Elternlos-Forum
Eine Lichtung, auf der man verweilen, sich finden und austauschen kann.
 
 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

Trauer und Trauma- kennt sich da jemand aus?

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Elternlos-Forum Foren-Übersicht -> Literatur
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
Mark.a.R.



Anmeldedatum: 02.03.2013
Beiträge: 28

BeitragVerfasst am: 03.03.2013, 00:28    Titel: Trauer und Trauma- kennt sich da jemand aus? Antworten mit Zitat

Liebe Leser des Elternlos-Forums!

Ich bin durch die Beschäftigung mit dem Thema 'Traumatisierung' auf diese Seite gestoßen - und ärgere mich, dass ich eure Seite nicht schon viel früher gefunden habe.

Natürlich ist auch meine Geschichte durch den Tod meiner Eltern beeinflusst. Und ich frage mich, auch wenn diese Frage natürlich nur wenig bringt, was wäre heute, wenn alles so geblieben wäre, wie es vor dem Tod und den ganzen Krankheiten war...
Vielleicht muss ich aber noch schreiben, dass der Tod meiner Eltern mittlerweile schon lange her ist. Und trotzdem -wenn auch vielleicht nicht mehr direkt- haben die Ereignisse in irgendeiner Form immer noch Einfluss auf mein heutiges Leben. Sie bleiben halt immer auch Teil der eigenen Geschichte, oder?

Und in diesem Zusammenhang stieß ich irgendwann auf diesen Zusammenhang: Trauma und Traumafolgen!

Es gibt es sehr gute Bücher, die über verschiedene Arten der Traumatisierung berichten, und damit, so habe ich es zumindestens verstanden, nicht nur die schlimmen Erlebnisse an sich, sondern vor allem auch immer den Umgang der Betroffenen mit diesen Erlebnissen danach beschreiben.

Mir hilft die Beschäftigung mit dem Thema Traumatisierung sehr. Erst jetzt habe ich einige Zusammenhänge verstanden, die mich immer wieder auch sehr irritiert haben. Situationen, in denen ich aus dem 'normalen' Leben (ich habe mittlerweile eine Familie und drei kleine Kinder) ohne ersichtlichen Grund wieder in die Vergangenheit katapultiert worden bin. Wo auf einmal Erinnerungen hochkamen - oder Gefühle ein Eigenleben führten.

Aus diesen Gründen würde mich über einen Austausch, Buchempfehlungen usw. sehr freuen.

Danke erstmal für eure Aufmerksamkeit.

Mark.a.R. Winken
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Papa



Anmeldedatum: 07.06.2012
Beiträge: 19

BeitragVerfasst am: 03.03.2013, 10:31    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mark,

ich kenne mich leider nicht wirklich mit dem Thema "Traumatisierung" aus, aber ich kenne diese "was wäre wenn"-Fragen. Der Tod meines Vaters liegt mittlerweile auch schon lange zurück und ich habe oft das Gefühl, dass ich zu dem Kind, das ich vorher war, gar keinen richtigen Bezug mehr habe, also dass sein Tod einfach mein ganzes Leben nicht nur beeinflusst hat, sondern es ausmacht. Und dann denke ich manchmal, dass ich es mir damit sehr leicht mache, wenn ich immer einfach alle Probleme darauf schiebe, dass ich meinen Vater zu früh verloren habe. Dass vielleicht vieles genauso wäre, selbst wenn er noch leben würde.

Welche Bücher haben Dir denn geholfen?

Hast Du Deine Eltern beide schon als Kind verloren?

Viele Grüße,

S.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Mark.a.R.



Anmeldedatum: 02.03.2013
Beiträge: 28

BeitragVerfasst am: 03.03.2013, 22:34    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo S.!

Danke für dein Antwort!

Ich wünschte mir, ich wäre schon eher auf diese Seite gestoßen. Ich habe nur kurz mal durch die verschiedenen Foren gestöbert und bin tief beeindruckt: von den Erlebnissen, die hier von so vielen Leuten geschrieben wurden, und dann, fast noch mehr, von den ähnlichen Sorgen und den Problemen, die sich in vielen Beiträgen wiederholen, und in denen ich mich - oder bestimmte Teile meines alltäglichen Lebens enorm wiedererkenne.

Dazu gehört sicher auch deine Bemerkung zum Kind, das man mal war, und zu dem man irgendwie kaum noch eine Verbindung hat.

