wäre wohl am Unfallort zu lange tot gewesen, so das sein Gehirn Schaden genommen hat, also Gehirntod. Wir, meine Brüder mussten entscheiden, wenn mein Vater nicht aufwachen sollte, ob wir lebensverlängende Maßnahmen einleiten oder nicht. Ich saß an dem Bett meines Vater und flehte ihn erneut an nicht zu gehen. Er durfte mich nicht verlassen, ich brauchte ihn noch. Meine Brüder kamen zu mir nach Hause und wir überlegten gemeinsam was das Richtige ist, was mein Vater gewollt hätte und entschieden uns dann, wenn es wirklich so kommen sollte das er nicht mehr wach wird, ihn gehen zu lassen. Das war keine einfache Entscheidung, das war wohl die schwierigste in meinem ganzen Leben. Ich besuchte ihn jeden Tag im Krankenhaus, doch es gab keine Anzeichen das er aufwachen würde. Am 22.05.2012 hörte auch sein Herz auf zu schlagen. Mein Vater verließ mich ein zweites Mal, aber diesesmal für immer. Da ich so viele liebe Menschen um mich hatte wurde ich aufgefangen. Alle standen mir in meiner Trauer bei. Ich entschloss mich noch ein Jahr FSJ zu machen.

Ich bin den Leuten, die mich in dieser schweren Zeiten getragen und beigestanden haben so dankbar, ohne Sie wäre ich nicht mehr hier.

Ich kann endlich Gefühle zulassen und verdränge weniger. Mein Herz fängt an zu heilen. Es wird immer ein Teil fehlen, das wir wohl nie heilen, weil es mit diesen zwei wunderbaren Menschen herausgerissn wurde. Ich vermisse sie jeden Tag meines Lebens.

Das Leben geht weiter, ich wohne jetzt in meiner eigenen Wohnung und mache eine Ausbildung zur medizinischen Fußpflegerin. Das Leben kann auch schön sein und für diese Moment kämpfe ich.

Hab ganz schön viel geschrieben, tut mir leid

Eure AngelofTears[size=12][/size]
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Billy120381



Anmeldedatum: 23.03.2014
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 26.03.2014, 22:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hey,
Mein Beileid!

Auch meine Eltern wurden mir ohne Vorwarnung entrissen, von daher kann ich mich in Dich rein versetzen.

Ich spüre täglich den Verlust... Mal geht es besser, dann wieder schlechter. Ich glaube solche tragischen Verluste sind wie ein Schockerlebnis und deswegen noch viel schwerer zu ertragen. Man hätte noch soviel zu besprechen gehabt.

Auch bei mir geht das Leben weiter, es muss gehen- denn nun lebt man sein Leben und muss das Beste draus machen.

Es ist schön dass Du auf dem Weg geblieben bist und nicht aufgibst Smilie
Ich wünsch Dir alles Gute - niemals aufgeben Smilie
Idee
_________________
Wo Schatten ist, da ist auch Licht.
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Daniel88



Anmeldedatum: 22.12.2014
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 25.12.2014, 14:17    Titel: Antworten mit Zitat

In dieser Situation helfen einem meistens nur die die wahren Freunde die Zeit besser zu überstehen. Genau an diesem Punkt scheiden sich in meinem Fall besser gesagt die Weizenkörner von dem Spreu.

Gruß

Daniel
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