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Neues Herz - und doch hörte es auf zu schlagen.

 
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Chrina



Anmeldedatum: 05.06.2012
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 06.06.2012, 18:07    Titel: Neues Herz - und doch hörte es auf zu schlagen. Antworten mit Zitat

Meine Mama ist 2008 nach langen, schlimmer Krankheit herztransplantiert worden.

Im hiesigen, nächst größeren KKH diagnostizierte man zunächst eine frappierende Herzinsuffizienz (Pumpleistung 30%) verbunden mit einer Einschränkung der Lungenfunktion. 2007 fiel dann das erste Mal das Wort „Transplantation“. Wieder ein Schock.

Anfang Juni 2008 brach die Herzpumpleistung weiter ein (6%), weshalb man Mama direkt auf die HU(High Urgence)-Liste der Transplantationswarteliste in Leiden, Holland, setzte. Wir zitterten bis zum 8.8.2008. Die Transplantation glückte, das Organ passte. Mein Vater lebte zu der Zeit in Leverkusen, wo er werktags arbeitete. Ich lebte in Bielefeld, wo ich studierte, zog kurzerhand ins Elternhaus zurück, um mich um meinen Bruder, den Hund und unseren Betrieb zu kümmern.
Bereits in der ersten Nacht begann Mamas Körper, das neugewonnene Organ zu beschädigen. Eine schwere Abstoßung brachte sie dem Tod wieder näher als dem Leben. Der Arzt rief mich als nächst anwesende Angehörige an und sagte, Mamas Chancen stünden 30 zu 70% und nun würde nur noch beten helfen. Die Erinnerung an den Anblick an ihrem Krankenbett lässt mich heute noch erschauern, (wissend, dass die neusten Bilder viel schlimmer sind). Irgendwie hat sie es wieder geschafft.
Wieder verging viel Zeit mit Infektionen (bedingt durch immunsuppressive Medikamente, Nebenwirkungen ihrer täglichen Medikamentendosis von 36 Tabletten, etc.), aber auch mit schönen Momenten.

2011 dann die nächste Abstoßung. Wieder Lebensgefahr, und wieder überlebt sie.

Seit September 2011 schlug sie sich dann mit Blasenentzündungen herum. Antibiotikaeinnahme von September 2011 bis März 2012. Alle Medikamentenspiegel im Blut gerieten durcheinander, erschwert durch die Gabe von hochdosiertem Kortison gegen die Infektionen.
Vorletzten Samstag war ich zunächst nachmittags bei ihr, es ging ihr sehr schlecht. Müdigkeit, Abgeschlagenheit und wahnsinnige Kurzatmigkeit gaben sich die Klinke in die Hand. Sie war dienstags noch zur Kontrolle in der Klinik gewesen. Dort sagte man uns, kein Grund zur Sorge, das Kortison sei das schuld. Spät nachmittags verabschiedete ich mich. Sie lag im Sessel und döste vor sich hin. Ich strich ihr über den Kopf und gab ihr einen Kuss auf die Stirn. Noch heute rieche ich ihren Duft.
Abends lag ich abends im Bett und schaute fern. Kuschelrocklieder, die mir sonst gefielen, brachten mich plötzlich zum Weinen. Ich wollte zu ihr, wahnsinnige Sehnsucht kochte in mir hoch. Ich rief sie an, doch mein Vater ging ran und sagte, Mama schlafe, ich solle sie nicht wecken.
Ich schlief schlecht in der folgenden Nacht, rief morgens früh gleich bei meinen Eltern an. Mich traf fast der Schlag. Mein Bruder: „Papa hat gerade den Krankenwagen gerufen, Mama muss sofort ins Krankenhaus. Sie muss hier ins Krankenhaus, bis nach Bad Oeynhausen würde sie es nicht schaffen.“ Ich erstarre im ersten Moment. Im zweiten schnappe ich mir meinen Hund, meinen Freund und rase zu ihr nach Hause.
Dort angekommen sehe ich den Krankenwagen in der Einfahrt stehen, Papa sitzt im Auto dahinter. Ich stehe dort, bin taub. Weine. Lautlos. Ich ringe um Fassung. Dieser Krankenwagen, der mich 1,5 Jahre Psychotherapie gekostet hat, um mich aus meiner PTBS zu holen, schafft es gerade wieder mich sprachlos zu machen.