Du hast nach meiner Geschichte gefragt: Meine Eltern starben als ich 15 (Mutter) und 19 (Vater) Jahre alt war. Die Geschichte ist natürlich noch ein bisschen komplizierter, mehr dazu aber vielleicht zu einem späteren Zeitpunkt.
Irgendwie ging ja alles weiter - und doch war alles anders!

Jetzt zur "Literatur":
Das Buch, was ich zum Thema Trauma gelesen habe, heißt "Den Drachen überwinden" und wurde von Christiane und Alexander Sautter geschrieben. (ISBN 978-3-9809936-5-4).

Eigentlich durch Zufall kam ich zu diesem Buch und vielleicht kann man auch nicht alles direkt übertragen. Aber das ist ja nicht anderes wie bei anderen Büchern auch! Die Autoren beschreiben zu Beginn ihres Buches, dass eine 'Traumaheilung' nicht bedeutet, den "Drachen" zu töten, sondern ihn zu zähmen, um ihn dann Nutzen zu können...

Und mit dem "Drachen"sind dann u.a. die Ereignisse gemeint, die uns unser Leben (mit-)gestalten oder gestaltet haben. Ob wir woll(t)en - oder nicht!

Das eigentlich interessanteste daran aber war für mich, dass in diesem Buch Symptome beschrieben wurden, die mich jahrelang beschäftigt haben - und diese dann in einen fast schon logischen Zusammenhang brachten!

Vielleicht kann ich das mit dem Moment beschreiben, in dem man im Fernsehen einfach nur aus Routine die Lottozahlen liest und dann plötzlich erkennt, dass diese Zahlen genau dieselben sind, die auf deinem Schein stehen! Geschockt
(Wobei der Unterschied zwischen Lottogewinn und der Erkenntnis wie oder wodurch auch immer evtl. traumatisiert worden zu sein ja vielleicht doch auch nicht ganz unerheblich ist ... Traurig )

Ich habe jetzt sehr viel und vielleicht nicht besonders konkret geschrieben, aber für mich ist diese Erkenntnis echt neu. Und irgendwie habe ich ehrlich gesagt auch lange, lange Jahre gar nichts davon nach außen gebracht und versucht, die meisten Gedanken und Gefühle mit mir selbst auszumachen. (Zu einem richtigen Partygespräch taugt das Thema dann ja auch nicht unbedingt...)

Wie alt warst denn du?

Mach's mal gut,

Mark.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Papa



Anmeldedatum: 07.06.2012
Beiträge: 19

BeitragVerfasst am: 04.03.2013, 15:53    Titel: Antworten mit Zitat

Hey,

ja, so ging es mir auch, als ich die erste Zeit hier war. Ich war zufällig hier her gekommen und hatte auch nicht wirklich das Bedürfnis, zu schreiben und "Hilfe" zu bekommen, weil ich die eigentlich viele viele Jahre vorher gebraucht hätte, aber als ich mich dann so hier durch gelesen habe habe ich bemerkt wie unglaublich gut es tut zu sehen, dass man nicht alleine ist. Und dass diese ganzen zum Teil wahnwitzigen Gefühle und Empfindungen und Verhaltensweisen alles andere als "einzigartig" sind. Ich habe diese Rolle ganz oft für andere übernommen, erzählt, wie es mir ging und dass das gerade total normale Gefühle sind, aber ich war vorher noch nie in der Situation, dass mein Gegenüber die Situation kannte, aber nicht mehr so mitten drin steckte. Vor kurzem habe ich mich mit jemandem unterhalten, der meinte "oh, wenn Du als Kind Deinen Vater verloren hast, dann hast Du jetzt doch sicher auch ein großes Problem mit Nähe und Vertrauen". Und ich war total baff, weil ich das wirklich habe, mir aber gerade dazu tausend andere Gründe einfallen, die eigentlich nichts mit meinem Vater zu tun haben. Aber so kann man sich täuschen.

Ja, ich war gerade so 12, als mein Vater gestorben ist, meine Mutter lebt noch. Unser Verhältnis ist allerdings schwierig und ich glaube, dass viele meiner Probleme auch daher kamen/kommen.

