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Mutter eines "Auf dem Weg zum platonischen"-Freund

 
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feather



Anmeldedatum: 04.09.2012
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 04.09.2012, 19:32    Titel: Mutter eines "Auf dem Weg zum platonischen"-Freund Antworten mit Zitat

Hallo zusammen,

ich bin wirklich froh, dieses Forum gefunden zu haben. Ich weiß grad nicht, wie ich beginnen soll, am besten von vorne:

Also, seit einiger Zeit habe ich einen Bekannten, mit dem ich mich angefreundet hatte. Ich mag ihn wirklich sehr, unsere "Beziehung" ist allerdings rein freundschaftlich, wir haben beide einen Freund bzw. er eine Freundin. Als ich ihn kennenlernte, dachte ich noch, er ist vielleicht etwas langweilig, aber eigentlich war er nur etwas schüchtern, taute dann auf und ich habe schnell erkannt, was für ein liebenswerter, lustiger Mensch er ist.

Dann war ich für ein paar Wochen im Urlaub. Als ich zurückkam und dachte, wir würden uns mit ein paar anderen Bekannten sehen, hatte ich mich schon richtig gefreut, wollte ihm erzählen, was ich erlebt hab, ihn fragen, wie dies und das war, ihn zu einer Party einladen, zu der ich eingeladen war usw. Das Treffen mit den anderen fand statt, er war aber überraschend nicht da. Ich fragte nach und hörte: "Ach so, ja, ganz blöd, er hat vorgestern einen Anruf bekommen, seine Mutter liegt im Sterben." Einfach so. Sie war wohl mal krank gewesen, aber wieder gesund, und nun das aus heiterem Himmel. Mich hat das sehr getroffen. Ich konnte gar nicht anders, als ständig darüber nachzudenken, wie schlimm das ist und wie leid mir das tat. Für mich persönlich wäre so etwas wirklich das Schlimmste, ich wäre total aus der Bahn geworfen. Auf dem Weg nach Hause im Auto habe ich sogar total geheult, ich weiß auch nicht, ich konnte mich einfach nicht beherrschen, mir hat das richtig im Herzen weh getan. So ein plötzlicher Anruf, er und seine Schwester eilen nach Hause, um der Mutter noch einmal "tschüss" zu sagen, ihre Hand zu halten, sie anzusehen (das wurde später noch erzählt). Wie hart. Naja, ein paar Tage später haben mir die Bekannten dann gesagt, dass die Mutter gestorben ist, und auch da schossen mir sogar vor Ort die Tränen in die Augen. Hab schnell weggeguckt und konnte nichts sagen.
Wir haben eine Trauerkarte geschrieben.

Irgendwann habe ich ihn dann wieder gesehen, ich glaub es war eine Woche später und ganz ehrlich, ich hatte richtig Angst davor. Angst vor dem Moment, Angst etwas sagen zu müssen/wollen, wo Worte nicht reichen. Meine Stimme hat richtig gezittert, als ich so etwas sagte wie "Es tut mir leid, was passiert ist". Das Blöde ist, dass ich a) irgendwie hilflos bin und b) auch denke, dass wir uns so gut nun auch wieder nicht kennen, als dass ich in de Position wäre, "darüber" mit ihm zu reden. Es schafft irgendwie eine Distanz, obwohl ich wirklich dachte, dass wir auf dem Weg wären, gute Freunde zu werden. Aber jetzt weiß ich nicht, ob ich entweder einen Schritt zurück machen oder das Thema meiden sollte? Aber er selbst spricht es öfter an.

Jetzt habe ich mich erstmals online mit dem Thema befasst (nicht nur hier) und von vielen Betroffenen gelesen, dass es sie ankotzt, im Alltag so funktionieren zu müssen, als wäre nichts geschehen, so nach dem Motto "jetzt bist Du ja wohl drüber weg, ist ja schon länger her". Und bei ihm ist es so, dass er seine Mutter und den Tod seiner Mutter öfter mir gegenüber erwähnt und ich hasse mich dafür, dass ich dann nie viel dazu sage. Ich würde meinen, dass ich alles andere als oberflächlich bin, aber ich komme mir leider langsam so vor. Ich habe halt Angst, dass mich meine Gefühle übermannen könnten - absolut unangemessen, er ist so stark und lacht zwischendurch auch wieder und arbeitet und geht irgendwie mit der Situation um, ich bewundere das sehr, weil ich nicht glaube, dass ich das könnte.

