Elternlos-Forum
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waise mit 16
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Tanja
Administrator


Anmeldedatum: 21.11.2003
Beiträge: 249
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 08.01.2005, 16:48    Titel: Antworten mit Zitat

Lieber Gast,

in diesem Forum soll jeder seine Meinung aussprechen dürfen.

Ich bitte dich aber um Rücksichtnahme auf die Gefühle anderer.

Gruß
Tanja

Team-Elternlos
_________________
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Nova



Anmeldedatum: 20.12.2004
Beiträge: 120

BeitragVerfasst am: 09.01.2005, 14:48    Titel: Antworten mit Zitat

Anonymous hat Folgendes geschrieben:
suhlt euch doch nicht alle so im selbstmitleid... das ist manchmal kaum zu ertragen... ihr seid größtenteils alle schon min. über 20. irgendwann müsst ihr auch ma anfangen euer leben zu leben und es wirklich selber in die hand zu nehmen. ihr könnt nicht immer sagen, mein leben ist verpfuscht weil sich nach dem tod meiner eltern keiner um mich ( evtl. uns) gekümmert hat. die welt ist zum größten teil einfach kalt herzlos und asozial. das müsstest ihr alle doch eigentlich auch schon bemerkt haben. sicherlich gibt es auch ausnahmen. wenn man eine solche gefunden hat kann man sich glücklich schätzen und sollte alles tun um sie nicht zu verlieren, aber man sollte sich nicht drauf verlassen das man eine findet.
so schwer das auch ist, dann müsst ihr euch einfach mal auf den arsch setzen und die dinge angehn! niemand anderes als ihr selber seid für euer leben verantwortlich! nicht dafür was euch passiert, sondern was ihr draus macht. so hart das auch klingt, aba wollt ihr, "nur" weil eure eltern aus einem "dummen zufall" heraus gestorben sind euer ganzes leben wegwerfen? versucht einfach mal ein bisschen selbstbewusstsein und charakterstärke zu entwickeln...
und ich habe nie behauptet das es einfach wäre....


Es wäre schön, wenn man vorher nachdenkt, ehe man einen solch "qualifizierten Beitrag" postet...
N.
_________________
Man muß das Leben aushalten können.
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*angélique
Gast





BeitragVerfasst am: 09.01.2005, 19:37    Titel: Kontakt Antworten mit Zitat

hey Elorie

manchmal find ichs gut mit vielen zu kommunizieren, manchmal beschissen.

mit Dir würd ich einfach mal direkter kommunizieren... und da du nicht im Forum angemeldet bist, schreib mir mal auf angel_@thezerb.com

danke

wollt mal wissen, wo Du dann eigentlich gelebt hast, nachdem du mit 16 waise warst?

was machste so beruflich oder studentisch?

etc. etc.
also wenn Lust schreib,wenn nicht sag halt kurz bescheid dass de kein Bock hast!
auf meine letzte mail hast ja auch nicht geantwortet.

naja

*angelique
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*angélique
Gast





BeitragVerfasst am: 09.01.2005, 19:41    Titel: indentifizierung Antworten mit Zitat

ach zur Info

*angélique oder *a,_+ sind beides ich, wusste nur nicht wie öffentlich ich mich hier machen will.

viele Liebe Grüße

*angélique
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-Angie-



Anmeldedatum: 17.12.2004
Beiträge: 7
Wohnort: Hamburg

BeitragVerfasst am: 10.01.2005, 14:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,

mein Vater starb, da war ich 7 und meine Mutter als ich 15 Jahre war. Natürlich muss man sich nicht in Selbstmitleid wälzen, aber das tut ja auch keiner - wir reden ja nur drüber...und Eltern zu verlieren ist glaube ich auch mit 30 oder 40 Jahren noch schlimm genug...