Das mit dem Drachen zähmen finde ich gut. Mir hat immer jeder gesagt, dass es jetzt "endlich gut" sein muss, dass ich nicht mehr an ihn denken/ihn endlich vergessen soll, mein Leben wieder weitergehen muss etc. Und das ist mir soo schwer gefallen. Mittlerweile denke ich, dass das einfach so nicht stimmt, dass ich ihn eben NICHT vergessen muss, sondern dass ich seinen Tod annehmen muss und damit, und nicht dagegen, leben muss, und das funtkioniert viel besser. Er ist ein Teil von mir uns das wird er immer bleiben, auch wenn 20, 30, 40 Jahre vergehen. Ich werde ihn nie vergessen und mein ganzes Leben wir durch seinen Tod geprägt sein. Aber mittlerweile finde ich das total in Ordnung.

Wow, mit 19 Vollwaise zu sein stelle ich mir aber auch sehr hart vor! Wie fühlt sich das denn an, wenn man dann Kinder bekommt, hat man nicht immer Angst, dass sie das gleiche Schicksal haben könnten? Ich finde den Gedanken, Kinder zu haben, schwierig. Einerseits denke ich, ich würde es besser machen als meine Mutter damals (was man natürlich vorher nie weiß), und dann denke ich wieder, dass ich niemals wollen würde, dass mein Kind durch diese Hölle gehen muss. Aber da Menschen nunmal sterben können heißt das eigentlich, dass ich keine Kinder bekommen sollte. Und dann denke ich mir wieder, dass ich so viel Positives erlebt habe, DURCH den Tod meines Vaters, und dass ich so glücklich bin als der Mensch der ich dadurch geworden bin, dass es vielleicht doch Schlimmeres gibt. Ach. Schwieriges Thema, zumindest für mich. Oder hast Du Dir da gar keine Gedanken drüber gemacht?

Und ja, zum Partygespräch taugt es wirklich nicht und auch sonst eher nur bedingt, die meisten Menschen können da ja dann doch nicht soo gut damit umgehen, oder wollen es nicht. Wirklich Gefühle mache ich auch meistens mit mir selbst aus, ich rede erst dann drüber, wenn ich meinen Standpunkt und meine Gefühlslage ausgemacht habe. Aber das ist irgendwie auch generell so meine Art, also auch in Bezug auf andere Themen und Probleme.

Das Buch werde ich mir auf alle Fälle mal merken, momentan hab ich nicht so richtig Zeit zum Lesen, aber so ein paar interessante Buchtipps sind ja nicht zu verachten, also danke!

Lieber Gruß,

S.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Mark.a.R.



Anmeldedatum: 02.03.2013
Beiträge: 28

BeitragVerfasst am: 05.03.2013, 23:57    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo S.!

Es ist schon ein wenig seltsam finde ich. Jahrelang merkt man, vielleicht auch unbewusst, dass man sich in gewissen Dingen, wahrscheinlich ja auch durch bestimmte Erlebnisse von anderen unterscheidet, und plötzlich gelangt man hier auf eine Seite und trifft auf Menschen, mit denen man sich, vielleicht genau so unbewusst, genau durch diese Erlebnisse verbunden fühlt...

Wobei ich mich noch lange nicht durch alle Foren 'geclickt' habe und auch merke, dass, obwohl schon soviel Zeit vergangen ist, eine gewisse Balance zwischen Abstand und (wie soll man es nennen?-) Vergangenheitsbewältigung aufrecht erhalten werden muss.

Nähe und Vertrauen sind da sicher auch elementare Beispiele. Ich denke z.B. jetzt nicht mehr so viel darüber nach, ob ich irgendjemandem erzählen soll, dass meine Elten nicht mehr leben. Vor einigen Jahren hatte ich damit irgendwie echt Schwierigkeiten. Seltsam, oder? Aber die Gefühle, die damit einhergehen oder gegangen sind, mit denen beschäftige ich mich erst jetzt., bzw. gestehe sie mir erst jetzt auch zu. Artikulieren ist dabei aber noch eine ganz andere Nummer ... Mir fällt es da, wie du auch schreibst, tatsächlich bedeutend leichter mit den Gefühlen anderer umzugehen.

Gerade am Wochenende unterhielt ich mich mit einer Bekannten, einer Mutter von zwei Kindern, die in einer ähnlichen Situation aufgewachsen ist. Sie vermutete, dass ihre 'explosive' Art vor allem dann, wenn es mal nicht so läuft, mit den Erlebnissen ihrer Kindheit und Jugend zu tun hätte.

