Archiv der Kategorie ‘Trauer und Trauerarbeit‘

Trauerphasen nach Kast

Verena Kast, Psychotherapeutin in St. Gallen, nahm die fünf Phasen nach Elisabeth Kübler-Ross zum Vorbild und entwickelte auf ihrer Grundlage die vier Phasen des Trauerns. Im Folgenden möchte ich diese Phasen genauer vorstellen, wobei ich einerseits erkläre, was diese kennzeichnet, aber auch, worauf Helfer achten müssen und welche Schwierigkeiten evtl. auftreten können.

Phase des nicht- wahrhaben-wollens

Diese erste Phase ist gekennzeichnet von einem Gefühlsschock. Trauernde geben an, sich in dieser Zeit selbst wie tot zu fühlen, wie starr, wie versteinert, was insgesamt als Kennzeichen der Verdrängung des Todes, bzw. unangenehmer Nachrichten zu verstehen ist.

Für den Helfer oder Begleiter ist es hier wichtig, dem Trauernden zu zeigen, dass er nicht allein ist, ohne ihn zu bevormunden oder sich aufzudrängen. Er sollte die Möglichkeit haben, seine Gefühle oder eben auch nicht Gefühle zuzulassen. Diese Phase ist nicht gekennzeichnet durch die großen Gefühle. Außerdem ist es wichtig gleich von Anfang an ein optimales Nähe-Distanz-Verhältnis aufzubauen. In diesem sollte der Helfer einerseits menschliche Wärme geben und den Trauernden unterstützen und Trost spenden. Andererseits darf der Begleiter es nicht zulassen, dass der Trauernden sich zu sehr an ihn klammert (vgl. Kast, 1982, S. 61,62). Eigenständigkeit, eigene Ressourcen, also Hilfe zur Selbsthilfe sollten im Vordergrund stehen. Außerdem ist darauf zu achten, dass der Trauernde nicht dauerhaft verdrängt und versucht sich durch viel Aktivität dauerhaft abzulenken ( vgl. Kast, 1982, S. 83).

Phase der aufbrechenden Emotionen

Wie der Name schon sagt, brechen in dieser Phase die großen Gefühle auf. Wut, Trauer, Zorn, Angst, Ruhelosigkeit sind nur einige der Gefühle die auftreten und sich abwechseln. Es treten allerdings nicht nur negative Gefühle auf. Viele Trauernden geben an, auch Freude, darüber den Toten gehabt zu haben, zu verspüren (vgl. kast, 1982, S. 66). Oftmals versuchen Trauernden in dieser Phase einen Schuldigen zu finden. Es können z.B. Ärzte beschuldigt werden, nicht ausreichend für den Verstorbenen gekämpft zu haben. Der Zorn kann sich aber auch gegen den Toten selbst richten. Die Betroffenen empfinden zusätzlich zum Zorn oft Ohnmacht, auch in Bezug auf die eigene Vergänglichkeit (vgl. Kast, 1982, S. 62/63).

Häufig treten auch eigene Schuldgefühle auf. Ungeklärte Konflikte und auch gestörte Kommunikation zwischen Toten und Angehörigen kommen wieder hoch und können diese Trauerphase erschweren, bzw. verlängern, denn je höher die Schuldgefühle, desto länger und schwieriger diese Trauerphase (vgl. Kast, 1982, S. 64/65).

Diese Schuldgefühle sollten von den Begleitern sehr ernst genommen werden. Sie sollten weder verstärkt noch abgeschwächt werden. Es ist wichtig, dass die Betroffenen diese alleine durchleben und überwinden. Die starken Emotionen, die diese Zeit kennzeichnen, sollten vom Helfer gefördert und unterstützt werden. Auch sollte der Trauernde viel über den Toten sprechen können, Ablenkung ist in dieser Phase nicht förderlich. Wie im Grunde in allen Phasen sollten die Helfer einfach da sein und viel zuhören. Außerdem ist darauf zu achten, dass Schuldgefühle und Trauer nicht chronisch werden, indem Gefühle unterdrückt werden (vgl. Kast, 1982, S. 90ff).

