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Ich möchte Euch gerne meine Geschichte erzählen!

 
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Lulufee



Anmeldedatum: 16.12.2012
Beiträge: 5

BeitragVerfasst am: 16.12.2012, 19:07    Titel: Ich möchte Euch gerne meine Geschichte erzählen! Antworten mit Zitat

Hallo,

ich (weiblich, 24 Jahre) möchte mich Euch gerne vorstellen und Euch meine Geschichte erzählen. Ich bin Studentin und meine Hobbys sind Kochen, Wandern und Fitness. Das mag eine schlechte Überleitung zum Thema Tod und Trauer sein, aber es ist mir wichtiger, dass Ihr euch ein Bild von mir machen könnt.

Ich bin heute Morgen auf dieses Forum gestoßen, als ich nach Infos zu erwachsenen Waisen gesucht habe. Ich habe schon oftmals darüber nachgedacht, wie schön ein Austausch mit Menschen in ähnlicher Lebenslage wäre.

Ich habe mit sieben Jahren den plötzlichen und unvorhersehbaren Tod meiner Mutter erlebt, welche ein Herzversagen erlitt. In Folge dessen wurde mein Vater alkoholkrank und hat sich nicht mehr um mich und meine sieben Jahre ältere Schwester gekümmert. Er ist nun im letzten Jahr in Folge seiner Krankheit verstorben.

Den Tod meiner Mutter konnte ich nur schwer verkraften. Obwohl ich noch so klein war, hatte ich keine Unterstützung bekommen; meine Schwester war selbst noch ein Kind. Im Nachhinein hätte ich mir gewünscht, dass jemand mit mir über ihren Tod spricht, damit ich die Situation hätte besser verarbeiten können, aber das war leider nie der Fall. Auch auf die Beerdigung hat man mich aufgrund von falscher Rücksichtnahme nicht mitgenommen. So habe ich die Trauer tief in mir verschlossen, was zu einer immer größer werdenen Verzweiflung geführt hatte.

Mit dem Tod meiner Mutter habe ich auch meinen Vater "verloren", da er fortan kein Vater mehr für mich war und er mich in Stich gelassen hat obwohl ich ihn so sehr geliebt habe. Ich kann bis heute nicht begreifen, wie schnell er in die Alkoholsucht abgerutscht ist und warum er uns Kinder nie geholfen hat, mit dem Tod ihrer Mutter umzugehen, warum er uns nie getröstet hat. Im Gegenteil. Seine Sucht, sein cholerisches Verhalten, seine Selbstzerstörung und sein Egoismus haben uns sehr viel Leid zugefügt. Aus meiner Liebe zu ihm wurde Schmerz.

Seit meiner Pubertät litt ich an schweren Depressionen, meine Gedanken wurden immer undurchsichtiger und der Wunsch selbst zu sterben wuchs in mir heran. Während meiner Ausbildung wurde die Belastung und der Todeswunsch immer stärker. Ich hatte meine Lebensfreude verloren, jedoch wollte ich nicht kampflos aufgeben. So hatte ich beschlossen, eine Therapie zu machen und war sehr froh, als ich die Hemmung, bei einer Praxis anzurufen, verloren hatte. Leider blieben die Therapiestunden bei meinem ersten Therapeuten erfolglos; die Chemie zwischen uns stimmte nicht. Nach meiner Ausbildung fand ich einen Job, mit dem ich jedoch sehr unglücklich war, was meine Depressionen zusätzlich verstärkt hatte. Ich unternahm einen weiteren Therapieversuch, welcher nach einiger Zeit erfolgreich war. Danach kündigte ich meinen Job und nun studiere ich.

Die Therapie hat mich gerettet und ich bin heute so glücklich, wie ich es seit dem Tod meiner Mutter noch nie war. Zwar gibt es auch heute noch Tage, an denen ich sehr traurig bin, aber ich raffe mich immer wieder auf und sollten diese düsteren Tage je wieder länger anhalten, werde ich mich wieder in Therapie begeben, weil ich nie wieder aufgeben werde. Ich weiß mein Leben wieder zu schätzen und die Schicksalsschläge, die mich so sehr verletzt haben, haben mich auch zu einem stärkeren Menschen gemacht. Ich habe sie angenommen und habe heute keine Angst mehr, darüber zu sprechen oder Hilfe anzunehmen.

