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Aquarelle meiner Mutter

 
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eorie



Anmeldedatum: 27.12.2004
Beiträge: 53
Wohnort: Hanau

BeitragVerfasst am: 27.02.2014, 12:12    Titel: Aquarelle meiner Mutter Antworten mit Zitat

Hallo zusammen!

Heute Abend um 18 Uhr ist Eröffnung.
Letztes Jahr habe ich angefangen eine Ausstellung im Hanauer Klinikum vorzubereiten. Mit Arbeiten und Aufzeichnungen meiner Mutter. Sie war dort Patientin und hat in den ihr verbliebenen 2 Jahren gemalt und geschrieben. Jetzt hängen auf der onkologischen Abteilung und im Erdgeschoss ihre Bilder und Texte. Alles durchzugehen hat mich teilweise viel Kraft und Tränen gekostet und zwischendurch hab ich mich hängen lassen, war wie gelähmt und deswegen gefrustet.

Während der Vorbereitung zur Ausstellung habe ich mit einem Verkäufer gestritten. Er hat einfach zwischendurch eine andere Kundin bedient, weil ich mich zwischen 2 von 500 Papiersorten nicht entscheiden konnte. Die andere Kundin hat über mich gelacht, als ich mich beschwerte. Ich wollte darauf hin gehen und hab es mir anders überlegt, mich für mein Verhalten entschuldigt und gefragt, ob wir die Beratung fortsetzen können.
Im Gespräch kam raus. Der Mann hat vor 2 Jahren seine Frau verloren. Wir haben beide geweint.

Ich hoffe, dass ich Menschen mit diesem Projekt so berühren kann, wie es mich selbst immer wieder berührt.
Parallel dazu läuft eine Ausstellung meiner eigenen Arbeiten in Frankfurt.
Als Künstlerin beschäftige ich mich mit dem Thema Abwesenheit.

Es ist fast 10 Jahre her, dass ich hier meinen ersten Beitrag geschrieben habe. Und zwischendurch bin ich untergetaucht Winken. Zuletzt habe ich mich gefragt, warum?
Die beiden Ausstellungen bedeuten für mich eine Zäsur. Nicht, dass ich mit der Trauer abschließe. Aber ich bin -irgendwo- angekommen. Nach 21 Jahren.

Ich danke Euch für's Lesen,
Herzliche Grüße,
Kerstin

Ps: Ich freue mich über Reaktionen. Auch auf die Frage, was ihr darüber denkt, dass ich die Erinnerungen an meine Mutter öffentlich mache.
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Timboh



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Beiträge: 15

BeitragVerfasst am: 03.03.2014, 00:08    Titel: Gute Idee Antworten mit Zitat

Finde ich gut. So können sie nie ganz sterben. Solange man an die Menschen denkt , die man verloren hat , sterben sie nie zu 100%. Sie leben in uns weiter. Gruß tim
_________________
Ich weis nicht was ich schreiben soll ...
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eorie



Anmeldedatum: 27.12.2004
Beiträge: 53
Wohnort: Hanau

BeitragVerfasst am: 24.09.2014, 23:38    Titel: Hier könnt ihr gucken Antworten mit Zitat

Danke für das Feedback, Tim!

und

Hallo nochmal Smilie

Die Ausstellung im Februar war gut besucht. Gab zwei Artikel in der regionalen Presse. Vor lauter Reizüberflutung hab ich bei der Eröffnungsrede dauernd den Faden verloren.
Damit man die Arbeiten auch weiterhin sehen kann, pflege ich die Texte und Aquarelle auf meiner Internetseite ein. Bin bei Teil 4. Wen es interessiert, kann gern vorbeischauen:
http://www.kerstinlochner.de/projekte/texte-und-aquarelle/

Herzliche Grüße,
Kerstin
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verweht



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Beiträge: 121
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BeitragVerfasst am: 27.09.2014, 22:48    Titel: Antworten mit Zitat

Schöne Seite und tiefsinnige Bilder.

Wenn ich das Wort Krankenhaus allerdings nur schon lese wird mir schlecht. Ärzte habe in meiner Familie schon so viel verbockt, wenn ich die sehe, da kann mir der Tod auch gleich selber die Hand geben. Vorm Tod hab ich jedenfalls weniger Angst, als vor Pfuschern in Weiß.

Und daß Du die Erinnerungen öffentlich machst ? Es ist die gegensätzliche Strategie zum In - Sich - Reinfressen. Alles was subjektiv hilft ist gut und richtig. Wer heilt hat Recht, heißt es doch so schön.

Beim Thema "Abwesenheit" muß ich jetzt schmunzeln: Es ist mein Dauerzustand.
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eorie



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Beiträge: 53
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BeitragVerfasst am: 14.11.2014, 14:00    Titel: TeilV Antworten mit Zitat

@ verweht

Abwesenheit ist dein Dauerzustand? Sehr glücklich Beim Besuch im Forum fand ich dich ziemlich präsent Sehr glücklich

Heut ist wieder mal Todestag und ich hab ihn nicht verpasst! Will sagen: Normalerweise denke ich vorher dran und bin mies drauf, oder es fällt mir einen Tag später ein. Dann hab ich ein schlechtes Gewissen. Diesmal bin ich pünktlich!!
Ich werde gleich Blumen und Kerzen einpacken und zum Grab fahren.
Ich bin unendlich traurig und mir kommen dauernd die Tränen. Mein Mann war ganz hilflos am Telefon und wußte nicht, wie er mich trösten soll.
Aber das ist gar nicht nötig.

Warum dürfen wir nicht traurig sein? Warum haben wir so große Angst vor Gefühlen?

Grüße,
Kerstin
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verweht



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BeitragVerfasst am: 14.11.2014, 16:51    Titel: Antworten mit Zitat

Natürlich bin ich präsent Smilie Bei dem schwachen Verkehr hier, da fällt so ein Kokostaxi wie ich halt auf.

Ich geh übrigens nur sehr selten auf den Friedhof. Sonst brauch ich wieder ne Woche um überhaupt wieder hoch zu kommen. Am Todestag mach ich meistens gar nichts, oder ich lenke mich ab.

Und ich lasse es zu, wenn ein alter Song im Radio läuft, es so schön abendlich ist, und die Rücklichter so schön rot schimmern, dann kann auch mir das passieren, daß ich ins Heulen verfalle. Aber eigentlich immer mir der Frage, warum ich das alles sehen und erleben mußte, diese ganzen Jahre in diesen Krankenhäusern.

Grüße zurück
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eorie



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Beiträge: 53
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BeitragVerfasst am: 11.12.2014, 13:28    Titel: Grönemeyer Antworten mit Zitat

Mir läuft das Wasser regelmäßig bei den zwei Liedern von Grönemeyer:
Mensch
und
Der Weg


Pass auf dich auf!
Lg
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verweht



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Beiträge: 121
Wohnort: germany

BeitragVerfasst am: 23.12.2014, 02:40    Titel: Antworten mit Zitat

Im Grunde ist es dieses Jahr mein erstes Weihnachten ohne Verdrängung. Ich hör gerade ein paar alte Lieder und mir kommt gerade alles hoch, als wäre es gestern gewesen, nicht Krankheit und Tod, sondern die Zeit davor.

Irgendwie schließt sich hier gerade ein Kapitel.

Ich sehe die Seiten, wie sie geblättert werden
Und die Seiten die zuvor geschrieben überdecken
Aufgefegt sind langsam alle scharfen Scherben
Und das Gefühl erwacht aus einem Schrecken.
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