Phase des Suchens und Sich-Trennens

In diesem dritten Abschnitt macht sich der Trauernde auf die metaphorische Suche nach dem Toten. Viele Betroffene berichten davon, das Gefühl zu haben, den Toten zu sehen oder ihn zu hören. Kast berichtet in diesem Zusammenhang von einer Frau, die regelmäßig Autogeräusche ihres Mannes hörte und daraufhin in die Küche stürzte, um ihren Gatten zu bekochen, bevor ihr einfiel, dass er nicht mehr lebt. Andere Trauernde suchen in Gesichtern von Fremden nach Ähnlichkeiten mit dem Toten. Häufig wird versucht, den Toten zu suchen oder zu finden, indem seine Lieblingsorte aufgesucht werden, man Dinge tut, die er gern tat, seine Lieblingsmusik hört usw. (vgl. Kast, 1982, S. 67/68).Viele halten auch ein inneres Zwiegespräch mit dem Toten (vgl. Kast, 1982, S. 69).

Durch die intensive Suche und Beschäftigung mit dem Toten vollzieht sich eine langsame Veränderung in dem Verhältnis Toter-Hinterbliebener.

Helfer müssen darauf achten, dass die Suche nicht zu stark ausgeprägt/ zu realistisch ist. Es ist oft zu beobachten, dass Hinterbliebene dem anderen nachfolgen wollen, indem sie den Widerstand gegen das Sterben, bzw. den Lebenswillen verlieren. Es ist z.B. häufig zu beobachten, dass bei Paaren, die lange miteinander gelebt haben, der Hinterbliebene dem Verstorbene innerhalb der ersten 6 Monate nachfolgt. Auch der Wunsch nach Suizid kann auftreten (vgl. Kast, 1982, S. 102). Außerdem ist es möglich, dass der Trauernde versucht, den Toten zu ersetzen. Es ist möglich, dass einzelne Eigenschaften, die man am Toten geschätzt hat auf andere Menschen projeziert werden. Dies kann auch auf den Begleiter zutreffen (vgl. Kast, 1982, S. 103).

Phase des neuen Selbst- und Weltbezugs

Dies ist die letzte Phase der Trauer. Sie kann erst einsetzen, wenn das Suchen und das Erinnern nicht mehr die kompletten Gedanken und die komplette Phantasie beherrscht (vgl. Kast, 1982, S. 72). Wer in dieser Phase angelangt ist, hat den Verlust akzeptiert. Jetzt lösen sich Hinterbliebene nach und nach von alten Rollen- und Verhaltensmustern. Um das Beispiel der Frau aufzugreifen, die meint das Autogeräusch ihres Mannes zu hören: Diese würde eben in dieser Phase eben nicht mehr zu Hause sitzen und darauf warten, dass ihr Mann nach Hause kommt, sondern würde anderen Tätigkeiten nachgehen. Der Tagesablauf verändert sich (vgl. Kast, 1982, S. 73/74). In dieser Phase lösen sich die Menschen vom Helfer ab, manche empfinden diesen sogar als störend. Es ist also für den Helfer wichtig den Absprung rechtzeitig zu schaffen.

All diese Konzepte können natürlich immer nur einen Annäherung, ein Modell sein (vgl. Paul, 2000, S. 24). Natürlich verhält sich nicht jeder Trauernde nach Schema F. Wie eingangs erwähnt: Trauer ist absolut individuell. Es ist möglich, dass Phasen übersprungen werden, dass die Reihenfolge eine andere ist, es gibt Rückfälle in vorherige Phasen, usw. Auch die Länge der Phasen kann nicht benannt werden. Jeder sollte sich die Zeit nehmen, die er braucht. Generell ist es wichtig, dass Trauernde alle Phasen durchlaufen, um irgendwann weiterleben zu können. Für Helfer kann dieses Konzept vielleicht eine Hilfe sein, Trauernde besser zu verstehen. Aber es zeigt auch, dass Helfer in diesem Bereich besonders sensibel für die Klienten sein müssen, um entscheiden zu können, wo die Menschen gerade stehen, aber auch ab wann ein Verhalten nicht mehr gesund ist oder sogar chronisch wird und wann der richtige Zeitpunkt zur Ablösung vom Helfer gekommen ist.