Der Tag kriecht voran, lange keine Neuigkeiten aus der Notaufnahme. „Sie ist immer noch nicht drangewesen.“, sagt Papa, 2 Stunden später. Ein Unding. Weiß ich jetzt.

Abends dann, er kam nach Haus und wir aßen, sagte er, man habe sie auf die Intensiv-Pflege verlegt, es gehe ihr mittelmäßig. Es sei eine Lungenembolie. Das Problem liege darin, dass ihr Kreislauf und ihre Nieren versagen, sodass man ihr nicht die notwendigen Medikamente geben könne.

Nachts verschlimmert sich der Zustand weiter, sie wird auf die Intensiv verlegt. Zustand lebensbedrohlich.

Morgens, unveränderter Zustand, bleibend schlecht. Mein Brüder und mein Papa waren dort, sollten sich melden. Es meldete sich niemand. Plötzlich klingelt es bei mir: ein blasser Papa und ein blasser Bruder. „Oh nein!“, sagte ich. Papa ging in meine Küche und lehnte sich an den Schrank. „Ich fürchte, das wars.“, sagte er. Ich merke, wie mein Mageninhalt nach oben schnellt, renne zum Bad, übergebe mich. Will das alles nicht hören.
Ich beschloss selbst ins KKH zu fahren. Gesagt, getan. Nach einer dreiviertel Stunde warten, dürfen wir zu ihr. „Es geht ihr besser, wir haben ihr einen externen Herzschrittmacher angeschlossen.“, ich breche ich Tränen der Erleichterung aus, meine Knie geben beinah nach. Ich solle mich beruhigen, sonst dürfe ich nicht zu ihr. Schlagartig tue ich, wir mir geraten.

Wir gehen zu ihr. Sie erkennt uns. „Ach, ihr seids“ sagt sie, sieht aus wie der lebendige Tod. Ich drücke ihre Hand, sie ist kalt, rau. „Das war so ein Scheißtag heut.“, weint sie. „Das geht vorbei.“, sag ich. Sie bittet mich Wasser holen zu gehen, sie habe Durst. Ich hole Wasser, und gebe ihr etwas zu trinken. Mich schockieren die ganzen Schläuche, Geräte. „Sollen wir wieder gehen?“, frage ich, als ich merke, dass sie erschöpft ist. Sie nickt. „Versprich mir, dass du keinen Mist machst! Du musst noch die Hochzeitstorte aussuchen!“, sage ich und sie weiß sofort, dass ich meine: Du darfst nicht sterben! Ihre Augen füllen sich mit Tränen. Wir müssen gehen.

Der Nachmittag war gefüllt mit euphorischer Heiterkeit. Übertrieben. Papa wollte abends nochmal hinfahren. Ich bat ihn um Nachsicht, sollte sie übermüdet sein. Hatte das Gefühl, es interessiert ihn nicht.
Abends sein Anruf: „Alles unverändert besser, dennoch lebensbedrohlich.“ Ich unterschätze die Lage, bin glücklich, schlafe ein.
Gegen zehn eine SMS von ihm: „Alles wie bisher – unverändert. Allerdings bricht sie die Medikamente immer aus.“ Denke mir nichts, schlafe weiter.

Gegen elf jault mein Hund. Warum? Denke ich, höre das Klingeln des Telefons wie einen Blitzschlag. Papa. „Mama geht es sehr schlecht, wir müssen mit dem schlimmsten rechnen.“ Ich rufe die Station an, bekomme sofort die Ärztin. „Frau H., es wäre besser, wenn sie jetzt kommen. Ihrer Mutter geht es sehr schlecht. Vielleicht wäre es besser, wenn sie hier her kämen.“ Papa versucht noch mich aufzuhalten, ich höre nicht. Ziehe mein/ ihr Lieblings T-Shirt an und fahre mit meinem Freund ins KKH.