Den Tod meines Vaters habe ich völlig anders erlebt. Meine Trauer um ihn begann bereits mit dem Tod meiner Mutter, denn dadurch habe ich auch ihn für immer verloren. Es gab nur noch selten Momente, wo ich seine Liebe zu mir gespürt habe. Als ich älter wurde, habe ich begriffen, dass ich ihn früher oder später in Folger seiner Alkoholsucht verlieren werde, so dass mich sein Tod nicht überrascht hatte. Ich empfand seinen Tod als Erlösung, weil es ihm am Ende sehr schlecht ging und keine Heilung mehr zu erwarten war. Ich denke, dass er sterben wollte und der Gedanke, dass er nun bei unserer Mutter sein könnte, tröstet mich. Aber es war auch eine persönliche Erlösung, denn ich habe unter seiner Sucht und seiner verkehrten Vaterrolle immer gelitten. Am Tag seiner Beerdigung schien die Sonne, als wollte er uns sagen, dass es ihm nun endlich gutgeht und es ok ist. Es ging mir gut. Erst jetzt kann ich unsere Beziehung mit anderen Augen wahrnehmen, nicht mehr mit den Augen meines kindlichen Ichs sondern mit den Augen einer erwachsenen Frau. Ich habe ihm verziehen, auch wenn ich sein Verhalten nicht gutheiße. Ich bin davon überzeugt, dass es ihm leidtut und er es rückgängig machen würde, wenn er könnte. Meine Trauer um ihn ist nunmehr abgeschlossen.

Ich habe gelernt, dass ich mich nicht für den Tod meiner Eltern verantwortlich fühlen darf und dass ich ein Recht auf ein glückliches Leben habe. Meine toten Eltern trage ich im Herzen immer bei mir. Ich versuche heute stets auf das Gute in meinem Leben zu schauen, diese Dinge zu schätzen und auch die kleinen Freuden im Leben zu genießen. Ich habe eine sehr gute Beziehung zu meiner Schwester und meinem kleinen Neffen, dem sie das Leben schenkte. Außerdem habe ich seit drei Jahren eine Beziehung, die mich unglaublich mit Glück erfüllt. Ich würde niemals sagen, dass eine Beziehung zu einem Mann die Liebe zum Vater ersetzen kann, aber er schenkt mir die Geborgenheit und Zuneigung, die ich nur bis zu meinem siebten Lebensjahr erfahren durfte. Mein Vater hat meinen Freund nie kennengelernt, aber ich habe oft das Gefühl, dass er mir geschenkt wurde, um die Trauer zu verarbeiten und das Leben wieder zu genießen. Mein Freund hat mir neben der Therapie durch sein Einfühlungsvermögen und seine grenzenlose Unterstützung dabei geholfen, die Frau zu werden, die ich jetzt bin. Dafür werde ich ihm immer dankbar sein und mein Vater sicherlich auch. Selbstverständlich gebührt auch meinem Therapeuten und dessen wahre Fürsorge größter Dank.

Ich wünsche allen jungen Frauen und Männern, denen es ähnlich erging, von ganzen Herzen, dass sie ihr Schicksal lernen anzunehmen und dass sie wieder glücklich werden!

Es gab Phasen, da dachte ich, der Tod meiner Mutter sei eine Strafe, warum "nur" mir so etwas passiert, aber solche Gedanken sind falsch und führen dazu, dass man sein Leben nicht leben kann. Ich weiß nicht, warum ich meine Eltern früh verloren habe, aber ich denke nicht, dass mich das Leben damit benachteiligen wollte.

Jetzt, wo ich diese Zeilen geschrieben habe, geht es mir sehr gut und vielleicht hilft es dem Einen oder Anderen. Darüber wäre ich sehr froh.

Auch würde es mich sehr freuen, wenn ich insbesondere mit jungen Frauen in ähnlichen Situationen ins Gespräch kommen würde. Aber auch die Sicht männlicher Trauender interessiert mich sehr.

Ich freue mich, hier zu sein und bedanke mich schon mal bei all denen, die sich Zeit genommen haben, meine Geschichte zu lesen!

Liebe Grüße

Lulufee
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adem9438



Anmeldedatum: 26.10.2013
Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 21.11.2013, 13:59    Titel: Antworten mit Zitat

Ich habe auch meine Mutter verloren. Auch nach langem Krebsleiden, mit vielen Auf und Abs.
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