Während ich an diesem Thema arbeitete, stieß ich auf ein Lied von Herbert Grönemeyer, dass diese Phasen für mich noch mal ganz deutlich wiederspiegelt (Text siehe Anhang). Allein der Titel `Der Weg` zeigt, dass Trauern ein Prozess ist. In der ersten Strophe zeigt sich die erste Phase, die Gefühlsstarre und der Schock. Auch die zweite Phase ist zu erkennen: Im Satz „ das Leben ist nicht fair“ spiegelt sich für mich deutlich eine Anklage/Beschuldigung. Die dritte Phase zieht sich eigentlich fast durch das ganze Lied, sie zeigt sich in den Beschreibungen, den Erinnerungen, also praktisch dem Suchen. Die letzte Phase ist auch in der letzten Strophe zu finden. Der Schreiber hat sich mit dem Verlust abgefunden, lebt sein Leben weiter, nimmt den Verstorbenen aber als inneren Begleiter mit.

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Eva am 03. August 2009 in Allgemein, Trauer und Trauerarbeit

„Nico und Nicola“ für Kinder und Jugendliche in München

Die Nicolaidis Stiftung unterstützt bundesweit Menschen, die in jungen Jahren ihren Partner durch Tod verloren haben und bietet auch für trauernde Kinder und Jugendliche vielseitige Angebote. Auf der Website www.nicoundnicola.de können sich betroffene Jugendliche kennen lernen und sich im Forum sowie im Chat austauschen. Zudem haben sie die Möglichkeit, eine geschützte Einzelberatung mit geschulten Pädagogen in Anspruch zu nehmen.
In München haben die Kinder und Jugendlichen die Gelegenheit, an zahlreichen Ausflügen teilzunehmen. Auf dem Programm standen in den letzten Jahren unter anderem eine Ferienfahrt nach Mallorca, eine Führung durch die Allianz-Arena in München, ein Ausflug in den Skyline Park und ein Besuch im Salzbergwerk Bad Reichenhall. Zudem finden jedes Jahr besondere Projekte statt, in denen die Halb- und Vollwaisen ihrer Kreativität freien Lauf lassen können. In den letzten Jahren organisierte die Nicolaidis Stiftung ein Musical, einen Malworkshop mit Vernissage, einen Fotoworkshop mit Ausstellung und Versteigerung der Fotografien und ein Kurzfilmprojekt mit Apple.
Zudem bietet START Smart, die Berufsberatungsstelle für Halb- und Vollwaisen, Unterstützung bei der Suche nach Praktikums- und Ausbildungsplätzen, bei Bewerbungen und allen Themen rund um die berufliche Zukunft. Weitere Informationen gibt es auf der Website www.nicolaidis-startsmart.de.

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Tanja am 20. Juli 2009 in Trauer und Trauerarbeit

Vom Umgang mit den Trauernden und der Trauer – ein Knigge von Dr. Klaus Dirschauer

Anteil nehmen
Heute gehört für viele Menschen zum Umgang mit Trauernden die Frage, wie sie sich gegenüber denen verhalten sollen, die von einem Todesfall betroffenen sind. Die Unsicherheit der Begegnung bezieht sich auf die Frage der eigenen angemessenen Verhaltensweise.
Selbst wenn das persönliche Verhältnis zu Lebzeiten nicht so eng wie das der nächsten Angehörigen zum Gestorbenen gewesen ist, besteht dennoch der Wunsch, die eigene Anteilnahme korrekt zum Ausdruck zu bringen.

