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antje2004
Gast





BeitragVerfasst am: 07.07.2005, 00:00    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo,
da bin ich nochmal. Ich bin immer froh, wenn ich lese, daß mich irgendjemand da draußen versteht. Manchmal denke ich auch, daß ich depressiv bin, aber - ist es denn ein Wunder? Ich habe so Tage, da könnte ich schon nach dem Wachwerden heulen. Einfach nur so. Weil ich immer dieses Gefühl von Heimweh habe. Ich habe einfach keine Heimat mehr. Hier in Schleswig-Holstein ist jetzt mein Zuhause, aber Heimat ist es einfach nicht. Meine Schwester wohnt noch in der Gegend, aus der ich komme, aber unser Kontakt ist reduziert auf einige Telefonanrufe zu Geburtstagen oder Feiertagen. Sie hat Weihnachten am Telefon zu mir gesagt, daß ich mich nicht so haben solle, und daß sie unseren Vater kaum vermißt. Sie ist sechs Jahre älter als ich und als meine Mutter starb war es für sie vollkommen klar, daß ich mich nun um unseren Vater kümmerte. Sie hatte im Nachbarort ihre eigene kleine Familie. Als ich dann die Frechheit besessen hatte, schwanger zu werden und meinem Mann nach Schleswig-Holstein zu folgen hatte sie zu mir gesagt, daß ich mich wieder aus dem Staub machen würde und sie mit allem alleine lassen würde. Ich bin immer so ein gutmütiges Schaf und nehme mir sowas immer sehr zu Herzen. Ich wußte auch, daß mein Vater sehr traurig darüber war, daß ich wegging, aber ich dachte, meine Schwester wäre ja da. Und ohne sein ausdrückliches Okay wäre ich auch nie weggezogen. Er hatte mir gesagt, daß ich mein Leben leben soll und daß ich schon viel aufgegeben habe wegen ihm. Er wußte, wie wichtig mir seine Worte waren. Aber als meine Schwester mich dann anrief und mir mitteilte, daß er gestorben war, bekam ich natürlich sofort wieder die Schuldgefühle, die ich auch schon beim Tod meiner Mutter hatte.
Mein Freund hat, nachdem mein Vater gestorben war, Kontakt zu seinem Vater aufgenommen. Sie haben sich seit seiner Kindheit nicht mehr gesehen und ich weiß, daß ich ungerecht bin, aber ich habe es ihm sehr übel genommen, daß er plötzlich wieder einen Vater hatte. Seine Mutter ist auch sehr jung gestorben und ich fühlte mich immer verstanden von ihm und plötzlich zaubert er einen Vater aus der Hosentasche. Das fand ich so unfair. Ich weiß, daß das nicht okay war, ich freue mich ja auch auf der einen Seite für ihn, weil es doch sein Leben belastete, aber ich hätte das auch so gerne gemacht. Einfach an einer fremden Tür klingeln und vom Vater die Tür geöffnet zu bekommen. Vielleicht könnt ihr diese Gefühle ja doch etwas nachvollziehen.
So, daß wars heute von mir.
Viele Grüße
Antje
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Liebes



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Beiträge: 16
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 04.08.2005, 00:21    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Antje (und alle anderen),
sorry, dass ich mich so lange nicht gemeldet habe. Ich war im Urlaub (der erste Urlaub, aus dem ich meinen Paps nicht anrufen konnte - sogar sowas fällt mir auf!) und nach dem Urlaub wäre direkt der Geburtstag von ihm gewesen. Ich habe diesen Tag recht gut überstanden, wahrscheinlich weil ich mit meiner Schwester das Grab etwas fertig gemacht habe an diesem Tag, dann ist man schon etwas abgelenkt. Danach war ich mit meiner Schwester essen. Irgendwie kommen mir jetzt die Tränen.. ich weiss auch nicht: Immer wenn ich bei elternlos.de bin, kommt das so hoch. Muss es ja eigentlich auch mal, aber es tut so weh. Am Freitag hol ich mein erstes eigenes Auto ab; einer meiner ersten Wege wird mich zum Friedhof führen. Wenn ich so recht überlege, war ich noch nie allein da seit mein Vater auch ort liegt.. Es ist wieder ein wichtiges Ereignis, dass er nicht mitbekommt. Überhaupt ist heute soviel positives passiert, das ich ihm gern sagen würde.. Ich meine richtig, nicht nur in Gedanken.

