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Von der Seele...

 
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Feli



Anmeldedatum: 03.10.2010
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 03.10.2010, 12:42    Titel: Von der Seele... Antworten mit Zitat

Hallo liebe Leser,
bin total neu hier und hab auch noch nicht so viel gelesen aber heute morgen hat es mich spontan gepackt und ich hatte mal wieder das Gefühl, dass alle scheisse ist und sinnlos und da muss ich mal loswerden, was mir so alles durch den Kopf geht. Ich habe dieses Forum ausgesucht, da hier wohl eher Menschen zu finden sind, die verstehen was man durchmacht und vielleicht Tipps geben können.
Nunja wo fange ich an.. Ich bin 23 Jahre alt, studiere, habe einen Freund, lebe allein und momentan gehts mir finanziell auch noch ganz okay. Klingt super, oder? Eigentlich müsste man glücklich sein und sich nicht beschweren, denn es gibt Menschen, die sind ärmer dran. Doch warum gehts mir dann so mies? Ich bin umotiviert, sozial nicht wirklich aufgeschlossen, unselbständig in gewissen Dingen und total abhängig von den Menschen, die mir noch wichtig sind. Woran kann das liegen? Vielleicht daran, dass mein über alles geliebter Vater nach Jahren der Krankheit gestorben ist, als ich 12 war und meine Mutter an den Folgen eines Autounfalls, als ich 17 war. Naja mein Leben ist noch nie normal gewesen. Mein Vater war 56 (und Frührentner) als ich geboren wurde. Als ich noch ein Kleinkind war, hat er sich immer mit mir beschäftigt und ich war ein absolutes Papa-Kind. Leider habe ich nur noch sehr wenige schöne Erinnerungen an damals, denn im Verlauf meiner Kindheit wurde er immer kranker und bettlägerig, so dass meine Mutter ihn pflegen musste. Meine Mutter selbst war auch schon seit meiner Geburt aufgrund einer Krankheit Frührentnerin und immer für mich da, so weit es ging. Sie war so liebenswert und hat sich immer um alles gekümmert obwohl es ihr selbst nicht immer gut ging. Nach dem Tod meines Vaters hat sie dann wohl versucht ihr Leben noch einmal zu leben und war nur noch selten zu haus. Ich war dann meist allein und es war alles sehr verwirrend, ich wurde wütend auf meine Mutter, ich verstand es wohl nicht und wir hatten oft Streit. Ich selbst zog mich sehr zurück, emotional hatte ich mich sehr verschlossen, getrauert habe ich nicht wirklich. Ich habe das fröhliche Mädchen gespielt, wenn man mich darauf ansprach. Dann eines Tages als ich dachte, es geht bergauf zwischen meiner Mutter und mir, hatte sie einen Autounfall. Einer ihrer tollen neuen Freunde (jünger, nutzte sie nur aus) ist gefahren. Sie starb nach ein Paar Tagen im Koma. Ich war 17, einen Monat vor meinem 18. Geburtstag zum Glück, so musste niemand wirklich meine Vormundschaft übernehmen. Da wir über meine Oma wohnten und das Haus ihr gehörte, konnte ich dort bleiben und sie kümmerte sich um mich. Meine Ausbildung habe ich grad noch so beenden können und mich irgendwie sogar zum Studium durchgeschlagen. Und so stehe ich heute hier. Wenige aber gute Freunde, mit einer Großmutter, die sich ständig Sorgen macht und