Die Todesnachricht
Tritt der Todesfall zu Hause ein, wird er durch einen Anruf von der Station des Krankenhauses, aus dem Alten- oder Pflegeheim, durch Arbeitskollegen oder seitens der Polizei mitgeteilt, so wird dabei immer bereits kondoliert.
Mit dem Überbringen der Todesnachricht vollzieht sich bereits sprachlich eine akzeptable Übersetzung der Todeswirklichkeit. Die Todesart wird durch den Gebrauch eines entsprechenden Zeitwortes für die von dem Tode Betroffenen vorbereitet, gewissermaßen zumutbar gemacht wird. Die Nachricht kann sehr unterschiedliche Reaktionen auslösen.

Kondolieren
Die Frage, ob man im Trauerfall kondolieren oder es besser unterlassen sollte, reicht bekanntlich bis dahin, ob in einer derartigen Ausnahmesituation des Lebens eigentlich mit einen „Guten Tag“ zu grüßen sei, da es für die vom Todesfall betroffenen Menschen überhaupt kein guter Tag sei. Einfach nicht zu grüßen, jedoch erscheint allen unhöflich. Die vertraute Begrüßung zurückhaltend beizubehalten, stabilisiert emotional für alle die ungewöhnliche Lebenssituation.
Die eigene Befangenheit bezieht sich einerseits auf die Fähigkeit der eigenen Ausdrucksweise, sich einer nicht alltäglichen und dazu noch formelhaften Sprache bedienen zu müssen. Solche Adjektive, wie „aufrichtiges…, ganz aufrichtiges…, aufrichtigstes Beileid“, sind fragwürdig und tragen bloß zur Inflationierung der Sprache bei. Die persönliche Unsicherheit bezieht sich andererseits auf die gebotene Höflichkeit der gesellschaftlichen Umgangsformen, in der Ausnahmesituation der vom Tode betroffenen Menschen selbst nicht völlig sprachlos da zu stehen.

Reagieren
Was die unmittelbare Begegnung mit den Trauernden angeht, so gilt die Gepflogenheit, auf eine Todesanzeige in der Zeitung zu reagieren, auf einen erhaltenen Trauerbrief direkt zu antworten, persönlich schriftlich zu kondolieren oder einen Beileidsbesuch abzustatten. Vom Telefonieren sollte grundsätzlich abgesehen werden.
Wer nicht zum Kreis der Verwandten und Freunde des Verstorbenen gehört, der sollte sein Mitgefühl durch die Teilnahme an der Bestattung ausdrücken, ein Kondolenzschreiben aufsetzen oder durch seinen Beileidsbesuch in zeitlichem Abstand vor oder nach der Beisetzung seine Anteilnahme persönlich zum Ausdruck zu bringen.

Die Trauerfeier
Auch wenn die Trauerbräuche in der Kleidungsfrage heute nicht mehr so streng gehandhabt werden, sollten dennoch gedeckter Farben bevorzugt werden, da die Angehörigen selbst noch schwarz tragen. An dem Tag der Bestattung dem Toten die letzte Ehre zu erweisen, ehrt nicht weniger die um ihn trauernden Menschen.
Zum Gottesdienst oder zur Bestattungsfeier sollten Trauergäste etwa 15 Minuten vor dem Beginn erscheinen, ihr Handy unauffällig abschalten, um sich in Ruhe in die Kondolenzliste eintragen zu können, noch einmal vor dem Sarg des Verstorbenen zu gedenken und sich auf dem eigenen Sitzplatz innerlich zu sammeln.
Die Wahl der Sitzplätze der Trauergäste im Verhältnis zum festlich aufgebahrten Sarg drückt ihre Nähe zum Verstorbenen aus. Der trauernden Familie, den Verwandten und Freunden ist von vornherein ein Vortritt einzuräumen.
Dem Kranz oder einer größeren Blumengabe ist ein Kartengruß mit dem deutlich lesbaren Absender anhängen, um den Angehörigen später die Danksagung auch zu erleichtern.