Wahrscheinlich gibt es da auch wieder einmal sehr viele Deutungsmöglichkeiten - aber zumindest eine Sache kam mir durch das Gespräch wieder ins Bewusstsein:

Irgendwie stellt man sich das, was man leider nicht mehr hat, in seiner Fantasie vor: eine Familie, bestimmte Verhaltensweisen, ein 'Zuhause', ...
Und genau das kann meiner Meinung nach dann auch dafür verantwortlich sein, dass es manchmal so schwierig ist. Man stellt sich halt nicht nur eine Familie vor, sondern, wenn schon, den Idealzustand einer Famile, das ideale Zuhause usw.

Und da kommt dann die Realität manchmal nicht so gut weg...

(Ich hoffe, das hört sich jetzt nicht zu durchgeknallt an???!)

Und damit hatte ich lange Zeit- und habe auch heute noch so meine Schwierigkeiten.

Jetzt komme ich nur noch kurz auf deine Frage, wie sich die Erfahrungen mit Tod und Krankheit auf die Gedanken auswirken, die ich mir bezogen auf meine Kinder mache.

Ehrlich gesagt, war das noch nie ein Thema. Zumindestens nicht, was den Tod oder Krankheit von uns als Eltern betrifft. Die Sorgen, was die Kinder betrifft, sind viel, viel entscheidender. Als Beispiel: Als unser ältester Sohn geboren wurde, hat die Kinderärztin während der Geburt unregelmäßige Herztöne festgestellt, die nicht eindeutig zuzuordnen waren, sich im nachhinein aber als harmlos herausstellten.
Und wir waren in diesem Moment aber so hilflos und ich hatte eine wahnsinnige Angst!

Kinder können einem aber auch helfen, mit dem Thema Tod umzugehen. Die Oma meiner Frau ist leider vor einiger Zeit verstorben und irgendwann musste das Grab gemacht werden. Und da liefen unsere drei auf dem Friedhof rum, die Sonne schien, jeder hatte eine Kleinigkeit 'für die Oma' dabei. Und weil es etwas länger dauerte spielten sie auf einmal fangen und unser Kleiner (3 Jahre) hatte plötzlich eine Blume in der Hand, die er von irgendeinem Grab in der Nachbarschaft gepflückt hatte, was sicher nicht in Ordnung war, und erst wollten wir schimpfen, aber dann wurde uns plötzlich diese enorme Aussagekraft der Situation bewusst. Das hatte schon so ein bisschen was vom Tanz auf den Gräbern ...

Es ist jetzt schon sehr spät, wollte aber gerne noch antworten.
Ich würde mich freuen, von dir zu lesen...

Dir alles Gute

Mark.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Papa



Anmeldedatum: 07.06.2012
Beiträge: 19

BeitragVerfasst am: 06.03.2013, 15:35    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mark,

nein, ich finde das hört sich gar nicht durchgeknallt an! Wir haben vor Jahren im Geschichtsunterricht in der Schule mal darüber geredet, dass es Könige im Mittelalter relativ leicht hatten, weil die meisten Menschen gar keinen Bezug zu ihnen hatten und sie so unbekannterweise als Helden glorifizieren konnten. Damals ist mir bewusst geworden, dass es genau das ist, was ich mit meinem Vater mache/gemacht habe. Alles war gut, und ich dachte immer, wenn er nur noch da wäre, dann gäbe es keine Probleme. Dabei stimmt das ja gar nicht. Mittlerweile versuche ich, das ein bisschen differenzierter zu sehen, aber es fällt mir zugegebenermaßen sehr schwer. Ich weiß, dass nicht alles toll war, dass an ihm nicht alles toll war und dass ich vermutlich auch ziemlichen Streit mit ihm gehabt hätte wenn ich älter gewesen wäre, weil ich glaube in mancher Beziehung nicht das Kind bin mit dem er gut ausgekommen wäre. Aber ich empfinde das irgendwie nicht. Ich weiß, dass es so ist, aber gefühlt WAR damals eben alles gut. Aber da war ich eben auch ein Kind und da bekommt man vermutlich vieles auch gar nicht so mit. Und für mich WAR er definitiv der beste Papa den man sich wünschen konnte. Als kleines Kind. Na ja. Ich bin mittlerweile dazu übergegangen glücklich darüber zu sein, dass ich ihn damals hatte, dass er immer da war und ich so viel von ihm gelernt habe, dass er mir eben der beste Papa auf der Welt war, aber ich habe mich von der Idee verabschiedet dass heute alles gut wäre wenn er nicht so früh gestorben wäre. Weil ich glaube ich, so hart das klingt, auch viel Positives mitgenommen habe, so von ganz weit weg betrachtet. Und doch gäbe es so viele Probleme nicht. Dieses "Explodieren", das Du von Deiner Bekannten beschreibst, das kenne ich auch von mir. Ich habe schon das Gefühl, dass es mit dem Tod meines Vaters bzw. generell meiner "Familiengeschichte" zusammen hängt, und ich bekomme es einfach nicht in den Griff. Hinterher weiß ich, warum ich ausgeflippt bin, und meistens ist es wirklich einfach Verlustangst, dieses Gefühl, dass einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird, aber ich bekomme das in dem Moment einfach nicht reflektiert.