Gruss

Angie
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hühnchen
Gast





BeitragVerfasst am: 10.01.2005, 18:44    Titel: Antworten mit Zitat

hey
denkt jetzt bitte nicht ich will euch alle angreifen wenn ihr das hier lest:
warum seht ihr eigentlich immer nur das negative an eurem leben?
warum geht ihr immer nur hin und sagt : das oder dies ist an meinem leben verpfuscht?
warum geht ihr immer nur hin und schreibt : mir geht es scheiße, usw?

warum geht ihr nicht mal hin und sagt : trotz all der schwierigkeiten hab ich aus meinen leben was gemacht.
warum sagt ihr nicht mal : obwohl mein leben (teilweise) scheiße ist/war hab ich dies und das das geschafft. guckt mal das könnt ihr auch!
warum versucht ihr nich mal was positives zu schreiben.meint ihr nicht dass das die anderen aufheitern und motivieren könnte?
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Gast






BeitragVerfasst am: 10.01.2005, 19:06    Titel: selbstmitleid Antworten mit Zitat

.......suhlt euch doch nicht alle so im selbstmitleid... das ist manchmal kaum zu ertragen... ihr seid größtenteils alle schon min. über 20. irgendwann müsst ihr auch ma anfangen euer leben zu leben und es wirklich selber in die hand zu nehmen. ihr könnt nicht immer sagen, mein leben ist verpfuscht weil sich nach dem tod meiner eltern keiner um mich ( evtl. uns) gekümmert hat. die welt ist zum größten teil einfach kalt herzlos und asozial. das müsstest ihr alle doch eigentlich auch schon bemerkt haben. sicherlich gibt es auch ausnahmen. wenn man eine solche gefunden hat kann man sich glücklich schätzen und sollte alles tun um sie nicht zu verlieren, aber man sollte sich nicht drauf verlassen das man eine findet.
so schwer das auch ist, dann müsst ihr euch einfach mal auf den arsch setzen und die dinge angehn! niemand anderes als ihr selber seid für euer leben verantwortlich! nicht dafür was euch passiert, sondern was ihr draus macht. so hart das auch klingt, aba wollt ihr, "nur" weil eure eltern aus einem "dummen zufall" heraus gestorben sind euer ganzes leben wegwerfen? versucht einfach mal ein bisschen selbstbewusstsein und charakterstärke zu entwickeln...
und ich habe nie behauptet das es einfach wäre....[/quote]



Hallo Gast,

da ich den Beitrag ins Forum gestellt habe möchte ich auch gerne Stellung beziehen:
Zunächst einmal stellt sich für mich die Frage, warum jemand in einem Forum liest, dessen Beiträge er als unerträglich empfindet. Und dann frage ich mich, was diese Kritik mit meiner Biographie zu tun hat? Darum handelt es sich nämlich. Das ist meine Lebensgeschichte. Keine Soap. Und da ich meine Gefühle nicht zur Diskussion stelle, fühle ich mich auch nicht sonderlich verletzt. Höchstens ein ganz klein wenig mißverstanden.

Wie gesagt, war ich mit 16 Jahren elternlos. Die Konsequenz daraus, früher selbstständig zu sein als andere in meinem Alter. (Mein Leben selbst in die Hand zu nehmen! Das musste ich, ich hatte keine andere Wahl!) Ich habe noch nie gedacht, dass durch den frühen Tod meiner Eltern mein Leben verpfuscht sei und mag es auch nicht sonderlich, wenn mir Dinge in den Mund gelegt werden, die ich so nicht gesagt habe. Von meiner Mutter stammt der denkwürdige Satz:"Ich möcht nicht sterben, ich lebe so gern!", den ich bis heute beherzige, weil ich ihn für wichtig halte.

Also was ist das für eine böse, böse, böse Welt in der du lebst? Ich möchte mein Leben nicht von einer einzigen Person abhängig machen und "mich glücklich schätzen" eine "Ausnahme" gefunden zu haben. Gerade weil ich weiß, dass nur ich allein für mein Glück verantwortlich bin. Und mir keiner der herzlosen Asozialen die Sicherheit geben kann, die ich durch einen "dummen Zufall" verloren habe.
Am schönsten finde ich eigentlich die Einleitung, die nichts anderes besagt, als dass man mit Mitte 20 doch bitte schön über den Tod der Eltern hinweggekommen sein müßte......Aha.
Mein Klassenlehrer sagte damals, zwei Wochen nachdem ich Vollwaise wurde: "Jetzt wird's aber langsam wieder Zeit dich am Riemen zu reissen." Außerdem musste ich von Lehrer zu Lehrer wackeln, weil der gute Mann es nicht für nötig hielt, mir etwas abzunehmen und in der Konferenz den Tod meines Vaters bekannt zu geben. Man, das hat geholfen. Darf ich darüber bitte, bitte etwas wütend sein? Ich meine, weil die Welt eh schon so kalt ist? Ich versuche gerade anzunehmen, dass es sich vielmehr um einen Teil meines Lebens handelt, mit dem ich umzugehen lernen muß, weil damals niemand wusste, wie man mir helfen kann. Das ist schade, nicht zu ändern und ich sehe heute auch wo ich selbst hätte anders reagieren können. Sprich, um Hilfe zu bitten. Und deswegen versuche ich in diesem Forum Erfahrungen auszutauschen. Was mache ich mit meinem Neid, den Freundinnen gegenüber, die mit ihren Müttern samstags zum shoppen gehen oder wie gehe ich mit der Eifersucht um, gegenüber Leuten, die bei Stress übers Wochenende zu ihren Eltern flüchten können? Ich hab gedacht, es sei vielleicht ganz schlau, Leute zu fragen, die mit ähnlichen Emotionen zu kämpfen haben.