Nun möchte ich nochmal zu Antje kommen: Deine Schwester scheint ja ein vollkommen anderer Mensch zu sein als Du. Erst redet sie Dir ein schlechtes Gewissen ein, weil Du umziehst und jetzt bringt sagt sie auch noch, dass sie Euren Vater nicht vermisst. Das versteh ich ja überhaupt nicht. Das ist irgendwie so kaltherzig. Sie scheint sich auch Deiner Trauer garnicht so anzunehmen. Es ist Deine Schwester und ich werd sie bestimmt nicht schlecht machen, aber es ist gut, dass Du nicht nur sie hast, sondern auch uns alle hier, um zu reden.
Eine schöne Nacht, wünscht Dir, Caro
_________________
Meine Mama ist an Krebs gestorben als ich 1 1/2 war, mein Paps als ich 21 war... da habe ich mich hier angemeldet und ein Jahr Trost gefunden... und nun bin ich nach 6 Jahren wieder hier...
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Gast






BeitragVerfasst am: 05.08.2005, 23:50    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo liebes,
heute vor einem Jahr habe ich das letzte mal mit meinem Vater telefoniert, zwei Tage später ist er gestorben. Ich habe Angst vor diesen Sonntag, weil ich so weit weg bin und nicht mal zum Friedhof gehen kann. Ich bin seit der Urnenbeisetzung nicht mehr dort gewesen, erstmal, wen sollte ich dort besuchen und zweitens hätte sich es nicht gelohnt, 500km zu fahren, nur um das Grab meiner Eltern zu besuchen. Ich hatte meine Schwester im April, zum Sterbetag meiner Mutter gebeten, mir ein Foto vom Grab zu schicken, aber ich habe keins bekommen. Meine Schwester ist ein merkwürdiger Mensch. Mein Freund hat mir versucht zu erklären, daß sie anders mit der Trauer umgeht. Aber wie, frage ich mich. Ich hätte es auch gern auf die leichte Schulter genommen. Warum muß ich mich so quälen damit? Ich wähle heute noch die Handynummer meines Daddys, bekomme Herzrasen, wenn ich den Wählvorgang höre und bekomme das Heulen, wenn die Stimme am anderen Ende zu mir sagt, daß der gewünschte Gesprächspartner im Moment nicht zu erreichen ist. Ich weiß, daß dieser Moment noch so lange dauert, aber die Dame am Telefon weiß das nicht. Und als ich vor einem Monat ein neues Handy bekam, hat mein Freund mir das so eingestellt, weil ich ja technisch einfach nur eine Null bin Verlegen , und da ging er so die Namen im Telefonbuch durch um die alten rauszulöschen, und als er bei dem Eintrag "Papa" war, da sah er mich bloß an und ich fuhr ihn gleich an, er solle es sich ja nicht wagen, die Nummer zu löschen. Mein Freund hat sie nicht gelöscht, er hat mich auch nicht mehr darauf angesprochen, aber ich konnte in seinem Gesichtsausdruck lesen, wie verständnislos er doch manchmal ist. Ich rede ja auch nicht viel darüber, ich meine jetzt über den Tod meiner Eltern, mir ist aber bewußt geworden, daß ich sehr oft über meinen Vater spreche. Mein Vater hat dies gesagt, mein Daddy hat jenes getan und ich rede einfach weiter, auch wenn ich weiß, daß viele damit nicht umgehen können, weil sie einfach nicht wissen, wie sie reagieren sollen. Und wenn ich diese Unsicherheit bemerke, dann ziehe ich mich erstmal wieder zurück und ärgere mich darüber, meinen Mund nicht halten zu können. Blöd oder? Ich habe heute schon mal so leicht angedeutet, daß dieses Wochenende eventuell nicht so toll werden könnte, und ich war sauer darüber, daß mein Freund diesen Tag einfach vergessen hatte. Ich weiß, daß ich da überreagiert habe, er kannte meinen Vater auch gar nicht, aber ich erwarte in meinem Egoismus einfach, daß Tom (mein Freund) sowas nicht zu vergessen hat. Ich habe Angst, daß alles wieder hoch kommt. Ich habe auch ein schlechtes Gewissen, weil ich diese Angst beim Todestag meiner Mama nicht mehr habe, sie ist jetzt neun Jahre tot, weil ich dann wieder denke, daß man von mir denkt, ich hätte sie weniger lieb gehabt. (Ganz schön kompliziert, oder?) Ich denke, ich werde für heute mal aufhören, ich merke nämlich, daß ich schon wieder in ein riesiges Selbstmitleid-Bad rein steuere.
Viele Grüße
Antje
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Liebes