Dass die Angst um das Kind bzw. vor dem Verlust eines Kindes viel größer ist als alles andere, das glaube ich gerne. Ich habe keine Kinder, aber ich denke immer, das einzige schlimmere was mir jetzt noch passieren könnte wäre, ein Kind zu verlieren. Das muss einfach die Hölle sein. Bei mir ist das auch eher so ein theoretischer Gedanke. Ich wollte zB immer früh Kinder, um die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass sie früh einen Elternteil verlieren, und solche Sachen, irgendwie bin ich da total besessen. Mittlerweile bin ich zum "früh Kinder bekommen" allerdings ein bisschen zu alt, und dadurch ist es irgendwie wieder zum Thema geworden.

Ich habe übrigens irgendwie schon immer versucht, möglichst schnell zu erzählen, dass ich keinen Vater mehr habe. Weil ich es nicht mag, wenn diese Frage "unkontrolliert" auftritt, weil ich dieses peinliche Berührtsein des Gegenübers nicht mag und irgendwie auch, weil ich es dann hinter mir habe. Aber so richtig gerne rede ich auch nicht drüber. Mittlerweile erzähle ich manchmal etwas, wenn es gerade passt, aber so richtig gut funktioniert das auch nicht. Die meisten Menschen versuchen dann entweder, das Thema zu wechseln oder entschuldigen sich, dass sie jetzt irgendwas gesagt haben, was mich an ihn erinnert hat. Irgendwie ist es immer verkrampft und unangenehm. Aber ich weiß nicht, ob ich mich in der Situation besser verhalten würde, also wenn mir jemand von einem verstorbenen Angehörigen erzählt. Ich fühle mich da auch unsicher und weiß oft nicht, ob das jetzt so ok ist.

Eine gepflückte Blume von einem Grab finde ich übrigens irgendwie jetzt eher zum Schmunzeln. Es gibt sicher Leute, die sich darüber aufregen, das sind so diese "das gehört sich nicht"-Menschen. Aber eigentlich ist es doch einfach süß und vor allem unbefangen. Ich finde irgendwie sowieso, dass es bei dieser Thematik viel zu steif und konventionell vorgeht. Ich hatte damals auf der Beerdigung meines Vaters nichts Schwarzes an. Einfach weil ich damals noch nichts Schwarzes besessen habe. Hui, da haben sich aber Leute daran gestört... Das finde ich so falsch und so schlimm irgendwie :-/

Ich hab mich übrigens gefreut, dass Du geantwortet hast, auch wenn ich es erst heute morgen gelesen habe Smilie

Mach's gut,

S.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Mark.a.R.



Anmeldedatum: 02.03.2013
Beiträge: 28

BeitragVerfasst am: 06.03.2013, 23:04    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo S.!

Leider ist es schon wieder etwas später geworden heute, ich möchte aber trotzdem noch schnell antworten.

Ich habe mich übrigens auch über deine Antwort gefreut ... Sehr glücklich

Es gibt hier so viele Foren und Beiträge, die so viele Themen beinhalten, auf die ich irgendwie echt jahrelang warten musste und an denen sich zu beteiligen echt eine sehr reizvolle Aufgabe wäre. Allerdings ist mein Zeitfenster leider immer sehr begrenzt, da ich während des Tages wenig Zeit und vor allem die Ruhe habe - und so kann es, wenn überhaupt, in verschiedenen Themenbereichen immer nur einen kurzen Austausch geben.