Auf der Station übergebe ich mich mehrmals, will zu ihr, bekomme Wasser. Sie liegt dort. Stöhnt und röchelt. Ist nicht ansprechbar. Die Augen halb geöffnet, sie flattern. Mein Papa sitzt daneben, hoch roter Kopf. Ich habe das Gefühl, ich falle. Die Schwester stellt mir einen Stuhl neben das Bett, ich streichele Mamas Hand, nehme sie, keine Reaktion. Sie ist kälter, rauer als nachmittags. Fühlt sich an wie altes Pergament. Der Blutdruck liegt noch bei 30/17, ihr Puls bei 145. Panik steigt auf. Ich denke: „Wo, VERDAMMT NOCH MAL ist der Arzt?“, kann nicht sprechen. Bei 25/13 verlasse ich das Zimmer, laufe umherirrend durch den Flur. Schwestern lachen, reden über Südtirol. Ich fühle mich wie im falschen Film. Schaue auf den Bildschirm im Flur, auf dem alle Patienten überwacht werden. Sehe Mamas Blutdruck noch bei 15/7. Dann gehen wir in den Wartesaal, ich halte es nicht mehr aus. Nicht in meinem Körper, nicht in diesem Kittel und nicht mit diesem ständigen Alarm-Geräusch. Ich breche wieder, auch wenn nichts da ist, zum Erbrechen.
Unbekannte Zeit später kommt mein Papa durch die Tür. „Sie hat es geschafft.“, sagt er. Ich freue mich, denke, sie lebt. Da beginnt er zu weinen. Mein Papa weint das erste Mal im Leben vor mir. Wir nehmen uns alle in die Arme und weinen. Laut. Unbeachtet. Verzweifelt.
Ob ich meine Mama noch einmal aufgebahrt sehen möchte? Nein! Das kann ich nicht! Ich möchte nach Haus, zu Mama. Weiß nicht mehr weiter. Denke wild durcheinander. Will nicht mehr leben. KANN nicht mehr leben. Alle müssen informiert werden! Morgen muss der Laden wieder geöffnet werden! Was soll ich den Kunden sagen? Ich will nicht darüber reden! Ich will nicht mehr heiraten, keine Kinder haben. Will nicht weiter studieren, keinen Abschluss machen! Das kann alles nicht sein! Das kann alles nicht wahr sein! Wach auf, Christina! Wach endlich auf!

Aber ich wache nicht auf. Ich lebe taub weiter. Alle sagen, ich sei so wahnsinnig diszipliniert. Weil ich wieder an meiner Diplomarbeit sitzem wieder Sport mache, wieder esse.
Wäre ich nicht diszipliniert, wäre ich nicht mehr hier. Wäre wieder bei ihr. Nicht mehr so endlos allein.

Ich hab das Leben aufgegeben. Stehe an ihrem anonymen Grab, bei dem ich nicht genau weiß, wo es ist.“ Meine Psychotherapeutin von damals schreibt, dass sie nicht weiß, was sie sagen soll. Dass wohl niemand verstehen wird, wie eng die Bindung zwischen mir und meiner Mutter war.
Und den Satz, den ich beginne zu hassen: „Ihre Mutter wird immer bei Ihnen sein.“

Nein, wird sie nicht. Sie ist nicht bei mir. Und wird es niemals mehr sein. Nicht wenn ich aus meiner letzten Diplomprüfung komme, zu der sie mitgehen wollte, nicht wenn ich heirate, was ich eigentlich letztes Jahr hätte machen wollen, nicht wenn mein erstes Kind frischgeboren auf meinem Bauch liegt, nicht wenn ich krank bin und sie brauche und auch nicht, wenn ich sie einfach anrufen möchte, so wie ich es früher fünf bis sechs Mal täglich gemacht habe.

Kleinigkeiten bringen mich aus dem mühsam erstellen Konzept des Überlebens. Lieder, Mamas mit Töchtern, die durch die Stadt laufen, Gegenstände, sogar Gerüche. Ich frage mich: Hört das jemals auf? Wird das Leben jemals wieder lebenswert? Wenn mich doch alles immer und überall an sie erinnert?

Ich hasse mich dafür, dass ich Samstagabend nicht mit ihr gesprochen habe. Nicht auf meine Intuition gehört und nicht zu ihr gefahren bin. Ich hasse mich dafür, dass ich sie nicht früher zu besseren Ärzten gebracht habe. Und ich hasse mich dafür, dass ich nicht mehr Zeit mit ihr verbracht habe.
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K-K



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BeitragVerfasst am: 06.06.2012, 23:37    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Christina,

es tut mir Leid um deine Mama!! Ich sag das aus vollem Herzen, weil ich weiß, wie es ist, seine Mutter in dem Alter zu verlieren....

Es ist schlimm, was du alles durchmachen und miterleben musstest.

Trotzdem finde ich es schön, dass du so sehr zu ihr gehalten hast und es immernoch tust!

Deine Mutter hat wahnsinnig gekämpft.