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Beiträge: 16
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BeitragVerfasst am: 02.04.2006, 00:40    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Antje,
jetzt hat es wieder so lange gedauert bis ich mal wieder hier bin..
Das tut mir Leid, vor allem wo ich jetzt lese, dass Du das letzte Mal in einer so schweren Situation geschrieben hast..
Wahrscheinlich bin ich nicht so oft hier, weil ich immernoch viel verdränge und wenn ich hier alte Einträge von mir oder auch von anderen lese, muss ich jedes Mal heulen. Wenn ich nicht so viel verdrängen würde, dann käme ich garnicht damit klar. Wenn ich lese, was Du schreibst ist es meinen Gedanken und Gefühlen so ähnlich und ich denke nicht einmal, das ist aber komisch.. Ich habe im Februar auch den ersten Todestag zu überstehen gehabt und ich muss sagen, der Tag an dem ich zuletzt mit ihm telefoniert habe (unser letzter Kontakt) war für mich viel schlimmer. Die Tage zwischen diesem letzten Telefonat und dem Todestag (5Tage) waren auch schlimm, weil ich immer denken musste, jetzt war er schon allein, ob er´s wusste.. usw.
Mit dem Handy das kenn ich auch. Ich habe Angst, auf den Namen zu kommen also in die P-Liste (Papa). Ich möchte mein Handy verkaufen bald und dann weiss ich nicht, was ich mit der Nr mache.. Habe alle auf dem Handy statt auf der Karte gespeichert. Auf der alten Nr von meinem Papa anzurufen trau ich mich nicht. Hätte er eine Mailbox mit seiner Stimme gehabt, dann würd ich wohl jeden Tag 10mal da anrufen.. Warum tut das alles immernoch so weh? Ich habe auch das Gefühl, dass es niemand versteht. Die glücklichen Erinnerungen soll ich behalten.. Aber das tut auch so weh!!!
Ich habe das Gefühl, ich kann es nur durch verdrängen schaffen, aber dadurch hab ich auch manchmal das Gefühl, alle denken, ich hätte ihn vergessen (so ähnlich wie bei Dir mit DEiner Mama), aber wer sowas denkt, ist eigentlich dumm und zudem glaube ich nicht, dass einer so verständnislos sein kann. Meine Mama kannte ich ja nun garnicht und ich ertappe mich dabei am Friedhof oder in meinen Gedanken nur mit meinem Papa zu sprechen und ich kann nur hoffen, dass sie es versteht, denn unser Kennenlernen steht uns noch bevor. Glaubst Du auch an sowas? Anders würde es bei mir nicht gehen.
Hoffentlich liest Du dies, ich schicke Dir eine persönliche Nachricht, damit Du weisst, dass ich geschrieben habe.
Liebe Grüße und lass mal was von Dir hören..
Caro

P.S.: Es können mir natürlich auch andere Leute schreiben..
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Meine Mama ist an Krebs gestorben als ich 1 1/2 war, mein Paps als ich 21 war... da habe ich mich hier angemeldet und ein Jahr Trost gefunden... und nun bin ich nach 6 Jahren wieder hier...
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sahara



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Beiträge: 2

BeitragVerfasst am: 02.12.2006, 01:17    Titel: Re: Jetzt bin ich ganz allein... Antworten mit Zitat

