Elternlos-Forum
Eine Lichtung, auf der man verweilen, sich finden und austauschen kann.
 
 FAQFAQ   SuchenSuchen   MitgliederlisteMitgliederliste   BenutzergruppenBenutzergruppen   RegistrierenRegistrieren 
 ProfilProfil   Einloggen, um private Nachrichten zu lesenEinloggen, um private Nachrichten zu lesen   LoginLogin 

Wie lebe ich weiter?

 
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Elternlos-Forum Foren-Übersicht -> Verlust der Mutter
Vorheriges Thema anzeigen :: Nächstes Thema anzeigen  
Autor Nachricht
camavi



Anmeldedatum: 16.11.2011
Beiträge: 1

BeitragVerfasst am: 16.11.2011, 02:37    Titel: Wie lebe ich weiter? Antworten mit Zitat

Hallo zusammen.

Ich bin 17 und meine mama ist letzten januar an brustkrebs gestorben. ihre erste diagnose kam im jahr 2000. doch die metastasen wurden erst 2007 entdeckt. seitdem ging es immer weiter abwärts obwohl sie sehr schöne letzte jahre hatte, denn wir reisten viel, u.a. nach venedig, was sie über alles liebte. ich habe während den letzten elf jahren gelernt, selbstständig zu sein, erwachsen zu werden.

mit meinem vater verstehe ich mich erst gut seit meine mutter weg ist. früher haben wir oft an den wochenenden gestritten, meistens wegen kleinigkeiten. jetzt ist er der mensch, dem ich am meisten vertraue und am besten kenne, denn er behandelt mich wie eine erwachsene. ich freue mich über unser super verhältnis. aber ich verstehe nicht wieso das erst jetzt so gekommen ist.

ich habe mich ziemlich gut in den alltag zurückintegrieren können, doch meine weltsicht ist anders geworden. ich hinterfrage alles, ob es nötig ist. viele gleichaltrige kommen mit dem nicht so klar. ich hab irgendwie auch das gefühl, dass ich allein auf der welt bin, egal ob ich nen freund hab oder wir familienurlaub machen.

ich vermisse sie so wahnsinnig. ich muss langsam einsehen, dass sie noch ein leben vor meinem hatte und das tut irgendwie weh. ich habe angst, meine erinnerungen zu verlieren oder gar schon verloren zu haben. ich habe angst, das leben ohne sie, meine treueste begleiterin und beraterin, anzupacken. ich will am liebsten bei ihr sein.
doch suizidgedanken waren nie ein thema und sind es jetzt auch nicht.

wie geht ihr mit all dem um? habt ihr irgendwelche strategien?
ich lebe gut mit mir, doch die welt will nicht verstehen.
wie trauert ihr, wenn um euch andere menschen sind?

ich hab vorher auch einiges gelesen, dass man süchtig nach nähe wird. ich meine auf beziehungen bezogen. mir ist das irgendwie auch passiert. wie kommt ihr damit klar?

mein tiefstes beileid an alle euch, die das gleiche schicksal erlebebt haben.
ich hoffe, wir sind nicht allein.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
jule88



Anmeldedatum: 22.01.2010
Beiträge: 7
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 16.11.2011, 21:59    Titel: Antworten mit Zitat

hallo camavi,

erstmal mein herzliches beileid, dass auch du zu "unserem club" gehörst ..

du schreibst du hast angst die erinnerungen zu verlieren ..

mir geht es oft auch so .. allerdings versuche ich mich dann immer daran zu erinnern, dass ich sie im herzen trage, und da kann niemals etwas verloren gehen ..

sie werden uns immer begleiten .. wahrscheinlich oft auch unbewusst ..

auch ich habe mich sehr verändert und habe oft das gefühl .. allein zu sein obwohl man es ja selten ist ..

wie du siehst .. wir sind nicht allein. Winken
_________________
Einen Regenbogen wünsch ich mir,
eine magische Brücke zu dir.
Auf der kann ich gehen,
bis wir uns endlich wieder sehen!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden MSN Messenger
K-K



Anmeldedatum: 15.01.2011
Beiträge: 102

BeitragVerfasst am: 18.11.2011, 12:38    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo camavi,

mir geht es sehr ähnlich wie dir. Meine Mutter ist auch an Brustkrebs gestorben.
Mit meinem Vater versteh ich mich so naja. Hin und wieder gibt es öfters Streit. Meine Mutter fehlt da als Schlichter. Das Verhältnis zu ihm hat sich auch verändert. Er ist jetzt mein Ansprechpartner für diverse Fragen. Davor war es eher meine Mutter.
Das mit der Weltsicht ist bei mir ähnlich. Bin irgendwie desillusioniert und melancholisch geworden. Machmal betrachte ich alles von "außen" und denk mir manchmal, wozu um alles in der Welt macht sich die Menschheit so einen Stress?
Ich vermisse meine Mum auch noch nach einem Jahr sehr sehr arg! Ich kann mich nicht damit abfinden, sie die nächsten 40 Jahre (oder wie lang ich auch immer lebe) nicht mehr zu sehen...nicht mehr mit ihr zu sprechen...mich nicht austauschen zu können. Ihre Gedanken und Ansichten habe ich sehr geschätzt.
Ich hab leider keine Strategie...vielleicht kommt dir irgendwann, ich weiß es nicht!
Ich habe manchmal das Problem, dass ich schlecht gelaunt bin, eben wegen der ganzen Sache, aber mein Umfeld ist es eben nicht. Irgendwo spielt man dann eine Rolle, damit man mit seiner ständigen schlechten Laune nicht aneckt!
Ich habe auch vor dem Vergessen angst. Es scheint alles so unwirklich...irgendwann denkt man sich: wie war das nochmal, damals...mit meiner Mum? Traurig