mit dem Gefühl, dass alles keinen Sinn hat. Ich liebe meine Großmutter aber kann es ihr nicht zeigen, sie hingegen denkt nur an ihren Tod und was dann aus mir wird. Sie hat ständig die finanziellen Sorgen im Kopf, was sie mit dem Haus anstellt wenn ich es nicht halten könnte. Dadurch gerate ich unter so einen hohen Druck. Andere Menschen haben ihre Familie im Rücken, ich habe nur mich. Ich fühle mich ständig so allein obwohl mein Freund immer für mich da ist und so weiter. Aber mir fehlt dieses Gefühl der familiären Liebe, dieses unbegründete, man muss nichts dafür tun, man wird einfach aufgefangen, geliebt.. Dieser Rückhalt fehlt einfach, es fehlt so vieles.. Momentan ist es wirklich so, dass ich meine Möglichkeiten nicht wahrnehme, ich lerne nicht für das Studium, liege oft einfach motivationslos rum und weiß nicht, wo ich in meinem Leben hin will. Weiß nichtmal ob das Studium etwas für mich ist. Seit dem Tod meiner Mutter habe ich mich einfach nur treiben lassen. Ich bin nicht fähig irgendwelche Entscheidungen zu treffen und warte nur darauf, dass etwas passiert. Freunde haben sich früher gesorgt, nun sind sie eher genervt. Auf Sorge reagiere ich allergisch, ich ändere mich nicht wirklich für andere und wenn sie sich dann abwenden, dann denk ich mir, dass es so besser ist. Vielleicht ist das ein Schutzmechanismus, weil ich einfach niemanden verlieren will, der mir viel bedeutet aber ohne Freunde hat man auch kaum einen Grund zu leben. Mein Leben kommt mir so sinnlos vor. Ich mache das alles eigentlich nur, damit die Menschen, denen ich noch etwas bedeute sich nicht zu sehr sorgen. Ich weiß nicht weiter.. Ich vermisse meine Eltern so sehr, manchmal frag ich mich, wie es wär, würden sie noch leben. Wären sie stolz oder würden sie eher den Kopf schütteln, was aus mir geworden ist. Freunde mit Familie beneide ich so sehr, es tut jedes mal weh, wenn man glückliche Familien sieht. Vor allem jetzt wo es wieder auf Weihnachten zugeht, ist es sehr schlimm. Ich darf dann immer bei meiner Freundin mitfeiern, was zwar wirklich sehr nett ist und mich freut aber tief in mir bin ich einfach nur tottraurig. An Familie hab ich wirklich nur noch meine Oma und ein paar Halbgeschwister, die weit weg wohnen und selbst Familien haben. Ich melde mich nicht wirklich bei ihnen, da ich Angst habe sie zu belästigen und sie melden sich auch nicht mehr. Früher hat sich meine Halbschwester manchmal gemeldet aber das ist nun auch nicht mehr der Fall. Ich liebe sie trotzdem alle und vermisse sie, aber wieso kann ich mich dann nicht melden.. steh mir selbst so oft im Weg. Liegt das alles am Verlust meiner Eltern? Ein anderer Grund würde mir jedenfalls nicht einfallen. Aber andere Menschen, denen es schlechter ergangen ist, kriegen das besser hin. Warum? Falls sich das überhaupt jemand durchliest, vielleicht kennt ihr so etwas und könnt Ratschläge geben, was ich tun soll. Wie kommt ihr damit klar, wie könnt ihr motiviert jeden neuen Tag beginnen?..ich musste es jedenfalls mal loswerden..
Vielen dank fürs lesen
Feli
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november