Aber immerhin: vor einer Woche wusste ich noch nicht einmal, dass es diese Seite hier gibt...


Nicht das es irgendeinen Einfluss hätte, aber:
Weißt du eigentlich, wie viele Kinder und Jugendliche von dem Tod eines oder beider Elternteile betroffen sind?
Ich kenne natürlich in meinem Bekanntenkreis mittlerweile den einen oder anderen (ich bin ja nun auch schon etwas älter...), aber in der Zeit, in der meine Eltern krank waren oder gestorben sind, waren es echt wenige.

Ich habe das versucht mal herauszufinden und hatte tatsächlich eine Zahl, jetzt weiß ich aber leider nicht mehr was ich genau als Suchbegriff eingegeben habe und finde als Ergebnis immer nur noch Anträge für Waisen- und Halbwaisenrenten oder Begriffsdefinitionen oder so...
Dumm gelaufen!
Aber wie gesagt, die Zahl alleine hat keinen Einfluss auf das Erleben...

Beim Clicken durch die Foren bin ich auf ein anderes Thema gestoßen, bei dem es um den Umgang des Umfelds mit den von Trauer Betroffenen geht. (Ganz oben in der Forenliste).
Ich habe mich sogar versucht einmal in die Diskussion einzumischen, bin aber noch nicht so ganz weit gekommen. Auf jeden Fall geht es da auch, logischerweise, um die Reaktionen auf Trauergefühle Betroffener. Die Diskussion ist nicht unspannend, vor allem, weil die Reaktionen der Umgebung auf Trauer oder -wie du schreibst- das peinliche Berührtsein, wenn man mit dieser Situation konfrontiert wird, sehr kontrovers eingeschätzt wird...

Vielleicht bewertet man diese Situation auch in Abhängigkeit von der Zeit, die mittlerweile vergangen ist, und in der man sich mit der Situation auseindersetzen konnte. Vielleicht.
Wie lange ist es bei dir her, dass dein Vater starb? Bei mir sind es schon über 20 Jahre! Und trotzdem merke ich, dass der Austausch hier echt gut tut. Allerdings rückt er natürlich auch den Fokus auf die Erfahrungen, die ich schon länger als nicht mehr als so 'aktuell' eingestuft hatte, aber da bin ich natürlich in der letzten Zeit eines besseren belehrt worden.




Dir erstmal alles Gute,

Mark.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Papa



Anmeldedatum: 07.06.2012
Beiträge: 19

BeitragVerfasst am: 12.03.2013, 20:10    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Mark,

entschuldige, dass ich so lange nicht geantwortet habe, aber ich fühle mich hier momentan nicht sehr wohl und werde mich denke ich aus dem Forum auch (erstmal?) zurückziehen. Ich denke, jeder hat ein Recht auf seine Meinung, aber es ist nicht ok, wenn penetrant und stur anderen (fremden) Menschen Dinge und Probleme unterstellt werden, von denen man keine Ahnung hat (Forum "Verlust des Vaters", Beiträge von verweht). Mir fehlen dazu wirklich die diplomatischen Worte, aber ich möchte vermeiden, dass mir am Ende auch noch unterstellt wird, dass ich ja sowieso eine gestörte Beziehung zu meinem Vater hatte oder was auch immer. Dazu ist dieses Forum nämlich meiner Meinung nach nicht da.

Gut, so viel also zu meiner Rechtfertigung, hat ja auch mit Dir gar nichts zu tun.

Nein, ich weiß nicht, wie viele Kinder und Jugendliche betroffen sind, aber bei mir was auch so, dass ich damals "alleine" war. Von meinen Freunden bzw. generell in meinem Umfeld gab es kein anderes Kind mit dem gleichen Schicksal (zum Glück!). Mit der Zeit kamen dann aber immer mehr Bekannte dazu und mittlerweile kenne ich zumindest auch ein paar Leute, die auch noch wirklich klein waren, als Vater/Mutter gestorben sind, aber die kannte ich damals noch nicht.