Meine Mutter ist jetzt 1,5 Jahre lang tot und ich vermisse sie immernoch sehr. Ich habe ihr immer gesagt, dass ich nicht ohne sie weiter leben kann - und doch tu ich es. Mehr schlecht als recht, denn innerlich bin ich kaputt. Auch weil ich schon so viel miterlebt habe und immernoch tue.
Viele sagen auch zu mir, dass es ihnen vorkommt, dass ich das ganze so gut verarbeite usw. In Wirklichkeit sehen sie aber nie, wie ich weinend dasitze oder andauernd an die "gute alte Zeit" denke. Ich bin sehr melancholisch und nachdenklich geworden. Sehe die Welt nicht mehr unbeschwert.

Ich weiß nicht, wie man damit klar kommt, einen geliebten Menschen verloren zu haben. Jemanden, der einem so Nahe stand. Die eigene Mutter.
Jeder muss das wahrscheinlich auf seine Art verarbeiten. Da gibt es kein Geheimrezept...

Ich hatte auch ein sehr enges Verhältnis zu meiner Mutter.
Ich versuche sie in meinem Herzen zu behalten. Auch wenn das schwer ist. Was anderes bleibt einem ja auch gar nicht übrig. Sie ist und bleibt ein Teil von mir.

Ich habe mir auch immer so sehr gewünscht, dass sie Oma von meinen Kindern wird, mir wertvolle Ratschläge gibt, mit mir mein Brautkleid aussucht...all das, was man sich eben mit der eigenen Mama vorstellt.

Auch ich fand es anfangs schwer Mütter mit ihren Töchtern zu sehen. Mittlerweile geht es. Ich ignoriere es.

Ich kann nicht alle Bilder von ihr anschauen, nur manche. Manche liegen immer da, andere liegen in einer Schublade, sodass ich nicht immer drauf schaue...

Hass dich nicht für irgendwelche Dinge. Ich denke, du warst für deine Mama da. Und das hat sie sicher registriert.

Ich wünsche dir alles Gute und viel Lebensmut um weiter zu machen...
Vielleicht kannst du dir auch eine kleine Auszeit nach deiner Diplomarbeit nehmen (ich schreibe auch gerade meine Masterarbeit...)!
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verweht



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BeitragVerfasst am: 07.06.2012, 11:05    Titel: Antworten mit Zitat

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Zuletzt bearbeitet von verweht am 07.01.2014, 01:22, insgesamt einmal bearbeitet
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Papa



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BeitragVerfasst am: 07.06.2012, 12:59    Titel: Antworten mit Zitat

Mein Papa hätte auch ein neues Herz gebraucht, er hat keines bekommen. Mittlerweile denke ich manchmal, dass das gut war. Dass er nicht noch mehr leiden musste. Dass es "schon" nach 6 Jahren Krankheit vorbei war, von denen ich kaum etwas mitbekommen habe. Erst im letzten halben Jahr war ich manchmal im Krankenhaus, erst am Abend bevor er abgeschaltet wurde wurde mir gesagt, dass er sehr krank ist und bald sterben wird. Ich war -angeblich- zu klein, als dass man ehrlich mit mir gewesen wäre.

Ich habe kaum Bilder im Kopf, weder schöne noch schreckliche. Habe mich nicht verabschiedet, den Moment, in dem er zum letzten Mal ins Krankenhaus gebracht wurde, alles andere als bewusst wahrgenommen. Segen und Fluch, irgendwie.

Und man fällt, unglaublich tief. Und noch tiefer, wenn man denkt, es geht nicht mehr. Aber es geht. Und irgendwann wird es wieder besser. Ja, das Leben wird wieder lebenswert. Aber nein, ich glaube, es hört niemals auf. Ich empfinde mein Leben jetzt, 16 Jahre später, als sehr lebenswert, ich bin glücklich. Aber es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an ihn denke, mal mehr, mal weniger. Es gibt immernoch so viele Situationen, die mein Herz rasen lassen, weil ich sie mit ihm in Verbindung bringe, es gab so viele Momente in meinem Leben, in denen ich allein war und mir ein bisschen Geborgenheit gewünscht hätte. Das fehlt mir immer noch sehr.

"Mach einfach weiter". Mehr kann Dir gerade niemand sagen glaube ich. Halte es durch, tu das, was Du für richtig hältst. Und vertraue darauf, dass es besser wird. Irgendwann.
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Chrina



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BeitragVerfasst am: 07.06.2012, 16:01    Titel: Antworten mit Zitat

Ich danke euch für eure Antworten. Es hilft enorm zu sehen, dass andere eben auch "durch diese Hölle" gehen und es schaffen.