Anmeldedatum: 25.06.2012
Beiträge: 3

BeitragVerfasst am: 27.06.2012, 13:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Feli,

nun steht Deine Geschichte schon eine lange Zeit hier im Forum und ich bin mir sicher, dass viele genau das gelesen haben. Aber das Antworten ist schwer, weil Du genau etwas ansprichst, was sicher die meisten von uns betrifft.
Es ist genau diese Kraftlosigkeit, diese ewige Suche nach den Eltern, obwohl man genau weiß, dass sie nicht wiederkommen. Dieses Schleifenlassen von Aktivitäten, das Vernachlässigen von Kontakten und und und. Jeder kennt dieses Lied.
Es ist einfach quälend, jeden Tag mit diesem Gefühl herumlaufen zu müssen, dass man anderen wieder auf den Geist geht - weil dieses Thema für andere einfach irgendwann nervig ist. Für andere ist der Tod in diesem Fall etwas, was sie von außerhalb beobachtet haben. Sicher nicht ohne Anteilnahme oder ohne die eine oder andere Träne vergossen zu haben - aber eben doch von außerhalb. Wenn die Eltern nicht mehr da sind, wird alles anders.
Ich habe meinen Papa vor inzwischen 28 Jahren verloren. Ich kam aus der Schule und sah ihn in unserer Wohnung tot vor mir liegen, der Arzt verließ gerade das Schlafzimmer der Eltern... Tot. Ohne Abschied. Tausend Fragen und keine Antworten.
Vor 14 Jahren starb meine Mutter an Krebs. Ein elendes Bild, wenn man jemanden bis zum Schluss begleiten möchte und spürt seine eigenen Kräfte schwinden... Man hat einen Kloß im Hals und ist wie gelähmt. Abschied in Etappen.
Und dann kommen tausende Menschen, die es gut mit dir meinen. Und dann kommt genau diese Leere, die einen irgendwie permanent begleitet. Sie ist so etwas wie ein treuer Begleiter geworden. Obwohl man sie nie gerufen hatte.
Ich denke mal, dass ich stellvertretend für viele andere Elternlose hier schreiben darf, dass genau diese Situation einen großen Teil des Lebens einnimmt.
Aber genau hier liegen die Stärken. Du hast Chancen, Dinge zu entdecken, die andere in einer "intakten" Familie" nie entdecken werden. Wobei intakt nicht immer intakt sein muss. Dort gibt es andere Probleme, die wir vielleicht als "Pillepalle" abtun würden. Belanglos. Aber für diese Leute sind das auch ernstzunehmende Dinge. Schmerz ist eben ein ganz persönliches Empfinden. Und so kann ich nur sagen, dass es neben diesen passiven Zeiten auch wieder aktive und schöne Zeiten gibt. In der Partnerschaft. Oder einfach in der Freundschaft. Da entdeckt man Kostbarkeiten im Leben, die man vorher nicht gesehen hat. Weil keine Zeit dazu war oder eben auch keine Notwendigkeit.
Aus meiner Erfahrung kann ich Dir nur ans Herz legen, Dir kleine Ziele zu stecken, erreichbare Dinge. Und wenn Du sie nicht gleich erreichst, dann eben ein bisschen später. Lass Dich nicht unter Druck setzen. Ich habe diesen Fehler oft gemacht und habe für andere "funktioniert". Du solltest weitestgehend selbst entscheiden, wie schnell Du durchs Leben läufst. Ein Kind, dass gerade Laufen lernt, entscheidet auch selbst. Und in Deiner Situation musst Du auch vieles neu lernen, so wie das Laufen.
Nimm Dir Zeit und lass Dich bloß nicht entmutigen, das ist es nicht wert!
Schreib Dir für die nächsten Tage und Wochen Deine Wünsche auf ein Stück Papier und hänge sie Dir gut sichtbar an den Spiegel - oder so ähnlich. Und dann zieh los. Du bist nicht allein.
Mutmachend ist es zu lesen, wie andere Menschen in schweren Situationen mit ihrer Umwelt fertig geworden sind- meistens funktioniert es auch. Zum Beispiel sind in der Bibel solche Begebenheiten aufgschrieben, manches ist sehr lehrreich auch für uns Menschen des 21. Jahrhunderts.
Vielleicht schaffst Du Dir auch ein kleines Haustier an, das ist ein kleiner Anfang.
Ach ja, das ist schon kein Leichtes... Hier in diesem Forum gibt es so viele traurige und erschütternde Lebensgeschichten, dass man verzweifeln möchte und den Kopf in den Sand stecken möchte. Aber stell Dir mal vor, wir alle würden das tun - wie viel ärmerwäre diese Welt an Menschen, die alles ein bisschen anders sehen und vielleicht viel mehr Kraft haben und auch Erfahrung, anderen beizustehen und zuzuhören.
Schau mal nach, wo du grad stehst. Und Du wirst sehen, dass Du Dich - wie viele andere Leser und Betroffene hier - an einem einmaligen Platz auf dieser Welt befindest.
Alles Gute! Winken
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K-K



Anmeldedatum: 15.01.2011
Beiträge: 102

BeitragVerfasst am: 01.08.2012, 00:03    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo liebe Feli,

ich wollte auch noch antworten, falls du das hier noch liest.
Ich kenne das nur zu gut mit dem treiben lassen...alles scheint egal zu sein und zu werden. Die Welt ist so absurd bzw so kommt es uns vor, warum sollten wir dann einfach hier in dieser absurden Welt weiter leben und weiter das tun was wir all die Jahre gemacht haben? Man möchte mal ausbrechen aus dem ganzen. Man hat einfach keine Lust und keine Kraft mehr zu funktionieren.
Im moment stehe ich auch noch an der Stelle, dass ich eher in einem Loch als in einem Hoch wäre. Und ich muss wahrscheinlich auch noch vieles lernen. Wie man mit allem umgeht. Ich habe nicht beide Erlternteile verloren, stattdessen aber meine Mutter und meinen Bruder innerhalb kurzer Zeit.
Ich kenne das, wenn man gerne eine "komplette" Familie hätte. Und auch mir geht es so, dass ich unselbstständig bin und mir von anderen abhängig vorkomme. Gerade auch weil ich studiere und noch kein eigenes Geld verdiene.
Vielleicht erleben wir aber ja auch noch schöne Zeiten. Und vielleicht schauen uns die Verstorbenen irgendwie auch zu oder sind bei uns, auch wenn uns das keiner beweisen kann. Allein die Vorstellung hilft manchmal.

Ich wünsche dir/euch alles Gute!
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