Hm. Ich empfinde z.B. dieses "peinliche Berührtsein" jetzt gar gar nicht als so störend für mich, aber ich mag diese Situation einfach nicht, weil es mir für den anderen leid tut, weil der dann nicht weiß, was er sagen soll, weil ich dann nicht weiß, was ich sagen soll, und weil es irgendwie einfach komisch ist. Ich finde das aber total ok, es ist einfach eine ungewohnte Situation und man fühlt sich nicht gerade sicher. Ich merke das ja an mir selbst, wenn mir jemand etwas erzählt, womit ich den Umgang nicht gewohnt bin und mich unsicher fühle, deshalb empfinde ich es irgendwie ein bisschen auch als meine "Verantwortung", das so entspannt wie möglich rüber zu bringen. Bei mir sind mittlerweile 17 Jahre um, und ich merke auch, dass ich anders damit umgehe bzw. die Situation anders einschätze, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass ich erst jetzt in den letzten Jahren auf Menschen treffen, die mehr als "na ja, das Leben muss weitergehen", oder "oh nein, wenn mir das passieren würde" oder sowas als Antwort haben. Ich habe viele Jahre lang eigentlich kaum Verständnis bekommen. Erst jetzt, wo ich es nicht mehr so dringend bräuchte, reagiert mein Umfeld manchmal echt super (und es tut trotzdem gut, auch wenn ich es damals dringender gebraucht hätte).

Ich denke, wichtig ist, dass man nicht zu sehr "fokussiert". Es ist gut und ja irgendwo auch wichtig, sich immer mal wieder mit der Vergangenheit auseinander zu setzen, aber ich zumindest muss manchmal aufpassen, dass ich es nicht übertreibe und dann auf einmal in dieser Vergangenheit "hängenbleibe", weil mein Leben ja eben jetzt stattfindet, und das ist auch gut so.

Was meinst Du denn mit "Du wurdest eines besseren belehrt"? Das klingt so passiv. Also so, als wäre irgendwas passiert, das Dich irgendwie "überrumpelt" hat oder was auch immer und Dir damit deutlich gemacht hat, dass der Verlust Deiner Eltern eben doch noch aktuell ist. Oder ist es einfach das Lesen hier im Forum, das Dir zeigt, wie sehr Du in manchen Empfindungen vielleicht doch noch drin steckst? Ich persönlich habe das Gefühl, dass ich mich mit diesen "akuten" Situationen nicht so gut identifizieren kann, das sind einfach irgendwie Gefühle, die ich so auch gar nie hatte, das kam alles viel später und in ganz anderer Form. Ich kann eher so die "Langzeitschäden" bei mir erkennen und habe jetzt dank Deiner Tipps hier auch im Netz mal ein bisschen nach dem Thema Trauer und Trauma gesucht und auch da wieder viele Verhaltensmuster erkannt, die auf mich zutreffen. Wobei ich immernoch manchmal denke, dass nicht alles davon wirklich seine Ursache im Tod meines Vaters hat und ich da ein bisschen differenzieren muss.

Eine Frage hätte ich da aber noch an Dich als "alten Hasen": Ich merke, dass auch jetzt, nach so vielen Jahren, kaum ein Tag vergeht, an dem ich nicht an meinen Vater denke. Und ich empfinde das auch als völlig ok. Ich frage mich aber manchmal, ob das allen so geht und ob das wirklich auch "für immer" so bleibt. Leider kenne ich nur niemanden, der schon so "alt" ist und früh einen Elternteil verloren hat, deshalb: Wie ist das bei Dir? Denkst Du oft an Deine Eltern?

Lieben Gruß,

S.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Mark.a.R.



Anmeldedatum: 02.03.2013
Beiträge: 28

BeitragVerfasst am: 12.03.2013, 23:25    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo S.!

Ehrlich gesagt bin ich froh von dir zu lesen! Da schaue ich mal großzügig darüber hinweg, in deinem Beitrag an verschiedenen Stellen das Wörtchen 'ALT' erkannt zu haben .... Geschockt

Und da willst du dich abmelden???

Im Ernst: die Hauptsache ist, dass es dir gut geht, und wenn das hier im Moment zu viel oder sich für dich falsch anfühlt, dann ist das so, Dann fände ich das natürlich sehr schade (auch aus den Gründen, dass du bestimmte Dinge mit Abstand reflektierst), aber dann ist das auch so.

Aber da du mir -als ALTEN Geschockt Hasen - noch ein paar Fragen gestellt hast, will ich dir, bevor du den Entschluss durchziehen solltest, noch schnell antworten.