Ich weiß ja nicht, wie es bei euch aussieht/aussah, aber das einzige, was mich im Moment davon abhält ihr hinterher zu gehen, ist der Rest der Familie.

Mein Papa, der seit ihrem Ableben katatonisch durchs Leben zieht, sich "heiter bis wolkig" verhält, mein Bruder, der vollkommen kalt zu mir ist. Aber vor allem mein Freund und mein Hund. Er, der sie vier Jahre miterleben durfte, trauert kaum (was mir teilweise schwer verständlich ist), mein Hund, der trotz allem freudestrahlend weiterlebt, zieht mich ebenfalls hoch.

Dinge, die mich noch beschäftigen sind u.a.:

Wie verabschiede ich mich richtig von ihr? Muss/soll/kann ich das am anonymen Grab tun?

Hat sie mich am Totenbett realisiert? Das konnte ich nicht festmachen. Das röcheln und räuspern kam vollkommen automatisiert rüber, als hätte sie keine Macht über ihr Tun gehabt. Papa sagte mir, er habe ihr Morphium geben lassen. KONNTE sie mich dadurch überhaupt noch wahrnehmen? Merken, dass ich da war?

Habt ihr euch vielleicht auch ähnliches gefragt und vielleicht sogar Antworten gefunden?
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verweht



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BeitragVerfasst am: 07.06.2012, 16:54    Titel: Antworten mit Zitat

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Zuletzt bearbeitet von verweht am 07.01.2014, 01:23, insgesamt einmal bearbeitet
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Papa



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BeitragVerfasst am: 08.06.2012, 15:24    Titel: Antworten mit Zitat

Ich denke auch, richtige Antworten findet man ja sowieso nicht. Maximal Antworten, die man sich so hinbiegt, dass sie einem gut tun. Also ich versuche auch, nicht zu fragen. Trotzdem habe ich meinen "Frieden gefunden" wie man so sagt. Ich empfinde es einerseits als himmelschreiende Ungerechtigkeit und kann auf die "warum"-Frage keine sinnvolle Antwort finden. So global gesehen. Aber für das Leben, das ich zwangsläufig jetzt führe, kann ich Antworten finden, kann ich Dinge sehen, die gut sind, und die nicht wären, wenn er noch da wäre. Und das hat mir geholfen es zu akzeptieren, auch wenn ich es nicht verstehe. Dieses "es hat alles einen Sinn" ist eine furchtbar schwierige Aussage finde ich. Weil erstmal der Tod eines Elternteils einfach absolut nie Sinn ergeben kann. Wieso auch. Das ist nicht vorgesehen, so lange man noch jung ist. Und trotzdem kann man dem irgendwie Sinn verleihen. Ich weiß auch nicht, wie ich das erklären soll, aber ich glaube ich würde daran kaputt gehen, wenn ich immer wieder dagegen arbeiten würde, also versuche ich, das Beste daraus zu machen. Und eben das Gute zu sehen. Und das geht schon, irgendwie.

Ich glaube, was mich am Anfang davon abgehalten hat, ihm hinterher zu gehen, war, dass ich einfach noch zu klein war. Da ist das irgendwie noch keine Option. Als ich dann älter wurde habe ich da wirklich sehr intensiv drüber nachgedacht, der Rest meiner Familie wäre für mich auch kein Grund gewesen, hier zu bleiben (und ist es immer noch nicht), aber irgendwie hat es mich gestört, dass ich ständig über das Sterben nachgedacht habe. Ständig abends eingeschlafen bin mit dem Gedanken "hoffentlich wache ich mogen nicht mehr auf", in jeder blöden Situation gedacht habe "ich will doch lieber tot sein". Ich habe es ein Mal -eher halbherzig- versucht, danach nie wieder. Weil ich gemerkt habe, dass ich nicht aus voller Überzeugung sagen kann, dass ich jetzt gehe, weil ich einfach zu neugierig bin auf das Leben. Weil ich es irgendwie als feige empfunden hätte. Weil man nicht weiß, was noch kommt und welche Möglichkeiten man noch hat, was alles verloren gehen würde. Und dann habe ich diese Gedanken aus meinem Kopf verbannt. Dieses "Sterben als Option" in jedem Moment, in dem es mir schlecht geht. Irgendwie ist Weglaufen ja halt keine Strategie. Und es hilft weder Deiner Mama noch meinem Papa, wenn wir nicht mehr hier sind. Ich denke, dafür schenkt man als Eltern auch keinem Kind das Leben, dafür, dass es das dann wieder wegwirft. Und ob wir wirklich etwas davon hätten? Ob es tatsächlich ein Leben nach dem Tod gibt und dann alles gut wäre? Ich bin mir da nicht so sicher.