Im Trauergefolge Entsprechend stellen sich die Trauergäste auf dem Weg zum Grab auf. Sie geben dem Verstorbenen und den um ihn Trauernden schweigend das letzte Geleit. Dass es Brauch wird, die vor der Trauerfeier abgelegten Kränze und Blumengebinde selbst wieder aufzunehmen und zum Grab zu tragen, verleiht dem Trauerzug seinen ursprünglichen Sinn, ja, einen würdevollen Charakter. Diese Art des teilnehmenden Gedenkens nimmt der Unterhaltung im Trauergefolge, die bisweilen einsetzt, jeden Grund.

Am Grab
Selbst am offenen Grab angekommen, sollte dort mit nachdenklichem Verweilen und einem Gebet dem Verstorbenen die letzte Ehre und den Trauernden die würdigende Anerkennung ihrer Situation erwiesen werden.
Es ist ein guter Brauch, den dreifachen Erdwurf des Geistlichen oder Trauerredners mit dem dreifachen Erdwort: “Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staube“ selbst aufzunehmen und wörtlich zu wiederholen oder wortlos einen Handstrauß als letzten Gruß in das Grab gleiten zu lassen.
Beileidsbekundungen in der Nähe des offenen Grabes - mit einem persönlichen Wort, einem Händedruck oder mit einer Umarmung - überfordern nicht selten die unmittelbar vom Todesfall betroffenen Menschen in ihrer schmerzlichen Abschiedssituation.
Ob dieses überhaupt erwünscht oder nicht gewollt ist, lässt sich daran erkennen, wie sich die Angehörigen - vom Grab zurückgetreten - selbst aufstellen und verhalten. Der Wunsch ist ausnahmslos zu respektieren, wenn bereits in der Traueranzeige darum gebeten wird, von Beileidsbezeugungen am Grabe abzusehen.

Zusammen -sein, -essen und -trinken

Im Anschluss an die Beisetzung findet manchmal ein Trauermahl oder eine Kaffeetafel statt, an der in der Regel nur die Trauergäste teilnehmen, die bereits durch den Trauerbrief oder noch während der Bestattung persönlich dazu geladen worden sind.
Ist in dem Restaurant- oder Caferaum eine Sitzordnung vorgesehen, kann ein Platz für den Verstorbenen eingedeckt und dort sein Bild aufgestellt werden. Eine andere Art des lebendigen Gedenkens als in der Kapelle oder auf dem Friedhof ist der Brauch, dass beim Kaffeetrinken einer aus der Familie das Wort ergreift und erinnerbare Lebensseiten des Toten erzählt und andere einlädt, dazu beizutragen.

Zeit des Schweigens
Nach der Zeit einer beachtlichen Aufmerksamkeit zwischen der Todesnachricht und der Bestattung, die den Trauernden mit ihrem Todesfall entgegengebracht worden ist, stellt sich eine Zeit des Schweigens und einer vorübergehenden Vereinsamung ein.
Der unterbrochene Alltag wird wieder aufgenommen, und es ist jetzt alles anders als zuvor. Die Menschen, die gekommen sind, kehren zu ihrer Tagesordnung zurück, zu ihren Partnern, ihren gewohnten Lebensabläufen und ihren eigenen Lebensgeschichten. Für die Trauernden jedoch ist die Biographie schlagartig unterbrochen, wenn nicht sogar abgebrochen.
Bei der wiederholten Begegnung mit den Trauernden sollte die Frage “Wie geht es Ihnen?“ auch die Zeit für mehr als eine konventionelle Antwort zulassen. Möglicherweise sogar Zeit für ein erzählendes Antwortenkönnen und das eigene Zuhörenwollen einräumen. Bei dem Gespräch der Begegnung ist darauf zu achten, dass geduldig zuhören zu können, den gefragten Menschen aus seiner Befangenheit persönlicher Trauer hervortreten lässt und durch die eigene Aufmerksamkeit beschenkt. Die Gefühle des Trauernden anzuerkennen, kann der Ausdruck einfühlsamer Nähe bedeuten.