Naja, jetzt habe ich viel geschrieben. Ich wüsste einfach gern von Euch, was Ihr meint, wie ich mich verhalten soll. Ich würde gern für ihn da sein bzw. auch etwas sagen, wenn er von seiner Mutter erzählt oder mir schreibt, dass es zu Hause mit seinem Vater so traurig war oder dass er Dinge von seiner Mutter geerbt hat... Ich bin normalerweise alles andere als auf den Mund gefallen, aber irgendwie habe ich immer Angst, ihm da zu nahe zu kommen bzw. etwas Falsches zu sagen.

Viele liebe Grüße an alle, die sich die Zeit genommen haben, das zu lesen.

feather
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feather



Anmeldedatum: 04.09.2012
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 04.09.2012, 23:35    Titel: Antworten mit Zitat

...allein das Schreiben hat schon geholfen. Es hat mich klarer sehen lassen und nun ist mir was ein- oder aufgefallen.
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Papa



Anmeldedatum: 07.06.2012
Beiträge: 19

BeitragVerfasst am: 05.09.2012, 09:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Feather,

ich finde es schön, dass Du Dir Gedanken um Deinen Bekannten machst und eben nicht zu denen gehörst, die nach der Beerdigung erwarten, dass alles wieder gut ist!

Ich hatte oft, sowohl als mein Vater gestorben ist als auch später als Väter/Mütter von Bekannten gestorben sind, das Gefühl, dass sich durch den Tod vieles verschiebt, dass sich plötzlich Menschen als gute Freunde erweisen, mit denen man vorher nicht so viel zu tun hatte, und dass andere, von denen man dachte, dass sie gute Freunde sind, sich zurück ziehen oder eben komisch verhalten (warum auch immer). Deshalb denke ich, Du solltest Dir nicht zu viele Gedanken darüber machen, ob Ihr gut genug befreundet ward damit Du jetzt mit ihm über seine Mutter reden kannst. Wenn Du es möchtest, dann tu es einfach. Und wenn Du hilflos bist, dann sag ihm das. Ich zumindest habe nie von jemandem erwartet, dass er total souverän mit der Situation umgehen kann und kluge Sachen sagt. Das einzige was ich mir gewünscht hätte wäre gewesen, dass es jemand aushält. Nicht gleich das Thema wechselt, mir nicht das Gefühl gibt dass es unerwünscht ist, dass ich über meinen Vater rede, und sei es nur, weil mich eine Situation an ihn erinnert und ich das kurz erzählen möchte, ohne damit ein großes Gespräch und überhaupt irgendwelche Reaktionen auslösen wollte. Also sage ihm einfach, dass Du gerne für ihn da sein möchtest. Sag ihm, dass Du nicht weißt, wie Du Dich verhalten sollst und Dich sehr hilflos fühlst, dass Du aber trotzdem da sein wirst wenn er Dich braucht. Vielleicht könnt Ihr ja auch zusammen drüber reden, was er sich wünscht, aber mir hat immer einfach geholfen zu wissen, dass jemand da ist der nicht den Kopf schüttelt und mir sagt, dass das Leben weiter geht. Auch wenn der vielleicht nichts anderes gemacht hat als mir mit einem Blick zu zeigen, dass er mit mir mit fühlt. Oder auch einfach mal die Aussage "das ist sehr schlimm, was Dir da passiert ist". Das tut mir auch immer wieder gut, auch um mir selbst klarzumachen DASS es schlimm ist und dass es eben nichts ist, was wie eine Erkältung nach einer Woche wieder gut ist.

Also sei einfach da und denke nicht zu viel nach. Du vermittelst den Eindruck, als ob Du das schon ganz richtig machen würdest. Und es ist auch ok, dass Du so heftig reagierst, es ist ja auch einfach eine furchtbare Vorstellung, die Mutter zu verlieren. In dem Moment, in dem man dann aber tatsächlich in der Situation ist steht man so unter Schock und es ist so unfassbar, dass man eben oft (erstmal) sehr gefasst ist und "normal" weitermacht, ein Stück weit irgendwie glaube ich, um sich zu schützen und um das (emotional) zu überleben. Das Realisieren, Annehmen, Trauern kommt dann mit der Zeit. Aber oft kommt es zu einem Zeitpunkt, zu dem es einem niemand mehr zugesteht, deshalb ist es so wichtig, dass dann immernoch jemand da ist der einen auffängt.

Ich wünsche Dir viel Kraft und dass Du jemanden hast, der Dich auch zwischendurch mal auffängt.

Alles Liebe,

S.
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feather



Anmeldedatum: 04.09.2012
Beiträge: 4

BeitragVerfasst am: 20.09.2012, 23:28    Titel: Antworten mit Zitat

Hey,

habe Dir jetzt doch mal privat geantwortet, das wurde mir irgendwie zu sensibel...

lg
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