Mit "eines besseren belehrt worden zu sein" meine ich tatsächlich eine Art 'Langzeitschäden', bei denen ich erst in der letzten Zeit das Gefühl habe, irgendein Muster zu entdecken. Und das resultiert meiner Meinung nach durchaus auch auf dem Einfluss - naja, da ist wieder dieses Wort, - traumatischer Ereignisse ausgesetzt worden zu sein.

Bei mir war es eine sicher Reihe von kleinen und einigen großen Dingen, die passiert sind, in deren Folge, also im Umgang mit ihnen, aber immer das Gefühl stand, der Situation nicht so gewachsen zu sein, wie es hätte sein können.
(Da gab es einen Umzug, eine komplett neue familiäre Situation, Krankheiten und Krankenhausaufenthalte, und natürlich den Tod... )

Das soll sich jetzt aber gar nicht so schlimm anhören, es soll eher der sachliche Versuch sein, aufzuzählen, welche Einflüsse sich auf das Erleben und Denken auswirken können. Es können aber auch viel weniger wichtige Einflüsse sein: mein Sohn war neulich einmal im Maisfeld verschollen (allerdings nur kurz), eine Prüfung, durch die man durchgerasselt ist, ein Autounfall, bei dem noch nicht mal etwas passiert sein muss usw. usw.
Ich glaube, es sind die Gefühle der Hilflosigkeit, Angst, der Erfahrung, keine Kontrolle mehr zu haben usw.

Vielleicht macht das das aber auch noch einmal den Unterschied deutlich zwischen der Identifikation mit der 'akuten Situation' und den 'Langzeitschäden', dem Hängenbleiben in der Vergangenheit und dem Einfluss auf das jetzige Leben. Irgendwas ist irgendwann einmal passiert - und beeinflusst uns halt heute immer noch. Das zu erkennen hat mir so ein bisschen die Last genommen - und doch nichts an der auslösenden Situation geändert.Und doch fällt mir der Umgang mit den Folgen, d.h. also den Langzeitschäden leichter. Ich hoffe du verstehst, was ich damit meine!

Ich stehe übrigens auch gerade in einer Diskussion mit verweht, die ich trotz Meinungsunterschieden zum Teil als reizvoll empfinde. Da ist man schon so ALT Geschockt und trotzdem geben mir seine oder ihre Beiträge auf einem für mich fast schon zu hohem Niveau zu denken. Grundsätzlich sehe ich einen sehr, sehr großen Unterschied zwischen der Sichtweise von verweht und mir:

Die Auseinandersetzung mit einem Gefühl kann nicht falsch sein! Ein Gefühl kann nicht falsch sein! Es ist halt so, wie es ist! Und sicherlich hat z.B. eine Trauerreaktion auch gesellschaftliche Relevanz.
Aber sie ist nicht eindimensional vorgegeben und vor allem unterliegt sie nicht einer politischen Instrumentalisierung!
Sie ist individuell! Und das ist, wie es so schön heißt, auch gut so!

Und jetzt genug dazu. Diese Diskussion hat mich in einem anderen Forum echt herausgefordert und auch ein bisschen Schlaf gekostet...

Ob die Gedanken an deinen Vater so bleiben? Vielleicht! Die Frage ist vielleicht eher, was sie mit dir machen. Erfreuen sie dich oder machen sie dich traurig? Geben sie dir Sicherheit oder Halt? Orientierung? Und: freust du dich über die Gedanken, oder stören sie dich?

Ich habe lange Zeit fast gar nicht an meine Eltern, vor allem meine Mutter gedacht und empfand es fast schon als Erlösung, wieder zu diesem Teil zugreifen zu können. Allerdings: dieser -bewusste- Teil ist noch sehr klein und einseitig gefärbt. Aber es tut trotzdem gut.

Übrigens sehe ich auch die Gefahr zu sehr in der Vergangenheit zu verweilen und habe trotz meines ALT Geschockt ers wenn nicht Angst, dann zumindest Respekt. Deswegen tut es auch gut, mit jemanden zu schreiben, der auch eine gewisse Distanz zu den Dingen hat und sich genügend abgrenzt!

Also, wie du willst: ich würde mich über eine Antwort freuen, kann aber verstehen, wenn du einen gewissen Abstand brauchst.

Mach's mal gut,

Mark.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Elternlos-Forum Foren-Übersicht -> Literatur Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB.de