Ich denke aber, dass es völlig ok ist, wenn man erstmal "für andere" weiterlebt. Wenn man für sich gerade keine Perspektive sieht. Der Zeitpunkt, wo man dann wieder um seiner selbst Willen auf sich aufpasst kommt irgendwann ganz sicher von alleine.

Ach und noch was: Du musst und sollst überhaupt nichts. Du kannst das tun, was Du möchtest, aber meine Erfahrung ist, dass es nicht gut ist, auf das zu hören was andere denken was "man tun sollte". Die haben nämlich meistens eh keine Ahnung und erwarten im Zweifelsfall einfach nur von Dir, dass Du Dich entsprechend irgendwelcher Konventionen verhältst damit sie möglichst wenig "Ärger" mit Dir haben. Also verabschiede Dich am anonymen Grab, wenn Du das möchtest, oder lass es, wenn Du es nicht möchtest. Kein Mensch kann Dir da etwas vorschreiben (oder auch nur raten).
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K-K



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BeitragVerfasst am: 09.06.2012, 22:56    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Christina,

ja...man überlegt oft "hinterher zu gehen". Ich stand auch schon zum Teil vor leichtsinnigen Situationen, im Nachinein gesehen. Wenn man an einem Geländer steht...und runter schaut...dieser Sog nach unten. Oder wenn man plötzlich eine Schachtel mit Schmerz-/Morphiumtabletten in der Hand hat...hat man "Lust" diese auch zu nehmen. Eigentlich echt ein Scheiß! Gedankenlos. Aber voller Emotionen in der Situation.

Aber heute weiß ich: es war gut, dass ich es nicht getan habe. In keiner Situation. Denn ich weiß, man braucht mich. Und ich kann es meiner Familie nicht antun, dass ich "freiwillig" für immer gehe und sie einen weiteren Schlag ins Gesicht bekommen...

Dein Vater tut mir Leid, er überlegt sich wahrscheinlich, wie er die Familie zusammenhalten kann und das Ganze selbst dabei verdauen kann. Dein Bruder ist vielleicht nur deshalb so kalt, weil er mit dieser neuen Situation und seinen Gefühlen nicht umzugehen weiß bzw seine Gefühle nicht zeigen kann/möchte. Ich denke, innerlich ist er sicher genauso aufgewühlt und weiß nicht wohin mit all dem. Und dein Freund ist sicherlich auch traurig, aber da er nicht direkt selbst betroffen ist, kann er vielleicht leichter damit umgehen. Ich ärger mich auch immer, wenn ich denke, dass andere kaum trauern, aber vielleicht ist es denen ihre Art weiter zu machen...
Schön, dass du einen Hund hast, der dich aufmuntern kann.

Wo ist das anonyme Grab deiner Mutter? Auf einer Wiese? Stell es mir auch schwierig vor so Abschied zu nehmen, da man keinen direkten Ort hat, zu dem man gehen kann...warst du schonmal dort nach dem Tod?

Ist sicherlich schwer zu sagen, ob deine Mutter euch am Ende noch aktiv mitbekommen hat. Vielleicht war der Körper zu schwach, aber vielleicht hat sie eure Anwesenheit auch gespürt, auch wenn sie nicht mit euch reden konnte.

Meine Mutter hat auch regelmäßig Morphium gegen die Schmerzen genommen.
Vielleicht konnte deine Mutter so besser "einschlafen". Meine Mutter hat das glaub ich ganz am Ende auch in hoher Dosis bekommen, damit sie keine Schmerzen haben muss.....

Viele Grüße
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jessicasmith



Anmeldedatum: 19.08.2013
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 19.08.2013, 07:04    Titel: Antworten mit Zitat

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Zuletzt bearbeitet von jessicasmith am 15.08.2014, 09:27, insgesamt einmal bearbeitet
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mauetsch



Anmeldedatum: 04.10.2013
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 04.10.2013, 13:22    Titel: Antworten mit Zitat

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