Über die Phase mit dem Selbstmitleid bin ich schon ein Weilchen hinaus, deshalb mein Bericht auch in der Vergangenheisform verfasst.

So noch mal ein klitzekleines Sorry, wegen der feisten Ironie, weil ich befürchte, da hat ein Seelchen seine Aggressionen rausgelassen. Und nicht an der falschen Stelle, da das ja genau das Thema ist mit dem ich mich beschäftigte. Ich frage mich nur, wenn du in diesem Forum bist, weil du auch jemanden verloren hast, warum schreibst du nicht darüber und dass dir das Mitleid andere auf den Senkel geht? Vielleicht kann jemand nachvollziehen, wie's dir geht?


Gruß eorie

PS: Behauptet keiner, dass es einfach ist zu seinen Gefühlen zu stehen.....
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eorie



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BeitragVerfasst am: 10.01.2005, 19:21    Titel: hü hü Antworten mit Zitat

hühü hühnchen,


kein Problem, die Sonne scheint mir aus dem Arsch!

Nein im Ernst. Geht ja nicht darum hier zu schreiben, wie glücklich wir alle sind, obwohl wir jemanden verloren haben, oder?
Für mich ergab sich hier zum ersten Mal die Möglichkeit über Dinge zu schreiben, an denen ich natürlich auch gewachsen bin. Ich bin stolz zu sein wo ich heute bin und wer ich heute bin! Ich denke meine Eltern wären es auch. Nur ist mir wichtig hinter all dem Sonnenschein zu erfragen, ob andere auch unter ihren Aggressionen leiden und ob es selbst nach 10 Jahren völlig normal ist, noch wütend zu sein. Mir hat es geholfen zu lesen, dass sich andere in ähnlichen Situationen auch mit ihren negativen Gefühlen auseinander setzen. Für mich ist das eine Form von Motivation. Anteilnahme. Verständnis.

In diesem Sinne,

Gruß eorie
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Tanja
Administrator


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BeitragVerfasst am: 10.01.2005, 21:32    Titel: Antworten mit Zitat

Liebe Eorie, liebe Mädels,

ich möchte nocheinmal ausdrücklich darauf hinweisen, das wir mit Elternlos.de einen Platz schaffen möchten, an dem man als in jungen Jahren "elternlos" geworden über alles schreiben kann was einen beschäftigt, ob positiv oder negativ.

Anpassen müssen wir "elternlosen" uns im Alltag schon genug, hier muß es nicht sein.

Bitte nehmt den Beitrag von Gast als einmaligen Ausrutscher und ignoriert ihn einfach.

Hühnchen, wenn du über die positiven Aspekte schreiben möchtest, dann erstelle dazu gerne ein neues Thema.

Lieben Gruß
Tanja

Team-Elternlos
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eorie



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BeitragVerfasst am: 28.01.2005, 17:34    Titel: herzklopfen Antworten mit Zitat

ich habe immer herzklopfen, wenn ich auf der elternlos-seite bin. es ist nun mal ein sehr emotionales thema.

ich habe lange über die beiden beiträge nachgedacht. sie haben mich zunächst einmal geärgert. aber wie so oft mußte ich mir eingestehen: wenn mich was ärgert, dann auch weil etwas wahres dran ist.

mir fällt es immer schwer einen text hier zu schreiben und abzusenden, weil ich das gefühl habe, es steht dann da, ich kann es nicht zurücknehmen.
ich habe oft angst etwas falsch zu machen und bin sehr unsicher. deshalb fühle ich mich schnell angegriffen und meine verteidigung fällt dann ironisch, bisweilen sarkastisch aus. das kann auch verletzend sein. das möchte ich eigentlich nicht.

es ist schon so, dass ich immer noch mit meinem selbstmitleid zu kämpfen habe. hier fällt das natürlich schwer. ich kann zu keinem sagen: du verstehst mich nicht. hat auch was gutes, ja ja.