Was bleibt?
Schon am darauf folgenden Sonntag zum Gottesdienst zu gehen, gilt der namentlichen Abkündigung des Trauerfalls und der Fürbitte der Gemeinde für die Trauernden. Dem Verstorbenen wie um ihn Trauernden gegenüber ist es eine gute Sitte, an diesem Gottesdienst teilzunehmen. Dabei kann dem Geistlichen noch einmal persönlich gedankt werden.
Für die Trauernden bleibt der Weg zum Grab auf dem Friedhof, mit dem die Bestattung gleichsam erinnernd wiederholt wird, das eigene Realisieren des eingetretenen Todes bedeuten. Das schmerzliche Eingeständnis, das der Mensch nun dort seinen endgültigen Platz gefunden hat, wechselt noch mit der kummervollen Erfahrung seiner Ab- und Anwesenheit zu Hause.
Es ist an der Zeit, noch einmal in Ruhe die Kondolenzpost durchzugehen und zu lesen, um in angemessener Zeit darauf ausgesucht schriftlich oder mündlich zu antworten und einige Post auch aufzubewahren.
Es ist die Zeit der kleinen Abschiede nach großem endgültigem Abschied. Ein Tagebuch zu schreiben anfangen? Spaziergänge, auch zu zweit, wieder aufnehmen? Einen Brief schreiben? Bereits eine Einladung annehmen? Sich nach einem Kloster, das Stille-Zeiten und persönliche Gespräche anbietet, erkundigen? Gemeinsame Erinnerungsorte allein aufzusuchen wollen?
Später am Totensonntag, an dem im Gottesdienst noch einmal alle Namen der im Jahr der Gemeinde Verstorbenen verlesen und sie ihrer Fürbitte empfohlen werden, in die Kirche gehen. Auch der Geistliche kann ein guter Ansprechpartner für die eigene Trauerarbeit sein. Vielleicht, vorübergehend an einer Selbsthilfegruppe Trauernder teilnehmen. Musik hören. Ein Gedicht aufschlagen. Ein Buch zu lesen beginnen. Und vor allem auch sich selbst wieder Gutes erweisen.

(Quelle: Klaus Dirschauer, Worte zur Trauer. 500 ausgewählte Weisheiten und Zitate für Todesanzeigen und Kondolenzbriefe, München 2007) Weitere Infos unter www.dirschauer.info

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Tanja am 12. Juli 2009 in Trauer und Trauerarbeit

Die Sterbephasen nach Elisabeth Kübler-Ross

Obwohl Trauer individuell ist, gibt es Versuche diese zu erklären, zu verstehen und zu kategorisieren. Die erste, die dahingehend Konzepte erarbeitet hat, war Elisabeth-Kübler-Ross, die Interviews mit über 200 Sterbenden führte, um Einblicke in deren Gefühlswelt zu bekommen. Sie machte die Sterbenden zu ihrem Lehrer. Aufgrund ihrer Erfahrungen erstellte sie die 5 Sterbephasen, die alle schwerkranken Menschen in ihrer letzten Phase durchlaufen. Gleichzeitig sieht sie dieses Modell der 5 Phasen auch als Modell wie Menschen in Krisenzeiten Informationen verarbeiten (vgl. Paul, 2001, S. 14) Diese Phasen möchte ich im Folgenden kurz darstellen:

  1. Phase nicht – wahr -haben- wollen und Isolierung

- ich doch nicht!