Dir auch mein tiefes Beileid!
Ich find es gut, dass man sich in diesem Forum über so vieles austauschen kann.
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
rebelle



Anmeldedatum: 21.11.2011
Beiträge: 2
Wohnort: nähe köln

BeitragVerfasst am: 21.11.2011, 18:31    Titel: Antworten mit Zitat

hallo ihr lieben,

ich habe ähnliches erlebt, meine mutter ist vor etwas mehr als zwei jahren gestorben, auch an krebs (2001 brustkrebs, später metastasen in der wirbelsäule und letztlich in der leber) und verstehe diese angst zu vergessen sehr gut. damals war ich noch in einer therapie, wo mir ein buch ans herz gelegt worden ist, es heißt "ich will dich nicht vergessen" und hat mir einen teil meiner angst genommen. wenn ich das bedürfnis habe, lese ich es oder schreibe rein und habe so ein wenig das gefühl, dass mir an den erinnerungen nichts mehr "abhanden kommt".

denn wenn ich jetzt so recht überlege, nach gut 2 jahren, fallen mir manche dinge nicht mehr so richtig ein. was auch ein generelles problem bei mir geworden ist und mir das leben etwas schwer macht..ich vergesse alles mögliche und das kenne ich von mir so gar nicht. auch bin ich recht unorganisiert geworden, wobei ich immer eine ordentliche, ruhige schülerin mit sehr guten noten war. mit dem verlust lief das dann natürlich alles aus dem ruder. das ist halt so ein punkt der mir schon oft im wege steht. aber so eine richtige strategie habe ich dafür auch nicht parat..

ich bin jetzt ganz neu hier im forum und bin froh mich mit menschen austauschen zu können, die ähnliches durchlebt haben. manchmal versteht die welt da draußen einen einfach nicht..

ganz liebe grüße

rebelle
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
K-K



Anmeldedatum: 15.01.2011
Beiträge: 102

BeitragVerfasst am: 21.11.2011, 19:36    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Rebelle,

vielen Dank für deinen Buchtipp. Er klingt interessant, da es wohl ein "interaktives" Buch zu sein scheint!
Hat dir das Buch gut getan und wie schlimm war es für dich, die Fragen da drin zu beantworten? Es ist auf jeden Fall eine nette Idee, um Erinnerungen an eine Person festzuhalten.
Gibt es noch andere Bücher, die du in deiner Trauer gelesen hast und die du weiterempfehlen kannst?
Wie war für dich die Therapie?

Dir natürlich auch mein Beileid!
Liebe Grüße
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
rebelle



Anmeldedatum: 21.11.2011
Beiträge: 2
Wohnort: nähe köln

BeitragVerfasst am: 21.11.2011, 20:35    Titel: Antworten mit Zitat

hallo K-K,

ja, es ist ein interaktives buch und ist in "rubriken" eingeteilt. da gibt es beispielsweise die rubrik "zur person", später "gemeinsames" bis hin zum verlust und die zeit danach. aber dies geschieht immer auf eine einfühlsame weise, die mir persönlich sehr geholfen hat. es stehen auch sehr schöne zitate und texte drin, die sich auf nahezu jedes schicksal übertragen lassen, ist also kein buch speziell für menschen die einen elternteil durch eine krankheit verloren haben etc.

am anfang war es sicherlich ein stück überwindung und ich habe bei so mancher frage weinen müssen, einfach weil man bei "zur person" weiß, der geliebte mensch kommt nicht zurück.. aber ich muss doch sagen, es hat mir sehr viel geholfen.
mir haben auch viele menschen (die es sicherlich gut meinten) gesagt "sie wird immer in deinem herzen bleiben", das ist sicherlich so, das streite ich auch keinesfalls ab. aber mir persönlich gehen doch gewisse erinnerungen an sie verloren ohne dass ich es will. ich kann es auch selber nicht erklären. aber damit scheine ich ja nicht alleine zu sein und wenn ich in das buch schaue und dann denken kann "ja, daran erinnere ich mich noch", dann hat es seinen zweck doch irgendwie erfüllt, denke ich..

andere bücher habe ich zu dieser zeit leider nicht gelesen.

die therapie hatte mit der krankheit meiner mutter eigentlich nicht viel zu tun. hatte damals probleme in der schule, dann gab es noch einige eskapaden mit meiner schwester, genereller stress zu hause. also kein hauptaspekt, aber ich war noch da, als meine mutter verstorben war und dann ergab sich das im gespräch. bin der dame da auch sehr dankbar, dass sie das buch für mich gefunden hat, ich glaube nicht, dass ich das selbstständig gefunden hätte. Winken
bin jetzt seit fast einem jahr nicht mehr da (da sie die arbeitsstelle gewechselt hat und ich ungern jemand neues haben möchte, da sie mich seit ich ca. 11 bin kennt) und lebe eigentlich verhältnismäßig recht gut. Winken

dir auch mein herzliches beileid und liebe grüße!
Nach oben
Benutzer-Profile anzeigen Private Nachricht senden
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:   
Neues Thema eröffnen   Neue Antwort erstellen    Elternlos-Forum Foren-Übersicht -> Verlust der Mutter Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
Seite 1 von 1

 
Gehe zu:  
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben.
Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten.
Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.
Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht teilnehmen.


Powered by phpBB © 2001, 2005 phpBB Group
Deutsche Übersetzung von phpBB.de