Die kontroverse hat etwas gutes. ich habe vor ein paar tagen im bett gelegen und gedacht: ich kann's wenigstens mal versuchen. ich möchte gerne etwas positives schreiben. vielleicht nicht heute und nicht morgen......aber es gibt viele dinge für die ich dankbar bin, viele eigenschaften, die ich von meinen eltern übernommen habe.....
davon erzähl ich euch das nächste mal,

bis dahin, alles liebe,

eorie
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eorie



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BeitragVerfasst am: 18.12.2012, 12:48    Titel: Meine Güte... Antworten mit Zitat

Meine Güte ist das lange her.
Ich drücke mich heute. Eigentlich muss ich ganz viel für morgen organisieren. Statt dessen bin ich nach Jahren mal wieder im elternlos Forum gelandet. Und habe so viele Beiträge gelesen, die nie eine Antwort erhalten haben.
Schon traurig.

Und ich frage mich gerade ob das typisch ist für das Internet im allgemeinen oder für Trauernde im Besonderen. Dass man so sehr mit sich selbst beschäftigt ist oder emotional überansprucht. Ja überfordert. Sich nicht mit anderen auseinandersetzen kann und mag. Oder nach einer Zeit andere Dinge im Leben wichtiger werden. Woran liegt's? Was sind meine Gründe?

Es macht mich ganz beklommen, wenn ich mir vorstelle, ich hätte hier meine Lebensgeschichte gepostet und keiner geantwortet.

Heute bin ich hier, weil es weihnachtet. Und weil ich seit Wochen mies drauf bin und mich hängen lasse. Und mich frage woran das nun wieder liegt. Meine Mutter ist dieses Jahr 20 Jahre tot. Quasi ein Jubiläum. Ob das irgendwo im Fleisch gespeichert ist. Unsere Zellen sich erinnern und Stimmungen selbstständig auslösen?

Wollt doch eigentlich das nächste Mal was positives schreiben....hm...ich werde Weihnachten feiern und ich freue mich drauf. Und selbst meine derzeitige negative Stimmung kann ich recht gefasst ertragen. Ich lasse mich einfach hängen und weiß das Tal ist bald durchschritten.
http://www.youtube.com/watch?v=BcbqCssiBUc
(Das hatte mein Vater in einer anderen Version auf Tape. Ich liebe diese alten Kassetten und die von Pete Seeger kommt der am nächsten).

In diesem Sinne Grüße ich alle, die lesen
freu mich über Reaktionen
und melde mich wieder,
Eorie
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eorie



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Beiträge: 53
Wohnort: Hanau

BeitragVerfasst am: 27.02.2014, 11:46    Titel: Re: waise mit 16 Antworten mit Zitat

eorie hat Folgendes geschrieben:
Waise mit 16



Auf der Suche nach Menschen mit ähnlichen Erfahrungen, habe ich mich letztes Jahr daran gemacht die Google- Such- Maschine zu befragen. Erst einmal hab ich mich – und das tut mir fast leid, weil ich niemanden seine Trauer absprechen möchte – geärgert. Sobald ich Begriffe, wie „Krebs“, „Kinder“, „Eltern“ und „verstorben“ eingab, wurden Seiten aufgerufen, die Eltern Unterstützung bei der Trauerarbeit um ihre Kinder anbieten. Nirgendwo war die Rede davon, dass Kinder auch trauern. Vielleicht weil es ja auch nur natürlich ist, wenn Eltern vor ihren Kindern sterben. Natürlich. Das habe ich oft gehört und es klingt wie eine Beschwichtigung. Es ist doch ganz natürlich, dass man seine Eltern überlebt.