Liebes hat Folgendes geschrieben:
Es fällt mir nicht leicht, hier zu schreiben, aber irgendwie hoffe ich, dass es mir dann besser geht... Wo ich auch schon beim Thema wäre: Ich glaube, mir wird es nie wieder in meinem Leben gut gehen-so richtig gut, meine ich...
Meine Mama ist gestorben als ich 1 Jahr alt war (an Krebs, sie war 38 ). Da ich sie nicht wirklich kannte, kann sie mir nicht soo fehlen, aber eine Mutter hat mir immer gefehlt, obwohl ich zwei Stiefmütter hatte. Ich stelle mir immer vor, wie verschiedene Lebenssituationen mit meiner Mutter gewesen wären oder heute noch wären.
Was aber, ehrlich gesagt, noch viel schlimmer für mich ist, dass mein Vater vor heute genau 3Monaten gestorben ist (er ist mit 60 Jahren einfach nicht mehr aufgewacht). Er war krank, hatte Diabetes und Herzprobleme. Seit 7 Jahren lebte ich mit ihm allein; meine Schwester, die 6 Jahre älter ist als ich, war im Streit mit ihm ausgezogen (sie hatten sich aber zum Glück vor 2 Jahren vertragen) und seine letzte Frau war auch weg. Nur mein Freund wohnte das letzte Jahr über mit uns zusammen. Dann 3 Monate vor seinem Tod bin ich ausgezogen-zum studieren in eine andere Stadt gezogen. Das war einer der größten Fehler meines Lebens, denn jetzt ziehe ich wieder zurück, weil das studieren mir überhaupt nicht liegt. Ich hätte sofort bei ihm bleiben können und jetzt ist es zu spät. Klar, an der Wochenenden war ich bei meinem Paps, aber selbst da hab ich nebenbei gearbeitet oder war so unterwegs. Mir war es auch zuviel. Es ging ihm nicht gut, er wollte sich aber auch nie helfen lassen. Es ist feige, mich so aus der Affäre zu ziehen. Ich hätte gegen seinen Willen etwas unternehmen müssen.
Warum ich hier eigentlich schreibe..weil mein Dad der wichtigste Mensch in meinem Leben war. Er hat sein ganzes Leben, was für ihn eh schon nur schwer war (er hat früh seine Eltern verloren und noch meine Mutter) nur gearbeitet. Er hat für seine Kinder oder besser gesagt für mich, seine Jüngste (ich bin jetzt 21) ein Haus mit Müh und Not gehalten und mir alles ermöglicht. Jetzt kann ich es ihm nicht mal mehr zurück geben. Wir hatten so eine tiefe Beziehung und es tut so weh, dass er weg ist. Ich weiss einfach nicht, was ich machen soll. Am liebsten würd man seinen Kopf den ganzen Tag gegen die Wand schlagen, um einfach nicht mehr zu denken, um den Schmerz zu betäuben. Mit meiner Schwester habe ich ein super Verhältnis, aber sie geht anders mit ihrer Trauer um-sie stürzt sich in ihre Arbeit. Mein Freund hat noch nie einen geliebten Menschen verloren-er war eine Woche intensiv für mich da, und jetzt scheint er nur noch dran zu denken, wenn wir auf dem Friedhof sind. Ich will ihn dafür nicht verurteilen, aber ich würd mir mehr wünschen. Meine besten Freundinnen haben auch noch kein Elternteil verloren, ich kann mit ihnen zwar reden, aber trotz allem fühl ich mich allein und vom Leben verarscht. Wahrscheinlich genau wie mein Papa. Ich sollte ihm gönnen, dass er nach 20 Jahren Tod meiner Mutter bei ihr ist, aber dazu fehlt er mir zu sehr, dafür hätte ich ihn noch zu sehr gebraucht... Und das traurige ist, ich hab es ihm 6 Tage vor seinem Tod noch gesagt...

Jetzt nennt mich keiner mehr "Liebes"


Hallo Liebes,
auch ich habe meine Mama sehr früh verloren, sie starb an Krebs als ich 18 Monate alt war. Hatte dann auch eine Stiefmutter. Aber das ist etwas ganz anderes, das Suchgefühl nach den wahren Wurzeln blieb. Es fehlt etwas ganz wichtiges, ein Leben lang. Bin heute 39 Jahre und denke oft meine Mama hätte jetzt noch 2 Jahre zu leben gehabt...mein Papa starb als ich 10 Jahre alt war....er nannte mich immer Sonnenschein...bin bis heute über seinen Verlust nie richtig weggekommen.

Ich sende Dir ganz viel Trost und Du wirst immer sein Liebes bleiben so wie ich sein Sonnenschein....

Lieben Gruß

Sahara
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Liebes



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Beiträge: 16
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BeitragVerfasst am: 21.07.2012, 07:42    Titel: Nach über 6 Jahren wieder hier; heute ist Papas Geburtstag Antworten mit Zitat

Heute ist Papas Geburtstag, der 21.7. ... Ich habe mir letztes Jahr das Wort Einundzwanzig und den Satz "ab imo pectore" (von ganzem Herzen) aufs Handgelenk tattowieren lassen. Da ich selber am 21.1. Geburtstag habe, hat uns diese Zahl irgendwie immer verbunden und ich wollte so gerne ein Tattoo für meinen Paps...

