Diese Frage stellte ich mir, als ich begann, mich mit diesem Thema zu beschäftigen. Ich gab diese Frage an Kommilitonen und Freunde weiter. Am häufigsten kamen Antworten wie Verlust, Schmerz, Einsamkeit, aber auch Ohnmacht und Hilflosigkeit.
Auch Chris Paul stellte diese Frage in einer ihrer Trauergruppen und erhielt folgende Antwort:
„ Ohnmacht“ und sich „Kraftlos fühlen“ neben „Stärke“, „Wut“ neben „friedlicher werden“, „ gute und schlechte Erinnerungen zulassen“ neben „Selbstmitleid“, „innere Leere“ neben „hat etwas Befreiendes“, „ sich auf das starke Gefühl einlassen“ neben „ Pensum abarbeiten“, „Abschied nehmen“ und „einen normalen Umgang damit finden“, „ das geht nicht immer“ und „ich will das nicht immer“ und „mit mir selber ausmachen“, „Unverstandensein“, „Selbstzweifel“ und „Veränderung“. (Paul, 2000, S. 11)
Trauer kann also alles mögliche sein. Sie löst auf jeden Fall sehr starke Emotionen aus. Generell kann man sagen, dass Trauer nach wie vor Unsicherheiten bei Außenstehenden auslöst. Während es zu Anlässen wie Geburtstagen Floskeln wie „ Herzlichen Glückwunsch“ ganz selbstverständlich benutzt werden, bereitet ein „ Herzliches Beileid“ Unbehagen. Viele Menschen versuchen Kontakt mit Trauernden zu meiden. Frei nach dem Motto: Ich sag lieber nichts, bevor ich etwas Falsches sage (vgl. Kast, 1982, S. 13).
Die Trauer wird erst seit ca. 30 Jahren erforscht, hauptsächlich von den Disziplinen Medizin, Soziologie und Psychologie. Die Trauerforschung ist also noch sehr jung. Als Gesamtergebnis wurde bisher festgestellt, dass kein Urgefühl des Trauerns gibt (vgl. Kast, 1982, S. 14). Folgendes Zitat soll dies verdeutlichen:
„ das geht soweit, dass Trauernde auf Bali lächeln statt zu weinen, während es in südosteuropäischen Ländern noch die Tradition der lauthals schreienden und weinenden Klageweiber gibt. In vielen asiatischen und afrikanischen Kulturen ist Trauer eine Sache der Gemeinschaft- der Satz: „ Das muss ich mit mir allein abmachen“, den ich hierzulande irgendwann von jeder/jedem Trauernden höre, wäre dort undenkbar. (…)In Mexico werden lautstarke, fröhliche Straßenumzüge veranstaltet, bei denen die ausgebleichten Knochen der Toten durch die Stadt getragen werden. In Korea muss am ersten Jahrestag des Todes ein kompliziertes Ritual durchgeführt werden, damit die Seele im Jenseits ankommen kann „
(Kast, 1982, S. 14)
Die Art der Trauer ist also abhängig von der Zeit und der Gesellschaft, in der man lebt. Gleiche gilt auch für die Dauer der Trauer, auch wenn viele Trauernde das Gefühl haben sich eine Frist setzen zu müssen, in der Art: Nach sechs Wochen muss die Trauer durch sein, alles andere ist nicht normal.
Eva am 23. April 2009 in Trauer und Trauerarbeit