Dann bin ich auf den Krebs-Kompass gestoßen und erst heute, als ich mal wieder dort vorbeischaute, fand ich den Link zu elternlos.de. Jetzt kostet es mich wahnsinnige Überwindung hier einen Beitrag zu schreiben, obwohl ich schon lange nach genau so einem Forum gesucht habe. Aber ich spüre in solchen Momenten, wie traurig und auch wütend, ja richtig zornig ich immer noch bin.
Meine Mutter ist im Alter von 43 Jahren nach zwei Jahren Kampf gegen den Krebs gestorben. Damals war ich 13 Jahre alt und mein Vater kam drei Jahre später in die Küche und teilte meinem älteren Bruder und mir lapidar mit, dass wir wohl kein Glück mit unseren Eltern hätten. Er starb ein halbes Jahr später ebenfalls an Krebs. Ein paar Monate darauf empfahl man mir den Besuch eines Internats, weil meine schulischen Leistungen ab, dafür die Fehlzeiten zunahmen. Viele Verwandte und Bekannte gingen davon aus, es würde sich schon jemand um uns kümmern und so blieben mein Bruder und ich mit unserer Wut, Angst und Trauer weitgehend allein. Auch unser Verhältnis zueinander war eher schlecht und ich sehr froh dieser Umgebung entfliehen zu können.
Die Kinder und Jugendlichen besuchten hauptsächlich aufgrund von familiären und schulischen Schwierigkeiten das Internat. Ich fand dort Freunde, einen echten Familienersatz und pflege noch heute den Kontakt.

Heute bin ich mittlerweile 25 Jahre alt. Meine Eltern also seit 9 bzw.12 Jahren tot.
Und trotzdem:

Ich fühle mich oft gefangen in meinem Schmerz. Verabscheue einerseits dieses selbstmitleidige Gefühl, dass mich keiner versteht und glaube andererseits daran, dass dem eben so ist. Dass keiner wirklich versteht was in mir vorgeht. Ist doch auch schon so lange her, das Leben geht weiter, jetzt reiß dich gefälligst mal zusammen, bla, bla, bla…

Oft hat es mir ein abscheuliches Vergnügen bereitet Leuten vor den Kopf zu stoßen, wenn sie mich nach meinen Eltern fragten. Die ungläubige Frage dann: „Was? Beide gestorben?“ Oder das obligatorische: „Hast du denn noch Geschwister?“ Als ob das etwas ändern, etwas besser machen würde. Na, dann hast du ja wenigstens jemanden gehabt. Ja, richtig. Eine Seele, die sich genauso verschlossen hatte wie ich. Prima.

Ich wollte immer das Unmögliche: es allen recht machen, die bedingungslose Elternliebe von Freunden einfordern, alles richtig machen, geliebt werden. Nur mit mir selbst wollte ich mich Ewigkeiten nicht beschäftigen. Nicht richtig. Am liebsten jemand anders sein. Ich habe viel über das Leben und Sterben meiner Eltern gesprochen, aber immer distanziert und emotionslos. Und mich dann geärgert wenn man mich als kalt und unnahbar empfand.
Ich weiß oft immer noch nicht was ich fühlen und denken soll, weil ich mein halbes Leben schon damit verbracht habe, für andere irgendwie zu sein. Hauptsache liebenswert. Vor kurzem wurde ich gefragt, was ich will, und das war das Schlimmste. Immer wenn ich mir diese Frage stelle, erscheint vor meinem inneren Auge eine weiße Wand. Blank! Nix! Keine Ahnung.


Selbst wenn ich hier sitze, weine und schreibe, frage ich mich, ob ich wirklich um meine Eltern oder mein eigenes Schicksal trauere. „Schuld“ war ein großes Wort in unserer Familie gewesen und „Scham“ ist etwas womit ich noch immer zu kämpfen habe. Gefühle zulassen und sie zu fühlen, nicht zu denken. Frei nach dem Motto, was soll ich denn heute mal wieder fühlen? Oder: Wie, ich habe kein Problem? Ach, dann mach ich mir schnell eines!

Es ist heute das erste Mal, dass ich mir und anderen eingestehe, nicht nur traurig zu sein, sondern eine enorme Aggression zu verspüren und das nach so langer Zeit. Ich wüsste gern wie andere damit umgehen und ob sie überhaupt so oder ähnlich empfinden.

Liebe Grüße

eorie
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