- Verdrängung als Puffer zwischen dem Kranken und Diagnose

- Hält meist nicht lange an

  1. Phase Zorn

- Warum gerade ich?

  1. Phase Verhandeln

- flüchtige Phase

- Feilschen um Aufschub, Handel mit Gott

  1. Phase Depression

- geprägt von Schmerz

- Vorbereitung auf den Abschied

- Keine Aufmunterung!

  1. Phase Zustimmung

- Ruhe kehrt ein

- Der Kampf ist vorbei

- Phase frei von Gefühlen

(vgl. Paul, 2001, S. 15-17)

Was ist eigentlich Trauer?

Diese Frage stellte ich mir, als ich begann, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ich gab diese Frage an Kommilitonen und Freunde weiter. Am häufigsten kamen Antworten wie Verlust, Schmerz, Einsamkeit, aber auch Ohnmacht und Hilflosigkeit.
Auch Chris Paul stellte diese Frage in einer ihrer Trauergruppen und erhielt folgende Antwort:
„ Ohnmacht“ und sich „Kraftlos fühlen“ neben „Stärke“, „Wut“ neben „friedlicher werden“, „ gute und schlechte Erinnerungen zulassen“ neben „Selbstmitleid“, „innere Leere“ neben „hat etwas Befreiendes“, „ sich auf das starke Gefühl einlassen“ neben „ Pensum abarbeiten“, „Abschied nehmen“ und „einen normalen Umgang damit finden“, „ das geht nicht immer“ und „ich will das nicht immer“ und „mit mir selber ausmachen“, „Unverstandensein“, „Selbstzweifel“ und „Veränderung“. (Paul, 2000, S. 11)

Trauer kann also alles mögliche sein. Sie löst auf jeden Fall sehr starke Emotionen aus. Generell kann man sagen, dass Trauer nach wie vor Unsicherheiten bei Außenstehenden auslöst. Während es zu Anlässen wie Geburtstagen Floskeln wie „ Herzlichen Glückwunsch“ ganz selbstverständlich benutzt werden, bereitet ein „ Herzliches Beileid“ Unbehagen. Viele Menschen versuchen Kontakt mit Trauernden zu meiden. Frei nach dem Motto: Ich sag lieber nichts, bevor ich etwas Falsches sage (vgl. Kast, 1982, S. 13).
Die Trauer wird erst seit ca. 30 Jahren erforscht, hauptsächlich von den Disziplinen Medizin, Soziologie und Psychologie. Die Trauerforschung ist also noch sehr jung. Als Gesamtergebnis wurde bisher festgestellt, dass kein Urgefühl des Trauerns gibt (vgl. Kast, 1982, S. 14). Folgendes Zitat soll dies verdeutlichen:
„ das geht soweit, dass Trauernde auf Bali lächeln statt zu weinen, während es in südosteuropäischen Ländern noch die Tradition der lauthals schreienden und weinenden Klageweiber gibt. In vielen asiatischen und afrikanischen Kulturen ist Trauer eine Sache der Gemeinschaft- der Satz: „ Das muss ich mit mir allein abmachen“, den ich hierzulande irgendwann von jeder/jedem Trauernden höre, wäre dort undenkbar. (…)In Mexico werden lautstarke, fröhliche Straßenumzüge veranstaltet, bei denen die ausgebleichten Knochen der Toten durch die Stadt getragen werden. In Korea muss am ersten Jahrestag des Todes ein kompliziertes Ritual durchgeführt werden, damit die Seele im Jenseits ankommen kann „
(Kast, 1982, S. 14)

Die Art der Trauer ist also abhängig von der Zeit und der Gesellschaft, in der man lebt. Gleiche gilt auch für die Dauer der Trauer, auch wenn viele Trauernde das Gefühl haben sich eine Frist setzen zu müssen, in der Art: Nach sechs Wochen muss die Trauer durch sein, alles andere ist nicht normal.

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Eva am 23. April 2009 in Trauer und Trauerarbeit