Heute Morgen wurde ich um 5 Uhr wach, an einem Samstag... ich wusste sofort, ich brauche gar nicht mehr versuchen, weiter zu schlafen... Ich habe bei Google nach Geburtstag eines Verstorbenen gesucht und mir ein paar Gedichte durch gelesen und dann kam ich auf elternlos.de und es fiel mir alles wieder ein... Ich hatte selber 2005, 3 Monate nach Papas Tod einen Beitrag erstellt und hier einige Monate viel Trost gefunden. Als ich mir alles wieder durch gelesen habe und meinen Account wieder aktiviert habe, tat ich das mit gemischten Gefühlen...
Wahrscheinlich kann ich diese nicht in Worte fassen, aber einerseits war es neu für mich, weil ich scheinbar die ganze Zeit kurz nach seinem Tod in einer Art Schock war und somit vieles verdrängt hatte (Meister im Verdrängen bin ich ja sowieso)... Es war schön zu lesen, wie mir damals viele hier Trost gespendet haben, die ich gar nicht kannte und ich frage mich, wie es Euch allen geht und ob ihr noch aktiv hier seid.

Und dann kam diese Frage, ob ich hier noch einmal schreibe... Was soll ich schreiben? Soll ich denen, die hier neu sind und die gerade erst jemanden verloren haben sagen "Mir geht's super, alles wird gut ich verspreche es Euch" ???
NEIN, das kann ich nicht...
Alleine die Tatsache, dass mich Geburtstage meines Paps immer noch so aus der Bahn werfen zeigt es Euch. Es wird nie mehr alles gut, es ist nicht alles gut, aber es ist besser...
Ich habe hier damals geschrieben, ich habe Angst nie wieder glücklich sein zu können, aber ich bin oft glücklich:
Mit Familie, Freunden, meinem Freund und meiner Hündin Emma, die mich seit 3 Jahren (1 Tag nach Papas Todestag) begleitet... Viele große und auch kleine Sachen machen einen glücklich und manchmal natürlich auch traurig, weil ich sie gerne mit meinem Paps teilen möchte. Aber man lernt damit umzugehen, wenn auch vieles mit Verdrängung nur zu bewältigen ist.

Leider habe ich manchmal Tage und Phasen, an denen ich immer noch Zweifel habe und an denen alles so weh tut und ich Angst habe, dass ich ihn nie wieder sehe, aber im Grunde meines Herzens vertraue ich darauf, dass er und auch meine Mama und meine Großeltern immer bei mir sind und alle zusammen auf mich warten, wenn mein Leben gelebt ist.
Natürlich habe ich Angst, dass nach dem Tod nichts mehr kommt, aber daran möchte ich nicht denken und glaube einfach daran, dass das Leben zu komplex ist als dass der Tod so simpel sein könnte.

Ich habe mich oft gefragt, was kann der SINN darin sein, dass ich keine Eltern mehr habe, dass das Leben mir so viele Hürden gestellt hat...?
Ich habe keine Ahnung, aber ein paar Sachen habe ich mit der Zeit doch gelernt und diese setze ich auch um: Ich rege mich nicht über Kleinigkeiten auf, ich könnte mich nie monatelang in Liebeskummer wälzen; mich nerven manchmal Dinge die nicht klappen oder wenn machmal alles auf einmal kommt, aber das kann mich doch alles nicht mehr umwerfen...
DENN ich weiss, was WIRKLICH SCHLIMM ist im Leben! Dass ich mein ganzes restliches Leben ohne den wichtigsten Menschen, meinen Paps meistern muss. Und das jeden Tag und ich trotzdem glücklich sein muss, weil das Leben dazu da ist ... Mir gelingt das mal mehr und mal weniger, aber ich versuche stolz auf mich zu sein und immer weiter zu machen - für ihn, für mich und auch für meine Lieben um mich herum.

Die Sonne scheint heute und ich schaue gerade total verheult meinen Hund an und muss weinen und lächeln zugleich, weil ich meinen Paps so vermisse, aber auch weiss, dass zB mein Hund (so simpel es für viele sein mag) mich auch heute wieder ein bisschen glücklich machen wird und bestimmt auch noch ein paar Sachen mehr...

Ganz liebe Grüße an alle
Caro "Liebes"
_________________
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